Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. -s-tz: hrm ’Äffiwni w-cheallicha- FnSag. Äszua-preiS pro Lk«r1»l« jsatr-. 2» Fraulstul a.M. M.1.Ü0 fiel kaS Hau-. Lei btt Post flftnmfKt Mk. i.so,str» kuS Haus Pf-, pro Monat mehr./ Lei Jusmdung durch Streifband ftlrveutschkmd urw üsterreich'llnaanl -Mf.r^s,fiir alle ffrigw/Cfata 3^2.20. <Kn^numratr15pftt. .* tun Redattio« und Expedition: Zranffuri a.M.,Langefiraße 2 Fernsprecher Amt Hansa rvOS iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiimiiiimmiiiiiirtiii Herausgeber: Satz Geis - InsertiouSpreis für die sech-gespaltene petttzelleSopsjp, Dr die Rellamezeile Mk. 1.20. Lei Wiederholungen entsprechend« l Rabatt. / Platz, und Oatum-Aorschnst ohne Derbindllchkeü. /; AnnoncenÄnnahme bet der (tzped.und in «.Annoncen-ÄureauL : Konto bet dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter 3tr.4a64» 17. Jahrgang. Freitag, >e« 14. ^Sar risedauL 5679 (14. Februar ISIS) «r. 7. Zwei Sonsereuze«. Ln, de« K»ie>enSb»rat««ie« t« Paris ») der G»»iaaftentagung i» «er». •;rv ' Von Ven-Jephune. Es liegt in diesen Wochen und Monaten eilte einzige ungeheure Spannung über der gesamten Welt, es lagert über ihr eine Atmosphäre, schtoül und.befreiend zugleich, weil zukunstsschwanger: und ein großes Fragen geht durch die Menschheit'nach dem-Morgen. Wieder ist eine lange .Epoche in der Geschichte der Menschheit abgerollt: eine neue Zeit schreitet unsichtbar, groß, beglückend und wiederum mit niederdrückender Wucht heran. Das Merkmal solcher Perioden, des Kinüberleitens, des' llebergangs ist stets die Unruhe, Fstlle der Vorahnungen, banges Erwarten und das hilflose Umschauen der Menschheit nach dein Sinn des Geschehlens, dem Sinn der Zukunft. Das Erlebnis eines Krieges, unfaßbar und unbegreiflich in seiner ganzen Größe und Bedeutung,, eine Phase der Zerstörung und Umkehrung der.Dinge, liegt dicht hinter lins; der Krieg: Gipfel und Krönung einer vergangenen Epoche und zugleich ein Turm, der Hinausweisen soll in neue Bahn und neue Zukunft. Nein—sind wir der Scylla des Krieges . entronnen, wer vermöchte es zu leugnen, daß Nbic^ Chärybdis des Chaos lind anarchischen Seins uns zu verschlingen droht? Wer vermöchte zu sagen, ob nicht der Weg zu der ersehnten Zuhrnft durch' ein Reich der reinen Negation und der Sinnlosigkeit hindurchführt? Dennoch: wir pochen ungestüm an die Tore der Zukunft, die greifen nach dem Friedenszweig und rufen-das Neue herchei, wir, die wir an die Menschheit, das Ethos in der Geschichte, an die kommende Zeit glaube». . ' Vielleicht wird einst' unsere 'Zeit eine solche» der großen Revolutionen, mit viel mehr Recht und isieinem tieferen Sinn als die um die Wende des . 18. Jahrhunderts, 'genannt - werden. Eine Zeit der Umwälzungen, der -Zusammenbrüche, katastrophalen Einsturzes und wert mehr: - eine Zeit innerer-Krisen unerhörten Maßstabes, geistiger Revolutionicrungen, geistiger Umstellungen und, Neuorientierungen. Wir stehen zu sehr im Banne des Geschehens unserer Tage, um seine ganze Größe und? .ausrührende Gewalt erkennen zu können. Wir vermögen nur die ununterbrochene innere Vorbereitung einer neuen Zeit zu fühlen nach dem größten? aller Kriege. Der Krieg liegt abgeschlossen hinter uns. Und worum jetzt .gemmpft wird, ist der Friede. Es soll ein Friede sein, der, nach den . Worten