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Neue jüdische Presse · 1918-12-27 · Heft 50 (27.12.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 50 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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In der neuen Postzeitungsliste ist bereits die entsprechende Aenderung vorgenommen worden. Der neue .Name soll für uns eine Vermehrung der redaktionellen Aufgaben bedeuten. Die Tendenz unserer Zeitung bleibt unverändert. ' Gleichgerichtete Kräfte. Die Zusammenfassung gleichgerichteter Kräfte eines Volkes ist die Vorbedingung erfolgreicher Arbeit. Hierfür entscheidend darf nicht der Erfolg sein, sondern nur die Gemeinsamkeit des Zieles. ' Die Uebereinstimmung braucht sich durchaus nicht qnf die.Gesamtheit der Bestechungen zuerstrecken, M genügt, wenn sie in einzelnen Teilzielen bestehtum die Sammlung aller.Energien für diese Teile zur Pflicht zu machen:' Keineswegs aber dürfen, sich gleichgerichtete Kräfte ausheben, indem sie an entgegengesetzten Hebelarmen zkhen. Und doch W es die gesetzMreüe Judenheit in den letzten Jahrzehnten in entscheidenden Momenten oft sv gehälten; und trotze mancher Wandlungen in der Begrenzung ihres Äufgabenkreises. hat sie es bisher nicht vermocht, diesen Fehler völlig abzulegen. V. Noch in der Nr. 49 des „Israelit" vom 5. Dez. wird in einem nicht -offiziellen Entwurf zu einem Programm der Agudas Jisroel als „innere Arbeit" u. a. Folgendes bezeichnet: „Schärfste Ausprägung des geistigen (Gegensatzes, in dem der Nationalismus der Aguda zu dem' des' Zionismus steht." Das ist in demselben Programm zu lesen, in dem in eines etwas unverständlicheren Formulierung inhaltlich dieselben Forderungen für dev Friedenskongreß vorgeschltM» werden, wie sie ' yon der Zionistischen Organisation schon proklamiert sind. Denn, wenn man von der. weitschweifigen religiösen, historischen Motivierung, die innerhalb der Judenheit sehr wertvoll ist, absieht, so bleibt doch 1.. hie „nationale Heimstätte in Palästina", 2. die Selbstverwaltung, wenn erforderlich durch „nationale Autonomie", in den Ändern mit jüdischer Massensiedlung und 3.. die „bürgerliche Gleichöe- . rechtiapng" auch in dieser neuen Formulierung als praktische Forderung übrig; und auf diese kommt es jetzt hier an. Ob sich das jüdische Volk auf der nationalen Heimstätte monarchisch oder demokratisch einrichten pnrd, mag von Wilsons Entschließung äbhängen, ich es dort aber eine religiös-nationale oder nur nationale Kultur entfalten soll, kann nicht der Entscheidung der BölKr anheimgestellt werden. Für. den Friedenskongreß. lassen sich also praktisch nur die von der Zionistischen Organisation Erhobenen Forderungen aus den.vielen Worten her- «uSfchalen, denn man. darf doch nicht annehmen> — pbwohl die unscharfe Formulierung beinahe dazu berechtigte daß beabsichtigt ist, diese Forderungen zu unterbieten. , Damit ist eine Zielgemeinsamkit gegeben. ■; Ueber die Bedeutung . der Zusammenfassung . gleichgerichteter > Kräfte, deren Bestehen anerkannt f^toitb, ist sich das .Zentralkomitee der Agudas Jisroel im Klaren, wie aus einem Schreiben vom 15. November 1918 an die Leitung der Zionistischen Organisation in Kopenhagen hervorgeht Dieses Schreiben ist von dem Wunsche „gemeinsamen Vorgehens nach außen" diktiert. Zugleich aber wird zur Bedingung gemacht, daß die Zionistische Organisation eine „bindende Erklärung abgibt, daß alle in Palästina zu treffenden öffentlichen Einrichtungen auf dem