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Neue jüdische Presse · 1919-01-31 · Heft 5 (31.1.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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A.V# KrankfurlerLsraelitifchesFamilienHlatt «i»«mmi»niiiminminmmniiiinni»uminwimmiajiiiuiii;i: Ersthelnl wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel, j jabr: 3n Frankfurt a.M. 3)11.1.80 ftei ins Haus. Bel der Post : abonniert Mk.l.80,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei : Zusendung durch Streifband furOeutschland unv üsierrelch>!lngarn : Mk.2L5,f2r alle übn'gen Länder Mk.2.so. Einzelnummer ISpfg. : .... Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis aiiinminiiiiiiiwiiiiiiiiiiUiiiniiiimniiiiiiiimiiii)HnnimiiWHj j Znfertionspreis für die fechsgespaltene petiizelle 50 pfg., für : die Rellamezelle Mk. 1.50. Bei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz, und Datum.Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / \ Annoncen-Annahme bei der Exped.und in a.Annoncen-Bureaus. : : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr. 4864.;?»»»»,»»»»»»»»»».»..-..»»»».»,.,.,,»»»,»,..»»»»»»»»».».»...».....»...».».»»»»»»»M 17. Jahrgang. Freitag, de» 30. Schwat 5679 (31. Januar 1919) Rr. 5 . verusSumschtchtung. Wir Juden waren einst ein Ackerbau treibendes, bodenständiges, dem Handel abholdes Volk, — und es ist der Fluch unseres Golus, daß wir ein Handel treibendes, der Scholle entwöhntes Volk geworden sind. Solange uns der gesetzliche Zwang in den Gassen der Kleinstadt festhielt, wahrten wir wenigstens noch ein jttdisches Milieu. Mit der Freizügigkeit setzte aber sogleich ein Zug in die Großstadt ein, der einerseits allmählich die jüdische Landbevölkerung entvölkerte, andererseits im Strudel der Großstadt das Jüdische immer mehr schwinden ließ. Im Interesse der Erhaltung des Judentums wäre deshalb der Uebergang eines Teiles der jüdischen Bevölkerung zur Landwirtschaft zu erstreben. Aber auch der Hebung unserer sozialen Stellung wäre diese Umschichtung im höchsten Grade dienlich. Denn wenn - wir bodenständige Bevölkerung haben und unser Anteil am Handel nicht mehr so auffallend stark ist, dann wird dem Antisemitismus'mancher Anreiz genommen werden. In der jüngsten Gegenwart konimt für die deutsche Judenheit nochein Besonderes hinzu. Deutschlands Handel und Industrie sind durch den unglücklichen Ausgang des Krieges für 'viele Jahre hindurch auf dem Weltmärkte mindestens stark zurückgedrängt, und mehr als je muß dem geschäftlich nicht Begabten abgeraten werden, de» Kaufmannsberuf zu ergreifen, denn ein aufreibender Kampf -ohne Erfolg, ein Martyrium» ein verfehltes Leben warten /seiner. “ So ist denn die Frage der Ueberführung von Juden zum landwirtschaftlichen Berufe ein ernstes Problem geworden! Das sieht man heute in allen jüdisch interessierten Kreisen ein. Während früher die Sorge für die landwirtschaftliche Ausbildung jüdischer junger Leute Sache einer von einem edelberzigcn Manne begründeten Stiftung und/ eines Vereins mit sehr eng gezogener praktischer Tätigkeit war, gehört diese Sorge nunmehr zu den aktuellen Angelegenheiten der deutschen Judenheit. Nur wenn jüdische Bauernkolonien entstehen und zwar anlehnend an noch bestehende jüdische Kleinstadt- und Landgemeinden, ist den innerjüdischen und den sozialen Interessen der deutschen Judenheit gedient, — deshalb kann der /Wischen Oeffentlichkeit nicht nur die Ueberwachung der /Ausbildung genügen, sie trägt auch die Verantwortung für eine ihren Interessen gemäße Ansiedlung. Dies bürgt für das Fortkommen nach der Ansbildung auch jener jungen Leute, denen von Haus aus keine Mittel zur Verfügung ^stehen, und diedeshalb zu ihrer Seßhaftmachung auf /Kredit angewiesen sind. Ein Teil der jungen Leute wird ckbrigens nach seiner Ausbildung dem Zug« nach Palästina folgen.