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Neue jüdische Presse · 1918-06-28 · Heft 25 (28.6.1918) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 25 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seit« 6 Der Oee Memrareth.*) „Liberias war zu Christi Zeit die Hauptstadt der römffchen Provinz: Galiläa: Noch heute gut es als ein iKauPffitz der Talmichsorschnng, ist aber im übrigen ein unbedeutender, fqst nur von Juden bewohnter Ort.mit unglaublich engen Gassen Und puppenhaft kleinen Häusern. Es liegt «uff einem. schmalen Landstreifen unterhalb der Berge von Unte^allläa, über deren Schwelle den ganzen 'Sommer hindurch^ der Mittelmeerwind wie ein Wasserfall herüberbraust. Er weht am frischesten Nachmittags und bringt, nach der lähmenden- Mittagsglut von 37 nno mehr Grab belebende Kühlung für die ganze Nacht. Dank mehreren warmen Schwefelquellen, die einige Kilometer süd-; lieft von Liberias entspringen, ist das Städtchen noch heule ein sehr besuchter Badeort, und vom Seenfer ans zeigt es hohe malerische Schönheit. . ..., Der See Genezareth liegt wie in einen« Trog, auf allen Seiten von einem Kranz von Bergen umgeben. Sie sind nackt und öde und spielen in gelben, bvaüürn ,«nd roten Farbtönen. Die Kalksteinberge von Untergüliläa sind hier und da mit Basalt durchsetzt,' mit Lava und Bimsstein bestreut und fallen in flachen Bogen dunkel und ohne eine Spur yon Vegetation nach dem See zu ab. Die Berge des Ostufers schließen sich zu einem 'gleichmäßig chohen Rücken zusammen, aus dem mehrere Täler hervorbreche». Auch sie bestehen aus Kalkstein und Basalt und fcheine» schroff in das Wafler abzufallen, lassen aber einen von der Westseite aus nicht sichtbaren Uferstreifen zum Anbau frei. Bäume sind rund um den See herum sehr selten; «uff dem Ostufer wachsen aber an mehreren Stellen Dornsträrichcr, Oleander und einige andere Pflanzen. kräftige Ruderschläge treiben unser Schifflein nordwestwärts über die plätschernden Wellen, die allmählich unter dem Druck des Morgenwindes höher werde««. Wir sitzen mit dem Rücken nach Osten, well die glitzernde Sonnenbahn dort blendet, und genießen die Morgenfrische in vollen Züge««. Gerade vor uns erhebt sich, 1199 Meter hoch. der Dschermak, einer , der höchsten Berge von Obergaliläa. Der Ufersteg liegt noch völlig einsam. Ein vaar! vereinzelte Bäume saugen ihre Nahrung aus einer Süßwasserquelle. Etwas weiterhin öffnet sich das kleine Tal Wadi Abu Römisch, an deflen Salzquelle sich Ucberreste eines römischen Bades finden. Sieben Kilometer vom Ufer entfernt liegt bergaufwärts Knrun Hattin, wo Sultan Saladin am 5; Juli 1187 die Kreuzfahrer vernichtete. IM biegen wir nach Nordosten ab, wo in« Schatten; rauher Bergschultern elliche ärmliche Hütten mit ein paar Bcuuuen um» Palmen sichtbar weichen. Der nnansehnlichr Ort .heißt bei den Arabern Medschel, bei den Juden Migdal -und ist das rlltberühinte Dorf Magdala, die Heimat der Maria Magdalena. Durch das Tal Abü Ramisch, dein «vir jetzt gerade, gegenüber sind, führt eine wichtige Abzweigung der. großen Jordanftraße nach Nazareth und von .dort zur Küste, uttb durch das nächste Tal El-Haman, läuft seit uralter Heidenzeit die Karawanenstraße zwischen Nazareth