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Neue jüdische Presse · 1919-02-28 · Heft 9 (28.2.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 9 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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•I llllllll miimiiiiinmiiiiiiiiiiimiiiniiiiiiiiiiiniiiiimiiiiiiiiiiiinj Erscheint wöchentlich am Freiiag. Bezugspreis pro Viertel« - jabr: In Frankfurt a.M.-M.-i.so stei ins Haus. Lei der Post i abonniert Mk.-l.S0,frei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Äei! Zusendung durch Streifband skirOeutschland unv üsterreichÄngarn! Mk.2.25,s8r alle übn'genLänder Mk.2.50. GnzelnummerISpfg.! Jtebättion mb Expedition: Frankfurt a.M.,Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Inserjkbnspreis für die sechsgespaltene Petitzelle SaPfg., für; die Reklamezelle Mk.4.Zv. Bei Wiederholungen entsprechender i Rabatt. / Platz« und Datum «Vorschrift ohne Verbindlichkeit./ : AnnvncenÄlnnahme bei der (Med. und in a. Annomen«Bureaus. : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4864.: lUlllllUlllllltllltlUUU uuiuuuni 17. Jahrgang. 11',’:-' Freitag, den 28. ^üar risvLaiw 5L7S (28. Februar ISIS) Nr. S. m 1b. Ir |j; |iv i'slb Fl. Jai Uli i. Sip. L 9 Bo» de« soziale« Prinzipien des JndentnmS. : Der dieswöchentliche Sabbat bringt aus unserer Thvra eineic Abschnitt zur Verlesung, der für die soziale Erziehungsmethode des Judentums von grundlegender Bedeutung ist. Es wird hier verordnet, daß für das nationale Heiligtum, die da- .lnalige StiftShütte und den späteren Teinpel in Jerusalem, der Beitrag eines halben Schekels von jedem über 20 Jahre allen Manne jährlich einmal geleistet werde. und nur von diesem Betrage 8se Opfer der Gesamtheit bestritten werden. „Der Reiche soll nicht mehr, der Arme nicht ^weniger als einen halben Schekel spenden." Die gleiche Bedeutung eines jeden einzelnen Gliedes des Volkes, unabhängig von seinem materiellen Können, rvenu er nur seine ideelle Aufgabe darin erblickt, seine Spende für das Bohl der Gesamtheit zu leisten, erhält so die höchste, durch die alljährliche ^Schekelspende immer wieder erneut zum Bewußtsein zu bringende Weihe Für, ein harmonisch sich gliederndes, ' auf'wahrer Religion beruhendes, das Beste all' seiner Glieder wollendes Gemeinwesen bedeutet der Reiche nicht mehr, der Arme'nicht weniger, wenn uur ein jeder von ihnen sich als Teil des Ganzen-begreift und. für dieses Ganze mit seinem Eigenen ssKndet. ' Was in der Schekel-Institution symbolischen Ausdrück fand, zieht sich durch alle Gebiete der jüdischen Gesetzgebung. Um nur einiges zu erwähnen: In der Rechtspflege war es Grundsatz, weder das Ansehen des Reichen zu achten noch den Armen zu begünstigen, vielmehr mit Gewissenhaftigkeit den genauen Schadenersatz, „Auge für Auge, Zahn jiir Zahn", wie cö das.Recht erfordert, fpstzustellen uno einzig danach das Urteil zu fällen, Im Wirtschaftsleben sorgten Bodenrefornr auf dem -Laude, Unterbindung der Bodenspekulation in den Städten durch einjähriges Rückkaufsrecht, der Zehnte üsw. für eine gesunde soziale Schichtung des Bevölkerungsaufbaus, die cs verhinderte, daß bevorrechtete Machtkasten entstanden und die Gleichberechtigung zerstörten, sowie daß ein Proletariat sich entwickelte, welches im Kampfe uni das Notwendigste zur nackten Lebenserhaltung nicht zur Selbschesinnung Ämmen konnte. Charakteristisch war «auch die Stellung des Königstums für den Fall, daß -bas Volk die Monarchie der Republik vörziehe. Hervorgegangen aus der Bahl des S3ot kes) sollte der König sich als der erste ErfülletbeS-Gesetzes-betrachten und es vermeiden, sich mit den Attributen der Macht zu ,umgeben. . Doch nur selten waren die goldenen