der Staatsmänner, das neue Zeitalter anbahnen, mit herausführen, sein erster Wegweiser sein soll; ein Friede, der aus der Not dev Zeitaus dem Geschehen der Revolution. . m. tzere»cZeichen^'wir'' seih -vier Jahren und mehr > leben, heraus geboren - ist. So müssen in die bald einsetzenden, endgültigen Friedensvethandlungen ver- Mderte, revolutionierte Begriffe und Anschauungen gebracht werden, wie ja der erhoffte Friede eirt ganz" anderes Blld bieten 'muß: als ein solcher in ' früherennun. überwundenen Zeiten. Zum ersten Mal in Ler ^Historie erscheinen auch/Bertreter des jüdi sch enBol ke s im.Konznm/der auf der Friedenskonferenz Forderungen der Juden vorzubringen und zu verfechten. Wir sind gewiß nicht die einzigen, die, bisher nur Amboß der Geschichte, heute vor die Welt treten -und auf der Friedenskonferenz in Paris oder irgendwo anders das von.Gott jedem Volke verbriefte Recht auf steies Sein' und Leben, freie Entfaltung und Selbstbestimmung vorweisen und einfordern werden. Tschechen, Slowaken und 'manche andere Völker sind gleich uns erstmalig in der Lage, ihre Rechte geltend zu machen. Wir aber stellen die revolutionärste, doch Ungleich die selbstverständlichste Forderung: die Rückgabe des jüdischen Landes an das jüdische Volk. Und sind von ihrer Erfüllung überzeugt. In der Tat: Die Friedensvorberatungen in Paris verlaufen für uns in günstigen Bahnen. Die Revolntionierung der Köpfe, von der wir eingangs sprachen, bildet mit den Grund für das sieghafte Fortschreiten der zionistissten Ideen. Falsch wäre es gewiß, die Einhelligkeit der Mächte in allen Punkten über die Lösung des Palästinastroblems anzunehmen, dock nicht weniger verkehrt, die Schwierigkeiten und Augenblicks^mmnisse als einen Anlaß für Verzagtheit und Mutlosigkeit zu nehmen. Die Bejahung unseres Rechts liegt viel tiefer begründet als in den Reden und Zusagen einzelner Staatsmänner: sie ist historische Notwendigkeit schlechthin gewesen und verlangt kategorisch' Konsequenz. Diese unsere' innere Ueberzeugung wird uns niemand und nichts nehmen; denn iznsere Postulate sind so sehr dem Gefühl absoluter Gerechtigkeit entsprungen, daß eine erneute Welt, wie sie jetzt, täuschen alle. Zeichen nicht, ersteht, ihre Aner-, kennung bereit» in , sich trägt. ' Eine Meldung jüngsten Datums besagt: Dem namhaften amerikanischen Zionistenführer Stephen Wise haben in Gesprächen sührcnde^taatsmänner der Entente, so Lord Balfour, Lord Cecil und Wilson, das Versprechen auf volle Befriedigung der nationalen Forderungen des' jüdischen Volkes durch die, Friedenskonferenz gegeben. Darin und in vielen anderen Symptomen'offenbart sich der Wille der Völker, das jahrtausende alte Unrecht an den: jüdischen Volk zu sühnen, und ans der Welt zu schaffen. Dann, ^wenn dies geschehen, wird das Zeitalter der jüdischen Gleichberechtigung, der wahren und restlosen Gleichstellung angebrochen sein — ein äußeres Zeichen nur ist Hann die Ausnahme des jüdischen Volkes in den Völkerbund —;■ und das Ethos hat wiederum in der Geschichte oer Menschheit einen Sieg erfochten. Was den sozialistischen Bewegungen den hohen Schwung, die innere Flamme und die überzeugende Wucht ihres Fortschreitend gibt, ist nichts anderes als das Pathos der Gerechtigkeit, das ihnen allen innewohnt und ans ihnen vernehmlich klingt.. Pathos der