Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1. Zum Bericht meldete sich Rechtsanw. Dr- Jsaäc Breuer zum Wort. Er bemängelte, baß in ihm nichts hinsichtlich der durch die Trennung von Kirche und Staat eiutreteuben Verhältnisse erwähnt sei,' und daß gerade jetzt die Religionsgesellschaft ihr bewährtes System «der, freiwift ligen Mitgliederbeiträge zugunsten einer Steuerskala nach dem Vermögen zu ändern in Erwägung ziehe. Er wünschte die Schaffung eines Gottesdienstes nach polnischem Ritus für. die hier lebenden Ostjuden und die Oeffnung der der Religionsgesellschaft gehörigen Rothschildschen Talmudischen Bibliothek zur Ausleihe. ' Geh. Sanitätsrat Dr. R o sen b a u m, der Vorsitzende, erwiderte, daß die Bibliothek nach den Bestimmungen des Testators nicht Bücher ausleiheir dürfe, doch werde-di: Religionsgesellschaft voraussichtlich bald eine Gemeindebibliothek errichten, und in dieser köüne dänn auch die Rötyschildsche Bibliothek benutzt werden. ' Die anschließenden Wahlen ergaben für den Vorstand Jakob Rvsenheim und für den Ausschuß Micha l S ch.w arz schilt» und Dr. Simon Bamberger. München. . Zusammenschluß?er jüdischen Studenten. - Eine Versammlung jüdischer Studenten und Studentinnen bewirkte einen Zusammenschluß fi'tr die Wahl zum „Allgemeinen Studenten-Ausschuß". Das erfreuliche Ergebnis zeitigte den Erfolg, daß im Allgemeinen Studenten-Msschuß vvn 60 Delegierten 4 jüdische Delegierte zur Wahrung der jüdischen Interessen vertreten fein werden. In den wichtigen fragen der Abwehr antisemitischer Angriffe und Benachteiligung besonders der 'Ausländer — nur weil sie Juden sind — ist völlige llebereinstimmüng erzielt worden. Die Kommission der Vertreter der verschiedenen Gruppen beschloß, ihr' Ilrbeitsgcbiet über die Wahl hinaus zur Lösung allgemein jüdischer Fragen (jüdische Studentenkiiche, jüdisches Studentenheim, Wo.hnuiigsverinittkung ,tsw,) zu erlveftern, ' Litaue«.. Der Judenmord in Beliza. Am 11. . Dezember mittags überfielen 5,0 niit Gewehren und .Handgranaten bewaffnete Banditen, hauptsächlich ehemalige russische Gefangene, das Städtchen Beliza bei Lida in Litauen. Sie nahmen in einer Nebengasse Ausstellung,, die den christlichen Teil des Städtchens vom jüdischen trennt und begännen; die jüdischen Häuser zu beschießen. In dem Städtchen existierte ein Selbstschutz, aber die christlichen Mitglieder gaben sofort ihre Waffen ab. Bon den 15 jüdischen Mitgliedern waren.nur 8 mit Revolvern versehen:' nachdem sie ihre Munition verschossen hatten, flüchteten Fie. Die Juden blieben zum' Teil in, ihren Häusern, zum Teil flohen sie zu christlichen Nachbarn, die sie aber nicht alle' in ihre Wohnungen aufnehmen' wollten. < Die Banditen stiirzte» sich auf die jüdischen Häuser und Geschäfte, marterten die Juden und forderten Geld von ihnen. Darauf verwlmbeten oder ermordeten sie die Juden. . . Das Rauben bauerte über drei Stunden. Die aus den Geschäften geraubten Waren führte man auf 20 Wagen weg. . Von den 125 jüdischen-Familie« des Städtchens wurden 35 ausgeplündert. '."