Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 27 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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v ' Erscheint wöchentlich am Freitag. Srmgsprris pro Zlirrteljahr: Zn Frankfurt a. M. Mk. 1.50 frei ins Haus. Bei der Post , abonniert. Mk. 1.35, frei ins Haich 4 Psg. pro Moncck mchr. —. Bei Zusendung durch : Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk.2.— für alle übrigen Länder Mk. 2.50 Einzel-Nummern kosten 15 Psg. NedsKtiorr mch GMediti-n: Frankfurt ä. Hü. :: Cangeftr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. - Hsr-itss-Vsr: S »lg ch ers.; ~ Snsrrtionsprris für die fechSgefpalteae Petitzeile 30 Psg., fix die Reklamezeile Mk. 1.—. Bei. Wiederhoümgen entsprechender Rabatt. Platz- und Datum^Korschrist ohne Berbindlichküt. Annon<^n.AnnahmebeiderExped.undina.Annoncm^Sureau3. - Konto bei dem Postscherkamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4384. fc- —, —■ r - - . 16. Jahrgiikg. Krettag, de« 3. Air 5678 (12. Juli 1S18) . 7 'yz,: Rr. 27; Materialismus: ■ ■ . ■ - Mit der den Ungarn eigenen Lebhaftigkeit Hat sich im ungarischen Reichstage eine wahre Sturmflut über die noch in Ungarn weilenden galizischen Juden ergossen. Die meisten sind bereits längst ausdem ungastlichen Lande abgeschoben worden. Es bliebenaber solche zurück, die es in i Handel und Industrie vorwärtsgebracht und eine wirtschaftliche Stellung errungen haben und solche, die: in der Kriegsindustrie Beschäftigung gefunden haben. Gegen dieses kleine Häufchen Menschen erheben die Vertreter eines'großen Volkes ein so starkes Geschrei, daß der Kundige sofort das Unechte, die Mache merkt. Wohl mögen einige der galizischen Juden Millionen verdient haben, — haben nicht. aber auch ungarische Großgrundbesitzer und Großindustrielle durch Ausnutzung der vom Kriege geschaffenen Lage MMonen verdient? Auch in Ungarn zeigen wie 'in anderen Ländern die Bilanm her Aktiengesellschaften,. daß diese, .soweit nicht ^Mangel an .Rohmaterial ihxe Tätigkeit brachgesiegt:, hat, trotz verminderten Umsatzes.und erhöhter Spesen das Doppelte ihres in Friedenstzeiten üblichen Verdienstes erzielen. Mängel an Gesamtheitsbewnßtsein und das Fehlen einer echten Vater- :landsliebe haben sich gerade in den oberen Schichten der kriegführenden Länder. gezeigt, sonst hätte die'.infolge des Krieges entstandene wirtschaftliche. Lage , nicht so rücksichtslos ausgenützt werden können. Diese Kreise enipfinden natürlich instinktiv ihre Handlungsweise, wenn sie sich auch dar- , über hinwegtäuschen wollen,— und darum wollen' sie die Aufmerksamkeit. der öffentlichen Meinung denn es könnte doch mal der Tag der Abrechnung kommen — auf andere lenken. So ist in Ungarn die Hetze gegen die paar: Millionäre gewordenen galizischen Juden zu erklären. In allen Ländern hat der Antisemitismus meist, eine wirtschaftliche Ursache uNd ein politisches Ziel. Die wirtschaftliche Ursache will den jüdischen Wettbewerber ausschalten, das politische Ziel besteht über darin, mit dem Juden als Sündenbock, die öffentliche Meinung irre zu Mhren. .Es gibt natürlich auch Juden, die den Tanz, um. das goldene Kalb tanzen und diesem Götzendienste zu Liebe ihre Verpflichtungen gegen das Gesamtwohl nicht sehen wollen. Mer dieser Kultus - ist interkonfessionell und international, und wer als wahrer .Patriot gegen .ihn kämpfen will,' darf ihn nicht mit konfessionellen oder mit nationalen