Boden der Thora, ihrer schriftlichen und mündlichen Gesetze, geschaffen und geführt werden, über deren Anwendung auch von uns anzuerkenncnde Autoritäten der Thora zu entscheiden hättem" Mit dem Friedenskongreß an sich kann diese Bedingung nichts zu tun haben, da die Völker, wie oben ausgeführt wurde, nicht die Rolle der Wächter des Thoragesetzes übernehmen können und dürfen, soweit nicht fremde Nationen die Juden an seiner Ausübung zu hindern versuchen. Es ist auch nicht denkbar, daß die Agudas Jisroel die augenblickliche politische Konstellation für günstig erödjtete, der Zionistischen Organisation die an sich wertvolle, oben zitierte Erklärung abzuringen, etwa in der Erwägung, daß dieser jetzt an dem offiziellen taktischen Anschluß Möglichst vieler Verbände gelegen sein.muß, Der Zweck wäre edler als da? Mittel. Man kann also nicht glauben, daß aus diesem Grunde das gemeinsame Vorgehen an. die erwähnte Bedingung geknüpft wurde. Es bleibt nur noch, daß die Agudas Jisroel im Namen ihrer Mitglieder die Herrschaft des Thoragesetzes garantiert haben muß, »veil ihre Anhänger aus .Gewissensgründen nicht für die Rückgabe von Erez Jisroel an das jüdische Volk Mitarbeiten können, wenn sie befürchten müssen, daß in diesem, dann auch unter ihrer Mitwirkung dem Volke erschlossenen Lande ein thorafremdcs Gesetz herrschen könnte. Diese Befürchtung besteht nun bei einem, gesonderten Vorgehen der Agudas.Jisroel mindestens ebenso zu Recht, denn die Völker iWnnen höchstens — was durch die gesetzestreuen Massen an sich schon gesichert ist —, die Ausschaltung jedes Gewissenszwanges garantieren, mehr keineswegs, da sie nicht zwei, jüdische Völker anerkennen werden. Was auch immer die Leitung, der Agudas Jisroel veranlaßt har, auf dieser bindenden Erklärung zu bestehen, sie muß sich'.über die Konsequenzen klar sein, die sich .für sie aus den verschiedenen möglichen Antworten, ergeben. Geht die Zionistische Organisation auf das Anerbieten ein, so fällt auch der letzte scheinbare Gegensatz zwischen ihr und dem gesetzestreuen Judentum. Lehnt sie aber ab, indem sie sagt: „Wir sind nichts berechtigt, rar Namen der Mehrheit der organisierten. Zionisten diese Erklärung abzugeben, da die Mehrheit nicht für sie ist, abgesehen davon, daß sie nicht im Rühmen unseres Programmes, aber auch nicht im Widerspruch zu ihm steht", dann hat die Organisation, welche, wie in dem erwähnten Schreiben, allerdings ohne Beweisführung, behauptet wird, „die weitaus große Majorität des jüdischen Volkes vertritt", dann hat diese Organisation es in der Hand, unter den Zionisten den Gesetzestreuen die erforderliche Mehrheit zu verschaffen, indenl sie offen erklärt, daß kein Gegensaß . zwischen dem Nationalismus der gesetzestreuen Judenund dem des Misrachi besteht, daß . es Pflicht ist, durch Stärkung dieser Föderation eiüe gesetzestreue Majorität unter den Zionisten, wie später in Erez Jisroel, zu schaffen und zu erhalten» um so die Anerkennung des Thoragesetzes für das öffentliche Leben in Palästina: zu garantieren. Immerhin muß. die Agudas Jisroel zu dieser Methode mehr Vertrauen haben, als zum Wohlwollen fremder Völker. Und da. es. in Zukunstsdingen keine Gewißheit gibt, muß in diesen Punkten das Vertrauen entscheiden. Daraus ergibt sich, daß Agudas Jisroel und' Misrachi als gleichgerichtete Kräfte aufhören muffen, Gegner zu fein und anfangen müssen, Schwesternorganisationen zu werden. Tie Agudas Jisroel würde damit ihre Existenzberechtigung nicht im