Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-tr -t. > GrrL- 3 Neue Jüdisä)c Presse. flrkadia's Künstler - Spiele Kaisers trasse 69. >: Tel.: Hansa 6510. HGmtlRMB Blpekfloni Lea Manfti. Aafang pnnkt 1 Uhr. Anfansc pnnkt 7. Uhr. Stets erstklassige Attraktion» - Programme. »u berücksichtigen, schloß jene Jude» aneinander, die sich längst von der im Kriege herrlich bewährten unteilbaren Einheit ihres Volkeü losgelöst habe»: Haltlos zwischen den Völkern, zwischen den Rasse,: stehend und jene sieghaften Kräftequellen entbehrend, welche der fest in seiner Scholle Wurzelnde besitzt, konnten sie den Bazillen der Volksseuche wenig Widerstandskraft entgegensetzen. Sie unterlagen der Krankheit so sehr, daß sie Wahrheit von Lüge nicht, mehr zu unterscheiden vermochten; nun die von ihiren erlassene Proklamation gegen den jüdische» Rationa!- rat ist voll von erfundenen Verleumdungen. Schon das kennzeichnet diese Wwchraktio», dass sie sich nicht gegen die reaktionären Tendenzen der deutschtümclnden Regierung, sondern gegen — den Jüdischen Nationalrat richtet! Die Tatsache der Jüdischen Volkseinheit, die ron de» Großmächte» im Laufe des Krieges längst offiziell 1 verbucht worden ist, und die allein die,Jiü>en auch unserer Länder hossnungsfroher in die Zukunft blicken läßt, als cs der Ausgang des Krieges sonst rechtfertigen würde, — diese Tatsache schien den Ässimilativnsjnden so gefährlich, das, sie sie in primitivster Weise zu leugnen, versuchten, — sie gleichzeitig aber, «für den Fall, daß sie doch bestünde, als nicht mit den Staatsbürgerrechtcn vereinbar dennunzierten! ' > Irgendwelche Bedeutung ist diesem Streich der Hinterwäldler. die de» Krieg und den Ausstieg des jüdischen Volkes verschlafen haben, nicht bcschieden. Wir verzeichnen ihn nicht als politischen Mt, sondern nur als Krantheitssymptom. Ten, Jüdischen Nationalrat vermag es nicht mehr zu schaden. Diesem ist es in ruhiger Arbeit bisher gelungen, bei allen von den Assimilanten so schrecklraft und hysterisch verzeichneten Gcschehiiisseu erfolgreich zu intervenieren, und ebenso wie bei der Regelung des Staatsbürger-Gesetzes hat er auch bei der Bcamlciifrage, der Angelobung der Aerzte, der Beförderung von Offizieren usw. usw. erreicht, daß entweder j,, den Vorschriften der Passus '„Angehörige der deutschen Nation" durch „deutsch-österreichische Staatsbürger" erseht ivurde oder daß die maßgebcnden Instanz offiziell erklärten, die für die Angehörigenntchtdeutscher Nationalitäten vorgesehenen Bestimmungen hätten nur für solche RchioNen Geltung, die auf ehemalig österreichisch-ungarische», Gebiet nunmehr selbständig Staaten errichtet hätten. Es ist zu hoffen, daß schon mit Rücksicht auf die außerpokitische Wirkung auch in Zukunft ähnliche antisemitische Vorstöße niedergeschlagen werden. Darüber hinaus aber quält uns die Sorge: wie vermag man der Seuche Einhalt zu tun, die unseren Volksorganismus seelisch zu vernichten droht? Der Krankheitsherd liegt im Galuth, — wie aber kann mm, dieses beseitigen oder überwinden? Heinrich Marguiies. Eine Unterredung mit Wilson. Das Jüd. Prcßbüro Stockholm telegraphiert, daß cs vom Zionistischen Büro London folgendes Telegramm erhalten habe: „Präsident Wilson versprach Weizmann seine Unterstützung für die Etablierung eines ganzen und in seiner Entwicklung ungehinderten (full and nnhampered) jüdische» Palästinas und sagte, daß bei der Friedenskonferenz Gelegenheit geboten werden würde, die jüdischen Forderungen inbezug auf nationale Gleichberechtigung vorzutragcn." Diese Nachricht wird durch folgende Meldung des Londoner Korr.spondei,len des Stockholmer Preßbüros ergänzt: „Weizinaun hatte am M. Januar eine stundentairge Unterredung mit Wilson. Dieser hörte Weizmann wegen Schaffung eines