Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 28 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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&eite 6 die Verrückt heit der Kreuzzügeverfallen, die Juden haben _ keine Dogmen gemacht, die von den' anderen bestritte» werden können." x Carmen Sylva rühmt des Weiter» an dein Judentum, . VLß cs „deinen Aberglauben kennt". Die einzige Gefahr' wäre für das Judentum nach der Meinung der Königin, „äußere Macht, schon, jeder große Reichtum ist eine Gefahr, aber nun gar Macht könnte es an den Rand des Abgrundes bringen. Die andern Völker haben ihin unbewußt den größten Dienst geleistet, indem sie das Volk Gottes unterdrückt und verfolgt haben. Es ist dadurch fromm geblichen und einfach und hat in sich zusammengefchlvsscu dagcstanden, um nicht fortgeweht zu werden. . . ." Earme» Sylva schließt mit folgenden Worten: „Es steht alles in der Bergpredigt, cs steht alles in Moses Gesetzbüchern: aber die Menschen scheinen manchmal wirklich vom Teufel besessen und stürzen sich selbst in den Abgrund. .Und Jerusalem steht nicht iviedcr ans. Möchte man kohl das Jerusalem, wo alljährlich die Grabkapelle zu einer Stätte der Schande und der Schmach gemacht wird? Möchten die Juden das Jerusalem, wie cs heute ist? Es gibt kein Zw» auf der Erde, denn die Menschen haben cs zerstört und wissen nicht', wie man es wieder aufbaut.. Nur ganz einfach, ganz kindlich, so wie die Bibckmenschen, die auch bereit waren)-ihren einzigen . Sohn einer Idee zu opfern, ohne Widerrede, ohne Zaudern, fromm und bescheiden. Wir -lernen die Bibel, wenn wir lallen und verstehen sie mit graue» Haaren dcniwch nicht!" Der Ansftand Der Bettler. Von M. Spcktor. (Aus dem Jüdischen.) ' Ich ivar zu einer Hochzeit geladen. Das war eine Hochzeit, -bei der es. leine dekolletierten Dame» und Mädchen gibt, die nach Puder und Parfüm, riechen, und keine galanten Herren in Frack und weißen Handschuhen mit gewichsten Schnurrbärten und pomadisierten Köpfen. - Eine Hochzeit, bei der man nicht nach einer gedruckten Karte merkwürdige Speisen aufträgt, die niemand münden, mit Namen, die niemand versteht, und bei der man . schlechten Weinaus. altertümlichen Flaschen mit neuartigem Schmich trinkt.' ' - Es war eine jüdische Hochzeit, bei der Männer und Weiber Dieselben Kleider tragen, in denen , sie an jedem Sabbat in die Synagoge gghen. Eine Hochzeit mit Strudel und Honigkuchen, wo es gewürzten Fisch und SaSbat-Sennncln gibt, goldene Suppen, gefüllte Hühner und gebratene Enten, und bei der man guten unverfälschten Wein aus toeißcn, nüchternen Flaschen trinkt. Eine Hochzeit mit einem Armeiunahl und mit allen guten altjüdischen Gebräuchen. Reb Eisik in Berkowe hatte'auf allen Hochzeiten seiner Kinder ein Armenmahl gegeben, und so lud er auch jetzt v zur Hochzeit seiner jüngsten Tochter alle Armen aus dem Städtchen Lipowetz zu sich ins Dorf, in dem er seit Jahren seinen Wohnsitz hatte. Es. war bereits , zwei Uhr nachmittags, die Trauung Zollte bald stattfinden/ und noch waren die Armen nicht ) erschienen, obwohl der Diener mit drei großen Wagen -schon am frühen Morgen nach ihnen gesandt worden war. 