Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 30 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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t Erscheint wöchentlich am Freiräg. Ke;ugsprr«s pro slkierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.50 frei ins HauD. Bei der Post abonniert Mk. 1.35, frei rns Haus 4 Psg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streisband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk.2.— für alle übrigen Länder Mk. 2.50 - < . Einzel - diummern kosten 15 Dsg. LedaKtimr und GXpeditimr: Frankfurt r». M. :: Cangcjtr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. Herausgeber: A » 5 g ^eis. * * Infertiauspreis für die fechsgefpaltene Petitzeile 40 Psg., für I die Reklamezeile Mk. 1.50. Bei Wiederholungen entsprechender | Rabatt. Platz- und Datum-Borschrist ohne Verbindlichkeit.! Annoncen-Annahme bei der Exped. und in cuAnnoncen-Bureaus. I Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr. 4884.! - ' 16. Jahr«a«ä Freitag» oe« 24. Aw 5678 (2 A«gust 1918) Nr. 36 Seit dieser Woche haben sich die Herstellungskosten der Zeitung wiederum um 25u/o erhöht. Wir sind,um eineErhöhnngdes Abonnements- Preises zu vermeiden, daher genötigt, den Ums DM saug unserer Zeitung vorläufig einzuschräukeu. Die Juseraleupreiso^betrage» nunmehr -10 Psg. die sechsgespaltene Petitzeile 15>st Psg. die Reklamezeile. Frankfurter Israelitisches Familieublatt. BG h MSI « Die Berhandlungeu i» Konstautinopel. ' Als' der Großwesir der Türkei im Januar in Berlin »eilte, da sprach er einer jüdischen Mbordnung gegenüber den Wunsch aus, mit einer Vertretung der Juden der Mittelmächte in 5ko»stantiiiopel über die jüdische Einwcmdcrung in die Türkei und andere hiemit znsainnienhängende Fragen zu.verhandeln. In der' Tat'ließ, die türkische Aiegierung bald darauf Einladungen zu einer solchen Konferenz an einige Organisationen ergehen, so an die „Freie Vereinigung des gesetzcstrcuen Judentums", die „Zionistisch: Organisation", die „Viod" (Bereinigung jüdischer Organisationen Drutschlandsj^nnd das „Oesterreichische Komitee für den Orient". Von,der „Freien Vereinigung" traf Anfang Juli in Konstautinopel eine fünfgliedrige Delegation unter Führung I a r o b'R o s e.n h eim s aus Frankfurt a. M. ein, die „Zionistische Organisation" vertrat ein Viererkomitee, das zu. seinem Sprecher Dr. Jacobsohn gewählt hatte, die „Viod" hatte Dr. Kahn, den Generalsekretär des Hilfsvereins der. deutschen Juden, das „Oesterreichische .Komitee für den Orient" Rabbiner Dr. G r nn m a.l d entsandt. Dr. N a t h a n und Dr. H a n t k e wurden durch eine Reise -nach Bukarest, Dr.Bruno Pollack UonParnau (Wien) Nom ,Oesterreichischen Komitee" dürch sein inilitärisches Dienstverhältnis und kgl. Rat Dr. F. M e z e y (Budapest) durch eine Verzögerung in der Paßerteilnng gegen ihre Absicht am Erscheinen verhindert. ' Die. Delegation pflegte eingehende Beratungen, um der türkischen Regierung, die in ihrer Einladung ausdrücklich von der Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina gesprochen hatte, ein einheitliches Programm vorlegcn zu können. Diese von allen Beteiligten mit dem ernsten Streben. nach gegenseitiger Verständigung geführten Erörterungen zeitigten , schon an und für sich 'wertvolle Ergebnisse. Mitten in diese. Besprechungen drangen beunruhigende Nachrichten über verschiedene, an Juden in Palästina und sonst in der Türkei verübte Gewalttaten, und die Delegation beschloß sogleich für die Unterdrückung