Zeiten in .den 'fünfzehnhundert Jahren der staatlichen Selbständigkeit des jüdischen Volkes, in denen seün göttlichkK Gesetz, Wirklichkeit war, — immer wieder diente es fremden Göttern, schloß sich dem Denken -der'benachbarten Völker an,- — und so .hat" es' sei?j zweitausend Jlchren bis zum heutigen Auge die. schwere Schule des Golus durchlaufen müssen. . Sein Mesetzbuch war., nun 'da-S^-einzige geworden;: waL -die- -.in alle-BAtgegenden zerstreuteil Teile-jüdischen > Kolkes. mit.einander.verband Und den inneren Zusammenhang gab. Der möglichen Verwirklichung des Geistes dieses GcseAbuches galt nun «IT sein Streben. So war auch an seiner Mitte ein starker sozialer Sinn, der sich besonders in höchster Achtung nicht gegenüber der Macht und dem Reichtum,' sondern gegenüber denr tiefsten Verständnis, der treuesten Erfüllung d.es geretteten Nationatschatzcs, seines Gesetzbuches, in einer demokratischen Verfassung aller Institutionen und in weitgehendster sozialer Fürsorge als Bruderpflicht, statt als Philanthropie äußerte. Auch Einzelheiten seien hervorgehobcn. Vop allen Dingen sei da die allgemeine und gleiche Schulbildung 'und gewissenhafte Verwendung des Zehnten zum wirtschaftlichen Aushelfen des Nächsten und zur Fürsorge für Kranke und Erwerbsunfähige erwähnt. Wir wissen ja,' daß oer jüdische Anne noch, heute in einer Zskt, da schon so viel vom jüdischen Eigenleben geschwunden—ist, die Gabe nicht als Gnade, sondern als sein Recht in Empfang nimmt. Und.wo zum zweiten Male in der Welt wird so erhaben die Gleichheit aller dokumentiert als bei uns Juden,, wenn es gilt, einem Menschenbruder die letzten Liebesdienste j«t erweisen? Jede einzelne Tätigkeit, bis ein Körper der Erde zurückgegeben wird, war nach altjüdischer Sitte wah-rlich nicht ein Dienst dafür bezahlter Berufsmenschen, sondern die freudige und freie Tat, zu der die Würdigsten der Gemeinschaft ausersehen wurden. Und in genau der gleichen Weise wurde der Reichste wie der Aermste zur Ruhe bestattet. ' ' Die soziale Erziehung des Judentums wirkt heute noch dort überall, wo man sich bemüht, dem Geiste des Judentums gerecht zu werden. Ter Teil der Judenheit jedoch, der sich die liberale Judenheit nennt, und, dem man den Bor.- Wurf macht, daß es ihnr nicht um eine freiere Auffassung des Judentums, sondern um eine Anpassung des Judentums an die Anschauungen einer nichtjüdischen Umgebung. zu tun ist, hat auch diese soziale Erziehung niyelliert. Plutokratische Gemeindeverfassung und Philanthropie sind dort an 'Stelle des jüdischen sozialen Geistes getreten. Am krassesten zeigt aber der letzte Liebesdienst, wie man auf erhabenes Jüdisches verzichtet, nur, um sich von den Nichtjuden nicht zu unterscheiden, nur, um fremden Göttern zu dienen. Diese.Entwicklung mußte aber kommen, weil man dos Judentum entnationalisie'rte, und weil dann von der alle Beziehungen des Menschenlebens umfassenden 'Weltanschauung des Judentums uur ein im Getriebe, des Lebens verflüchtender Glaube» blieb. Es gibt auch in der liberalen Judenheit ernste Männer, die schmerzersüllt die Auflösung ün ihren Kreisen sehen und nach erhaltenden Stützen füu das Judentum in ihrer Mitte sinnen. .Diese haben heute demokratische Gemeindeverfassung und soziale Tätigkeit auf ihre Fahne geschrieben. Doch dies darf nur der erste Schütt sein, — erst in einer Erfassung des Judentums Ms Weltanschauung 'und der Gesamtjudenheit als eines .Volksganzen wird der Weg zum Wesen des Judentums beschickten. Das Symbol des Schekels ist ein beredter 'Hinweis, daß unser Judentum * nicht nur dem Monotheismus, sondern von ihm ausgehend eine Fülle einzigartiger Eigenwerte sein Eigen nennt Nur Reste dieser Eigenwerte, nur Reste