'Die Gäste wurden bereits ungeduldig. Endlich kam der Diener auf seinem Pferde, aber ohne Leute und ohne Wagen. ,Marum allein?" rief ihm Eisik entgegen. „Die Bettler wollen nicht kommen," erklärte der Diener, vom Pferd herabsteigend. . , „Sie trollen nicht?" fragten, alle erstaunt. „Sie wollen nur unter der Bedingung komme», daß jeder von ihnen einen Rubel erhält." Alle lachten, auf. Der Diener fuhr fort: „In Lipowetz war heute eine andere Hochzeit, und da sie sich dort alle satt getrunken und gegessen haben,'sind sie jetzt frech geworden und wollen unsere Hochzeit nur besuchen, wenn man ihnen einen Rubel bezahlt. Am siechsten von allen benimmt sich der Krumme mit den Krücken, der Hagere, FeSel der Stotterer und Jekel mit der eingedrückten Nase, die anderen wären vielleicht gekommen, aber diese haben sie zurückgehalten. Ich habe eine Stunde lang mit ihnen debattiert, undich wußte keinen Rat. Endlich habe ich eines der Pferde genommen und bin hergeritten." „Hast Du mit ihnen nicht unterhandelt?" fragte Eisik. „Ich hgbc mit ihnen mehr als eine Stunde gestritten " sagte der Diener, „und sic wollten keine Koveke Nachlassen." .„So? So teuer ist ihre Ware geworden?" rief Eisik mit bösem fächeln.. „Nun, weshalb hast Tu die Wagen zurückgelassen? Wir werden auf die Kerle verzichten." „Ich wußte ja nicht, was ich tun sollte. Ich fürchtete, daß es Ihnen nicht recht sein wird, aber ich werde jetzt die Wagen holen." „Warte noch, es ist.-Zeit." Eisik begann,-mit den Gästen zu überlege». „Was soll das heißen?" rief er.- „Schnorrer haben auch einen. Willen, und wenn man ihnen ein gutes Mittagessen und ein Almosen geben will, so haben sie noch dreinzureden. Je einen Rubel soll man ihnen geben' Billiger mache» sie es nicht! Ha, ha, ha! Und wenn inan ihnen zwanzig Kopeken gibt, sind sie nicht zufrieden. Sie können ' es unter dem Einkaufspreis nicht lassen? Es ist eine Frechhüt von solchen Hungerleidern! Nun gut, hol' sic der Kuckick, wir werden auch ohne sie fertig werden. Musikanten spielt auf! Wo istder Schames? Die Braut soll sich fertig machen!" Doch gleich darauf besann er sich eines anderen. „Nmnwartet noch ein wenig, es ist Zeit . . . Warum soll meine Hochzeitsfeier getrübt werden? Und gerade - meine Jüngste soll ohne Armenmahl in die Ehe treten. - . . Ich hätte ja gerne.,Jedem einen halben Rubel gegeben. Wahrlich, es geht mir nicht um Ml Betrag, aber cs ist eine Frechheit,'Forderungen zu stellen. Nun, ich' habe das meine getan, aber. wenn sic nicht ivolten, muß .inan es lassen. L-ic werden cs bereuen, nicht alle Tage ist Hochzeit. Ja, wir wollen auf sic verzichten!" „Also soll die Braut schon sich fertig machen?" fragte der Schames. „In, sie kann . . . nein, noch nicht, man soll noch warten." Die Gäste erklärten voller Zorn, daß man auf die Schnorrer verzichten solle. Eisiks Gesichtsausdruck hatte sich verändert.. Seine Erregung war gewichen, und mit demütigem Lächeln bat er mich und einige Freunde, in die Stadt zu fahren und nachzuschen, was an der Sache sei. „Er ist ein Dumnilvpf," sagte er, ans seinen Diener zeigend. , ." * Wir nahmen Wagen und Pferde und fuhren in die Stadt. Der Diener folgte uns ans seinem Pferde. „Ein Ausstand von Bettlern! Ausstand?" sprach einer znm andern auf dem Wege. „Ich Habvon einem Ausstand von Arbeitern gehört, welche einen höheren Lohn für ihre Arbeit fordern, aber ein Ausstand von armen Teufeln, von Schnorrern, die einen bestimmten Preis dafür sordern, daß sie ein gutes Mittagmahl und eine Geldunterstützung