dieser,'Ausschreitungen bei der Höhen Pforte mit 'Nachdruck einzuschreiten. ' . Am 14. Juli fand der feierliche Empfang beim Großtresir Talaat Pascha statt. Dieser sprach seine Bereitwillig-- keit aus, im Sinne seiner Einladung den« Problem der jüdischen Einwanderung.und der Kolonisation in die Türkei, insbesondere in Palästina, näherzutreten. Die Prüfung der -Einzelheiten soll die Aufgabe eines Komitees bilden, in das die Hohe Pforte zwei Regiernngsbeamte und drei 'Notabel» der türkischen Judenheit zu eMsenden gedenkt. Der Beschwerde über die Grausamkeit«, gegen einzelne türkische Juden und jüdische GeineindeN versprach der Großwesir sogleich tatkräftig Folge zu geben. Im übrigen wurden die Delegierten als Gäste der Regierung sowohl von dieser, als auch seitens der Judenheit der türkische» Hauptstadt durch besondere Aufmerksamkeiten geehrt. Dieser Bericht, darf von der jühischen Ocffcntlichkeit^ mit Freude ausgenommen werden. Denn indem die türkische Regierung mit Vertretern der Judenheit in Unterhandlung trat, Hai sie kundgetan, daß sie die Judenheit als ein geschlossenes Ganzes, als ein Volk betrachtet, und man darf daher annehmcil, daß die türkische Regierung, sobald sie wieder. unumschränkter Herr in Palästina ist, den Inden Palästinas, weitgehende Rechte der Selbstverwaltung zur Wahrung und Förderung ihres Volkstums gewähren wird. Dem Willen der türkischen Regierung muß natürlich der Wille der Judenheit vorangchcn. Don diesem. Gesichtspunkte aus wird die jüdische Oeffentlichkeit lebhafte. Genugtuung darüber empfinden, daß die Delegation, in der die verschiedenartigsten Strömungen der Judenheit vertreten waren-'sich einigte. Möge diese Einigung, eine gute Borbcbeutnng für' eine künftige, hoffentlich nicht (mehr ferne Zeit sein! .. - , . Wie dringend die kraftvollste Erstrebnng eines jüdischen Zentrums in Palästina ist, hierfür gib« jeder Tag Beweise. Heute sind wir Juden ein. Spielball. Hier treffen uns Progromc, dort ^antisemitische politische Maßnahmen — wie z. B. soeben die Austveisung der Juven ans Finnland —, und wie man mit uns verfahren ivill, so müssen wir es mit uns geschehen lassen. Eine autonome Judenheit in Palästina würde diesen wehrlosen Zuslanv sofort ändern. Tie würde aber aitch infolge ihrer Eimvirkung auf die Dcntireise der gesamten Jlldenheit in allen Ländern, die an uiiserm Marl fressende Assimilation zunichte machen. Deshalb haben alle.Strömungen. in der Judenheit, die eine jüdische Zukunft wollen, das lebhafteste Interesse daran, daß die jüdische Arbeit in Palästina unter dem Zeicheit der jüdischen 'Autonomie, der ungehinderten, freien Entwicklung als Juden,' geschehe! . Das Judeugesetz in Rumänien. „Rcnasterca" veröffentlicht den Vorcntwnrs des I u d e n g e s e tze s, das im Sinne des Friedensvertrages vor der Ratifizierung erlassen werden muß. Ter Vorentwurf keiint wie die übrige rumänische Gesetzgebung das Wort „Jude" nicht. . Das Gesetz wird für Fremde ohne Unterschied der Religion erlassen, die in Rumänien leben und sonst keinem Staate angehören. Zn rumänischen Bürgern werden ernannt: 1. 'Alle, die unter den Fahnen standen. 2. I» Rumänien ansässig sind nnd von Eltern geboren wurden, die selbst im Lande geboren und ansässig sind. 3. Eltern, Witwen und Kinder auf dem Schlachtfelde Gefallener nnd storbencr. 4. Bis zum rumänischen Kriege zur 'Armee gehörten, Mobilisierte des Jahres l0il>, die nicht einbernfeu wurden. 