Gerechtigkeit wird dem Antlitz des neuen Zeitalters sein Gepräge verleihen; es wird die Menschheit beschwingter machen, erheben, begeistern, fortreißen zu befreiender sittlicher Tat, znm Aufbau einer neuen Welt. Könnte es denn anders sein, als daß der / Sozialismus, Anwalt der Bedrückten und Armen. - Herold einer neuen Zeit, der er sein will, dem r 'Leidensv ol? der Juden seine .Zand zur Hilfe und Unterstützung in seinen gerechten Forderungen bietet? Daß er dem jüdischen Volk, das üie^- Lehren der Gerechtigkeit und Ethik immerge- .. predigt und verkündet hat. Maß mit Maß zahlen ' will? Lange ermangelten die Führer der sozialisti-- scheu Bewegungen der Fähigkeit, in die geschicht-p// lichen und geistigen Zusammenhänge der nationa-.:/ len Bewegungen im Judentum zu schauen. Heut», ', aber, einmal auf dem richtigen Weg, sind . die Sozialisten fast aller Länder vielleicht die wärmsten/" Freunde des Zionismus. Die Berner Konferenz, aus, die dieser Tage sich die Augen von Millionen Friedensfreunden und ZnkynstS- *- gläubigen richteten, legt Zeugnis davon ab. I» ihren Verhandlungen spiegelte sich "diese inner» Stellung des Sozialismus gegenüber den jüdisch-'" nationalen Forderungen deutlich» unverkennbqr - wider. Das Judenproblem ist ein brennendes, Nationalitätenproblem; so stellt es zugleich eine groß» , Frage an das Gewissen der Menschheit dar, einen ständigen Appell an das sittliche Be? wußtsein der Böller. Wern die Internationale für.,, die Rechte des jüdischen Polles cmsteht.und streitet, \ dann erfüllt sie ein heiliges Gebot der Ge rech - - tigkcit, ein sittliches Postulat und trägt wieder- - am ein' morsches Stück vom alten Jdeeygebäude^ ' ab, um ein neues' und dauerndes dafür einzusehen. * E Ter Laus der Gegenwartsentwicklung hält uns in Atem. Tie Erde bebt, vielleicht noch vom. alten Sturm? Uns braucht es um die Zukunft nicht zu bangen, wenn wir uns Innerlich auf sie eingestellt haben; wenn wir geeint und ge- - rüstet auf unserem -einmal als, richtig erkannten^ Weg, entschlossen, nur unsere hohen Ziele im Auge/ ,- weiter schreiten. Am 11. Februar ist in London , die zionistische Konserenz zusammeugelreten.. Sie hat zu wägen und zu prüfen, zu bedenken," und zu handeln. Seien wir, Führer rmd Volk,' uns der historischen Wucht dieses Moments be^-' wußt, und seien wir für die nahende Stunde dergroßen Entscheidungen bereit! - -- Die Axrtiihermrg zwischen West- Ostjude». \ Warum soll es geleugnet werden? daß zwischen/.^?/ den West- und den Ostjuden Jahrzehnte hindurG...^M keinerlei Bestrebungen bemerkbar waren, sich einander näherzutreten und sich gegenseitig versteift» zu lernen? Die Ostgrenzen Deutschlands wirkten wie . eine chinesische Mauer. Meist kamen nur Entwurzelte aus der geschlossenen und oerschlvipema*» Soi OftönS’ tttrutt und Schiffbrüchige einer wirtschaftlichen Atmosphäre, in der schwerste Arbeit und geringstes Verdienst-'/-H die Regel waren. Sie kamen als Hilfesuchende, uikh-^^Z sie fanden offene Hände, — jedoch meist keins offenen Herzen. Man blieb sich ftemd; die Herzen schlugen nicht für einander, weil man sich nichts-: verstand. " . . . - Erst der große Umwälzer Krieg vollbrachte hier, was Jcchrzehnte des Friedens nicht? einnmt. anzubahnen vermochten. Tausende der jüdischer,/-"M! -.Nl-end fanden jetzt, herausgerissen nä-, «em