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Neue jüdische Presse · 1918-08-09 · Heft 31 (9.8.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 31 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M. s: Cangeftr. 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903. O-erausgeber: Sa kg H>sis. Erschein! wöchentlich am Freitag. Arzugsprris pro Lierlrijahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.50 frei ins Haus. Bei der Post abonniert 2JH..1.85, frei ins Haus 4 Psg. vro Monar mehr. — Bei Zusendung durch Sireisband für Dyuschland und Oesterreich-Ungarn Mk.2.— für alle übrigen Länder Mk. 2.50 Einzel-Älummern kosten 15 Pfg. Jalertionsprris für die sechsgefpallene Peritzeile 40 Pfg.. für die Reklamezeile Mk. 1.50. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt., Platz- und Damm-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Rnnoncen-Annahme bei der Exped. und in a.Annoncen-Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Str 4864. 16. Jahrgang. Freitag, de« 1. Elliii 5678 (9. August 1918) Kr. 31. Die antisemitische Verhetzung irr . Oesterreich. »Ter Vvrsläiid der ZSiener isra.'litischei, Kultnsgemeiiide nahm -einstimmig die folgende Entschließung an, zu der auch mehr als 40<) Kult>isge»,ei»den O.fterreichs ihre Z„- fliinmnng erklärt haben: -„Der Vorstand der israelitischen Kultnsgeineinde legt namens der von ihm vertretene» Jndenschast ans das entschiedenste feierliche Verwahrung, dagegen ein, das; iienerdiiigsz seil einer ‘;Hcii>c von Monate» in Wien und ganz Oesterreich unter Duldung der Behördeneine nsrPmätlsche Wühlarbeit Platz gegriffen hat, die >en ofsentundigen Zivcck verfolgt, die ch r i st l i ch e Be - volteruiig Oesterreichs gegen die Juden zu verhetzen 'und zu Ansjchreitnngen gegen dieselben anfznrcizeii. Diese antisemitische Organisation hat in Westösterreich in den sogenannte» Deutschen Pollstagen ihren Höhcpuiitt erreicht, in deren Verlaufe die in Massen ann esrnde Bevölkerung zu direkte» P v g r o in e n g e g e n d i e I u d e n a n f g e s o r d c r t wurde, ein Beginnen, das angesichts des in der Bevölkerung angehauflen Zündstoffe fast zn unmittelbarem Erfolge geführt hätte. , dicgcniiber den in den 'antisemitischen Persaminlnngen n»d in'der antisemitischen Presse wider die Anden im allgemeinen vorgebrachte» »»wahrest, erdichtete» und entstellten Anwiirsen sieht sich die österreichische Andenschaft veranlasst, nacl drüctlichst festzustellen: . 1. Die österreichische Jndenschast in ihrer Gesamtheit hat in diesem Kriege bisher gleich allen anderen vaterlaiidsnnd laiserirenen Bürgern dieses Staates beding»,igslos lind uneingeschräntt Gut und Blut geopfert: für Kriegsjürsocge. nnd für die Bedürfnisse des Staates zur Kriegsübrnng leistet sie weit über jedes Verhältnis. 2. Sie hat in ihrer Masse durch die kriegerischen Verhältnisse materiell nnglrich mehr.gelitten als andere Beoölternngstreise; aber auch ihre seelischen Leiden waren vcrliälinislnäslig größer, nicht nur, weil die Bevölkerung aller-Schichten in maßloser Weise gegen die Juden verhetzt ist, sonderii auch deshalb, .weil gewissenlose antisemitische Parteiführer des Hinterlandes nicht vhne Erfolg bemüht waren, .de» Judenhaß in die Armee zu verpflanzen, selbst bis in die vorderste Feuerlinie zu tragen, wo die Inden trotz ihMr Zurücksetzung Leben und.Gesundheit für das Vaterland aufs Spiel setzen und opfern.!