5. Bis zum Ausbruch des rumänische» Krieges inindestens zehn Jahre im Lande 'ansässig waren und folgenden Bernfszweigen angehören: freie Beruse auf Grund der Absolvierung von Universitären des Landes oder »om Staate' anerkannten höheren Schulen, Leiter vo» Betrieben mit wenigstens hundert Arbeitern, Direktoren voir Handels- oder finanziellen Gesellschaften mit wenigstens^ fünf Mllionen Kapital. Der Aufenthalt von zehn Jahren zählt vom Beginn der 'Ausübung der genannten Berufe. 6. Ausgenommen bleiben wegen ehrenrühriger Vergehen nnd Verbrechen Verurteilte. 7. Frauen, legitime nnd nlinderjährige Kinder erhalten das Staatsbürgerrecht des Familienoberhauptes. 8. Pfadfinder, die mit der 'Armee in die'Moldau gezogen sind, nach erlangter 'Großjährigkeit. ' Für die Zeit vom l. September bis Ende des Jahres wird eine N atnra li sier un gs kommission eingesetzt. Diese fällt ihre Entscheidung innerhalb eines Monats tiach Einbringung des 'Ansuchens. Der Staatsanwalt kann sich dem Wunsche nach Naturalisierung widersetzen. Die Kommission entscheidet sodann innerhalb zehn Tagen, nachdem sie beide Parteien angehört hat. Beiden Parteien steht das Recht der Berufung an den Kassationshof zu. Wer bis zum ersten November seinen Anspruch nicht gemeldet hat, kann chies beim zuständigen Gericht innerhalb von fünf Jahren nach Kundmachung dieses Gesetzes ftin. Aus Wett. ' Deutsches Reich. Trefffahrt Ser nattonal-jSSische» Jugendvereine PosenS und Schlesiens in Liffa am 21. Juli 1818. Die Trefffahrt der national-jüdischen - Jngrndvereinc, die auf Anregung des Poscnrr Ausschusses am 21. Juli in Lissa stattfand, war deshalb von großer Bedeutung, weil hier zum' ersten Male in Deutschland die Mitglieder vieler Vereine zweier großen Distrikte zusamnienkainen, uni ihr gemeinsames Handel» für die Zukunft festz,«legen. 'Ans der Versammlung, die von über 100 Mitgliedern der verschiedenen Vereine (K, I. V., Herzl-Klub, Blau-Weiß, Turn-Verein, Mädchen-Klub) besucht'war, waren die Städte .Posen, Breslau, K a t t v w i p, G n e f e K r o - t v s ch i n, G l o g a u, Lissa, H o h.e »s a l z a, K o s ch - min u. a. vertreten. Die Tagung wurde durch einige einleitenden Worte des .Herr» Dr. Freundlich, Posen, eröffnet. Dann gaben die Vertreter der verschiedener Städte Bericht über die bisherige Tätigkeit. Manches Unerfreuliche aber noch mehr, was zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, wurde verkommen. Daran schloß sich ein-Referat Dr. Freundlich» über die praktische Arbeit in der Provinz.* Er beantragte die Bildung von Bezirksausschüssen, die zusammen mit.Bertrauensmännern in den einzelnen Ortschaften für die^ Zentralisierung der nätional-jüdischen Arbeit Sorge tragen, .sollen. In der anschließenden Debatte zeigte sich jedoch die Tendenz, an die Einführung grundlegender Neuerungen vor 'Abhaltung des allgemeinen Jugenütages in Berlin nicht heranzutreten. . ' Dann sprach im 'Anstrage des Gesamtausschusses für nationale Jugendarbeit als Hanptrefercnt des Tages Dr. Max Hirsch aus Berlin. Der Hauptpunkt seiner 'längeren Ausführungen war der, daß Palästina in« Mittelpunkt ««nseres ganzen Fühlens nnd Sinnens und unserer 'Arbeit stehen müsse. Wenn auch die licutige Geireration, getragen von kker glücklichen politischen Konstellation, itzr Ziel wiederum nicht erreicht, müsse man die ganze Bewegung als ge- N scheitert betrachten. Darum sei es Pflicht eines jeden, bei allen wichtigen Lebcnsvorgängen, besonders bei der Berussirahl, dafür zu Sorgen, daß ihn seine Lrbenslinie in möglichst kurzer Zeit mit absoluter Sicherheit nach Palästina führt. In der anschließenden