entgegeiinehmen, das ist wohl noch nirgends vorgekommcn." In zwanzig Minuten erreichten wir den Ort. Auf deni Marktvlatze inmitten des Städtchens standen drei große, mit frischem Stroh gefüllte Baucrnmagen. Die Keinen Pferde waren von ihrem Geschirr befieit und fraßen aus ihren Hafcrsäckcn. Rings um die Wagen befand sich eine Schar-von fast hundert Bettlern. Alle möglichen Gebrechen waren unter ihnen vertreten. ES gab Stnininc, Lahme, Hinkende und Stotternde, die Mehrzahl jedoch war blind, und alle Gassenbuben und Müßiggänger der Stadt hatten sich um sie versammelt, um das Schauspiel anzuielen. Man lärmte und schrie wild durcheinander^ , Der Lahme saß aus einem der Wagen und schlug mit der Krücke auf die Wagcnleiter, neben ihm stand der Hagere, den Hals mit einem roten Pflaster verbunden. Die beiden Rädelsführer sprachen zu ihrem Anhang. „Aha!" rief der Hagere, als er uns und de» Diener auf dem Pferde bemerkte, „da kvinmen sie schon, „in uns zu bitten." „Zu bitten!" bekräftigte der Lahme und schlug mit verrücke auf den Wagen. „Weshalb wollt Ihr auf die Hochzeit nicht koinmen, zur Festtafel?" fragten wir, „cs erhält »och jeder ein gutes Almosen." , . „Wieviel?" fragten alle durcheinander. „Das wissen wir nicht, aber Ihr werdet nehmen, wicvicl man Euch geben wird." „Wird man jedem einen Rubel zahlen? Svnst fahren wir nicht."; ‘ „Dann wird die Welt untcrgchen!" höhnten die Gassenbuben. , : Die Bettler warfen sich ans sie und warfen ihre Knüttel nach. Der Lärm wurde immer größer. Der Hagere bestieg einen Wagen und erhob sich in seiner ganzen Länge. „Ruhig, Ihr wüsten Krüppel," schrie er alle an, „man hört ja nicht, was hier gesprochen wird. Gebt Ruhe, daß mau weiß, was diese Männer sagen wollen." Und sich zu uns wendend fuhr er'fort: „Es bleibt also dabei, meine Lieben, ioic inan Euch 'gesagt hat: Erhält jeder von uns einen Rubel, so ist cs gut,, sonst rühren wir uns nicht von der Stelle. Denn," fügte er hinzu, „wir wissen ganz gut, daß Eisik.ohne Armenmahl seine Jüngste nicht verheiraten ivird. Und woher sollte er jetzt andere Bettler nehmen? Und von Lunch welche zu holen, ist cs zu weit, und außerdem müßte er die Trauung aufschiebcn." „Glaubt man vielleicht, weil wir ann sind, kann man sich, schon alles mit uns erlauben?" damit trat jetzt ein neuer Bettler hervor, der sich bis dahin im Hintergründe gehalten hatte. „Niemand kann uns zwingen, auj die Hochzeit zu fahren, selbst der Polizeinicistcr nicht, und auch der Gouverneur kann uns nichts machen. Wir fahren nur, wenn jeder einen Rubel bekommt!" . ,-Einen R—Ru—Rubel!" rief ein Stotterer. „Ein Rubelchen! Ein Nüdelchen!" schrien zwei autgelaunte Bettler. , Aus ihren Rufen und Reden tlang soviel ingrimmiger Trotz und Zorn, daß der ganze bittere Groll, der sich seit Jahren in ihnen angchäuft hatte, sich zu-entladen schien. . Ihr ganzes Leben lang hatten sie geschwiegen, mußten sie schweigen und die Beleidigungen eines jeden hinnnterschlücke», der ihnen einen Groschen oder ein Stückchen Brot mit einem abgcschleckten Knochen hinwarf. Jetzt aber war cs das erstemal, daß ihre Galle reden durfte, jetzt durste» 'sie von demselben Vergnügen nippen, das sich sonst nur die Satten, die Reichen -und die großen gegenüber ihren Dienern und Mägden gestatten durften, das Vergnügen, Launen zu haben. Jn.dicscs vielgestanimelte