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Neue jüdische Presse · 1918-07-26 · Heft 29 (26.7.1918) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 29 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Franlsurter Jjraeuujaies Famlttcnvlari. „Geh in meine große Stube und mach die Schublad' vom Tisch auf, da find'st du etwas drin", — und daß es ein tüchtiges Stück Kuchen war, worin wundervolle Rosinen staken. Also so „einer von den Alten", wie i,hr etwa meint, ist mein Vetter Schmul nicht. Ihm ist inr Gegenteile die Welt nicht licht, nicht duldsam und sreunü- , lich genug. Glicht was die Leute um ihn herum tun oder unterlassen, regt ihn auf, macht ihn verdrossen oder läßt ihn dem jüngeren Nachwuchs hindernd 'in -den Weg trete». Nur mit der Zeit, die solche Menschen Hcrvorgebracht hat, nur mit jenem Geiste unserer Tage, der ihm unsichtbar und sichtbar überall entgegentritt, steht er in immerwährender Opposition. Er kann sich die. Zerstörungslust dieses Geister nicht erklären; er begreift nicht, warum die Menschen dieser Zeit beständig die scharfe Axt in ihren Händen schwingen. Aber keiner ahnt es auch besser als er, daß wir, die Jüngern, unter dem überwältigenden Einflüsse einer Macht stehen, die zeDörende/Waffe aufdrängt. - Er hat einen ^Ausdruck für unscre Zeit, der mir nicht besser seine Wtimmung zu bezeichnen scheint. Wenn er auf die „jetzige ' Welt" zu sprechen kommt, 'meint er kurz und gedrängt: ,-Kuhhaar, nichts als Kuhhaar," mtb wirst dabei e&m ’ Blick auf das unglückselige Sofa> den man studiert habe^i muß, um alle unsere -Zeitungen und Bücher gründlich verachten zu lernen. , (Schluß folgt.) ' f Indische Bücher itttl Mische Zeitungen.*) ■ Zn den Einrichtungsgegenständen des jüdischen Hauses müßte» selbst in minder gebildeten Kreisen eine kleine Bücherei gehören und dabei dürsten die notwendigsten. Mische»-Bücher nicht fehlen.; Ich spreche hier nicht von fökchen Schichten, die ohne Bücher überhaupt nicht leben können. Diese bedürfen meiner Anregung nicht. Aber es -dürste kein jüdisches Haus geben, bas nicht eine bescheidene Sammlung allgemeiner und jüdischer Schriften besitzt. Wenn dem Sprichwort, daß Gelegenheit Diebe macht, nicht alle Berechtigung fehlt, dann dürste es noch richtiger sein, zu behaupten: Gelegenheit zu lesen, zu geistiger Fortbildung regt.auch dsts Bedürfnis dazu an. Wie mancher Ehemann,' der ans Langeweile aN geschästs freien Tagenan Sabbaten, an den langen Abenden das Bierhaus aufsucht und dort, zu- Spiel, zu'seichter Unterhaltung und zu unnötigen Ausgaben veranlaßt wird, würde zu Hause bleibendie in der Schule erworbenen Kenntnisse nicht nur nicht ganz verlieren, sondern enoeitcrn, sich und die Seinigen auf eine höhere geistige Stufe erheben, wenn es selbstverständlicher Brauch eines jeden Brautpaares wäre, zu den notwendigen Einrichtungsgegenständen eine kleine Bibliothek zu rechnen. Ohne Frage tnurfcr» h*»r töTwtirmrn hir iTrhrfrmi nh.iitth au iiim Prien Pint würde der Ehemann, die Ehestau ab. und zu zum Lesen Lust verspüren. Hat man damit erst angefangen, dann trifft aus die Geistcsnährung noch mehr als auf Lrihesgenüssc das Sprichwort zu: Beim Essen kommt der Appetit. Wie vielen Unannehmlichkeiten wäre vorgebeugt, wie viel glückliche Stunden wären bereitet, welche geschäftlichen und gesellschaftlichen Borteile könnten errungen, welch gutes Vorbild würde den Kindern geboten werden, wenn die Eltern schon bei des Hausesgründung den „besten Freunden des Menschen", guten Büchern eine Stätte in ihrem jungen Heim eingeräumt hätten. Keine Ausgabe auf. Erden trägt *) Aus dem soeben erschienenen sehr empfehlenswerten „gl a t g e b e r f ü r d a s j üd i s ch e H a u s" von Rabbiner Dr. Salomon Carlebach. 