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Neue jüdische Presse · 1919-01-24 · Heft 4 (24.1.1919) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Str. 4 Neue Jüdische Presse- Seite 5. don «nt der igt. und :a> zur rste Der . gen mi« ichder; rutichsag ent ge- ÜSdie geir des fen >»- trb, des aiu eise' teu M Heu!! nsiue an- - die. die . :le- 8er feiti miau f ifa*. neuen ns, ten;ei-. en, in cei-.- S. Es wurde'sodann rin Begrüßnngstelegramm von Dr. Chaiin, Weitzmann vargelesen,, worin dieser die. Konferenz beglückwünschte nicki der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß. die Gesetzestreuen, die. immer die Grundlage der jüdischen Nation bildeten,, jetzt für die,Erlangung unserer Rechte als- Volk"eintrete» würden. Im Verlauf der Samstag- Abeiid-Sitzung kam ein Telegramm der Misrachi-Landes- Organisation in der Schweiz an, worin auch der Vorschlag für die Einberufung einer internationalen Misrachi-Äonferenz gemacht wurde. Zu diesem Zwecke wurde eine besondere Kommission gewählt. Die Sonntagssitziiilg l ilcte Rabbiner Dr. B. Schonfelb. Der Vorschlag des Vorsitzenden, ein Telegramm an Präsident Wilson abzusendcn, wurde einstimmig . gutgehrißen. Das Telegramm lautete: „Die heute in Manchester tagende Misrachi-Konferenz, die einen großen Teil der orthodoxen Judenheit vertritt, begrüßt den Präsidenten Wilson, als den Kämpfer für die Bölkcrtiga, die ein altes Ideal der jüdischeil Propheten ist. Die Konferenz erwartet vom Präsidenten, daß er ein Fürsprech für die Errichtung einer nationalen Hciinstätte für das jüdische Volk in Palästina sein wird und daß er für den Schutz der jüdischen Minoritäten in Ost-Europa gegen die Gefahr von Unterdrückung und Ni'dermetzelung mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft eintrete." ' Es fand eine längere Debatte über die Zuknnststäiigreit des Misrachi statt, an welcher sich unter anderen auch Rabbiner Ral> binowitz, Liverpool: L u r i e, Glasgow: S. H o v sh a, Liverpool und H. S ach: r beteiligte». Der letztere begrüßte die Versammlnilg als Vertreter der „Order of Ancient Maccabrcms". Er erörterte, daß die Misrachi- Orgamsation eine ivichtigc Rolle in der zionistischen B:- wegung fpiclcn werde, und ihr Einfluß von großem Nutzen fei. In einein Telegramm der Misrachi-Organisation Amerikas, das zur Verlesung kam, wurde das Hanptge wicht darauf gelegt, die Summe von 200 000 Dollars (1 Million Franken) für vrganisalorisch', soziale und Erziehungs-Arbeit iir Palästina anfznbringen. Die amerikanisch' Organisation verpflichtete sich, für die Hälfte dieser Summe Sorge zu tragen, der Rest sollte von den europäischen Gruppen gesammelt werden. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, eine hebräische Misrachi - Zcitschrift in England herauszugebeu. Es wurde eine P r o p a g a » d a - K o in - sissiou gewählt mit der Aufgabe, in sämtlichen Städten Gvßbritanniens mit jüdisch e Einwohnerschaft -Misrachi- Gruppen ins Leben zu rufen. -In seiner. Schlußrede dankte Rabbi Aofseii der Versammlung für die geleistete Arbeit: „Der ^Augenblick ist ein großer und wir hoffen, daß die Misrachisten Englands dein Ernst der Zeit gewachsen sein werden. In diesem hisivrischen, Augenblick begrüßen wir alle unsere Brüder des Weltalls. Möge bald das Ende uilscrer