dieser in sich abgeschlossenen, einzigartigen Welt eines . Volkes hat heute selbst die traditionstreue Judenheit noch erhalten. Wollen wir vor unseren staunenden Augen und vor den Angen der staunenden Völker die wunderbare soziale Welt des Judentums« ausbauen, so kann es nur in einem freien, selbstständigen jüdischen Volksleben geschehen. Die Züricher Konferenz. Begrntznngs abend Bor einer imposanten, tausenköpfigen Versammlung , «öffnete am Mittwoch, 19. Febr., Rabbiner Dr. Lewenst ein- Zürich die Weltkonferenz der Agndas Jisroel. Abwesend waren Delegierte aus Amerika, ans der Ukraine» aus Ungarn, Polen, Schweiz, .Palästina, Litauen, Italien, Galizien, Holland, England, Aegypten, Elsaß, Dänemark, Deutschland, Deutsch-Oesterreich, aus der Bukowina» aus Böhmen und Belgien. Diese vertreten die orthodoxen Pereine und B«bände, die Rabbinerverbände, die Pekiüim und Ämarkalim in Holland, die Jugendorganisationen, die Freie Bereinigung für die Jnt«essen des orthodoxen Judentums, den Bund der Akademiker, den^Thorabnnd und den Degel Jeruscholoim. Es war für jeden Anwesenden ein geistiger Hoch? genutz, die schönen Thoraworte zu vernehmen, die' in 3V-stündiger Sitzung gesprochen wurden. Es muß gesagt w«den, daß aus allen Reden der Kellal Jisroel-Gedcknko herausdrang, wenn auch natürlich die Thaur» als das tochste im Judentum immer wieder als die Seele unser« olkes gepriesen und verherrlicht wurde. Es würde zu weit führen, wollten wir auch nur in kürzester Weise diese Reden skizzieren. Es sollen nur die. Namen der geschätzten Vortragenden «wähnt werden: Oberrabb. S chapiro-Kowno; Rabb. Korn fein.-Zürich: Rabb. Dr. Cohn-Bäsel; M. Leiter-ZürichMr die Jugendorganisationen in hebräisch« Sprache); Professor Margulies-Florenz (für die Juden Italiens, in hebr. Sprache): Rabb. Winkler -Kopenhagen (als Vertretet der skandinavischen orth. Gemeinden); der Oberrabbiner von Utrecht; Oberrabb. Sacerdote-RoM; Dr. Nath. Birnbanm, her Generalsekretär der Ahudas Jisroek und zuletzt Jacob Rosen he im-Frankswck a. M.,.der in seinen großangelegten Ausführungen das Programm der Tagung zn entwickeln verstand. Ec wünschte die Organisation der Gesamtheit d« Juden und verlangt Geduld für die Palästina-Arbeit. Gerne würde er eine Einheitsfront hergestellt sehen für die Forderungen der Juden an dem Friedenskongresse. Rosenheim verlangt einen thoratreuen Jischub in Ercz Israel und zugleich die Bvrberertüngen für die Diaspora, da ja nur ein Teil des Volkes Platz finden tvird im heiligen Lande. Die Hauptfrage . d« Tagung bildet: Wie ist die Organisation herzustellen unter den v«schiedenen Meinungen, die geäußert: werden? . Er verlangt znm Schlüsse die Schaffung eines hohen Rates der Gedole Israel. Der erste Berhandlungstag. Ain Freitag, den 21. Februar, begannen im Hotel' Bellevue die eigentlichen Verhandlungen. Dr. Lewenstein-Zürich eröffnet auch diese Sitzung d« Delegierten und bemerkte» daß es fich nicht um einen- Kongreß, sondern um eine Konferenz handle, da die- Wahlen zum Kongreß noch nicht möglich gewesen seien. Viele Delegierte konnten noch nicht eintresfen. Es wird ein Telegramm an den hohen Bundesrat der Schweiz beschlossen, worin der. Dank des Kongresses für die Einreisebewilligung ausgesprochen und d« Zweck des Kongresses angegeben wird. i Man schreitet zur Wahl der Tagesbüros. Gewählt werden als Präsident Dr. Lewenstein-Zürich, als Vizepräsidenten Frankel-Budapest, Dr. unk-Berlin, Margulies-Florenz, Schapiro-Kowrtt», Schustct (Litauen), Horowih (Galizien). Ms Schriftführer fungieren Dr. Weil!-Buchsweil«, Tahl-Utrecht, Dr. Winkler (Kopenhagen), Schreiber (Ungarn),'S eerdote (Rom). \ 's

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