160 Seiten. Berlin, Verlag Haussteund. schönere Früchte, wirft reichlichere Zinse» ab, inacht sich besser bezahlt, als die für Bücher aufgewendcten Kosten. Zu der Bücherei rechne ich auch die jüdischen Zeitungen. So wie schwerlich in unserem Vaterland ein Haus gefunden wird, in dem man nicht auf eine Tageszeitung abonniert ist, so sollte auch kein' jüdisches Heim begründet werden, in das nicht vom ersten Tage an wenigstens eine jüdische Zeitung durch den Postboten jede Woche gebracht wird. Und Du »rußt Deine jüdische Zeitung für' Dich aUein beziehen, nicht in Gemeinschaft mit mehreren Mitlesern, damit Du nicht auf bestimmte Tage beschränkt bleibest, an denen Du vielleicht häufig gerade keine Zeit zum Lesen übrig, hast. Und außer Djr sollen ja auch Deine 'Angehörigen das jüdische Blatt lesen? Es wird nicht lange dauern, und alle Hausgenossen warten mit Spannung von einer Nummer auf das Erscheinen der nächsten Mmmer; denn durch die jüdische Zeitung bleibst Du in Verbindung mit Deinen Brüdern auf dem weiten Erdenrund, erfährst von ihren Freuden und Leiden, von den Bestrebungen und Leistungen ihrer führenden Geister, von den Fragen und Angelegenheiten, welche zurzeit die jüdischen Kreise und Verbände bewegen. Wohlenthalten ab und zu auch die allgemeinen politischen Zeitungen Nachrichten über Juden und jüdische Dinge, aber das genügt kaum dem Nichtjuden, sobald er auch nur einiges Interesse für Jüdisches hat. Ein Brief Moritz Jokat's gegen -en .Antisemitismus. In letzter Zeit treibt der Antisemitismus in 'Ungarn wieder üppige Blüten. Der nachfolgende Brief des' ungarischen Freiheitskämpfers und Schriftstellers Moritz Fokai's (gest. 1904) an den Kultusminister Dr. Wlassiks sei deshalb in Erinnerung gerufen: ..„Lieber Freund! Als ich noch ein junger Student war,! hatte ininir schon irgend ein Trieb (vielleicht eine höhere^ Eingebung) den Gedanken geweckt, daß durch gegenseitige Liebe mehr Erfolg zur Stärkung unseres Vaterlandes erreicht werden kann, als durch gegenseitigen Haß. Damals war der Gebrauch in Mode, ans Städten.mit ungarischer Sprache Tausch-Knaben in deutschsprachige Städte zu schicken, woselbst sie bei einer Familie ein neues Heim fanden. Mein älterer Bruder und ich wurden gegen deutsche Knaben ausgetauscht. Wir haben spielend gut deutsch erlernt, während, die beiden deutschen Knaben gute Ungarn und später vielgefeierte Patrioten geworden sind. Ich hatte Mir vorgenommen, aus jeder Nationalität einen guten Freund zu gewinnen. Es ist mir auch gelungen. Alle sind sie meine guten Freunde, gute Patrioten, geworden. Wenn Ihr, meine lieben Landsleute, Euch das gleiche Bestreben zmn Ziel machet, würde „araus eine Lawine werden, die züM Staunen der Welt nach auswärts rollt und wächst) Aus dem Gedächtnisse habe ich mir notiert) wie viele Freunde, wackere Patrioten ich während meines langen Lebens aus nichtnngarischem Stamme durch Liebe zu gewinnen im Stande war. Ihre Zahl reicht wohl, an die hundert: davon 69 Juden, die Adrigen Deutsche, Kroaten) Serben, Rumänien nsw., allesamt vortreffliche Männer, die in der Gesellschaft etwas zählen. Und hier sage ich es mit traurig-ernster Ueberzeugung, daß unsere. Gesellschaftvor 51 Jahren bezüglich des Gefühles der Zusammengehörigkeit um Vieles voraus war. Der Freihcitskainpf, die Verteidigung der Verfassung,'das Schlagwort von der „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" hatte ein großes Lager unter unserer'Trikolore vereinigt. In unserer Honvedschaft känrpften mit uns zusammen Deutsche, Tiroler, Polen, Ruthenen, Slovaken. Der allererste Erstürmer. der St. Tämaser Schanzen war ein echt slovakischcs Regiment (Alexander). Zur Ergänzung des in den Kämpfen zusammcngcschmolzenen Bataillons der.roten Kappen wurden 400 Runlänien eingerciht, und diese sind während eines Monats ebenso heldenmütige Honveds geworden, wie ihre ungarischen Kampfgeiwsscn: Die waffenbrüdcrlichc Freundschaift hatte sie dazu gemacht. In denx-Märztagen hat ein jüdischer Großhändler 400 jüdische Gardisten mit Waffen und Uniform versehen, die in den ersten trüben Zeiten die Ordnung aufrecht zu erhalten geholfen haben. Zu Endedes Freiheitskampfes haben 11,000' jüdische J ü nglinge unter den nationalen Fahnen gekämpft, und unter ihnen waren solche Helden, wie der Water der Gajaris, dessen Brust der Verdienstorden ii* Tapferkeit geschmückt hat. Und nach der Niederschlag»! des Freiheitskampfes hat der österreichische Oberlommandm den ungarländischen Inden für ihre erfolgreiche Teilnahn an der Revolution eine ungeheure Geldstrafe anfcrstg Und doch hatten die Juden damals bei uns nochj.nicht ein,» anerkannte Bürgerrechte, dennoch haben sie Plut und Vc mögen für das Sticfvaterlcßid geopfert: Jetzt sehe ich einen traurigen Rückfall. Unsere »ei Generation rühmt sich