Wanderniigen kommen. Als geeinigtes Volk ivolleir mir vor den Friedenskongreß treten, um das Land unserer Väter zu fordern." Personalien n. kleine Mitteilungen. ' Berlin. Der Verein für i ü d i s ch e G e.s ch i ch t e n u d L i t e r a t n r bewilligte für die jüdische Volkshochschule, die demnächst eröffnet wird, einen Jahresbeitrag von 1000 Mark. Karlsruhe. Ja die Badische Nationalversammlung wurden n. a. gewählt: Rechtsanwalt Dr. Ludwig Haas (z. Zt. Minister des Jiinerii der vorläufigen Regierung), Dr. G. Leser von der Demokrat. Partei und Rechtsanwalt M a r n in (z. Zt. Justizminister) von der Sozialdemokr. Partei. Rhina. Nach furneni Krankenlager starb im Alter von 77 Jahren der Kultusbeamte Levi Buxbaum. Länger als 58 Jahre stand der Verblichene im Dienste unserer Gemeinde Seine tiefe, ivahre Frömniigteit, seine Menschenfreundlichkeit und Pflichttrelie, gepaart'mit seltener Bescheidenheit. und Anspruchslosigkeit, sichern ihm ein dauerndes Andenken. Für die hiesige jüdische Gemeinde bedeutet sein Heimgang einen unersetzlichen Verlust." An der Bahre sprach» Lehrer Sonn sowie der Sohn des Verstorbenen. Ravdess Wie in den übrigen Orten -längs her Schweizergrenze befinden sich auch hier zahlreiche kriegs-. entlassene deutsche Soldaten, die vorher in der Schweiz gelebt haben, zum Teil dort geboren sind und bis zum Ansbruch des Krieges die Schweiz nie verlassen hatten und nun auf die Erlaubnis warten, wieder in die Heimat znrückkehren zu dürfen. Unter diesen sind natürlich auch sehr viel Juden. Um diesen heimkehrenden Kriegern ihre Anerkennung zn beweisen, hatte die politische Gemeinde in Randegg ein Fest mit gemeinsamem Essen arrangiert. Damit nun auch die jüdischen Soldaten daran teilnehnien k.-nnten, wurde das Gastmahl streng koscher für alle Teilnehmer eingerichtet. Hamborn. Im Hause ihres «ohnes. Dr S. B. Esch- Wege verschied im Alter von 63 Jahren Frau Judith Eschwege, Gattin desunvergeßlichen Nathan Eschwege s. Ä. Wenn wir an der Bahre einer jüdischen Frau stehen, die nach.außen hin nichts gelten wollte, in ihrer Schlichtheit ihr Dasein nur durch seine" Wirkung erkennen ließ, in Bescheidenheit ihren Lebenswandel und ihre Thoraliebc vor den Menschenblicken bewußtvoll ängstlich zu verbergen pflegte, in ihrer Jugend nur bemüht war, die Eltern zu ehren, de» Geschwistern zu dienen, in ihrer Ehe dem Gatten die treue Gehilfin seiner Arbeit, die ermutigende Freundin seines Strebens, die fnnbige Herrin seines Hauses, die gewissenhaft liebende und sorgende Mutter seiner Kinder gewesen, dann hat ihr Leben bewiesen, daß „die ganze Herrlichkeit der Königstochter ihr Haus bedeutet". Getreu den Traditionen ihres Elternhauses — die Tahiilgcschiedene war die älteste Tochter des in unserem Andenkeißworbildlich fortlebenden Rabbiner S. Fromm-Frankfurt a. M. s. M. — sah Frau Judith Eschwege s. Zf. ihren Lebenszweck vor allem in der Liebe zn der Familie, in der Treue zu den Mitiiceiischen, denen sie init Aufopferung. ihrer ganzen Kraft diente und half. Ihr Haus, das sie an der Seite ihres edlen Galteir s. A. in Höchberg führte, war der Mittelpunkt unermüdlicher Wohltätigkeit: die Präparandeiischnle in Höchberg wird sich der Dahingeschiedeuen stets mit Stolz erinnern und ihren Namen neben dem des unvergeßlich.'» Gatten