wahrhaften jüdischen Palästinas sehr ansmerksam und mit äußerstem Wohlwollen an. Die zionistischen Führer erblicken in Wilson:- Zusage die Gewähr für einen erfolgreichen Verlauf der Friedenskonferenz." Zu dieser Unterredung liegt ferner folgende Meldung des Pariser Korrespondenten der Times vor: „In den ätzten Tagen ist nicht nur inbezug ans die Polenfrage, sondern auch wegen der zionistischen Frage ein bedeutender Fortschritt zu konstatieren. Weizinam, hatte lange Unter- ,rcduiigt'„ mit Wilson und Balsour mit dem Ergebnis, daß gewisse Mißverständnisse, die in letzter Zeit wegen der Schaffung eines nationalen Heimes für die Inden in Palästina aufgetaucht 'warnt, beseitigt wurde». Zur Friedenskonferenz. Die Vertretung der -alästinensischen Judenheit auf der Friedenskonferenz. °-£ie, am 20. Dez. in Jaffa stattgehabte Delegiertentagung der Juden Palästinas wählte die zionistischen Führer'Weizmann und So ko low als Delegierte zur Friedenskonferenz. Diese Wahl hat eine mehr moralische Bedeutung. Ein Mandat der valästinensischen Judenheit wird für die jüdischen Vertreter auf der Friedenskonferenz von höchstem Werte sein, aber die endgültige Entscheidung über die Zusammensetzung der jüdischen Delegation zur Friedenskonferenz ivird eine. Konferenz der legitimierten Vertreter des jüdischen Volkes aller Länder fällen. Bewegmtge« i« der Orthodoxie. Ein Wort an die Agndo. , \ Das „Jsr. Wochenbl. f. b.- Schweiz" .schreibt zu dem Verlangen des Züricher Zentralbüros der Agudäs Jisroet an die ZiomOrganisation nach einer büchenden Erklärung, daß alle.:,» Palästina zu treffenden öffentlichen Einrichtungen gemäß Autoritäten der Thora, die auch die Agudo anerkennt, geschaffen und geführt werden: „Es ist tatsächlich nicht - verstäiHlich, weshalb sich in dieser ernsten Stunde, in 'der «S sich um die Zukunft, um das Sein oder Nichtsein unseres Volkes handelt^ die Agudo in theoretische Erörterungen cinlassen will und theoretische ^Erklärungen sorderr. Unser ganzes jüdisches Leben ist in Gefahr. Durch Pogrome sucht man uns zu vernichten, und leider muß es ausgesprochen iverden, daß die Pogrome eine Seuche, eine infizierende Epidemie: sind, die sich überallhin verbreiten. Schützen und nützen kann uns nur die uircnkwegte Einigkeit des jüdischen Bolles-i» allen seinen Forderungen. I. Erez Israel für uns: 2. volle Gleichberechtigung, kulturell, konfessionell und wirtschaftlich überall: und 3. nationale Selbstbestimmung in unseren Zentren. Meint cs die Agudo danrit ernst und ist cs wahr, daß, wie sie sagt, die Massen hinter ihr stehen, dann muß sie alles vern,eiben, was zur Spaltung sühren kann, „nd muß in ihrer Gesamtheit sich derjenige» Organisation, ohne Fragen zu stellen, anschließen, die jetzt bet den Mächten als die offizielle Vertreterin des jüdischen Volkes gilt, und das ist die Zionistische. Es ist die Aufgabe der Agudo, die Pflicht und das Recht, das ihr niemand wehren wird, den religiösen Gedanken in seiner ganzen Fülle und Kraft aufrecht zu erhalten, und wenn >oir Erez Israel haben, dann hat sie, wenn sie über die Massen uersügt, auch die Macht, unser Land so zu gestalten, wie es gestattet iverden >uuß, nämlich auf der Basis der Thauroh, wie cs unsere Zutnust verlangt. Jetzt aber, >vo wir unsere ganze vereinigte Kraft brauchen, um etwas zu erreichen; denn auch unseren Hofsnungcn drohen Gefahren, die sie plötzlich zunichte machen können, darf feine Zersplitterung mehr vorhanden fein, keine Gehässigkeit, lein Srreit, keine Befehdung. Agudo, Misrachi, Zionismus, sie gehören zusammen, müssen „ein Volk bilden . . ." Aus aller Welt. Deutsches Reich. Hamburg. Re-rSseutanteuversammlnug. Die Rcpräsentantenversammlung der Deutsch-Jsraelit.