--Unter den Russen erkannte mau Bauern aus der Umgegend; man kennt auch den Mörder des Jakob Mekel. Tic Opfer des Uebersalls befinden sich in großer Sdot. Sie sind ohne Kleider und Nahrungsmittel, und es wird notwendig Hilfe für das Städtchen gebraucht; die ganze Gegend befindet sich in Gefahr und Todesschreckdn. Die jüdische Bevölkerung hat vier Todesopfer zu beklagen: Jakob Mekel, 70 Jahre, Chajim Grodenski, 55 Jahre, Mordchai Kaufman, etwa 45 Jahre, Chajlm Löb Rudaminer, etwa 62 Jahre. Frankfurter Israelitisches Mmilienblatt. SchwerverwMbet" wurden: Nachmann- Schapschinski und .Frau Malke, Leb.Grodenski, Sohn des ermordeten Ehajim, 'Abrahanr Joselowitsch, Wi» Sokolowski. Verwundet würden: Salman Joselowitsch, Josef Sokolowski, Abraham Perl, Joses Mvlkowisft. . ' , Perso«alie» u. Heilte Witteiltmge». Oerlitt. Dem Andenken ihres jüngst so plötzlich verstorbenen Bundesbruders Ivan Haar bürg er galt eine überaus würdig verlaufene Gedenkfeier, die die Bereinigung Jüdischer Akademiker veranstalteter Bbr. Dozent Dr. Wohlgemuth schilderte die einzigartige und seltene Persönlichkeit des Dahingegangenen und entwarf an Hand zahlreicher ~ charakteristischer Züge ein getreues .- Bild dieses so wunderbaren Menschen, der trotz seiner Jugend - schon die Höhe: des Lebens erreicht, hatte. Alsdann malte Bbr. Tr. Jakob Levy die unsterblichen Verdienste aus, die sich Ivan Haarburger um den B. I. Ai. erworben hat. Bbr. Wolfsberg führte in eindrucksvollen Worten namens der V. I. Ä. Berlin aus, welche Lücke durch das Dahinscheiden Ivan Haarburgers nicht nur in der Familie und im Bunde klaffe, sondern wie die gesamte gesetzestreue Judenheit in ihm ein leuchtendes Vorbild verloren habe. Berlitt. Frau Mathilde Priester hat mit der Jüdischen Gemeinde einen, Erbvertrag geschlossen. Sie -hat die Zinsen von 300000 Mk. zur Unterstützung jüdischer Kriegsteilnehmer oder deren Hinterbliebenen bestimmt, die Zinsen von 40000 Mk. für Studierende, von 10000 Mk. für Handwerker und je 20 000 Mk. für Künstler, Taubstumme-und Blinde, Ferienkolonien und das Lehrerinnenheim. Außerdem hat sie den Betrag von 25 000 Mk. fiir . die Errichtung zweier Zimmer in'dem von ihr gestifteten Teile der Alterversorgungsanstalt zum Gedächtnis ihrer Eltern bestimmt. ' Verkitt.. Eine zahlreich besuchte Versammlung des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens faßte folgende Entschließung: „Tie Versammlung der Berliner Mitglieder des Zentralvcreins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bedauert auf das tiefste, daß sich auch im neuen Deutschland heftiger Antisemitismus breitmacht, der geeignet ist, Deutschland im Ansehen des In- und Auslandes aufs höchste zu schädigen. Dieser Antisemitismus ist eine merkwürdige Ant- . wort auf die zahlreichen Blutopfer der deutschen Juden im großen Weltkrieg. Die Versammlung erwartet von ihren andersgläubigen Mitbürgern, daß sie die durchsichtigen antisemitischen Ablenkungsmanöver schulbbedeckter und reaktionärer Kreise mit gebührender Verachtung zurückweisen." Krankfurt n. SK. Die „A ch aw a" ist dank der Freigebigkeit opferwilliger 'Glaubensgenossen in der Lage, die . im Vorjahr in Anbetracht der Teuerung beschlossene erhöhte O u o t e in diesem . Jahre wieder aufrecht zu erhalten. Auch können wieder aktive Mitglieder ausgenommen werden. E. G-, Offenbach