des Hasses . . . Im Zeitalter d, Aufklärung, der nationalen Wiedergeburt, da das Parlame die Gesetze der vollen Gewissensfreiheit geschaffen und d gekrönte König dieselben für ewige-Zeiten sanktioniert Iji entsteht im Lager ocr neuen Generation die mittelalterlu Gedankenverfolgung. Das ist verderblich für das Bat land. ' - drauchei mrische eben.' hl »ffei Ich spreche es offen und klar aus: Ich sindc, bas; Einbürgerung des Antisemitismus zum Verderben unsei Nation sührt. Er widerspricht der christlichen Lehre von ' Nächstenliebe, er steht-im Gegensatz zur Vaterlandsliebe, uns diktiert, einen Volksstamm, der Millionen Seelen zäh der Verstand, Kenntnisse, Fähigkeiten besitzt, der ein mä tiger Faktor unseres Handels-und Gewerbes ist, nicht a unbegründetem Stammes- oder Glaubenshaß von iuis verstoßen. Während des Freiheitskampses waren katl lische Jüngliirge, Protestanten und Juden beim Lagerfei vereinigt. Gott war mit ihnen, ^luch in Zukunft wird ©i nur so mit ihnen sein!" fftnbi BwShzfa iwieun amstäL Woch otte§ G mdes ni c des-3 >e zweit Mietzsche ttttft -er Antisemitismus. In Nietzsche's Schriften finden sich übertviegend günst Ansichten über die Juden. So heißt , cs in „Jenseits t Gut und Böse" Stück 250: „Was Arropa den Inden l, dankt? — Vielerlei, Gutes und Schlimmes, und vor all eins, das, vom Besten und Schlimmsten zugleich ist:! großen Styl in der Moral, die Furchtbarkeit und- Mast unendlicher Forderungen, unendlicher Bedeutungen, ganze Romantik und Erhabenheit der.moralischen Fr Würdigkeiten und folglich gerade den l^lziehendsten, fänglichsten und ausgesuchtesten Teil jener Farbenspiele 1 Versuchungen zum Leben, in deren Nachschimmer heute Himmel unserer europäischen Kultur, ihr Abendhimmel gl — vielleicht verglüht." Weiterhin bezeichnet Nietzsche Inden als „die stärkste, zäheste und reinste Rasse, 'die j in Europa lebt." - , . Im Schlußband der großen Nietzsche-Biographie Elisabeth Förster-Nietzsche (C. G. Naumann, Leipzig), Schwester des Philosophen, sagt der Wiener Naturwisj schaftler Dr. Fanelt, mit dem Nietzsche im Winter 1883 in Nizza mehrfach zusammen kam: „Diese Feindselig liege ihm ganz ferne; er habe' sich von Jugend ans > Rasse- und Religionsvorurteilen freizuhalten gesucht . Er stimmte Mit mir vollständig darin überein, daß es re Rassen nicht gebe';, am allerwenigsten hätten die Deutß Anspruch darauf, eine solche zu sein. Wenn er sein pro tiertes Buch gegen den modernen deutschen Obscuratis« schriebe, so käme auch der Antisemitismus daran. Allm lich kam dann heraus, daß ihm im Laufe der letzten hart zugesetzt worden sei, sich dieser Bewegung in die A zu werfen. Man habe ihm das' Leben damit schrecklich t bittert." G * Als Nietzsches Schwester sich zur Zeit der Hoch des Antisemitismus mit dem bekannten Antisemiten Kolonisator Dr. Förster verlobte, machte er aus fi Antipathie gegen die Repräsentanten der ihm verhaj Strömung absolut kein Hehl. Man müsse „den I» Mut machen zu neuen Eigenschaften", schreibt er fcam] nachdem sie in neue Daseinsbedingungen übergetreten wä „So war es meinen Instinkten allein gemäß, und diesem Wege habe ich mich auch durch eine giftträger! Gegenbewcgnng, die jetzt gerade obenauf ist, nicht machen lassen." Sein persönlicher Wunsch war, daß die Juden mit besten und edelsten Familien aller Länder in Verbind^ treten sollten und so ihre guten Eigenschaften übertra« „Und dann sollten die Juden als einzige und: beste Wij legung eine Anzahl großer Männer produzieren, denn auf.die man bis jetzt Hinweisen könne, Heine und Lass seien nicht rein genug. Seimitismns als Schimpfwort! Nr. 2! Sa citag: o platz 6 Uh amstag synax abbat-Ä 'orgens syna; bends k straß Fr Bai mtze 27 Ver wd Ber Fra, Kl. Ob- I Das - Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaare - Zedek“ zu r Jerusalem Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Geschäftsleitung: Frankfurt am Main. Höchste Anerkennung aller Behörden, hält sieh für gewissenhafte TJebernahme von Stiftungen empfohlen. Postscheckkonto No. 7785 Frkffc. a. M. Beilen«, Zimmer-, «Fahrzeit-, Credenhtafel - Stiftungen. Briefe zu richteiv nach Köderbergweg 63. Man fordere die Bedingungen ein . -• ‘ LI isi cha Ma fiel *1.2!-i-r ...

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