- Gemeinde nahm einstimmig die Satzungen der Hinterblieb e n e n f ü r s o r g e an. Diese Fürsorge ivill im weitesten Sinne für die in Hamburg lebenden jüdischen Hinterbliebenen der infolge eiiwr Kriegsdienstbeschädigung Verstorbenen sorgen und zwar in Gemeinschaft mit den übrige» dem gleiche» Zlvcck dienenden öffentliche» Orgänisationen. Sodann folgte die Beratung des Voranschlages des H au s h a l tu n g S p l a n s für das Jahr 18 lg. Unter den Einnahmen figurieren an erster Stelle der Posten „steuern" mit 240 000 Mt. und die Fricdhofsgärtiierei mit 10C00 Mark. Unter den Ausgaben steht an erster Stelle das Armen- und Wohlfahrtsweseii und zwar das Armenwesen mit 85000 Mark und das Siechenheim mit 14 000 Mark. Weiter werden im Wohlfahrtswesen als Beihilfen für das Paulineiistist und andere gemeinnützige Institutionen 13 770 Mark eingestellt, so daß das Armen- und Wohlfahrtswesen eine Gesamtausgabe von l 12 770 Mark erfordert. Bei den Ausgabe» für das Schultvesen entfallen auf bic Israelitische Töchterschule allein 74 300 Mark, während die Tainiiid-Thora-Realschule eine Beihilfe von Mark 25 000 erhält. Für die Kriegsstatistik der Hamburger Juden werden 2000 Mark eingestellt. Der in Einnahmen und Ausgaben mit 353 818 Mark bei einem Fehlbeträge von 54 113 Mark balancierende Voranschlag wurde alsdann genehmigt. Zun, Scheuß wurde ans Antrag des Gemeindevorstandes eine Kommission zwecks Beratung einer V c r s a s s n n g s - ä ii d c r n n g gewählt. Pose«. Zur Lage tu Posen Der Jüdische und der Polnische Volksrat haben gcmcinsam folgende Ausrufe erlassen: A n unsere polnischen M i t b ü r g e r! Ter Waffenlüriii ist aus den Straßen Posens geschwlinden. Es besteht die Gefahr, daß eine starke Verbitterung zurückbleibt. Diese Gefahr wird gesteigert durch die falschen Berichte Berliner Blätter über die hiesigen Vorgänge. Wir sind diesen übertriebenen und großenteils unwahren Berichten sofort cntgegengetreten und werden in Zukunft gleichfalls alten Entsteltnngen hiesiger Vorgänge cntgegentrcten. 'Auch an dieser Stelle weisen wir wiederholt darauf hin, daß die Ausschreitungen keinen Pogromcharakter getragen haben. Wir haben auch das feste Vertrauen, daß bei den hiesigen Vorgängen eine derartige 'Absicht nicht bestanden hat. Um so mehr halten wir es für erforderlich, daß auch den Gerüchten aufs schärfste entgegengetreteu wird, die geeignet sind, bei unser» polnischen Mitbürgern eine feindliche Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung zu erzeugen. Polnische Mitbürger! Bekämpft alle diese falschen Gerüchte, die von einer durch nichts erwiesenen und nicht vorf Kaffee Rnhland Kaiserstrasae 56 Eaiseratraaae 56 Täglich erstklassige BV* Unterhaltungsmusik -'1 Gesangs -Einlage«. — . _ Scala - Lichtspiele SchSfergasse 29. Schäftergaase 29. Modernes Theater , Vorführung stets neuer und hervorragender Filme. handenen Feindseligkeit der jüdischen Bevölkerung gegenüber der polnischen sprechen! Diese Gerüchte dienen nur da;», Verbitterung und Mißtrauen zu schassen. Wenn Ihr zum Wo.hle des Ganzen die Ordnung Herstellen und mit uns in Frieden leben wollt, so sorgt für Schutz von Personen und Eigentum aller Mitbürger und zeigt durch die Tat, was Eure Führer uns versichert haben, daß Ihr bereit seid, mit uns in Eintracht zu leben. Wo sind dazu bereit. P o s e n, den 5:- Januar 1818. Jüdischer P o l k s r a t. Gegen die V e r l e u m d u n g e n! Es wimmelt in der deutschen Presse von unbegründeten, und tendenziösen Mitteilungen über die letzten Posener Ereignisse: Unter anderem schrieb das Berliner Tageblatt, die Synagoge sei während des Gottesdienstes beschossen worden, und es seien hierbei eine Anzahl Juden verletzt worden. Ju einer anderen Nummer wurde berichtet, daß die Polen in Posen Judenpogrome veranstaliet haben. Auch das Wolsj'sche