s. Ä. stets mit Dankbarkeit nennen. An der Seite ihres Gatten schlummert sie in Höchberg dem Frühling der Genloh entgegen. Die.starke Beteiligung bei der Beerdigung legte Zeugniß von der allgemeinen Beliebtheit ab. Rabbiner B a m b e r g c r-Würzburg schilderte den Verlust der "Allgemeinheit, Dr. Eschwege- Hamborn dankte der Mutter, Naphtali Fromm- Frcnikfurt a.?)c. rühmte die Schwester, v. Mau st e i n sprach den Dank des Kuratoriums der Höchbccgec Anstalt aus'. Budapest. In den letzten Wochen verschieden folgende Obcrrabbiner: Dr. Eduard Reumann Präsident des Landes - RabbinervereinS, in Nagykanizsa, Dr. Ernst F r i e d m a ii ii in Szarvas und Tr. Adolf S z i d o n in Versecz. Bern (I P. Z.) Die am II. und 12. Januar hier tagende Delegiertenversammlung der j ü d. S t n d e n t e ncr u S s ch ü s s e in der Schw e iz beschloß die Bildung eines Zentralverb an des ans national - jüdischer Grundlage. Der jüdisch: Feuilletonist G o r e l i k siedelt nach Kopenhagen über, um sich der zionistischen Arbeit zn widmen. Bafel. E. Scruu schreibt in" der ..Bast Nat.-Ztg," anläßlich der Schilderung seiner amerikanischen Reise: „Bei Wilsons Rede im Metropolitan Opera House hatte sein jüdischer Schwiegersohn Mac Adoo die ersten Ovationen erhalten. Er wurde uns damals als der kommende Mann bezeichnet, hat aber inzwischen plötzlich alle Remter niedergelegt und sich ins Privatleben zurückgezogen. Während des Krieges war er, der ehemalige Zldvokat und spätere Generaldirektor der Pcnnsylvaniaeisenbcchn, Schatzminister. Als solcher hat er die vierfache Arbeit bewältigt, die Finanzen zu verwalten, die Kriegsstenern zn erheb«», bi« Mnleihenskampagnen zn leiten und die Aufsicht über die vom Staate beschlagnahmten Eisenbahnen zn führen." Frankfurter Berichte. Ausschuß per israelitischen Semeinde. Der Ausschuß wählte Rechtsanw. Dr. Merzbach zum Vorsitzenden und Eli Michael zum stell». Vorsitzenden. Außerdem wählte er seine Delegierten für die verschie- . denen Kommissionen, so Dr. Merzb ach und Fritz S o n d h e i m e r in die Kommission für die Ausarbeitung der neuen Gemeindestatuten, Michael in.die Spital- und in die Ritualkommission, Grödel in die Religronsschul- . und Friedhofskommission, Fromm und Forchheimer in die Mazzebäckerei-Kominissioii usw. Arbeitsplan der MlSrachi-Jngendgrnppe- Hebräisch (Unterstufe), Montag u. Mittwoch 8—10 Uhr (Fritz Goitein). (Oberstufe), Samstag und Dienstag, 8—9Vs Uhr (Dr. Rabin). J-nnghebr. Literatur, vierzehntägig, Sonntag 6V-—8 Uhr (Dr. Rabin). Erez Israel, Montag, 8—9Ve Uhr (GreteKrämer). Methodik des Talmudstudiums, Samstag, 6V2— 8. Uhr (Dr. Rabin). Vorstehende Kurse im Heim Unterlindau 21. Messilas Iesch 0 rim, Samstag 1—nV» Uhr, Hermesweg 27. Außerdem werden von jetzt ab regelmäßig Diskussion s a b e n 5 e über jüdische Gegenwartsfragen abgehalten. Das Thema des nächsten Diskussions-Abends (Zeit: nächsten Dienstag) lautet: „U nsere Stellung zur Nationalisierung des Bodens". Referent: stud. jur. F. Goitein Rückertstr- -18. Misrachistisch gesinnte, ältere oder jüngere Damen und Herren, die ein Korreferat übernehmen wollen (Es sind etwa 3 Referate von 10—15 Minuten vorgesehen), wollen sich mit dem Referenten zwecks gegenseitiger Verständigung, «.vtl. auch Angabe von Literatur ins Einvernehmen setzen. — Reiianmclduiigen zu Kursen, Anfragen, Wünsche und Vorschläge an F. Goitein, Rückertstr. -18, Beitrittserklärungen an A. Born st ein, Fischerfelbstr. 