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Neue jüdische Presse · 1918-07-05 · Heft 26 (5.7.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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+1 + ♦ f ♦ Erscheint wöchentlich am Freitag. Aemaspreis pro Mrrtrijahr: In Frankfurt a. M. Mk. l.50 frer mS Haus. Bei der Post abonniert Mk.l.85, frei ins S4 Pfg. pro -Monat mehr. — Bei Zusendung durch fband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk.2.— für alle übrigen Länder Mk. 2.50 Einzel-Nummern kosten 15 Pfg. AedaKtion und GXpeditron: Frankfurt a.lt). rr Cangeftr.T Fernsprecher Amt Hansa 2903. ^^===========st Instrtionspreis für die fechsgefpaltene Petitzeile 30 Pfg., für die Reklamezeile ML 1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und ina.Annoncen-Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. Freitag, Le« 23. Tanras 3678 (5. Jnli 1918) 16. Jahrgaxg. Orthodoxie und Zionismus. Bon I. H. Llnscheinend als Kontroverse zu meiner in Nr. 22 dieses Blattes erschienenen Abhandlung „Die Orthodoxie am .Scheidewege" bringt „Der Israelit" in seiner Ausgabe vom 18. Juni einen Leitartikel „Der Zionismus am Scheidewege", «den ich nicht unbeanttoyrtet lassen möchte. Der Verfasser -dieses Artikels bedient sich zunächst des ebenso -.alten, wie unschönen.Mittels, einzelne Sätze aus "meiner Abhandlung aus dem Zusammenhang herauszureißen, an Hand derer er alsdann, ohne -auf den Gedankengang meines Appells weiter einzugehen, meine Ausführungen als „merkwürdig vertrauensselig" abtun zu können vermeint. .Ich . bin allerdings der-Meinung und.glaube zu wissen, daß ein großer Teil Der Zionisten — auch der Persönlich religiös-gleichgültigen — prinzipiell auf dem Standpunkt steht, daß .für den neuen Jischub -das Gesetzder Thauro verbindlich sein müsse. Nicht aber bin oder war -ich so optimistisch zu glauben, daß diese Kreise sich nun aus eigenem Antrieb hierfür -selbsteinsetzen werden, und. so habe ich denn auch ausdrücklich geschrieben, „daß ich von diesen Kreisen eher Unterstützimg als Gegnerschaft erwarte, wenn dieselben nur sehen, daß wir (die Orthodoxen) wirklich gewillt sind, mit allen Kräften bei diesem Werk zusammen zu arbeiten". Noch weniger bin ich so vertrauensselig zu glauben, daß es gelingen könnte, Martin Buber und seinen Kreis für die Orthodoxie in ihrer jetzigen Gestalt und Verfassung zu gewinnen. Ich habe vielmehr sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, .daß ich zwar eine Annäherung jener Kreise an die Orthodoxie für möglich halte und erhoffe, aber nur dann, wenn es gelänge, zunächst die Orthodoxie selbst aus ihrer jetzigen : Selbstzufriedenheit zu lebendigem Schaffen, zur Verinnerlichung und Erhöhung ihrer -Lebensinhalte zu erwecken-. -Das Vertrauen hege ich allerdings, daß noch viel lebendige -Kräfte in der Orthodoxie schlummern, daß es ihr gelingen müßte, die zu wahrem .jüdischen Leben zurückstrebenöen Elemente int Zionismus sich zu gewinnen und die zionistischen Bestrebungen in ihre -Bahneil zu lenken, wenn die. Orthodoxie nur den in ihr ruhenden Kräften freieren Spielraum geben würde, wenn sie nur -wagen würde, diese chre Kräfte rückhaltlos in den Dienst alles Jüdischen zu stellen. Das-zu zeigen und -die Orthodoxie auf ihre große Verantwortung .hinzuweisen, wenn sie sich diesen großen Aufgaben aus kleinlichen Befürchtungen entzieht, war der Zweck meines Appells. Gar zu wenig Vertrauen zu sich selbst -und zur Kraft der Thauro haben meines Erachtens die, die diesen meinen Standpunkt „merkwürdig vertrauensselig" neunen zu sollen glauben. ..Der Artikelschreiber -.des . Israelit meint nun, meinen mahnenden Worten die Spitze abbrechen .zu -können dadurch, daß er den Anschein zu erwecken versucht, als sei eigentlich -die Orthodoxie 7ganz bereit, sich -.dem Zionismus anzuschließen und -mit -der .zionistischen Bewegung -zusannneuzuarbeften. Die Zionistische Organisation habe.nur eine ^Bedingung :,zu erfüllen, -und dem - Zusammengehen -der -Orthodoxie -mit ähr stehe.nichts.