Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1918-08-09 · Heft 31 (9.8.1918) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 31 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2692297-2693075-2693106--10418-2705746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1. h öe sessorl zuml ie anl Ü des» B r o I dom II li 0.1 ibinrij ic-i, >rge„-> D et J Mrtifeil B er J drei [atireil ioviull ränicJ rund SSciq alle thamt omiml Angel it cml hlanil uiiCu'rl irftclif Wcsii Ktjkf et, ml > fetnT 1) berf ifl, «'i| iw, li'il t aucr felicnf aubctl am, il ichl .1 gcitcil s iioif n, ml re iii« i, null urdc» inuftts rd nt| hr Cicil lidjtoj Clttiiii fpictJ ittJ ItCIllDtl .'ÖaniJ so eil its rls Dil -■u l'flj >ie iii Hanl ir Zcil Kostcl länili« i der! lt niifl 5er il : - Le UI cn; il iiicrlfi ichichiß diese crliinl >gel I enn i jede euul 56 vir 31. F-rankfurler Israelitisches Familiendlall. Seite 3 Wenn sich einmal die Maschen eines Zuiiaiiieus nur eine Familie sdrcjtfjoben, dann gehört die Riesenstärke himii'lischer Geister dazu, ein solches Netz zu zereiften. Unsichtbar über allen Lagen und Verhältnissen des Lebens hängt und schwebt es, nin alles Tun schlingt es sich, klammert sich an Leib und Seele, begleitet den Kommenden und de» Gehenden, das Geborene und das Sterbende. Das stärtste Dchiffstan ist dagegen ein dnniier Spinnfaden ini Slurme. Ein solches Netz war über jenes Hans geworfen .... es hicp eben „Min". GS wäre schwer zu sagen, was alles in dem engen Rahmen dieser wenigen Laute liegt. Bor allein.meinen die Legte in der Gasse darunter einen stillen Menschen ohne Schein und Bedentnng, ohne das geringste Geltendmachen seiner Person, einen, der aus der geradesten Strafte, tun ischer zehn Raum haben, answeicht, damit der Nachbar nur nicht beengt und am Ellenbogen gestreift werde. Das hätte den Leuten noch gefallen: denn wo. lvird . einer gefunden, dem es nicht fast stolz aus Herz greift, dast sich der andere niederer dünkt als er selbst? Dazu gehört das falle und ganze Wissen vom eigenen Menschtiim, wenn das anders sein sollte, als es wirtlich ist. Was aber die ' Leute nackirngen jenem Hanse war eben gerade, dast jeder darin .... ein „Min" war. Hinter jener Stille und Beten tu »aslosigkeit, meinten sie, lag etwas Lauerndes und Perstecktcs: man müsse immer auf seiner .v>nt sein, könne sich mit ihnen nicht tief einlassen, nie wisse man, wie das endige, ob im Guten oder im Bösen. So durchscheinend die Lebensverhältnisse in der „Gasse" chb.ii! ii.'viihi. a»i^v ,ioa soiiv tpnv ihsl oj 'gutj IpijiujaaiaO . was »tan doch nicht verberge» kann,'— von jenem Hanse . konnte man das nicht sagen. War Wolf. „Min" reich? Ging es ihm gut? Man sah keine Regsamkeit, man hörte keinen Lärm, der weder das eine noch das andere behaupten liest. Der „Min" blieb sich immer gleich. Die drei alten, weitschattigen Nnstbänme, die vor dem Hanse ein so undurchdringliches Grün ansbreiteten, wer hatte sie gepflanzt? Wahrscheinlich der, der -das Haus baute, und scholl er war ein „Min"! llnd warnm lieft sie der Sohn und wieder der Sohn dieses Sohnes stehen? Etwa, weil sie so gute Früchte gaben? Es kam nicht der zehnte Teil da- von nur de» Tisch und in die Tasche des Hanfes: Koppel Friedwaiins Sohn, das wilde „Davidl", der jetzt nach den letzten Berichten ans Am r.k.i „Mayor" in einer Stadt am Ohio ist (das wilde Davidl!> schlug sie herab, wenn sie noch' in der grünen Hülle steckten. Also nicht darum, svn- ' dem weil „sie" nicht wollten, das; man ihnen durch die Fenster sehe. Die Welt hätte dann erfahren, wie Wolf „Min" und seine Familie innerhalb seiner vier Wände lebe! 1 Bon jener katzenartigen stille int Auftreten, die man den „Mins" besonders Nachtrag, müssen wir nur etwas erzähle». Es war wirtlich merkwürdig, wie lautlos,, gleichsam in geölten Türangeln, sich ihr ganzes Tun und Treiben bewegte. Man tonnte mit Bestimmtheit Voraussagen, wann Wolf einen neuen Rock anzog, oder wann sein Weib, die fast noch stillere „Perl", in einer neuen Haube erschien. ES geschah dies nur am ersten Tage des Pessachfestes, sonst nie. Da verschwand aber.dieser ungewöhnliche Glanz in dem von allen andern in der Gasse zur Schau ansgestellten, er verletzte niemanden und tat niemanden wehe. Diese Selbstverleugnung erstreckte sich auch sonst, ans jeden Tritt und Schritt. Bei Gemeindewahleii nahm Wolf „Min" jene Stellung ein, die man in dem nenesten Hochdeutsch das „Zentrum" oder in der Sprache das Glpttos — „bei: Min" nennt; er hielt sich weder zur Rechten noch zur Linken, und am liebsten war es ihm, wenn er gar nicht mitzustimmen brauchte. Trotzdem ereignete sich einmal etwas, was in dem Andenken der „Gasse" noch lange leben wird. -Man sagt, dast es Koppel Friedmaiin war, eben derjenige, dessen wildes „Davidl" jetzt Mayor in Amerika am Ohio ist, der im geheimen eine so ungeheure Tätigkeit entwickelte, dast bei einer Gemeindewahl sich die Mehrheit der Stimmen für Wolf „Min" anssprach. Mit einem Male sah sich das baltengezimmerte Haus hinter den drei Nnstbänmen von einem Glanze umflossenj von dem es nie getränmt hatte. Was Koppel Friedmann bewirkt, war freilich nur zum „Spaß" geschehen, er wollte nämlich das Experiment versuchen, wie sich >o ein ..Min" in dem neuen Wirknngsk.reise. ansnehmen würde, — aber das machte die Wahl nicht rückgängig. Än demselben Tage soll ans dem Hanse der „Mins" ein langgezogenes schmerzliches Weinen erklungen sein, wie man es von dort nie' vernommen hatte. Wer anfnierksamer hinter die Nnstbünme sah, konnte sogar den Schatten der sonst so stillen Perl in heftiger Bewegung die Stube auf- und iiiedenvandelnd sehe», die Hände gerungen, und sie hie und da auch heftig weinen hören. Dazwischen konnte man die fast bittend klagende.Stimme Wolfs vernehmen, der diesen Jammer zu beschwichtigen's'chicii. Es war das erstemal, dast das Hans der „Mins" in eine so traurige Bedentsamkeit trat: es war allen, als tönte Peels Weinen durch die ganze Gasse. 'Alles fragte sich: „Perl, Wolfs Frau, kann als» auch weinen? So ist er also doch nicht der" Min, für den man ihn gehalten hatte?" 'Andere sagten wieder: „Hätt' man nicht darauf geschworen, iji Wolf „Mins" Hanfe geht's wie bei Gott im- Himmel zu vor lauter Herzfrend und Händedrücken? Jetzt sieht man, wie es bei ihnen zugeht." . .Nur wenige ahnten den richtigen Ziisammenhang zwischen Perls Tränen nno — der Gemeindewahl. 'Aber am andern Tage lieft Wolf erklären, er könne die auf ihn gefallene Würde nicht annehmen, er bedanke sich ihitiir, und lieber bezahle er die ihm anferlegte Strafe, als dast er sich einokLast anferlege, für die seine Kräfte nicht gewachsen seien. „Der Min", hi es; es nun, „der Min!" Jemand, der dieser Geschichte und noch anderen ans der „Gasse" sehr nahe steht, war zugegen, als am Abende desselben Tages nach „Schul" das wilde „Davidl" einen ziemlich blöde anssehenden Jungen fragte: „Kobi! Warnm hat denn dein Pater die „Gabbe"- stelle nicht angenommen?" „Es wäre ihm eine zu graste Last gewesen", sagte der Knabe mit merkwürdigem Angenspiel. „Wariim wll 'er sich für nichts und wieder nichts eine Last anslegen? Er hat „so" genug zu tragen/! Diese Antwort machte offenbar das wilde Davidl verblüfft: doch erholte er sich bald und sagte lachend: „Soll ich dir sagen, warnm er sie nicht angenommen hat? Weil dein Pater ein „Min" ist, weil deine Mutter eine Min ist. und du bist auch einer!" Der künftige Mayor in Amerika hatte recht. Bon dem jungen „Min" wollen wir eben erzählen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Chronik. Neue Jüdische Monatshefte. 