Fragen verquicken, denn diese lenken nur den Blich von der wirklichen Sachlage ab. v: .Uns Juden haben die unter uns, die um dcks. goldene Kalb tanzten, stets Verwirrung und. Vernichtung gebracht. Gerade dem Volke Gottes,; dem Volke der Propheten ist dieser Tanz am -wütigsten von Men Völkern würdig. Hier könnte die "öffentliche jüdische Meinung viel tun! Vor Men Dingen: ächten jeden, der sein Geld durch Mchsichtslysigkeit erwirbt. Des ^veiteren: müßten irr den' jüdischen Gemeinden Drei^Männer-Gerichte aus Me die, die ihr Geld nicht anständig erwerben, einzuwirken suchen. Denn wir Juden müssen uns unserer ethischen und sozialen Mission stetst bewuW sein; deshalb ist., es auch - unser Geschick, daß' wir durch die Bergern einzelner unter uns schwerer leiden >als. die. anderen. ' Man vümlstet.. ein Mrwächsen der antisemiüschm-MweMirgnach dem Krieg, weil eben auf, söziÄE Gebiete " HiuüeyLjliH-viele ZMer begangen worden sind, und man annimmt, daß der Judenheitfür die Vergehen einzelner unter ihr! — und meist gerade noch solcher, die ihr Judektum als eine Last betrachten — die Verantwortung für alle, sozialen Sünden ausgebürdet werden soll. Wir Juden sollen uns natürlich gegen den Antisemitismus wehren. Er ist unberechtigt, denn wir sind nicht schlechter als die anderen. Im Gegenteil: es herrscht unter uns mehr soziales Empfinden als unter einem sonstigen Volke. Doch' wir. müssen uns strenger nehmen, und dazu ist es nötig, daß wir mit eisernem Besen bei uns auskehren. Die jüdischen Gemeinden, die Bnei Brith- Logen usw., mögen sich ernstlich mit der Frage befassen, wie im Interesse der jüdischen Solidaritat in ihrer Mitte gegen Kriegsreichtum, wenn . er durch, Kriegswucher entstanden ist, oorzugehen ist. ' Wir leben gegenwärtig in den Tagen unserer nationalen Trauer. Erinnern wir uns, daß einst unser Tempel zerstört wurde, weil unser Volk damals vom Materialismus geleitetlvar. Wie sagt doch der Prophet Jesajah? „Alles liebt Bestechung, jagt dem Gelde nach,, der Waise verhilft man nicht zu ihrem Rechte, die Streitsache der Witwe kömmt garnicht vor." Der gleiche Materialismus hat auch das Weltelend der gegenwärtigen Zeit herausbeschworen. Darum, nicht nur wegen der besonderen Mission .des jüdischen Volkes, nicht nur als Gegenmittel gegen den Antisemitismus mögen wir Juden in unseren Reihen gegen den Materialismus, gegen den Kult des goldenen Kalbes, kämpfen, sondern auch damit wir frei werden von der Versündigung, deretwegen der furchtbare Krieg noch andauert, und damit wir würdig werden, einst im Lande unserer Väter ein jüdisches Leben, ausgebaut ans Gerechtigkeit, wieder zu schauen. Zeh» Jahre Arbeit i« Palästina. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina (Vorsitzende: Frau Pros. .Marburg- Berlin). kann auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken. Im ersten Jahre seines Bestehens stellte er in' Jaffa eine geprüfte Krankenpflegerin. als Gemeindeschwester an. Im zweiten^ Jahre ließ er ein. junges Mädchen aus' Palästina, im Breslauer Krankenhaus ausbilden; sie kam dann in das Schaare Zedek-Hospital in Jerusalem. Februar 1909 wurde unter Leitung von Frau Dr. Thon die erste Spitzenwerkstätte in Jaffa gegründet, in der bald 25 Mädchen arbeiteten. In Jerusalem und in Liberias wurden mit bestem. Erfolge gleiche Werkstätten errichtet. Im vierten Jahre seines Besteheils half der Verband Dr. Auerbach bei Erriiütung eines jüdischen Krankenhauses in Haifa, indem er einmal 6000 Frcs. und jährlich 1000 Frcs. bewilligte. Die Moskaüer Gruppe zahlte ferner 300 Rubel für eine Wöchnerinnenstube des Krankenhauses. 