Diskussion bemerkte Dr. Freundlich, daß a««ch in den sich neu bildenden RanÄstaaten im Osten viele zionistische 'Arbeit unserer harre. Dem gegenüber wurde von anderer Seite das Programm, der „Nur-Palästina-'Arbeit" energisch vertreten. - ■ ■ Gegen 2 Uhr schloß die Debatte init dem Schlußwort von Dr. Hirsch. Nach kurzer Mittagspause begannen Wettspiele u. dergl., mit denen der Nachniittag ausgefüllt wurde. Am Abend sprach dann in der Aula der dortigen jüdischen Schule Herr Zahnarzt Schachtel ans Breslau. Zn diesem Vortrage waren die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Lissa erschienen. Herr Schachtel setzte sich noch einmal mit den Gegnern des Zionismus gründlich auseiimnder. In« daran anschließenden Schlußwort von Dr. Hirsch führte dieser ans, daß der Wert solcher Tagungen, neben dem Anknüpfen persönlicher Beziehungen, besondersdarin liM, daß. sie zeigen, daß die heutige Jugend sich bewußt Äs jüdisches Volk fühle, ohne darüber ivertlose Diskussioneit. zu veranstalten. , Etwa 30 der Teilnehmer vereinigten sich noch zu ciiier Nachtfahrt. Damit schloß dieser ereignisreiche Tag. Dieuftbefreiung uns Urlaub an den Herbftfeiertageu., Das Kriegsministerium hat durch Verjügniig vom 20. Jlili Nr. 2604, 6. 18. V. 1. u den in Betracht konnnen?- den Stellen folgende Wünsche betr. die jüdischen Herbstseiertage mit dem 'Anheimftellen mitgeteilt, ihnen zu entsprecherr, soweit es angängig ist nnd sich mit den dienstlichen Interessen vereinbaren läßt. Die bevorstehenden jüdischen Herbstfciertage fallen auf folgende Termine: '' . N e u j a h r s f e st. Beginn: Freitag, den 6. September abends. Ende: Sonntag, den 8. September abends. . B er s ö h n un gs t ag. Beginn: Sonittag, den 15. September nachmittags. Ende: Montag, den 16. September abends. “■ Laubh ü ft c l« f e st. Beginn: Freilag, den 20. September abends. Ende: Sonntag, den' 22. Septenrber abends. Schluß fest. Beginn: Freitag, den 27. September abends. Ende: Sonntag, den 20. September abends. Für die an' der Front befindlichen Mannschaften: a) Dienstbesrcinng am Versöhnungstage, beginnend eine Stunde vor Sonnenuntergang des Vorabends nnd schließend mit Eintritt der Nacht, soweit möglich nnd mit der Kriegslage vereinbar, Dienstbcfreinng an den übrigen Feiertagen. l«)' Gelege,rheit zur Begehung des 'NcujahrsesteS nnd Versöhnungsfestes, soweit möglich auch der anderen-Feiertage durch geineinsamen Gottesdienst. Soweit .Zentral-Gottesdienfie größerer Verbünde veranstaltet werden, Berücksichtigung des religiösen Reiseverbote» derart, daß die Mannschaften vor Beginn des Feiertages am Orte des Gottesdienstes eintresfen und ihn erst: nach Schluß desselben zu verlasse«« brauchen. Wegen Regelung der Einzelheiten werden sich die Feldrabbiner an die. Armee-Oberkommandos,, denen sie zugeteilt sind, weichen. ' ■ ' _ Bei der Erteilung vvn Heimaturlaub an die im Felde befindlichen jüdischen Mannschaften möglichste. Berücksichtigung der Feiertagszeit. & Für die in den heimatlichen Garnisonen und an festen Standorten in der Etappe befindlichen Mannschaften: a) soweit mit den dienstlichen Interessen vereinbar - Heimaturlaub oder Urlaub zur nächstgelegenen jüdischem. Gemeiridekl soweit sich der Urlaub nicht ermöglichen läßt, -Dienstbefreiung an den Festtagen. Von einem mit Reisen verbundenen Urlaub können strenggläubige jüdische Mannschaften ««ur dann Gebrauch. . machen. wenn^ihnei« die Möglichkeit gewährt wird, die Reifs selbst vor Beginn nnd nach Ende des Feiertages zurückzn-- legen. . .. \ft