a. M. Am 11. Januar feiert unser pensionierter Kantor, Herr Adolf Bogel, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit den 70. G e b u r t s t a g. Die Gemeinde rüstej sich, den Ehrentag des allgemein beliebten Beamten festlich zu begehen. Marburg. Eine Versammlung der Kliniker zwecks Bildung einer Klinikerschäft an der Universität beschloß auf Antrag eines Hqrrn Berlin Ausschluß der Juden. - Ter Antragsteller schloß seine Ausführungen: „Marburg war stets die Hochburg des Antisemitismus und wird es auch , bleiben." * * Neustadt bei Tinne. Max Berlowitz, der 35 Jahre hindurch hiev alleiniger jüdischer Elemcntarlehrer war, ist verschieden. « Bamberg. In einer.Bersammlung der neu gegründeten Bayerischen Volkspartei, wandte sich Rabb. Tr. Eckstein gegen den Antisemitismus in der Presse. Geheimrat Dr. H cim. entschuldigte darauf diese Erschei- Seite 5. nung mit der unwahren Behauptung, daß die ganze revolutionäre Entwicklung und Bewegung von: Juten getragen worden sei; von denen, die den Leuten, den Ko» f verdrehen, seien 90o/o Juden. Deshalb sei es nicht verwunderlich, wenn einmal, was er bedauere, in einem Zeitungsartikel über die Schnur gehauen werde. Ein Herr von Gelbsattel erwiderte, daß die Juden nicht wegen ihrer Kaufes-' sion, sondern als Ungehörige einer anderen Rasse angegriffen würden; das germanische Volk wolle, daß seine Führer aus seiner Rasse seien. Wie«. Nach mehr als vierjähriger Unterbrechung erscheint die Monatsschrift „Der Jüdische Handelsangestellte", das Organ; des Jüdischen Handln.agsgehilfen-Berbandes, wieder. In der vorliegenden Nunimer heißt es u. a.: ..Für uns Juden ist aber die eigene nationale Gewerkschaft noch notwendiger als für jedes andere Volk, weil wir ein Zweiständedasein führen, weil di: im Handel und Industrie Angestellten und die jüdischen Arbeiter liier im Westen die Mehrheit unseres Volkes bilde-c und damit sein' wirtschaftliches Rückgrat. Und diesem Rückgrat unseres Volkes drohen' zwei Gefahren, die es entnerven wollen. Die erste der Boykott, der uns Wirtschaftlich vernichten will, die zweite die Entjudung, die durch die Zugehörigkeit zu ftemdnationalen und ßizialdeuiolro-' tischen Organisationen in erschreckender Weise gefordert wird." Budapest. Ludwig Biro, Staatssekretär des Aeußern, hat abgedankt. Leerrwarbett (Holland). OberrabbinerRudelsheim, einer der angesehensten Rabbiner Holland:-, ist ver- ’ schieden. Kristiania. Im Parlament erwiderte der Außenminister auf eine Anfrage, daß die norwegische Negierung gemeinsam mit der schwedischen und der d,inischeu Regierung einen Protest in Sache» der polnischen Judenpogroms abgesaudt habe. Frankfurter Berichte. Personalien. Mit R o sa O p p e n he i m e r gcb. C r a in er, die im Alter von 37 Jahren ihrem Gatten und ihren Kindern entrissen wurde, ist eine harmonisch in sich geschlossen: Persönlichkeit, .die als Frau und Mutter,.als Mensch und Jnw den höchsten Anforderungen entsprach, abberufen Norden. Abhold jedem sich in die Oeffentlichkeit Stellen, einfach und anspruchslos, wollte sie nur eines: bennrßt an ihrer Vollendung arbeiten, bewußt wirken. Nicht nur, daß s'e - gewissenhaft die Pflichten! einer echt jüdisch» Frau