Wort „Rubel" ergossen sie ihr ganzes, verbittertes, verjammcrtes Bettlerherz. Da? erstemal wurden sie gewahr, daß die Satten und Wohlhabenden auch ihrer einmal bedürfen, und deshalb wollten sie nicht nachgcben, wollten sie unbedingt Sieger bleiben. , Während wir so mit ihnen unterhandelte», kam ein neuer Bote von Reb Eisik und lud alle ein, die Wagenzu besteigen, cs würde jeder den verlangten Rubel erhalten. Es entstand ein vielfältiges Lärmen und Schieben. Mit Geschrei und Wcherufen füllten sichdie. Wagen. „O weh, meine Hand!". rief der eine, „mein Fuß!", ein anderer, und ein dritter schrie: „Lehn' Dich nicht an meine gebrochenen Knochen!" Aber alle waren sie heiter, und einige begannen sogar zu singen und zu tänzeln. Die lleinen Pferde zogen an, und der vielfältige, fröhliche Lärni fuhr zur Stadt hinaus. DieGassenbuben, schrien „Hurra/' warfen mit. Stcinchen und johlten unausgesetzt.hinter nns.. Aber de» Armen schien'es, als ob »mir sie mit Blumen bewerfen würde, und das Gejohle der Straßenjugcnd ttang an ihre Ohren wie Musik, so glücklich fühlten sie sich in ihrer Siegessrcudc. ■.! - Es war das erstemal in ihrem Leben, daß-sic befehlen durften, und ach! sicherlich das^ lctztemal. : ■ Nachdem das junge Paar getraut war und von der goldenen Suppe genossen hatte, rüstete man zum Mahle. Man deckte die Tische für die Gäste, und daneben wurde ein eigener Tisch für die Armen gedeckt. Eisik selbst mit seinen nächsten Angehörigen bedienten sie und gaben ihnen von allen Speisen und Getränken, die die Diener sür die Gäste äuftrugen. „Auf Euer Wohl, Reb Eisik! Daß Ihr Freude an Euren Kindern erlebt und ein großer Mann werdet!" riefen ihm die Arinen zn, indem sie ihm mit gefüllten Gläsern zutränken. ' - „Trinkt in Gesundheit und Glück! Gott möge allen Juden helfen und auch Euch unter -ihnen!" erwiderte Eisik. Nach dem Mahle umarmte Eisik alle Armen und tanzte mit ihnen. > t Seine Lustigkeit kannte bald keine Grenzen mehr. Tie beiden Schöße seines Kaftans erhoben sich und flogen wie Adlcrslügel um ihn, während er sich mit ihnen drehte. Setne Augen glänzten voller Rührung und vergossenen Tränen der Glückscliglcit und. der Freude. Immer höher flogen seine Gedanken, und -immer stürmischer )wirbelt er dahin, indem er abivcchselnd jeden einzelnen Armen umarmte und küßte. ' >; „Brüder!" rief er stürmisch. „Laßt uns fröhlich sein! Laßt uns Jude» sei»! Spielt, Musikanten, immer feuriger. Svielt!" •; ■ Und die BcUler klatschten mit den Händen und drehten sich mit de» Güsten nach dem Takt der heiteren Weisen. ' So verheiraten Juden ihre Töchter! So können Juden lustig sein! Es war eine altjndischc Hochzeit. ... Literarische Chronik. Die Neuzeit. Eine jüdische Monatsschrift. ^Herausgeber Samuel Mcisels. 2. Jahrg., 2. Heft. ' Wien,- VII) Neubaugasse 84. - - Inhalt: Galizien (Mcisels). — Zum deutschen Volkstage (Dr. Kubisch). — Der Geist des jüd. Volkes (Dr.Hwldstcin'j. — Carmen Sylva über das Judentum. — Jndenlicdcr (Arthur Silbcrglcit)? — Der Tempclbrand (March Scherlag). — Latentes Hebräisch in der deutschen Sprache (S: bei, Jehuda. — Notizen usw.- M o » atsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Herausgeber Prof. Tr. Braun. 62. Jahrg., 1.