Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 27 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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fccite 8 Frankfurter Israelitisches Familienblarr. 4= Tfft"~27'.' 31 dje Guiistdame. des Königs und .bald.,allmächtigbei -Hofe/, setzte Minister ab und ei», bis sie selbst dem Hasse der Staatslenker und den wandelbaren Neigungen des Königs zum Opfer-fiel,- .-4 . Lange weilte die Cosel in Pilliiitzr sie weigerte sich, Briese und Dokumente hcranszugebrii, floh von Pillnitz nach Berlin, »ann nach Halte, wo sie im Jahre 171 (j verhaftet und ans die Festung Stolpe» gebracht wurde. Wie ans de» Auszeichnungen ans den letzte» Jahren ihres Lebens zu ersehen ist, hat'die Gräfin eine innige Neigung zum Judcniiti» an de» Tag gelegt. Sie beschäftigte. sich in ilirer (Linsaniteil fortwährend mit Lektüre. Da stndierte-.sie denn vor Allein das alte Testament; sie verkehrte viel mit Inden, und so war das Judentum ihr lieb geworden. Tie forderte unter dem Pscudomim „Lobgesang" den Pfarrer Ko de »sch atz in Bischofswerda auf, jwbuWcho TratlM inq» Deutsche zu übersetzen, dann wurde IwsURzn dem Wieiiilnisvolle» -Briefsteller selbst berufen^ Sie Mat 4hm W dem Anzüge eines jüdischen Priesters enigeac», verlangte von ihm Aufschlüsse über Talmudstcllen, jüdische Gebetbücher und andere rabbinische Dinge, brachte aber-dabei allerlei auf-sTapei/das gegen die Lehre des Stifters des Christeiitnuiü..lind seine Person -gerichtet war^ Der offizielle Bericht des Auitni'anns Gülden über den Glanben der Gräfin Gosel Igzis^rj „Der Glaube, auf welchen die Gräfin verstorben, ist schwer zu determinieren; esist währ. vor dem letzten-Kriege- Mt die Verstorbene bift versstsiedeiieu-Juden, vir äiiSiBöhinen und anderen GegciEtzn zu ihrgctommcn, stärkere Coniiexion, als seit der Ämeg gcestder und Friede geworden,' gehabt; und dannMd' lrsWn sind tvohj auch seither -Juden zu ihr gekommen, jedoch nicht währ, das sie de» Sonnabend jeder Woche als ihren Tab- Päth Lejciert und he» Christen, wenn sie-sich-hazu brauchen Iiesstn^'ani Sonntag gern etwas zu schassen gemacht; auch ist wahr, das: sic tri» Schweinefleisch, keinen im Blut erstickten Vogel oder ander dergleichen Federvieh,, noch einen Fisch ohne-Schuppen gegessen; cs besteht ferner die Wahrheit. das sie zwai anfänglich, da sie als Arrestantin nach -Stolper. gebracht worden, den, hiesigen Gottesdienst besucht, seit vielen Jahren aber nicht mehr in unsere Kirche gekoinnien ts!?- ' - . So hat diese in ihrer Jugend wegen ihres Geistes gcfeierte Dame, .welche später alle Schriften der französische» K-reidenker. eines'Voltaire, und Roilsicau mit Eifer durch- Freidenker, eines gelescn halte, am Ende ihres Lebens'den Talmud studiert, die jüdischen Ritnalgesetzc beobachtet, kurz, ohne in aller Forni zmn Judentum überzugchcn, .doch im Wesentliche» als fromme, glanb'cnsrreue Jüdin gelebt. Kriegführ«ug -er Jude« in alte« Zette«. Die Ausgrabungen des Deutschen Palästiiiavereines .in der Nähe des Karmel haben manche Auftchlüsse über israelitifchc Kriegssührluig gebracht. Das.: älteste Bild' eines vermutlich: kanaanitischen Kriegers'stammt aus dem IL. oder 18. Jahrhundert vor Christi nnd zeigt diese Krieger in der Art, wie sic den Scharen Moses u»d Josnas'cntgegcntraten. Es zeigt, roh auf To» gemalt, eine» zottigen, halbnackten Streiter mit einem -dreieckige», :»» einem Band um den Leib geschnallten Brnstschild mit 'runden Metallbuckrlu, in der linken Hand einen kleinen runden Leder- oder Holzschild und in der rechte» eine Axt. Wie die Egypter und die Kanaaniter, längst das Pferd nnd den.Streitwagen in den Dienst des Krieges gestellt hatten, so fing ma»' in Israel seit salomon damit Ml. Noch David hatte nichts von Streitrossen tind .Wagen wisse» wällen; er dankte seine Siege ausschliestlich dem iibcrlcgeiic» Ansturm 'seinertapscren Shcer- und Bogcn- 'kämpfer.