re- . füllte, hatte sie ein bemerkenswertes jüdischc s Wissen und suchte es ständig zu mehren. Wer ihr Lernen galt dem' Wirken, und deshalb verstand sie es, unterstützt durch ein angeborenes liebenswürdiges, offenes Wesen, mit seltewr Meisterschaft, jedem Menschen als Mensch gegnübe.zutret«:, ihn individuell zu erfassen« und seiner Eigenart g recht zu werden. Möchte, wie sie war, es viele Frauen geben in Israel! . t. I. L. Goiteiu, Fritz Sondhcimer ,u>>> Bankier Jakob Wolfs wurden in das Zen!ralkoinriee de: Zion. Bereinigung für Deutschland gewählt! Verein „Tifereth Bachurim." Eine Mitgliederversammlung beschäftigte sich mit dem demnächstigen Casseler Bundestag der 'Agldas Jisroel- , Jugendorganisation. Herr Speyer vcrl>-s das Frankfurter und das Berliner Programm und d.cs des Vereins ., Tifereth Bachurim, welches den Delegierten als Richtlinien gelten solle. « In der heftigen Debatte wies Herr Rosen des, , öfteren darauf hin, daß der Verein es si-h zum Prinzip gemacht habe. Mitglieder aller orthodoxen Vrrteirichturgen Der Parncs drehte sich voll Wut von ihm ab. ./. „Ich Hab' gehört, der Herr Rabbiner kam' bald her," nahm jetzt Jakob Lichtenstein die Unterhaltung auf. »Ja/' antwortete Herr Rothstein, „er kommt bald und dann Hab' ich wieder die Ehr'." „Lassen Sie doch Ihre Faxen," schrie der Parnes ärgerlich, „mit Ihrem ewigen Reimen/' ,Marum soll ich's lassen? ich Hab' doch nichts zu versäumen." . „Alter Schaute, bas ist doch gerade um davonzulausen." „Es' ist gescheiter dazublciben.^ünd mir 'was ab'znkausen.! ' . ' . - „Ich kauf' hier.nichts. Sie wissen, wo ich wohn'." „Seien Sie ruhig, ich weiß es, morgen komm' ich schon." - , . , Bei jedem Reim zuckte der Parnes ärgerlich zusammen, er konnte die unaufhörliche 'Reimerei des Herrn Rothstein nicht Heiden, mußte sie aber mehr als alle andern erdulden, weil der Mann, wenn er als Schnelhgabbs.mit dem Herrn Rabbiner kam, wie dieser bei dem Parnes wohnte. Lud der Parncs ihn zuni Essen cin mit den,Worten: .„Wollen Sie nicht noch etwas essen?" so erhielt er die Antwort: „Dank' schön, ich werd' es nicht vergessen"; fragte er-ihn: „Essen Sie noch cin Stückchen Kuchen?".so antwortete der Gefragte: „Dank schön, ich Werkes versuchen"; auf die Frage: „Wollen Sie nicht-etwas nehmen?" folgte die' Antwort: „Tank schön, zu essen braucht man sich nicht zu schämen," — und das mußte der 'Parnes, wenn Herr Rothstein sein Gast war, mit Geduld . anhören. ... Herr Rothstein konnte nicht anders', er hatte sich so -gewöhnt immer nur das letzte Wort zu merken und es mit einem Reim zu beantworten, daß alle die Alten ihn für einen unausstehlichen Narren erklärten, während die Jugend bas. größte Vergnügen von ihm hätte. Alle umringten. sie ihn, sobald es ging, und dann wurde gebettelt: .Herr Rothstein, machen Sie mir ein Reimche." „Im Wald da wächst ein Bäumcha, oder cin Eppelche ist. kein Psläumche, oder das Kindche "kutscht am Däumche," das waren die gewöhnlichen Antworten. Für den, der Herrn-Rothstein zum erstenmäle hörte, mochte das ganz pläsierlich sein, wer aber wie der Parnes ihn tagelang anhören mußte, der konnte wohl nervös dadurch werden. Am andern Tage bekam sowohl Hannchen, die Magd 