-mehr im Wege. '^Sie.- solle -lediglich erklären, -daß -Mr -das - "neue ^Gemeinwesen. ..in PMflina Pas Mesetz .der Thauro als verbindlich zu gelten-habe. -Damit: glaubt «man. die Verantwortung von sich ab- und auf die Zionisten geschoben zu haben. Nun ist allgemein bekannt, baß. ^bereits auf dem 8. Zionistenkongreß Professor Marburg unter Zustimmung des Kongresses, eines Kongresses, dessen Majorität dank des gewollten Wseitsstehen der Orthodoxie zum mindesten awenn nicht antireligiös war, erklärt hat, daß die Zionistische Organisation bei solchen Unternehmungen, bei welchen religiöse Interessen berührt werden, den Anforderungen des religiös-traditionellen Juoentums Rechnung tragen werde, ein Versprechen, welches, soweit der Einfluß des Zionistischen EAC reichte, im Großen, Ganzen stets gehalten worden ist. Was denn soll und kann weiter noch von der Zionistischen Leitung erklärt werden? Ist denn das CAC eine autokratische Behörde, die nun dem einzelnen Zionisten in Erez Jisroel befehlen kann, du darfft am Sabbath nicht arbeiten, oder du darfst dies oder jenes nicht tun, noch dazu ohne Ermächtigung des Zionistenkongresses, den einzuberufen doch jetzt vollkonuuen unmöglich ist? Aber selbst, wenn das EAC, selbst, wenn ein eigens zusammengebrachter Kongreß einen Beschluß im Sinne des Leitartikels des Israelit fassen würde, glaubt man wirklich, daß solch' ein Beschluß beim besten Willen mehr sein könnte als ein Stück Papier? Nicht vom EAC, nicht vom Zionistenkongreß auch nicht von den Herren vom Israelit wird es abhängen, wie das künftige Leben in Palästina sich gestalten wird. Das wird einzig und allein abhängen von den Juden, welche in Palästina wohnen, und die nach dort übcrsiedeln werden. Wird die Orthodoxie sich weiter abseits halten und Kolonisativns- und Erziehungswerk ben anri- oder «religiösen Kreisen überlassen, dann wird allerdings vielleicht das neue jüdische Gemeinwesen im Lande unserer Väter anti- oder areligiös werden. Ich sage Dielleicht, denn ich habe so viel Vertrauen in die Kraft unserer Thauro und zu dem Hauch des Bodens unseres Landes, daß ich nicht glauben kann, 0aß-dort etwas so Unjüdisches überhaupt wird entstehen können. Wenn aber die Orthodoxie .selbst sich -dem -Siedlungswerk mit allen Kräften widmen wird, wenn sie dahin arbeiten wird, daß die orthodoxen Massen des Ostens nach Erez Jisroel gehen, daß orthodoxe und gleichzeitig national gesinnte Lehrer im Lande der Väter die Jugend erziehen werden, dann wird dort das jüdische Leben sich so gestalten, wie ivir Orthodoxe es wünschen müssen. Daß ein Arbeiten in diesem Sinne mit Aussicht auf Erfolg nur innerhalb der Zionistischen Organisation geleistet werden kann, glaube. ich, in meinem ersten Aufsätze zur Genüge dargelegt zu haben. Nicht also von Reden und Beschlüssen in Verein "oder -sonstwo kann und darf die Orthodoxie ihre Entschließung und ihr Handeln abhängig machen. Es gibt einen.und nur einen Weg, der dazu führen kann, Einfluß auf die bisher »religiösen Kreise im Zionismus zu gewinnen und das neue jüdische Gemeinwesen in Erez Jisroel im Sinne der Thauro zu gestalten, das ist der Anschluß an den Zionismus und den Misrachi und Einsetzung aller Kräfte der Orthodoxie innerhalb der Zionistischen Organisation. Ich möchte hieran