- V- _ ■- ----- , Eine ganz andere Art von Kriegern, die nns aus der Bibcl wohlbekannt sind, waren die kricgstüchtigen Philister, die, von unbekannter Abstammung, dem Lande Palästina seine» Namen fPhilistcrland) gegeben haben. Bennntlich sind sie bald nach der mosaischen Zeit wohl aus dem südlichen Kleinasien über .Kreta cingcdrungcn nnd habe» sich in der fruchtbaren Küstenebenc südlich von Jaffa festgesetzt, mit den Israeliten lange und erbitterte Kämpfe führend.' Statt des ehernen oder eisernen Helmes trage» sie-, gefeit durch Zauber, eine Federkappc; denn der Krieger stellt sich unter den Schutz eines als Aar oder Geier gedachten Gottes oder gottgleichen Ahnherrn. So kann er, selbst mit der Kraft des Stoßvogeks begabt, jeden Feind niiaushaltsam niederstoßen. . . Großartig waren auch die Festungsbanten im alte» Mcgiddo, Mauern, Türme und Bastionen. Eine beliebte Art, den Kamps einzulcitcn, war auch hier, einzelne Vorkämpfer vor die Schlachtreihc zu schicke», damit sie sich i» einer Art Turnier mit einem oder mehrereren Recken des Feindes messen. Die Schlacht selbst war häufig nicht viel anders als rin Ringen der einzelnen miteinander. Literarische Chronik. I u d e n p r o b l e in von I. Breuer. Tic' „Allg. Ztg. des Judentums" saßt den Inhalt dieses Buches wie folgt zusammen: »j, „Breuer betrachtet" als däs^' hauptsächlichste Jndenprodlcin die sonderbare Erscheinung,daß eine ganze Reihe von -seit Jahrhunderten, seit Zerstörung des jüdischen Staates durch T.ilus, über de» Erdkreis zerstreuten Menschen eine Einheit bildet/'die weder ans staatlicher noch aus sonstiger Organisation beruht. Diese Einheit ist ihm eine durch-die Geschichte begründet» Einl-eit.: De» Judciistaat, der jetzt wieder ansgerichtct werden soll, hat Titus zerschlage» können, der jüdischen Idee,,dem Judentum. gegenüber war er machtlos.' Denn Ideen sind nicht von dieser Welt.: Es gibt nur Bekenner des Jiideiitnms, aber pp gikch leine Glieder des jüdischen Bolkcs. Jude» stehen im Gegensatz zu Christen, zu Mohainmedanern nnd Heiden, -aber sitz stehen nicht im Gegensatz zu Deutschen, Franzäsen, Miss?!».' Die internationale Religioiisgeincinschast der -Juden, die man in diesen: Zusainmenhang gern Israeliten nennt, istder iiiteriiationalen Rcligionsgemcinschaft der Katholikenvöllig gleichzusctzen. Ei» Judenprobtein iir wisionschäflliehe»: Sinne ist somit überhaupt nicht vorhanden, aber die Einheit der Inden in ihren -Beziehungen und 'Schicksalen ist nicht zu verkennen.- Dic „Allg. Ztg. des Judentums" vermißt „einen Bor-, such zu einer diirchgreifciidc'n Lösung des Jiidenprobleins". . S a b b a t h g e d a » k e » s ü r j ü d j s ch e S o l d a t e n. Herausgegebe» von den -Feldrabbinern des Wcstheeres 48 Seifen. 1 M. Leipzig, M. W. Kaufmann. Bon einem Feld'goitesdienst bis znm 'nächsten vergehen in der Regel mehrere Monate, und deshalb' war cs zlveckmäßig, mit dem vorliegenden Büchlein dem jüdischen Soldaten eine weitere'Quelle'religiöserUnterweisung nnd Erhebung z» geben. lins scheint freilich, daß mit den wenigen Fcldgottesdiciistcii und einem gelegentliche» Büchlein recht herzlich wenig für die vielen Stunden getan ist, die draußen dem Soldaten zum Nachdenken bleiben, und daß damit,keinesfalls der'Arbeit für das Jndentnin auch nur annähernd Genüge geleistet ist. Grade draußen hat cs sich gezeigt, wie traurig dir Unmöglichkeit-der Selbstbeschäftigung mit den Quellen - des Judentums ist. Seitdem der Jude des Westens-nicht mehr „lernen" kann, hat.er sich eines.wertvollen traditionellen Gemeingutes -des:, jüdischen Volkes beraubt. Nichtig sind seine Musestundcn geworden, während sie mit dem'„Lernen" idealen Zweckengeweiht waren. Möchten unsere Feldrabbiner die Erkenntnis-dieser Tatsache spater.- mit' »ach Hanse-nehmen und begeisterte Vorkämpfer sür die Wiedereinführung des. „Lernens" in ihren Gemeinde» werden! „Mein Judentum." Die hauptsächlichsten nnterscheidendc» Merkmale des Judentüms und des Christentums. Für jung und alt .dargestellt von I sa a c He rz bcrg, Bromberg.- 34 Seiten. M. 1,30. 