1. . Kleine Notizen. Tie'Gründungsversammlung der Misrachigrupp« ist aus Mangel an einem Saal noch nicht festgesetzt worden. Junge Leute, die unter Sabbatbeobachtung und ritueller Verpflegung sich als Landwirte ausbilden wollen, mögen sich an Tr. Rabin, Waldschmidtstr. 132, wenden. Bunte Chronik. Das «olk der Bibel. Auf meinem Amtstisch liegt ein Stoß von Arten- Sie behandeln ReKamationen galizischer Kriegsflnchtlinge, deren Gepäckstücke vermißt werden. Diese hunderte Zuschriften und Protokolle über herrenlose Güter sind sehr lehrreich. Was hat der Ostjude in der angstvollen Hast der Flucht verpackt und zur Eisenbahn gebracht, was haben diese „gewinnsüchtigen, eigennützigen Händlerseelen" zusammengerafft und mitgeführt? Seidene Kopftücher, Schuhleder, Felle, Spitzen, die besten Stücke aus dem Kramladen? Pelze, Familieusilber, Schmuck, die wertvollsten Gegenstände des Hausrates? Nur zum Teil, meine verehrten Aburteilcr. nur soviel davon, als - neben Bettzeug, Kleidern und Wäsche andere kostbare, geliebte Dinge in den Ballen und Säcken, Körben und Kisten Platz ließen, die zuerst geborgen werden mußten: ZaS ernit ermt*: nit irin om ruber die Er-. int wtfl in,, sie :üü . .sie ver an. )0s cter rnd auf die Brust — „er ist unschuldig, er gehört so wenig ins Zuchthaus wie Sie." „Du könntest bleiben, vielleicht weiß der Herr Lehrer" — .wenn sie von ihrem Manne sprach, nannte sie ihn nie anders als der Herr Lehrer — „einen Rat, wie man die Unschuld Deines Vaters beweist." ' „Jetzt nach sieben Jahren? zu zehn haben sie ihn verurteilt.".- ■ >,Der Herr Lehrer weiß vielleicht doch Rat." - „Ich muß fort, ich habe Sie bestohlen." - . „Was hast Tn genommen?" „Heute Nacht habe ich den WochentagSauzug des Herr» Lehrer, den ich nach dem Iteiiiige» nicht in den Schrank, sondern hinter die spanische Wand gehängt hatte, mitgenommen und habe ihn meinem Vater gegeben, damit erdie Zuchthauskleider ansziehen konnte." ,Lch schenke Dir den Anzug." ' Jetzt brach die Starrheit im Blick Riekes^die Qual, die sie den ganzen Tag gejagt, lvich, llnd sie brach in lautes,' den ganzen Körper erschütterndes Schluchzen aus. „Ach, ich wußte cs ja," stieß sie dazwischen heraus,' „ich habe" es ja heute Nacht schon gesagt, die Frau Lehrer wird mir den Diebstahl verzeihen, und der liebe Herrgott wird cs mir verzeihen, daß ich den Jom Kippur entweiht gäbe’." " Der Frau Lehrer fiel ein Stein vom Herzen, jetzt verstand sie die eigentümliche Rede, daß. Ricke von ihr und dem lieben Herrgott in einem Atem gesprochen hatte. Riekes >Bater blieb verschwunden. Was sie ihrer Herrin anvertraut hatte, blieb das Geheimnis der Lehrer-- fmnilie. Jakob Lichtenflein und seine Frau Esther kamen einige Wochen später — gleich nach Ablauf der letzten Herbstfeiertagc 7nach dem Abendessen in die Familie des Lehrers. Frau 'Esther wurde auf das Kanapee genötigt, und Lichtensteiti bekam sowohl vom Hausherrn wie vom kleinen Aron, der gerade im Begriff warzn Bett zn gehen, einen Stuhl hingeschoben, als ob der größte Steuerzahler der Gemeinde auf zwei Stühlrn zn gleicher Zeit sitzen müßte. Lichtenstcin betrachtete diese