anschließend noch einem Einwand begegnen, der .immer.wieder gegen den Anschluß -der Orthodoxie -.an den Zionismus geltend gemacht wird. Wie «können wir, -heißt es, unsere durch die Jahrtausende festgehalteuc und Nr. 26. von uns als einzig berechtigt enrpfundene Auffassung des Judentums, als einer in erster Linie religiösen Gemeinschaft zu Gunsten einer Organisation aufgeben, die die Religion als Privatsache erklärt. Man verkennt da immer wieder, oder will nicht erkennen, daß die Zionistische Organisation im Kern eine rein politische Organisation ist mit dem Ziel, für die Rückführung des Mischen Volkes in sein altes Heimatland zu arbeiten. Welche Interpretation darüber hinaus einzelne Zionisten, und mögen sie noch so einflußreich sein, denl Zionismus zu geben sich benrühen, uno welche Wünsche diese Männer für oie Gestaltung des neu zu schaffenden Mischen .Gemeinwesens hegen uiögen, ist zunächst deren Privatsachc. Da mag der eine, die Entstehung einer neuen mystischen Religion sich erwarten, ein anderer einen sozialistischen Zukunstsstaat als Ideal hinstellen, wie andererseits wir Orthodoxe die Wiederbelebung unseres traditionell-religiösen Volkslebens erhoffen. Die Zionistische Organisation als solche hat zunächst hiermit nichts zu schaffen und soll damit nichts zu schaffen haben. Allein von der Kraft der solchergestalt mit einander ringenden Ideen, von der Hingabe, der Rührigkeit und den Fähigkeiten ihrer Anhänger kann es abhängen, welche von diesen Bestrebungen sich die Vorherrschaft und den sieg erkämpfen wird. Orthodox sein, heißt das Vertrauen haben, daß der Geist unserer Thauro, wie bisher immer in der Geschichte unseres Volkes, auch in diesem Kampfe seine ewig junge Kraft bewähren, und auch den neuen jüdischen Jischub im Lande der Väter in seinen Bann zwingen wird. Aber: „Ein somchim al haneß". Uns Gesetzestreuen liegt es ob, dafür zu sorgen, daß der Geist der Thauro im Lande der Väter wieder zur Geltung kommt. Nicht also um Aufgabe unserer alten Auffassung vom Judentum handelt es sich, sondern darum, zu kämpfen für den Sieg dieser unserer Auffassung gegenüber den anderen Tendenzen, die sich ihm überall und gerade besonders in unserem alten Lande entgegenstellen. Dieser Kampfs aber kann nicht geführt werden hinter den abschließenden Mauern der Lehrhäuser, er kann nur geführt werden mitten im Leben und Erleben des Volkes, nur durch mutiges und hingebendes Schaffen und Arbeiten inmitten aller strebenden Kräfte unseres Volkes. Dann wird der Geist der Thauro mit uns sein, und in ihrem Zeichen werden wir siegen. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Der rumänische FriedenSvertrag. Im Hauptausschutz des Reichstags entwickelte sich anläßlich der die Juden Rumäniens berührenden Punkte des rumänischen Friedensvertrages folgende Debatte: - Scheidemann (Söz.) bemängelte die Unklarheit der Bestimmungen über die Einbürgerung der Staatenlosen. Diese Bestimmungen genügen nicht infolge der Beschränkung auf einen Bruchteil der Juden. Die staatliche'Gleichberechtigung mutz grundsätzlich verlangt iverdcn. Warum hat man nicht mehr erreicht? Ministerialdirektor Dr. Kriege gab eine längere Darstellung über die historische Entwicklung dieser Frage und die Rechtslage. Da es sich um einen starken Eingriff in die innerrumänischen Verhältnisse handelte, so forderte man Vorschläge Rumäniens. Diese sind in Artikl 28 niedergelegt und treffen den überwiegenden Teil der in Betracht kommenden Landeseinwohner. Die Handhabung der Bestimmungen wird eine loyale sein. Der Berliner Vertrag gelangt dadurch zur Ausführung.

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