und Damaskus. Hier lebte in der Kreuzfahrerzell der Räuber Eisenstein und «nachte von seiner Burgveste «rus, von der noch Ruine«« Vorhände«« sind, das umliegende Land unsicher. Blickt man über die Wasserfläche hin, so schünmert der See in tiefem Blau. Schaut man aber seiikrecht in die Tiefe, dann ist er grün wie junges Birkeillaub im Frühjahr und klar wie Quellwasser, denn loas der Jordan -und andere Flüsse «ui festen Bestandteilen mit sich führen, sinkt zu Boden. Die Anwohner trinken das Scewasser unbedenklich; auch meine Zunge tonnte keinen Salzgehalt kann bemerken. Nur nahe bei der Mündung der Schwefelquellen von Liberias hat es einen uimngenehmen Beigeschmack. Die ganze- Landschaft ist Blau in Man: der See, die zartere Bläue des Himmels, an dein sich nur wenige weiße Wolken langsam zerteilen, die blaugrüne Farbe der Berge auf den« Ostufer und die nur schattenhaften Umrisse der königlichen Kuppel des Her«rlo,r. Dazu die SMe, die nur von dem Plätschern des Wassers am Vordersteven und von den Rnderschlägen unterbrochen wlld, der strahlende Sonnenschein, die Wärme und schließlich die Müdigkeit, die mir noch von «neiner Krankhell her in den Gliedern steckt — alles vereinigt sich zu einem Gefühl der Unwirklichkeit, eines märchenhaften Zaubers, als Z- *) Aus „Jerusalem" von Sde» Hedin. Franssurter Jstaclittschcs Fäinilicudlatl. glitte man Über ein ungeheures Becken von durchsichtigem Türkis dahin, das eine hellblaue Glasglocke überwölbt. Dazu die. Fillle der Erinnerungen, die diesen See umschweben — kein Wunder, -wenn die alten Rabbiner sagen, Gott habe sieben Meere erschaffen, das Meer von Genczareth aber sei seine Wonne gewesen." Der tatylouische Lurm. Durch die Ausgrabungen, die die Orientgesellkchast auch während des Weltkrieges „och weitergeführt hat,' , ist . jetzt der babylonische Turm in seinen« Grundriß zutage'ge- -! kommen. I» dem 59. Heft ihrer Mitteilunge«« ldgtProfeisor Kvldewey, der die'Ausgrabungen 18 Jahre lang' geleitet hat, seine Meinung von »dem einstigen Aussehen dieses weltberühmten Bauwerkes dar. Er geht dabei von den Angaben aus, die in einer babylonische«« Tontafel aus dem Jahre 229 v. n. Z. enthalten sind. Koldewey weist nach, daß es sich, ii« Ucbereiilstiininuiig mit Herodots Nachrichten über den babylonischen Turm, um einen Hochtempel handelt, der «tebeit dem ebenfalls divch die Grabung festgestelltcn unteren Tempel gestanden hat, und dessen Unterbau eben der „Turm" gewesen ist. Die Maße der sechs um einen Hof herum angeordneten Heiligtümer, aus denen der obere Tempel bestand, gibt die Tontafel auf Grund einer alten Quelle genau an, n««d dieses Gebäude hat in der Tat auf drin Unterbau Platz. Nach einer -jüngeren Quelle gibt der Schreiber der Tvntofel auch die Höhen- und Flächenmaße der sechs oder sieben Stockwerke des Turmes, und «i»enn sich ans diesen Maßen ein Bauwerk ergibt, bo§ einen so. große» Tempel nicht getragen haben könnte, so liegt das r«ach Koldeweys sehr einLuchtender Vermutung daran, daß der Turm zu den Zeiten, als der zweite Gewährsmaim ihn sah, bereits eine Ruine «var. Bekanntlich hat Alexander der Große gerade ein Jahrhundert zuvor de;» kühnen Plan gehegt, den baufälligen Turm wiederherzustelle», und