Geringsten in Frage stellen. Sie erstrebt ine Organisierung der gesetzestreuen Juden aller Länder. Und nur innerhalb der Zionistischen Orgamsirtion und für Palästina tritt der MisraH aktz Organisation der Gesetzestreuen aus und vmtrrtL bi er dieselben Interessen wie die einzelnen Lty^ desurganisation der Agudas Jisroel in ihre» Ländern. Zu den Aufgaben der Agudas Jisroel uiti> des Misrachi darf es also in Zubmst nicht mehr gehören, einen konstruierten, theoretischen Gegensatz .zu betonen; sie müssen sich vietunhr gegenseitig stützen und stärke», denn es handelt sich nicht um die Agudas Jisroel und den Misrachi» sonder» um das jüdische Volk und das Mische Ideal. Vastriel Knaller. 4? ~5§ ** l 's'? Lemberg. Am 22. Rvvembe« brach in Lemberg der P»gr»m aus-. Durch viele Anzeichen hatte «e stzch läng» üorbem axe» gekündigt, und dann zog mit dem polmfchen Heer» zch gleich das PogromgespensL tzran uhö fuwfetftoxr, in die ©Wo*-: gen Lembergs eint Zwei Sage zwei lange Tage voll Rat und Qual — gehrte und frag wie «in höllisches Feuer de» Pogrom a» dem jüdisch» Lemberg. Die Straßen des Mi» fdjen Viertels verfärbten sich von Blut; denn ein ST begann, wogegen Bartholomäusnacht »t» stzlliauische verblassen, und hielh zwei Tage an. Läden wurden ze wert, Häuser in Braud gesetzt; Blut und Schutt und Asche waren die Spuren des Pogroms. AlS am dritten Tags „ i auch den Polen drS Mordens geangwar, —> zählte dkk' fünfzehnhundert jüdische Tote und zehntausend Heirnlafth „tj dem Hunger preisgebene jüdische Mensche». Der M»le ab». raffte den Raub zusammen, nahm sei» Gewehr wieder in di» Hand und wies der Welt feinst ruhige Miene, kühl ' unverfroren. Und log. 1 Bor (Alan die Frage: Auf welches Haupt fällt di»; nie ganz sühnbare Schuld für diese grausige Tat? Die Welt '< hallt wider von lauter polnischer Entrüstung und lchnpü» : rung über die Anklagen, die man gegen Polen gescheudert, hat. Auch wir wollen ich dieser Stunde unmmnbarvA-.O Schmerzes nicht ungerecht sein; doch: wir find es nichts F wenn wir sagen: die Polen, Regierung und BoS. habm» diesen Pogrom gemacht ich er haben ihn — das springend» Moment — schweigend geduldet. Nicht einzeln» RSw» H der und Verbrecher, wie Uns;Polen durch den Mund seinen -S Minister und Presseagenturen glauben machen will, — di» vJjpolnische Nativn trägt die fürchterliche Berantwortungx. K für jenen Pogrom. Und alle die Reinwaschungs- und Recht" J fertigungsverfuche — nicht nur Hatz sie in ihrer Richtig»- D keit ausnahmslos in sich zukammensallen — häufen B^:H weis auf Beweis für jene Tatsache^ well sie alle verteil^-/ digen, nicht verdammen, vertusche» und nicht eingeftehenß-. verwerfen wollen. Und mögen auch Unsaubere Elementes ihre Hand im Spiel gehabt haben, besteht doch die SErB»; fache, batz die ganze Atmosphäre, in der der Pogrom «rips stand, von giftigem Antisemitismus geschwängert ist. «WA Polen mutz daher als schuldig oder mitschuldig an- Lembcrger Pogrom gelten.. Tie Polen haben es gewagt, in einem Migenblis, dem die Welt den Bruch mit dem alten System der Untw» drückung und Knechtung vollziehe» will, de» GrundtzW - i der roljen Gewalt gegenüber den Juden triumphiere» lassen. Wie Gründe der Vernunft, alle Mahmmge» mitzk-Ä! Warnnungen haben nichts gefruchtet. Und fix zog jener GeisU^H! der Vergewaltigung, des Pogroms in Polen und Galh ~ von Stadt zu Stadt und, .siegte. Bis i» di» ffethj Dörfer ist die Pogromwelle hingedrungen, den» bis i»

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