4818. Leipzig, M. W. Kaufmann. - , - „Das -Jüdentuin verwirft die Lehre von der Erbsünde, den» sie ist mit den Grundlehren der Bibel nicht vereinbar. Sic. widerspricht zunächst der Liebe Gottes, die cs nicht znläßt, um Vergehungen willen, welche die ersten Eltern sich zu schulde» kommen ließen, alte-nachfolgenden Geschlechter mit so surchtbarem Verderben zu bestrajen. Die Lehre von der Erbsünde steht ferner im Widerspruch mit der Weisheit Gottes, der nimmer das in feiimn eigenen Ebenbilde geschaffene Weseit nötigen loird, zu sündigen und.es dadurch unfähig zu. mache», sich ans eigener Kraft und aus eigenem Willen aus dcnr Zustaiide.LrrSündhaftigkeit zu befroie». Endlich widerstrebt die Lehre von' der Erbskcnde der Gerechtigkeit Gottes, de»» der ewige Richter wird nicht wegen, eines Schuldigen?, alle nachfolgenden.! M.ensck)x.n als Schuldige ansel)c» nnd-sic? bestrafen, und das, was er bestrafe» will, zur Strafe machen. Nach der Lehre des Jub'cntnms' ist der Sündenfall ein freier Willensakt des einzelnen Menschen, und kann demnach weder: von der ganzen'/Menschheit durch einei einzige Handlung erfolgen, noch als eine Handlung der ganzen Menschheit zugcrcchnet werden.. Jeder.einzelne Sündenfäll ist eine natürliche Folge.der Wahlfreiheit des Menschen 'zwischen dem Guten und dem Bösen, wen» sich diesem -sein Wille zuwendet. Diese Wahlfrei heit hat u n.s Gott verliehen^ sic ist unser Erbteil; es ist aber falsch, -fie als Erbsünde aufzufasseii. Durch die Wahlfreiheit wurde die Sünde gerade zn einer 'ft-eiwilligen Uebertrctung eiiies Gebotes, tvobei das Gcbot, die Kenntnis des Gebotes, der freie Wjll.c-und die Vorsätzlichkeit der Uebertretung vorausgesetzt, nvn-d. Eins bedingt das andere. Die Erbsünde hebt aber jede» freie» Willen des Menschen auf.- Denn wenn er, mit dem Fluche der Sünde, belastet, in die Welt tritt und ohne Gnade eines andern ewig verdammt.nt, dann ist er.iv'cder frei, noch selbständig, te, , hon» ist eÄ^lnzurechiinnMfähig und darf.nicht zur Veräist- - Wortung - gezogen werden"' .' -k-i- Ag> Lers Letti l 3 üerw Sahn Sanft - Ä IFärt C A Kichc Jll | IflinblCll a. H. Telefon 188c (Anschlnsa mitFrankfotQ; lewÄhrteate Tapplchralnlgang (100,000 qm jährlich). IdowieunObartroflsna BattfadBraralnlgung mittelst Drncklnft und WaBserdampf. Woche«-Süle«-er. .H ia.mslag, 13. Juli 4. Aw). Wochenabschnilt: Dewo.H - r.i l». — Rückblick aus die Wüstenwanderung. Ans dem Prophetenwort des Sabbats /Jesaja - ljl IC—18): . ■ „Waschet euch, läutert.euch, schasset die bösen Folgcnl eurer Taten hinweg aus mcinrn Augen, höret-auf,-ferne» Böses zu tu»! - - D Lernet, das Gute zu tun, erforschet das Recht, bringest zum Fortschritt das Gärende, vertretet das Recht' der> Waise, känipfct sür die Witwe! ,\. Dan», wird Gott sprechen: Kommet, wir wollen linäl zu Rechte. setzen! Wenn eure Sünden, auch toic Karnwisiw sind, werden sie weiß wie Schnee werden; wenn sie -änm rot wie Purpur sind, weiß wie Wolle sollen sie werden./! . Donnerstag:. T i f chvh . l>' A.w. .... - 4 Sabbatgottesdie'nst in .Frankfurt; .4 Freitag abend Synagoge F-riedb. Anlage 8Ve Uhr, Borne» /.platz 8 Uhr,, Königsteinerstr. 7 Uhr, Hauptsynagogel 0 Uhr. Samstag früh 8V4 Uhr in den meisten Synagogeil (Häupia shnagoge 9 Uhr, Königsteinerstraße,91/2 Uhr). ", ' Sabbat-Ausgang: 10 Uhr 30 Min. Wochengottesdienst in Frankfurt. Morgens 6V» Uhr in den meisten Synagogen (Hallpt-I - synagoge 7»/«'Uhr, Königsteinerstraße Uhrr - 'I Abends Si/4 Uhr in den nieisten Synagogen (Königsteiner» straße 7 Uhr, Hauptshnägoge' 4 Uhr).' " 1 r Bas . Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaare-Zedek“ zu Jerusalem bittet für seine ZS.rank.en. Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Geschäftsleitang: Frankfurt am Main. Aufnahme unterschiedslos für Alle. . . . . . : . . .. Höchste Anerkennung aller Behörden. Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a. M. hält sich für gewissenhafte Uebemahme von Stiftungen empfohlen. Bettes-, Zimmer-, Jahr zeit-, Gedenktafel - itiftsngen. h Briefe zu richten nach Böderbergweg-63; Man fordere die B e d in g u ng e n ein. -HL—