-, ' ' Bereits zu diesem Frühjahr ist es in Deutschland möglich^ an hundert junge Leute bei freiem Sabbat und ritueller Kost als Landwirte auszubilden. Möge von dieser Möglichkeit voller Gebrauch gemacht werden, mögen sich immer weitere Kreise einem Problem zuwenden, dessen Lösung für unsere jüdische Zukunft unendlich viel bedeutet! Die.Trennnnft von Staat «nd Kirche. Dr. Jsmar Freund, Mitglied der Ministerialbommission zur Vorbereitung der Frage der Trennung von Kirche und Staat, schreibt in der „Mlg. Ztg. d. Indent.": „Teils aus Unkenntnis, Heils zum Zwecke der Agitation ist draußen im Lande die Meinung verbreitet worden, es handle sich um eine radikale Lösung der Frage sin > kirchmfeindlichem Sinne. Insbesondere sind derartige 'Absichten dem Kultusminister Adolf Hoffniann zugeschriebcn morden. Das Gegenteil ist jedoch, wie mit allem Nachdruck betont werden soll, in Wirklichkeit der Fall. Weder bestand, noch besteht bisher die Absicht eines rücksichtslosen, den Bestand der Kirchen oder die materielle Stellung der Geistlichen irgendwie gefährdenden Vorgehens. Bielmehr ist wiederholt hervorgehoben,und als maßgebender Gesichtspunkt aufgestellt worden, daß mit denkbarster Milde und Schonung vorgegangcn und jede Härte, insbesondere den ärmeren Kirchengcmeinden gegenüber, vermieden werben solle. , Mit diesen Direktiven habe, ich selbst meine Arbeit für das Ministerium übernommen, und der zur Beratung der Trennungsfrage vom Ministerium eingesetzte» Sondcrkommission ist in der ersten Sitzung u. a. eine offiziöse Denkschrift vorgelegt worden, in der als leitender Gesichtspunkt ausgestellt worben war, daß die Trennung in einem allmähliche», auf eine Reihe von Jahren zu verteilenden Abbau erfolgen, eine Besitzergreifung des Kirchengutes und Kirchenvermögens für Staatszwecke nicht stattfinden und durch Schaffung von Fonds die künftigen Lebensfunbamente der Kirche gesichert werden sollen; daß weiter alle den Kirchen zugewcndeten Schenkungen und Vermächtnisse unterschiedslos bestätigt, die Selbständigkeit der Landes- und Provinzialkirchen nicht angetastet und ihnen die Möglichkeit des Zusammenschlusses zu Vermögens- und Verwaltungsgcmeinschaften gewahrt werden soll. Die Frage des 'Steuerrechts der Religionsgemeinschaften ist bisher offen geblieben, keinesfalls in einem grundsätzlich verneinenden Sinne beantwortet worden. Auch über die formelle Erledigung der ganzen Frage ist eine endgültige Bestimmung noch nicht getroffen. Jedenfalls wird die Entscheidung nicht ohne Mitwirkung der Volksvertretung, sei es des Reichsparlaments, fei es der preußischen Lanbesversammlung, erfolgen." Verband jüdischer Franeu für Knttnrarbeit in Palästina. Wie der-Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit' in Palästina sich in s.iner Tätigkeit und seinem Programm den Forderungen der Zeit angepaßt hat, zeigte die Versammlung, die in Berlin unter dem Vorsitz von Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher stattfand. — Biele, besser gesagt, die meisten denken, wenn sie etwas vom Verbände jüdischer Frauen hören, an die von ihm geschaffenen Spitzenschulen und wissen nicht, daß der Verband mit großem Erfolge sich auch anderen iültinehlen Unternehmungen zugewendet hat. Das jüdische Krankenhaus in Haifa, die Farm Kinereth sind ein Teil der Institutionen, die der Verband geschaffen hat. Daß im Zusammenhang mit der Weltlage ihm neue und herrliche Aufgaben hevorstehen, lehrt die Entwicklung des nationaljüdischen Gedankens in der letzten Zeit. Die Versammlung wurde eröffnet durch ein Referat von Frau Dr. Maisel-Sch ochath. Sie gab als Leiterin der Farm Kinereth eine eingehende Schilderung ihrer Erlebnisse. Das Wichtigste in ihren inhaltreichen Ausführungen aber war, daß sie zugleich auf Grund ihrer reichen Erfahrungen all die Wünsche aussprach, die bei künftiger Arbeit berücksichtigt werden müssen, um mit noch größeren Erfolgen zu arbeiten und zugleich die vielen, die ged:ihliche Arbeit erschwerenden Uebelstände zu beseitigen. Wenn man hört, daß die Arbeiterhänser nur aus einem Raum bestehen, ohne kleinstes Nebengelaß, ohne Ausgutzmöglichkeit, ja selbst ohne Küchenherd, fodaß die Frau auf offenem Feuer, dem dort oft starken Winde ausgesetzt, die Mahlzeiten bereiten muß und Ruß und Staub ins Essen fällt, dann erkennt man als eine der ersten Forderungen an, bei künftigen Bauten in den Kolonien eine Frau zu Rate zu ziehen, die mit praktischen Ratschlägen dem Palästina-Banamt so zur Hand «eht, daß in Zukunft für die Hygiene, Bequemlichkeit und rationellere Ausgestaltung des Arbeiterhauses besser gesorgt