Dicnstfertigkcit mit Wohlgefallen; er nahm zwar nur einen Stuhl in Benutzung, setzte sich aber so breit darauf, daß er auf beiden Seiten über Sitz und Lehne hinausragte. Der Herr Lehrer wußte ganz genau, welchem Zweck dieser Besuch diente, er hatte schon seit ein paar Abenden darauf gewartet. Nichts destoweniger fragte er, als Lichtenstcin, seinen Kopf bequem an die Lehne gedrückt, den Rauch seiner Zigarre gegen die Decke paffte: „Was verschafft mir die Ehre, Herr Lichtenstein?" „Das müßten Sie sich eigentlich denken können!" sagte, freundlich schmunzelnd, dev Gefragte in seiner breiten wichtigen Sprechweise. Der Lehrer verbeugte sich zum Zeichen, daß er es sich wirklich denken könne und gedacht habe. „Also," Bestätigte Lichtenstein die Verbeugung, ,Sie wissen, daß am ersten Kislew mein Pinchen Hochzeit macht, da wollte ich Sie bitten, das Praien zn übernehmen." Bei gewöhnlichen Besuchen wurde „invitiert", aber zu feierlichen Gelegenheiten bediente man sich des reindeutschen „Praien". " „Schön," sagte, der Herr Lehrer, welcher der Sitte gemäß das Praien wie eine amtliche Funktion zn übernehmen gewohnt war. ,L3er wirb geprait? Ich hole Papier und Feder, dann können Sie mir die Liste diktieren." „Das Papier und die Tinte können Sie sparen, — die ganze Gemeinde wird geprait! Ich bin der größte Steuerzahler, da kann ich mir auch erlauben, eine 'große Hochzeit ausznrichten." Inzwischen hatte Esther mit der Frau Lehrer schon ausgemacht, in welchem Hanse acht Tage vor der Hochzeit alle Frauen zum Nudel machen, in welchem sie drei Tage vor der. Feier zum Hacken des Fleisches für die Flelschkugeln zusammen kommen, und in welchem sie einen 'Za& später die Gänse richten und braten wollten: Wie all« eingclaben wurden, so ward auch von reich wie arm Mithilfe für die Vorarbeiten in Anspruch genommen, obgleich die eigentliche Arbeit, das Zurichten und Kochen, der Kochfran Peßchen gegen gebührende Entlohnung übertragen wurde. Die Vorbereitungen zur Hochzeit gingen dem Ende entgegen, als Jakob Lichtenstein wieder und diesmal, da seine Frau alle Hände voll zn tun hatte, allein in der Familie des Lehrers erschien, und zwar nicht mit seiner gewohnten selbstbewußten Miene, sondern mit verlegenem Gesichte. ,Lerr Lehrer", fing er an, „es ist uns etwas Ilmm- " genehmes passiert." „Doch hoffentlich nichts wirklich Schlimmes? . . ,,Jch. hoffe,- es ist nicht schlimm; aber es ist sehr unangenehm, unser Hänchen, unsere Magd ist krank geworden.^ . „Es wird, will's Gott, bald vornbergehen. ^Was hilft uns der Trost? Wir können gerade jetzt die Magd nicht entbehren, denn wer soll die Aufsicht in der Hansküche führen, wenn Peßchen im Hochzeitssaal nötig ist? Meine Frau meinte. Sie würden uns Riekchen . solange überlassen, bis Hauchen wieder gesund ist." „Das ist doch selbstverständlich!" „Io." sagte Lichtenstein bedenklich zögernd, „darf ich einem Mädchen, das öffentlich den Jom Kippur entweiht hat, die Aufsicht in der Küche anvertranen? Wird der Herr Rabbiner dann bei uns essen?" Ter Lehrer wurde ärgerlich, weil Lichtenstein in demselben 'Augenblick, da er um eine Gefälligkeit bat, dies durch - Protzen mit seiner frommen Gewissenhaftigkeit verdecken: wollte. (Fortsetzung folgt.) MB»

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