ist nur durch seinen vorzeitigen Tod an der Ansführnng gehindert worden. Die Masse des damals zur Vorbereitung des Wiederausbaues fortgeräumten Schuttes nun, die sich berechnen läßt, stimmt nicht nur mit dem aufgehäust gefundenen Ziegelschutt überein, sondern entspricht auch der Dijsrrrnz zwiichen dem Kubikinhalt: des ursprünglichen Bauwerkes und demjenigen der Ruine, wie sie die Tontafel gibt. Literarische Chronik. Beiträge z u r Wi s s e n s ch af t de s I u d e n t u m s von Rabb. Dr. F r i e d m a n««- Lublinitz. Wenn wir auch nicht allen Boranssetzungei« zustimmcn, so mußdoch jedes der 17 Essays, ans denen dieses Werk besteht, als wissenschaftlich bedeutsam bezeichnet werden. Hochinteressant z. B. sind die Abhandlungen über ,,Die Namen des Schwiegervaters des Mose", über „Alte Tcmpcldienstabtellungen", ,Zur Biographie Rabbis und Raws." Viel Licht verbreitet über de» (geschichtliche») Zusammenhang der Sentenzen in den Sprüchen der Väter mit den historischen Vorgängen der tanaitischen Zeitgeschichte der Aufsatz: „Pirke Aboth." Durch diesen Aufsatz wird die Verwertung dieser tanaitischei« Spruchwcishcit für den Religionsunterricht erhöht. Nach Fr. richtet sich der Spruch des Jos. b. Joesers: „Es sei. dein Haus ein Haus der Zusmmnenkunft für die Wersen," gegen das Berbot d.-s Gesetzesftudiums, welches! vv» Antivchus Ep ip hau es ausging. Die Mahnung Nitais: „Halte dich fern voi« bösen Nachbarn, geselle dich nicht z>« einem Frevler, gib den Gedanken an Vergeltung Dnicht auf," wlll gegen dies den Anschluß an die Vergeltung leugnenden Sadduzäer, welche in den letzte» Jahren Johann Hyrkans zur Herrschaft gelangt waren, eine Scheidewand errichten. „Mt dem Ort schlechten Wassers," nach welchem man verbannt werden könnte, spielt Schema ja auf Alexandrien an, wo trübe Strömungen hellenistischer Philosophie unreife Schüler in den Abgrund des Unglaubens rissen. Das Wort Hillels beim Anblick des schmimuteirden .Schädels bezieht Fr. ans Hyrkan.il., der, selbst Mörder seines Bruders A r i st o b u I und Neffen Alexanders, von Herodes hingerichtet wurde. Ich ntöchte jedoch den« schwimmenden Schädel, den Hillel sah, mit dem Feld- 3lt 25 Rr Herrn des Antigonus, Pappus identifiziere», dem He. des das Haupt, abschlagen ließ, das er seinem Brudi P h e o r e.s schickte zum Zeichen, daßdieErmordw Bruders gfsühnlfsei. -(Jäsephjch^.Hßschichte d. süd. Krieg, I., 17, 8.) Silüationsgemätz dürfte der Bericht von d, rella Pl 6 hcrodranischen Großen sein,, welche die Anhänger des An! Zams! sy Zabbo sy lbend str gonus 'an den See Genezaret geschleppt Ul«d ertrön haben. (Josephus, Das. 17, 2 und Altertümer, XV, 5—7, 1—3.) Ii, den Jüngeren Bileams, die Mißgunst, HochmR und „««ersättliche Gier beherrschen, sieht Fr. die Mini »orge oder Heidenchristen/ welche den grausamen Römern i der Verfolgung der Juden Beistand leisteten und d Zurücknahme der von Kaiser T r a j a n erteilten Erlan nis zum Wiederaufbau des Tempels bewirkten. Des Pß »liste«« Worte von „bei« Männern des Blutes und di Truges" wurden auf diese haßerfüllte», tückische«« Fei«! der Juden bezogen. Ein Ausspruch R. Akt bas wendete sich gegen d Lehre des Christentums, welches einen Einzigen a Sohn Gottes