>i.riegsgewinne wurde» von Richlinden in höheren! Mage erzielt als von Anden: anderseits erreicht die Sniume aller Verfehlungen, deren einzelne Inden, sich schuldig geinachl habe», nicht im entfernteste» im Verhältnis die Siiinine jener Verfehlungen, deren Richtjnden überführt wurden, ohne dag daraus die gesamte Konfession oder Nation der Schuldigen jene verallgemeinernden Schlüsse gelogen worden wäre», wie dies gegenüber den Juden geittu'1,1. -1. Die Andenschafk Oesterreichs hat es stets in tiefivurzelnder Liebe und Treue ziim Vaterlande als ihre heiligst. Pflicht angesehen, alles zu unterlassen, was die Ruhe und dei, Frieden im Inner» des Reiches zu stören geeignet wäre: niemals hat auch nur der Gedanke an. einen v»chvcrrnl, a» ein Einverständnis mit dem Feinde in ihren Reihe,, Eingang Und Verbreitung gefunden. Die Anden waren und sind ein staaiserhalteudeS Element von nnbedingler Treue und haben einen Rechtsanspruch daraus, als solches behandelt zu werden. 5. Die Audenschast hält es unter ihrer Würde, sich gegen die. bewusst lügnerischen. Anschuldigungen zur Wehre setzen, ivelche die Anden in einem Znsaninleuhang mit den unsiniiigc», widerwärtigen Gerüchten der letzten Zeit bringei: wollen. Sic erblickt eine schwere Gefahr für den Staat darin, das; durch gewissenlose Hetzer in össentlichen Versammlungen gleichzeitig mit Loyalitütsknndgebnngen illfrcizeude Knndgcbungen gegen die Anden veranstaltet, iverde», dag hiedurch vor einer irregeleiteten Bevölkerung kaisertreue und Audenhast identifiziert und die dynastischen Vefühlc auf das schmählichste profaniert werden. 6, Die österreichische Judenschaft hält es für ihre hätriotischc Pflicht, in dieser schweren, für die Zukunft tcr Staaten' entscheidenden. Zeit den Lenkern unseres Ttaatswejcns.die Lehren der Geschichte in Erinnerung m rufen, das;( überall, in jedem Lande, die hemmungslose Duldung von Aufreizenden z»P Hasse gegen eine bestimmte Pationalität oder Konfession in ihrer äußersten Konsequenz sich immer an dem Staatsganzen gerächt hat. Die vou unverantwortlichen Demagogen versuchte und nicht nach- , drücklich genug bekämpfte Hinüberleitung gärender Bolköleidenschaftcn in eine Jndenhctze ist ein für die allgemeine Staatsordnung höchst gefährliches Mittel,, dessen vielleicht möglicher momentaner Effekt in. keinem Verhältnisse steht m seinen weiten nnabjehbaren Folgen. ' . - 7. Jie Jndenschast Oesterreichs lehnt jeoe Verantivvrtnng für dir bei weiterer Duldung dieser Verhetzungen gegen die Inden nnansbleiblichen Folgen ab und wird sich letzten Endes gezwnnge» sebe», sich zum Schutze ihrer eigene» Existenz, zur Abivehr der ihr drohenden Gefahr, zn organisieren." Diese Erklärung sagt iinsereS Erachtens zn viel, und zu wenig. Sie sagt zu viel, indem sie ans die lügncrisclieu Beschuldigungen der Antisemiten näher eiugeht »ud sich gegen sie verteidigt. Es hätte der Würde der österreichischen Jndenschast mehr entsprochen, die Uuwahrheiten einer wüsten Demagogie mit schweigender Verachtung abzutun und nur die Forderung ihres Menschenrechtes zu betone». Die Erklärung sagt aber auch zu wenig. Rur als letztes Mittel und nur zur Abwehr der durch die auiij'initiscke Agitation drohenden Gefahr will sie die österreichische Jndenschast organisieren. Diese Mängel könne» nicht von ungefähr sein, sie können nicht den zufälligen Verfassern des Wortlautes zngcschrieben werden, hat doch der Vorstand der Wiener Kultusgeineiiide einstimmig die Erklärung. beschlossen und haben doch vierhundert Knltusgcmeinden ihr Einverständnis kundgrgcbe»! Die ans der Erklärung sprechende Denkweise dürfte also Geist vom Geiste des österreichischen Durchschnittsjnden sein. Wir sehen in der Erklärung die hervorstechenden Merkmale dcs Assiinilationsjndcntitms: zu ivenig Würde und nur ein Judentum der Abivehr, zu wenig Würde, iveil eben ein bewußtes'-positives Judentum nur noch' in einigen ethische»'Anschauungen vorhanden ist und der bewußte Znsaininenha.lt hauptsächlich von außen hestimmk wird. Das jüdische Märtyrertum ist cs, das die Beziehungen