Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 45 (22.11.1918)
- Date
- 1918-11-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. \ fjcmtffuttcr Israelitischer Kamtlieablatt. ö Nr. 4t. Adresse für Briefe und Depeschen*, Thorabund Heidelberg. Bettet Euer Jndentnm! Mit ungeahnter Plötzlichkeit wurden wir in eine neue Welt versetzt. Am Himmel leuchtet auf das Morgenrot der Freiheit. Die Mauern der . Gewalt sind eingestlrzt. Die Ketten dea Zwanges sind gelöst. Frei reckt der Mann in der Wonneluft des Friedens den lange gebundenen Arm zuschaffender Tat. Eifrig mühen sich die Besten jeder Gemeinschaft, aus den Trümmern, die ihnen geblieben, ein neues Dasein aufzubauen. Ist auch für Dich, deutsches Judentum, das Da za verbluten scheinst an ersehreckendem Abfall Deiner Kinder, — hervorgerufen durch Taufen und Mischehen, durch Unglaube und Zweifelsucht, durch vermeintliche Aufklärung, durch allzu eifriges Streben nach Besitz und äusseren Ihren, durch -schlechte Erziehung und verderbliches Beispiel, durch das geringe Wissen, das die verantwortlichen Stellen der Jagend übermitteln, mitunter weil sie selbst nicht mehr besitzen, durch Mangel an Selbstbewusstsein gegenüber einer andersdenkenden Umgebung und nicht zuletzt durch ungläubige Glaubenslehrer und irreführende, wenn auch gläubige, Führer — ist auch für Dich, Du deutsches Judentum, ein Daseinskeim vorhanden, der Dir Erhaltung und neue Blüte sichert, der Dich befähigt, Erbe zu bleiben Deiner in der Geschichte so überragend dastehenden Vergangenheit? Solch heuer Daseinskeim ist Dir, mein deutsches Judentum, in dem Tborabund erstanden! Der Thorabund hat es rieh zur Aufgabe gemacht, » ein jüdisches Schnlwerk grösseren Stiles mit Internats - Erxiehnng zu errichten, sodass die Vermittlung der Kenntnisse und die Ausbildung der sittlichen Persönlichkeit Hand in Hand gehen. Der Thorabnnd will jüdische PerBÖmlichkaitem erziehen. ~ Deshalb sollen in den Jugendjahren der Geist des Kindes und seine Sprachkenntniase ausser an dem staatlich vorgeschriebenen Klassenpensum vornehmlich an jüdischen Materien geschalt und seine Seele mit jüdischen Gedanken erfüllt werden. Später können die Schäler je naeh ihren Anlagen und Kenntnissen der Vorbereitung für einen Beruf zugeführt werden. Diejenigen Zöglinge, deren Seele ganz von dem Streben naeh Weisheit und jüdischer Erkenntnis erfüllt ist, sollen zu Gelehrten herangebildet werden, wie ein künftiges kernhaftes Judentum sie brauchen wird. Dass es dem Thorabund schon jetzt mit sehn gutem Erfolge gelungen ist, junge Kinder in das Studium der jüdischen. Quellenschriften einzuführen, bezeugen die Gutachten von Autoritäten. Der Thorabund will gesunde Menschen heranbilden. Deshalb will er nach dem Vorbilde und den glänzenden Erfahrungen vieler staatlicher nnd konfessioneller Anstalten so bald als möglish ein Landgut erwerben. Die Kinder sollen reichlich ernährt und in Gottes freier Natur grossgezogen werden. Gleichzeitig ist die Möglichkeit geboten, eine Anzahl junger Menschen su tüchtigem Iiandwirten auszubilden. Der Plan bat auch dsU Vorzug, dass Wohnung nnd Ernährung alsdann ein für allemal gesichert sind. . So will das Sshnlwerk des Thorabundes eine lebendig sprudelnde Quelle des Segens werden und dem Judentum immer aufs neue zuverlässige, leistungsfähige Kräfte zuführen. Nor eine langjährige, durchgängige Milieu-Erziehung kann Persönlichkeiten heranreifen lassen, wie sie das Judentum so bitter nötig braucht. Um dieses bedeutungsvolle jüdische Kulturwerk in Angriff nehmen in können, bedarf es der Mithilfe nnd Mitarbeit all derer, die nicht wünschen, dass das deutsche Judentum immer mehr der Auflösung entgegen gehe, nicht wünschen, dass es sieh immer mehr von seinen seeUsehen Daseinsbedingungen entferne, sondern deren ernste Sorge darauf gerichtet ist, dass das deutsche Judentum gerettet werde vor Verfall uad den Anschluss wieder finde an den dauerhaften Kern der jüdischen Gesamtheit. Und welcher gute treue Jude möchte nicht mitwirken an diesem jüdischen Fnndamentalbau, möchte nicht wenigstens dem Werke ein Mtwas an moralischer nnd materieller Unterstütiung leihen durch seinen Beitritt ala Mitglied des Thorabundes? (Mindestbeitrag Mk. 6.— jährlich D.-P.-Sch Konto 11695 Karlsruhe). - Viele werden ein Grösseres tun wellen. Wollen dem Andenken ihrer Lieben ein Denkmal setzen, das fortlaufend durch Geschlechter lebendige Wohltat wirkt nnd ewiges Hell für deren Seelen Wollen Gelöbnis erfüllen, das sie abgelegt in Not und Gefahr oder in Stunden schicksalsschwerer Entscheidungen. Wollen ein heiliges Werk vollbringen als Bank für Ihren Schöpfer ob der Errettung nnd Erhaltung teurer Mensehenleben. - Wen Pflichtbewusstsein nnd Tateneifor treibt, für ein ideales Erriehungswerk Mitglieder zu werben, der möge Werbeblecka bei uns' verlangen Jeder Jude, jede Jüdin, die für die Sache in irgend einer Weise tätig sein wollen, mögen uns davon in Kenntnis setzen. Von dem Weitblick und, dem Edelmut unserer begüterten Brüder dürfen wir erwarten, dass sie uns alsbald in die Lage setzen, ein Bettangsuad Lehenswerk für die jüdische Gedankenwelt wie für jüdische Menschenblüten in dem Aasmasse ansnlegea, wie es eines In die Zukunft der neuen Menschheit ragenden jüdischen Treupalastes würdig ist ' ' . Zu diesem jüdischen Treupalast werdet Ihr dann wallen, jüdische Mütter, mit dem Knaben an der Hand, der Freude Eures Lehens, dem Augapfel Eurer Mutterliebe, well er den Namen trägt des frommen Ahnen und sein Wesen verkörpert. Für dieses Kind, reich an Geist and Gemüt, kennt Ihr, treue jüdische Mütter, kein höheres Glück, nicht auf dieser, nicht für jene Welt, als dass seine reine Seele an jedem Tage sich bade in dem ewige Reinheit verleihenden Quell göttlichen Wortes nnd dass sein strebender Heist auf diesem neuen altem Wege vordringe zu den höchsten Stufen dea Wissens uad der Erkenntnis. — Die Namen Eurer Kinder dürft Ihr ans jetzt schon melden. . ' Die Leitung: des Thorabundes. , - ■ ■ ' . ._' . .■ N _. ■ - \ ' - ' . ' HM bte Redritio« «nd den gnserstmtell versnüvorUich: TUORABUND T»» ’WT CW5 IBM« IWMtUl UlSIKfc* *BWb Postscheck-Konto: Karlsruhe 11695.