'Lichtensteins, als auch die von Herz und Mänes einen Taler von ihren Herren, um ihn Ricke zu bringen. Wegen der Schelfe und Vorwürfe, die sie dabei über-ihre Faulheit und Gewissenlosigkeit erhielten, vergrößerte sich ihr Haß gegen Ricke, die sie nun erst recht nicht als Kollegin von gleicher Stufe und ebenbürtigem Range anerkennen wollten. Um sich die Beschämung zu erleichtern, die sie darüber empfanden, daß sie die Bezahlung der Wache. Ricke selbst überbringen sollten, verabredeten sie .sich zusammen hinzugehen, da konnte« sie doch wenigstens' durch Schwätzen und Kichern über das. Unangenehme des Auftrages leichter hinwegkommen. Hannchen überreichte zuerst mit gemachter Grandezza und wegwerfender Mene ihr Talerstück und sagte dabei: „Da können Sie sich jetzt aber für den Sabbat ein neues Kleid anschasfen, damit Sie das von meinem Fräulein abgelegte nicht mehr am Sabbat zu tragen brauchen." Ricke wies das Geld zurück. „Ich bin Magd bei der Frau Lehrer," sagte sie, „und .wennich etwas verdient habe in der Zeit, in welcher ich für sie wachte, so gehört es nicht mir, sondern meiner Herrin/^ Die Mädchen waren verblüfft über diese Anschauung und boten in der Tat das Geld Riekes Herrin ärr. „Lcgt's auf den Tisch)" sägte diese, „ich werde es Ricke nachher geben, es gehört ihr.". „Das ist wieder einmal ein Beweis, wie dumm die .Ricke ist; nicht 'nur. keinen Lohn bekommt sie, sie will noch dazu zahlen; da kann sich auch die ärncste Frau «ine Magd anschasfen und kann sich's bequem machen."^ F Sie sprachen soviel von Riekes Dur.cmheit, daß-.sie. schließlich allgemein als erwiesen angesehni wurde. Hannchen und ihre Freundinnen hatten sich von Ausaupan vorgenommen, mit der hergelaufenen Berufsgenosji r keinen gesellschaftlichen Umgang zu pflegen, besonders sie/ von den Spaziergängen am Sabbatnachmittag auszuschließen. Im stillen ärgerten sie sich, daß sie, obgleich Rie!':: schon Monate bei der Frau Lehrer im Dienst war, ,roi:>r.. nicht einmal Gelegenheit gehabt hatten, diesem BeschlNj; eine praktische Folge zu geben: Riese hatte es grämlich noch nicht einmal versucht, sich ihnen bei einem Spazier- - qang anzuschließen. Was hilft aber de: charakiervotlstc ., Entschluß, wenn mau ihn nicht betätigen kann? Wi«: konnten sie Ricke ihren höhern gesellschaftlichen Wcrt fühlen lassen, wenn sie gar keinen Versuch machte, sich ihnen gleich ° zu stellen?; Ricke blieb eben die Sabbatnachmittage nach wie vor - zu Hanse, sie hatte noch immer kein Verständnis dafür,- daß das Herumgehen ein Vergnügen sein sollt-, für sie war noch immer das Stillsitzen auf der Steinbank vor der Haustür die einzige Art volttomniencn Ausruhens. Außerdem hätte sie dabei noch Muße, Gedanken nachzu - hängen, die ihr Innerstes beschäftigten, von denen sie aber keinem Manschen vertrauliche Mitteilnn-.c zu mache«, willens war. Auch hatte sie sich vorgenommen, nachdem ihr zehnjähriger Lehrer sie soweit gefördert hatte, laß'sie inr hebräischen Gebetbuch lesen konnte, mindestens dir Geläufigkeit ihres kleinen Lehrers zu erreichen. Sie übte deshalb unverdrossen stundenlang und hattejetzt - nach Monaten es . soweit gebracht, daß sie in allen Gebeten bewandert war. (Fortsetzung -folgt.)