des Assimilationsjude» zn seinem Indent,»,, bestimmt. Er leider, weil er Jude ist, — „iid wenn er nicht mehr als Jude leidet, dann schwindet seine stärkste, ja häufig noch letzte Beziehung zu», Judenliiin. Es ist das eine Tragik: er muß den Antisemitismus bekämpfen, wenn aber die Bekämpfung Erfolg hat, untergräbt er seinen stärksten jüdischen Halt. Hier zeigt sich das Widerspruchsvolle und Unvernünftige des Assimilakioiisstaiidpunttes in seiner ganzen Kraßheit: grade so, wie der 'Assimilationsjude stets ängstlich die' Würde zn hüten sucht und sie doch am meisten verletzt, weil er immer nur ängstlich nach dem Urteil der Richtjnden schielt. Würde die österreichische Judenheit i». ihrer eigenen Mitte Umschau halten, würde sie von innenheraus das Judciitiuu unter sich zu kräftigen suchen durch Verlebendigung der jüdischen Tradition und durch "Stärkung des Svlidaritätsgefühls, dann würde sie sich wohl ein eigenes, ein indisches Gepräge verleihen, aber dann, nur dann löniitc sie sich einen starken Willen geben, könnte ein Faktor 'werden, mit dem man rechnet. Mit dem schwachen, schatkcnhastcn Assimilationsjudentum ist nie gerechnet worden und wird nie gerechnet werden! Der BnnSestag der Aaudas Jisroel- Iugeudorgauisation. Von Montag, 2t>. Juli bis Donnerstag, I. August fand unter großen Beteiligung in Würzburg der Bundestag der 'Agndas-Jisroel-Jugeiid-Organisntion (Bund geseyrstrcucr Jugend-Vereine) statt und bewies, daß das Leben unsere, deutschen Orthodoxie immer nvch kräftig pulsiert. Die ersten zwei Tage waren mit Referaten und Debatten - darüber aiiSgefülll. . Es sprachen am Dienstag Dr. I s i Kahn über: „Gesetzestreue Jiigeiidorganisatiou nach dem Kriege" und Dr. Jakob Segali über das Thema: „Was ist und wvzu braucht man thoratrene Jugendorganisation.'' Am Mittwoch fanden dann die Referate von Armcerabbiner. Dr. Kohl, über: „Der Agudoh-Gedanke bei unfern Kriegern", von Max Cohen-Köln über: „Unsere Stellung innerhalb der jüdischen Jugendbewegung" und endlich ein Referat von. Dr. S i m v n s o h n - Berlin über: „Esra, unsere Jugendpflege-Arbeit" statt. M a x E o h e n führte in seinem Referate ans, daß die Agudvh gegenüber den neutralen Vereinen eine durchaus feindliche S t e l l u » g einnehme nnd man sich prinzipiell vor Arbeitsgemeinschasten mir andern Jngcndver.bänden hüten müsse, wenn auch an einzelnen Orten aus taltischen Gründen eine solche geslatler sein dürfe. Zionisten wolle man wohl als Mitglieder aufnehmen, Mitglieder des Vorstandes von Ll g u d v h - G r u p p e n könnten sie jedoch aus keinen Fall werden. , Gegen diese Anschauung wandte sich mit Entrüstung eine leider nur kleine Opposition, bestehend aus Zionisten und Nichrzionisten, die darauf hinwies, daß gefetzestrencs' Jndenttiin und Zionismus sehr wohl vereinbar sei, daß. vor allem die Agndas-Jisroel eine Zusamineiifassuiiq aller Gesetzestreue, , ohne Rücksicht auf ihre jüdisch-politische Stellung darstelle» müsse. Diese Debatte über die Stellung z.„m Zionismus fand auf der Delegierten- T a g u u g am Donnerstag ihrn, Fortsetzung. Hervvrgerusen wurde die fast den ganzen Bvrinittag dauernde Distnssioi, durch eine» Antrag der Straßburger Agnvah-Grnppe, der besagt: „Die Jliqendvrgaiiistitioi: nimmt als solche zum Zionismus in keiner Weife Stellung, bevor die Hauptorganisation sich dem Zionismus aegeaüder in irgendeiner Weise sestgelegr tiat" und durch eine von.Rabb. B t „ m - Plesckwu eingebrachte Resolution mit dem Inhalt, daß Zionisten Vorstandsmitglieder der Agudoh-Gruppen werden können, und mit ei»em Zusatz, das: Vorstandsmitglieder eines andern Jngeno- Vcreins nicht gleichzeitig Dsrstandsnntqtiedrr der Agudvh werden können. Rabb. Bt »m-Ptesckwn, >H. L evy- Bertin, L i