wird. Aber nicht nur in den Arbeiterhäusern muß hier für größere Hygiene gesorgt werden, auch die Hotels -lassen in Bezug auf die Reinlichkeit und vorteilhaftere Unterkunft für die Ankommenden, ganz gleich ob es Frauen. Mädchen, Männer oder ganze Familien sind, sehr viel zu wünsche»» übrig. Frau Dr. Maisel-Schochath denkt an die Einrichtung von Heimen, die gleichzeitig mit einer ivohlorganisiertri» Auskunflsstelle und einem Arbeitsnachweis verbunden sein sollen, und die den EiiNvanderern möglichst zum Selbstkosteiipreis freundliche saubere Logis und Pension bis zum Antritt zur 'Arbeitsstelle bieten. Wenn nur vorerst in de» Hafenstädten solche Unterkunftsgelegenheiten eröffnet wären, wäre schon viel geloonnen- Bon den jüdischen Frauen auf dem Lande sprach Frau Dr- Maisel-Schochath. Frau Stnbicnrat Calvary erzählte dann von den Frauen und Mädchen der Stadt. Sie.stehen in kultureller Beziehung noch unter dem Einfluß der Araber oder der Chaluka-Organisation und sind an Nichtstun gewöhnt. Es bietet sich auch ihnen kein« Erwerbsmöglichkeit außer dein Bezalel u. den vom Frauenverbande eingerichteten Spitzenschulen. Man müßte die Frauen zuerst einmal organisieren und dann dafür Sorge tragen, daß sie ihre Kinder sämtlich in die Kindergärten und in die hebräische Schule schicken, nicht wie es bisher ist, daß die Kinder häufig heimlich und sogar gegen de» Willen der Eltern die Schule besuchen. Bon Jugend auf müßten sie gegen ihren ärgsten Feind, die englische Mssion, so gewappnet sein, daß er ohne Furcht täglich erwartet werden kann. Man sollte den Frauen verständlich machen, daß sie »oie der Mann die Fähigkeit besitzen, sich selbständig zu ernähren, dadurch steigert man leicht und sicher die Arbcitsfreudigkeit. In schönen und freudeinachcnden Ausführungen stellte mm Frau Studienrat Calvary die Entstehung der Spitze »schule in Safed dar. Sie berichtete, wie zuerst eine Prüfung der Augen stattfand, damit baS böse Trachoin nicht in die Schule geschleppt tverde; wie bfe Arbeiterinnen anfänglich durcheinander sp achen, die cd-eu spaniolisch. die anderen jiddisch, wieder andere arabische bis ^einheitlicher hebräischer Unterricht erteilt wurde un8 so eine alluiählicke Berständigungsmöglichkeit geschaffen wurde. Ferner mußte sich schon in den ersten Wochen jede Schülerin aus dem erzielten Verdienst eine..eigene helle Schürze kaufen. Die Fürsorge der Leiterin erstreckte sich aber auch auf das körperliche Wohl der Arbeiterin»«», jede wurde Mitglied der zu diesem Zwecke geschaffene»» Krankenkasse, während des Tages wurden Turnübungen gemacht, und die bis dahin nie gewagten Spaziergänge außerhalb der Stadt, die man am Abend unternahm, erhöhten die Lust an der Arbeit am folgenden Tage. Mit allem diesem gewann man ein anschauliches Bild von dem Betriebe der Spihenschule in Safed; daß di« anderen ähnlich aufgebaut und geleitet werden, ist bekannt. Danach sprach Dr. Elias Auerbach, der Leiter des jüdischen Krankenhauses in Haifa. Er. bankte dein Verbände für.die erwiesene Hilfe und gestand, daß es ihm lediglich nur durch sie gelungen war, f. Zl. bas Krankenhaus zu errichten. Er bat um recht zahlreiche Beteiligung der Frauen an der Arbeit in sanitären Dingen und gab seinen Wünschen dahingehend Ausdruck, für Schwestern, insbesondere Hausschwestern zu sorgen, denn erst durch sie könnte das leider so stark verbreitete Trachom erfolgreich bekämpft und gleichzeitig eine Verminderung der Säuglingssterblichkeit erzeugt tverde». Ferne» müßte dafür gesorgt werden, daß eine genügend groß« Zahl geprüfter Hebammen den jüdisch» Frauen zur.Verfügung stehen. Im Anschluß an die drei Referate wurde ein Vorschlag, einen Arbeiterausschuß zu bilden, einstimmig angenommen. Der Arbeitsausschuß hat die Aufgabe, ein Arbeitsprogramm zu entwerfen für die zukünftige Palästinaarbeit des Verbandes. Weiterhin wurde beschlossen, die drei Vortragenden zu bitten, ihre Schilderungen zu wiederholen, bannt weitere Kreise darauf aufmerksam gemacht werden und recht viele jüdische Frauen und Mädchen mithelsen an der segensreichen Arbeit des Verbandes jüdischer -Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Edith Schwabe.

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