—3. Heft. Breslau, Kobnerschc Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Herin. Cohen (A. Lcwkowitz). — H. Äraetzens Geschichtsschreibung. Eine methodologische Untersuchung (S. Baron). — Ueber einige englische Scholastiker des 13. Jahrhunderts in ihren Beziehungen zur jüd. Literatur (I. Gutttiiamt). — Das Wort Rabbi im nichtjüdischen Schrifttum (I. Caro). — Zur Lebensgcschichte Uriel da Eostas (N. Pvrgcs). — Zwei Sammclbände aus dem 'Nachlasse KärvluS Fischers. Nebst drei ungedruckten Briefen Zacharias Frankels (S. H. Lieben). — Zur Geschichte der Inden in den Balkanstaaten (L. Geiger). — Besprechungen usw. . N e u c I ü d i s ch e M o n a t s h e f t e. 2. Jahrg., l8. Hes» Berlin. . * Inhalt: „Gleichberechtigung" in Rumänien (L. R.) — Der Zionismus und die messianische Sendung des Judentums (Dr. .Abraham Schlesinger). — Montaigne, ein jüdischer Denker (Mbrecht Hellmann). — Das gelobte Land (Dr. Hugo Bergmann). — Umschau, usw. — Aus Schlesingers Arbeit: „Nicht der einzelne Jude, so sehr cs selbstverständlich auf' jeden einzelnen mit ankommt, ist zum „Lichte der Nationen" berufen, sondern Israel ist der „Gottcsknccht" und der „Missionar". Das jüdische Gemeinschaftsleben, das jüdische „Volkstum", soll aus der Grundlage des „iiu dischcn Gedankens" aufgebaut sein, im Geiste der mcjsianischen Idee sich entwickeln und entfalten. 'Nicht cttva um Kultus, Ritus, Wohlfahrtspflege und Wissenschaft des Jndentums geht es; vielmehr um den ganzen umfasse,idc» Komplex aller Aeußerungen und Betätigungen einer lebendigen Volksgemeinschaft. Das ganze öffentliche- und private, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Kvllektivindividualität Israel soll die Wirklichkeitsform seiner, messianische,, „Bcruss"-Jdec darstellen. Es liegt auf der Hand, daß eine derartige LebcnScntsaltung der jüdischen Gemeinschaft als solcher unmöglich ist, wenn ihre Angehörigen über alle Welt hin -zersplittert und versprengt sind, wenn jeder ihrer Teile gesondert äußerlich und innerlich von fremden Bedingungen ab-- hängt und sreinden Lebensgemeinschaften cingegliedert ist. Die deutsche Judenheit z. B. kann sich schlechterdings nicht im Sinne des messianische,, Ideals ausleben, weil sie überhaupt kein volles und eigenes Gemeinschaftsleben führen kann. Sie, oder genauer, die einzelnen-deutschen Inden nehme» Teil am deutschen Volksleben, auf dessen Gestältiing sie schon wegenihrer geringen Zahl wenig Einfluß haben. Welche Rückwirkungen cs andererseits hätte, wenn es ihnen gelänge,- das deutsche Volkstum maßgeblich zu bestimmen, läßt sich ohne sonderliche Phantasie vorstclle». Nur ein frei auf eigenem Territorium lebendes Volk vermag wahrhaft zu leben, sein eigenes Ich zu entfalten: nur auf eigenem Territorium, ans dem Boden seiner historischen Heimat, kann das Judentum, der jüdische Geist, der „jüdische Gedanke", sich ganz auswirken, kann die Judenheit leben im Geist und Sinn des mcssiänischen Ideals. Gerade der „messianische Beruf" des Judentums .ist cs demnach, der als Vorbedingung-seiner Erfüllung wenigstens eine partielle Konzentration der Judenheft, die Schaft fv.ng eines „nationalen Zentrums", einer „Heimstätte!'- für das jüdische Volk verlangt. Der Zionismus bedeutet keinen Widerspruch gegen das, .messianische Judentum».^ er ist der Wille-.und der Weg zu ihm. Derin ^Palästina konzentrierte „Rest . Israels" wird allein imstande sein, Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr! 28.-