2. Jahrgang, kl>. Heft. Berlin. - Ans Dr. Rafael seligmanns Aufsatz über Schopeiihaner: „Uns interessiert hier die ganze Problemstellung, ans die das Schopenhanersche System ansgebaut ist: Ob die nächste Tatsache der Erhaltung, des Beslehens. des Seins die oberste Instanz bildet und die Person von mir nebensächlicher, untergeordneter Bedeutung ist, deren ganze Aufgabe in der Anpassung an dieses Sein bestehen soll, oder ningekehrt, die Person bildet die höchste Instanz, vor der das Faktum des Lebens, des Seins Rechenschaft ablegen mnst. . . Die Hauptsache bleibt, das- Sch. die^ Person und deren Urteil über die nackte Tatsache des Seins, der Erhaltung, des Bestehens, des Lebens als solchen erhebt. Und in diesem Erheben. . . -besteht das ganze Wesen der Moral. . . Nein, ist nicht Mitleid, sondern Protest,' und zwar ein sehr hartnäckiger und unversöhnlicher Protest gegen die Macht des Bösen. Einen^ derartigen Protest beobachten wir bei den Propheten. Schopenhauer konnte und wollte es nicht sehen, — und trotz alledem steht doch der 'Antisemit Sch. dem wahren Wesen des Judentums viel näher als beispielsweise der jüdische Denker Spiiwza, in dessen Ethik kein Dropsen echten jüdischen Geistes anzntreffen ist und der sich eher in einer gewissen Verwandtschaft mit dem Hellenentum befindet." 'Ani die Avhanvliing des Dr. S ch e f r e t o w i tz iib.'e „Jüiz. Volkskunde" ist zu bemerken, daß ähnlich' Sitten leineswegs stets auf den gleichen Ursprung schlieften la.sen. So ist die Sitte, abgeschnilleiie Nägel zu verbrennen oder zu vergraben, bei uns Inden unserer 'Auffassung von der Heiligkeit des menschlich'» Körpers znziischreiben. Literarische Notizen. In Petersburg ist im Perlag „Ehajim" der erste Band einer hebräischen Pierteljahrsschrist für Geschichte der Juden und des Judentums unter dem Titel „Heowar" erschienen. Die hervorragende Zeitschrift ist gleich dem Perläg Ehajim nur aus den Mitteln der Hinterlaffeiischrft: des bekannten' Philanthropen E h a j i m Ka >> a n ermöglicht worden. Offenbaeber Dracbliift- A nlag» Offanbach tu M, Telefon 123. (Anschluss mitFrsnkfmt). dewährteste TapplchPntlllaiing (100,000 qm jährlich sowie unübertroffen» Bettfadernrelnlgiing mittelst Druckluft and Wasaerdampf. Wochen-Salender. Samstag, II». Äug. (--- 2 Ellut). Sabbat-Anfang in Frankfurt 8 Uhr: Sabbat-Ausgang in Frankfurt!f' i Uhr, in Berlin!t Uhr Kl Min. . Wochenabschnirt: S ch a n ft i nt. — Einsetzung gerechter Richter. Pflichten des etwaigen Kvnigs. Wahre nnd falsche Propheten. Kriegsdienst Ans dem Prophetemvort des Sabbats t Jesaja, Kap. .öl): „Gott ist stets derselbe — das ist's was euch tröste. Warum fürchtest du dich da vor den Menschen, der dahin-- stirbt, der wie Gras dayiugegeben wird? Und vergissest Gott, der noch jetzt dich gestaltet, noch jetzt dje Himmel ivrtbt und der Erde Festigkeit gibt, . . ." Bereius-Salender. A g u d a S I i S r o cl - I u g e u b g rupp e. » 'Samstag, Uhr icachsit. -Haftoro-Portrag »Fritz Josef), bvirausgehend 'MiiMt-GoUesdietch. Arankfnrler Familiennachrichle». Barmizwos. A'no'd Sulzbach;. Baumweg >7, Synagoge Friedberger 'Anlage. Per lobte. Erna Abraham, Eschenheimer 'Anlage 2ä mit Erich Marx, Köln. — - '; W e st o r b e it. Thekla Heidingsseld Wwe. geb. Peikh, »<>' I., Oberweg -">0. — Nathan Rapp, 154 I., Mnsikantenweg 24. — Fannh Friedmaitn geb. Schwarzschild, iitz'J., Obermainstr. Ul. Berta -Hirsch geb. Langenbach. 8!» I.. Grüneburgweg!»>. — Josef Reichmaun, IS I. — Mar- Adler, >2 I. — Kurt Rothschild, Sandweg- >!<». — Auswärtige Familieunachrichte». G e b o r e u. Eine Tochter Dr. Robert Löwenthak sRoseiiwaldi, Grunewald. — -Ein Solnt Jakob Reich iFeiichtwänger', München. / Oss jtidl8<3h.e Krankenhaus „Seliaaro-Zedol:“ zu Jernsalem Rittet für seine Oi-ganisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für- Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden, hält sich füy gewissenhafte Uebernahme Von Stiftungen empfohlen. Geschäftsleitung : Frankfurt am Main. Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a. M. Betten-, Zimmer-, Jahrzeit-, Gedenktafel-Stiftungen. Man fordere die Bedingungen ein. Briefe zu richten nach Röderbergweg 63. 5 Keineckstrasse S Jul. Herrn. Homburg vorm, «f. (*. B. Trost Filiale Rämer 5248. jSpezialhaus für solide JCüchen^eräfe und JCrankenhausarJikel. .—

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.