Tclegraphenbüro in Berlin hat sich diese Unwahrheiten zu eigen gemacht. Wir stellen fest, daß alles dies ungeheuerliche Lügen sind, bewußr darauf berechnet, die Polen als kulturloses Pott hinzustellen. Zur Brandina,tilng dieser Lügen berufen mir uns aus das Zeugnis der Juden selbst, und insbesondere des Jüdischen Molksrats, der in den, obenstehenden Aufruf die genannten Mitteilungen als unwahr bezeichnet. Der Jüdische Volksral ist bemüht gewesen, die Darstellungen in den Berliner Blätter» richtig zu stetlen und will in Zukunft daraus hinwirken, daß derartige Verleumdungen verhindert und wahrheitsgemäße Darstellungen gegeben werden. ' Wir unsererseits steilen bei dieser Gelegenheit erneut fest, daß das polnische Pol, wie in der Vergangenheit so auch weiterhin den Juden volle Toleranz und Gleichberechtigung gewährleiste,. Wie den anderen nationalen Minderheiten, so billigen wir auch dem jüdischen Volk« volle Gteichberichtigung zu. (Die Tatsachen in Palen Haben bisher mir das Gegenteil gezeigt! D. Redakt.) Indem wir das versichern, berusen wir uns auf unsere Geschichte, von ihrem Anfänge bis zur ewig denkwürdigen Konstitution vom 3. Mai 1781, sowie auf die gegenwärtigen 'Anschauungen und Ueberzeugungeu und den wahren Willen unseres polnischen Volkes, vor altem auch auf den in dieser Hinsicht vom polnischen Landtage vom 4. Dezember 1818 gefaßten formellen und feierlichen Beschluß. - Zwar haben die unwahren und tendenziösen Nachrichten der deutschen Presse eine verständliche und tiefgehende Entrüstung in unserer Gemeinschaft wachgernsen. Wir haben jedoch von der maßgebenden jüdischen Instanz, den» Jüdischen Volksrate, die Versicherung, daß die Juden nichts Gemeinsames mit der Verbreitung der falschen Nachrichten haben und diesen Nachrichten entgegentreten werden. Wir wenden uns daher an alle Polen mit der dringenden Aufforderung, den Kiunpf gegen die unsere Nationalehre berührenden (Und Lemberg! T. Redakt.) und gruickilosen Anschuldigungen zu erleichtern. Man muß daher unbedingt und absolut alles vermeiden, was unseren Feinden auch nur einen Vorwand geben könnte, Waffen gegen. uns ju schmieden. Bor altem verbreitet nicht grundlose Nachrichten und wiederholt nicht leere Gerüchte über die Juden. Indem wir alles, was die nationalen oder religiösen Leidenschaften entfachen und reizen oder die Empfindungen anderer beleidigen könnte, vermeiden, werden wir den glänzenden ikeberlieseriingen unserer Vergangenheittreu bleiben, werden wir den Beschlüssen nuferes Landtages gerecht iverden und gleichzeitig für das künftige stnailiche iilederhrn des erstehenden Polens arbeiten. Posen, den 5. Januar l8l!>. Polnischer Volks rat- Deutsch-Oesterreich. Wie». Eine jüdische sozialistische Wocheufchrtft- Hier ist die erste Nummer der Wochenschrift „Freie Tribüne, Organ der jüd. sozialdemokr. Partei Poale Zion" erschienen. Als Herausgeber zeichnet Arnol t> Deut s. ch. Wie» kJ. P Z-' Sine Palästina-Woche. Vom 16.—23. Januar findet hier eine Palästinawoche statt. Verschiedene Veranstaltungen sollen d<tzu bevtragen, einen Fonds zur Grüichung einer landwiäfchastslichen Schule in Wien sür jüdische Kreise, die sich süa Agriknlturarbeiten in Palästina vorbereiten wollen, gründen. Wie» (I. P. Z > Ehre Bereinig««« jüdischer geistiger Arbeiter, Anfang Januar konstituierte sich hier die „Vereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller and Künskler „ge* ruach". Sie steht ans national-jüdischem Boden, bezweckt die Wahrung der wirtschaftlichen nnd sozialen Interessen der jüdischen Geistesarbeiter und verfolgt im allgemeinen die Unterstützung jüdisch-kultureller Bestrebungen. Ins Präsidium wurden Privatdozcni Dr. Harry T o r z Y ner, Schriftsteller Jakob Krauß und Malerin Blaue» Lipschütz gewählt.