1912 konnte der Verband durch Unterstützung der Simon-Stiftung in Hannover und des Herrn Kremenetzky in. Wien unter . Leitung von Frau Dr. Maisel-Schochat sechs Mädchen auf der Farm Kinereth zur Landwirtschaft ausöilden. Bereits im zweiten Jahre kopnte sich die Mädchenfarm selbstständig machen; er echiät von der PL. D. E. >70’ Dunäm Laich zur Bewirtschaftung. und,.inl VerwÄtungFgebaude Wöhnungi 1913'. würde die Farm weiter ausgebaut. Die Mädchenfanden schnell Anstellung.— meist bei benachbarten Kolonisten — und bewährten sich. Inzwischen änderte sich auch manches, in den Spitzenwerkstätten. Es wurden nahezu 400 Mädchen beschäftigt mit einem monatlichen Einkrmmc» von 25—50 Frcs., und die große Produktion machte es notwendig, in Berlin ein eigenes Verkaufskurve zu eröffnen. , ' Der Ausbruch des Krieges brachte eine..erhebliche Störung der segensreichen 'Arbeit. Die Farm in Kinereth mußte geschlossen werden, ebenso die Spitzenwerkstätte in Jaffa. In Jerusalem, Tibe-!rias .und Saseel.bestehen -die .Werkstätten. Es arbeiten im ganzen 200 Mädchen von 12 bis 18 Jahren. Der Verband sandte 1917 136675 Mark nach Palästina, im Laufe Mer Jahre zusammen 241100 Mark. Seine Hauptaufgabe sieht der Verband gegen- ' wärtig darin, einen großen Fonds zu schaffen, damit er nach Beendigung des. Krieges in Palästina in gesteigertem Maße arbeiten kann Brief ans der Ukraine. ..In dem Städtchen Li sink a hat sich eine furchtbare Judenmetzelei abgeschelt. Bauern der umliegenden Dörfer rotteten sich zusammen imd überfielen die Mischen Häuser. 27 Juden. wurden zu Tode gemartert und 50 schwer verwundet. Natürlich wurde auch das jüdische Hab und Gut geraubt. — Das Büro zur Durchführung .der Wahlen für die vorläufige jüdische Nationalversammlung der Ukraine hat hinsichtlich der Wahlen an die Vorsteher der jüdischen, Gemeinden die näheren BerjÄWngen. gesandt. Der Wahltag selber wird noch, bekanntgej geben. — Die orthodoxe Vereinigung m der Ukraine „Ächdus Jisroel" hatte eine sechstägige Beratung in Kiew. Nach lebhafter Dchatte wurde beschlossen, die Arbeit für Palästina nach Kräften zu fördern, und zwar auch die von den Zionisten in Angriff genommene. Hinsichtlich des jüdischen Nationalrates und Vorparlaments wurde der Beschluß gefaßt, nur solche Anwärter für das jüdische Ministerium zu unterstützen, die sich verpflichten, darüber' zu wachen, daß die Kompetenz der nationalen Versammlung nicht geschmälert wird. ' Als einzige Sprache des Mischen Volkes erklärte die .Versammlungsdie hebräische Sprache. Der Name der Qrganifaüö» wird Mistig nur „Achdus" lauten. —' v Die j üd ifH en Kolvn ksteu des Ehersower Gouvernements hatten eine Konferenz " Sie verfügen für Me - gemeinsamen Zwecke über % Millionen Rubel, deren Zinsen für Bildungs¬ und Kulturzwecke und für . die HebunT der Landwirtschaft Verwendung finden follem Tagung der B»kowi»aer J«de»schaft. Aut A. Juni, fand im großen Sitzungssaal«: Lyc Bukowinaer Handels-, imd Gewerbekammer eine von Bukc-Irinaer jüdischen Landespartei einberuftne Versammlung aller ehemaligen. Mandatare der Juden in der Bukowina statt. . Der Borsitzeiche, ReühDtagsabgeorneter Dr. S.ttfttt* ch er, erstattete als Prästdchü der Laudespartei Bericht.. Er skizzierte d« aufreibende Tätigkit im Dienste der Mhht-