ch ti g feld-Frankfurt und EDFronrnr- Frantfiiri sprachen sich mit aller Eirtschiedenheit gegen den Straßburger Antrag und für die Blnmsche Resolution ans und wiesen darauf hi», daß die Agndas-Aisroel eine Vereinigung aller Gesetzestreue,, darstelle» müsse, daß sie die nicht zn Mitgliedern zweiter Klasse machen dürfen, .die glaube», die Gesamtheit des jüdische,, Volkes nicht vertaisen zn dürfen. Im Gegensatz zu der Mehrheit der Redner wurde von diesen Herren unbedingt eine Entscheidung im Sinne der Blmnschen Resolution verlangt. Bei der Unciitsllitosscnhcit der Vcrsamiiilniist und ihrer Antipathie gegen de» Zionismus konnte die Entscheidung jedoch nicht erzielt werden, und der S t ra ß b n r g e r A n t r a g wurde mit 84 gegen-14 Stimmen a ng e n oni nie n. In der 'Abendsitznng verzichteten dann die Zionisten ihrerseits aus eine Abstiinmiing über die Bluinschc Rejotution. Wenn die zwar nicht ausgesprochene 'Gegnerschaft der Mehrheir der Versammlung, gegen den Zioiiisiiius i,n hock,sten Maße bedauerlich ist, so war sic doch zu erwarten, den» die Mehrheit der deutschen Orthodoxie ist eben noch zu lehr in ihrem nicht d>- Gejamtdeil des jüdiichen Bockes umtassenden Gedavkenkieis bes ngen, als daß man beute schon eine Entscheidung zu», Zionismus oder doch wenigstens zum Verständnis rür den Zionismus von ch» erwarren könnte. Aber gerade, nm mit der Zeit eine Verständigung zu ermöglichen und um vor allem de» z-esctzcstreuei, Zionisten nicht de» Zusammenhang mit der Mehrheit der deutschen Orthodoxie abziischiwiden, ist von zionistisck-ei' Seite der Bruch verhütet worden. Vvi, sonstigen Ergebnissen der Tagung ist noch die Gründung von gesetzestreiien W a n d e r g r u p p e „, die ähnlich dem Blau-Weiß gebildet sein werden und ein Beschluß auf Betonung d es national e n M o m e » t s in der Agudoh-Arbeit heryorzuheben. So schloß zwar die Tagung mit keinem die Ziöniste» befriedigenden Ergebnis; mau schied aber in der Hoffnung, daß auch in den Kreisen der Orthodoxie die Liehe zur Gesamtheit des jüdischen Volkes mit der Zeit anch eine gerechtere Würoignng des Zionismus Hervorrufen wird. '. je. Vom jüdische« Natioualfouds. Die Spendeneingänge d-'S Jüdischen Rarionalfond im ersten Halbjahr li>l8 betragen, nach Tageskurse» gerechnet. Fr. i)ti0,000. 'Aach Ländern geordnet ergaben: Rußland Rbl. IS 1,7)01Oesterreich Kr. 406.l00, Polen und Lithaiieii: durch Oesterreich besetztes Gebiet Kr. 40,156 durch Deutschland besetztes Gebiet M. 145,304, Deutichland M. 148,573 Nordamerika Doll. 12,010, Südslavische Länder Kr. 40,083, England Lstr. 1606.17, Holland fl. 12,092, Ungarn Kr. 16,715, Südafrika Lstr. 612, Bulgarien Lev» 0014, Frankreich Fr. 8564, Schweiz Fr. 7029, Belgien Fr. 3012, Schweden Kr. 3569, Italien Lire 4607», Australien Lstr. 172, Egypten Piaster 11,060, Dänemark Kr. 1519,.. Kanada Doll. 420, Rumänien M. 1159, Argentinier Doll. 28t>, China Doll. 03, Norwegen Kr. 294, Palästina Lstr. 10. Der Ertrag aus den Vereinigten Staate» von A m e r i k a ist bedeutend hölier als der oben angeführte. Infolge des stockende» Verkehrs haben die Ueberweisungen des zweiten Vierteljahres das Hauptbüro nvch nicht erreicht. Ziach der letzten Meldung des 'Remnorker Zwcigbureaus hat allein der jüngst stattgefuiidene Blumentag zugunsten des I. N. F. eine 'lifettoeintioljme oots Doll. 30,000 ergeben: darunter aus 'R'ewyork Doll. 10,090, 'Chicago Doll. 3500, Baltimore Doll. 2000, Philadelphi» Doll. 1800. . ' Auch die Eingänge aus Rußland umfassen nur die ersten drei Monate dieses Jahres. Es feien die Beschlüsse zur Ausgestaltung der I. N. F.-Organisatiou in Rußlaiid und die Eröffnung eines Narionalsonvsbureans sür di»

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