verherrlichte und in dem Glauben ,gn best , Göttlichkeit einen Freibrief für die Abschüttelung des «n ,er- - saischcn Gesetzes erblickte. Dieser Ausspruch lautet: „Ä vorzugt ist der Mensch, der im Ebenbilds Gottes erschaff ist . . ., bevorzugt ist Israel, sie werden Kinder Gott genannt . . ., ihnen «st das Kleinod verliehen wordc mit «velchem die Welt erschaffen wurde." Bon R. Akt wird in diesem Satze die Ebenbildlichkeit aller Mensche die Gottes-Kindschaft des ganzen Volkes u««d der «, schätzbare Wert des ewigen Gesetzes betont. Im Gegensatz zur ältesten christlichen Gemeinde, welü die Mitglieder aufforderte, Habe und Gut zu verkauf, und den Erlös einer gemeinsamen Kasse zuzuführen, lehr 'öln R. Jose: „Es sei dir das Vermögen deines Genossen * lieb wie das eigene" (2, 12), und erklärte die Mischn, „Wer sagt, das Meine sei dein und das Deine mei gehört zum Landvolke," zu den Unwisseirden. Der Kvi munismus ist eine gesellschaftliche Konstitution, die «t der Unwissende für eine dauernde halte«« kann. Der Verfasser, Dr. Friedmann, begeht am 4. Juli ß 40jähriges Amtsjubiläum: Möge er Kraft finden, d Wssenschaft noch weiter anzubauen im Sinne des Schuf Wortes: „Adam lcomol julad." „Leomol" als Akrostich, der Worte: „Lilmod al menaß lclammed." Ainiti nese lOffenbMher Druchlufft-Anlage I OffSBliach X. B. Telefon 123. (Antichlna« mitFrankfiut). owfihrteate Teßplehpainlpiing (100,000 qm jährlich) | so wie unQbertroflana BattfadarDralnlgunB mitteUj Drocklnft «md Wasserdampf. I 1 Wochem-Ssleitder. Sdmstag, 29. Juli (--- 19. Tainus). Wocheuabschnitt: Pinchos. — Pinchos' Eifer. Z luiig Israels „ach Einzelstämmen. Berteilungsmodus das in Besitz zu nehmende Land. Zelofchvds Töchter. Erbfolgerecht. Jvsua. Opferverordnungen. Aus dem Prophetenwvrt des Sabbats: Das Wort Gottes ging au Elijahu und sprach: „W tust du hier, Elijahu?" Da autivortete er: „Geeifert, geeifert habe ich si Gott, Gott der Schöpfungsscheuei«, de«««« verlassen Hab: Israels Söhne deinen Bund, deine Altäre haben sie n«edk gerissen und deine Propheten mit dem Schwerte erschlage, — nur ich blieb übrig, und jetzt trachten sie auch mir ne dem Leben." Da sprach Gottes Stiinme: „Kumme heraits ui steh: an« Berge vor Gott!" — Und siehe, Gott zieht vo über. — Ein gewaltiger, mächtiger Wind, Berge entww zclnd, Felsen zersplitternd, vor Gott. — doch nicht : Winde ist Gott. — Und nach dem Winde Erdbeben, auch nicht im Erdbeben ist Gott. — Nach den« Erdbebt Feuer, — auch im Feuer nicht Gott. — Nach de, Feuer — eine Stimme tiefsten Schlveigens. i Das Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaar* - Zedek“ zu . . Jerusalem bittet für seine Kran U.en. Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Gescbäftsleitung: Frankfurt ain Main. . An&ahme unterschiedslos f&r Alle. Höchste Anerkennung aller. Behörden.. . Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a. M. hält sich für gewissenhafte Uebemahme von Stiftungen empfohlen. -. ■ - - - . - - . . Betten-, Zimmer-, Jabrzeft-, Gedenktafel-Stiftungen. ■ Man fordere die Bedingungen ein. Briefe zu richten nach Böderbergweg 63. - , . •- - - ■ .- .. s fl ei 8l I » I Shzfl ittet pend er« Wr

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