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Neue jüdische Presse · 1918-06-14 · Heft 23 (14.6.1918) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 23 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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K >esrlles in > be. sehr : Bei zur ZalK. Ichied chaft- -dem avor- - Ur. ickelle unter rüge» te der iluiig F.J. i a b- ) Ge. Wb- Martha von saurer 'Frei. Herrn. -nach c die eigene nmeir- I'tucTjr u g s» h der r aus Das Lareitens Turnsind, oimm- Addy >r 'der öreud, it. ' I! o i> vcrnd»rtS »gleich schön Lehrer »eierlei t,:uub i, daß er "mir in soll ir bis entl.ich der in r. In Minen, edjent, schabt, i's ein lenden td und m -nun Vater solcher, i! Da kel aus i einen -unter» du ge» Str. 23. „Das laß!" rief das Mädchen. „Es kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn du erzählst, wie ich dir als Pnnzefsin vorgekommen bin. Ich iveiß jetzt nur zu gut, >oas in dir vorgegangen sein muß, als eine ivie ich bei euch sich einqnartjerte." „Ich will dir's nicht verhehlen! Es >var so, ivie du es sagst. Mit einem 'fürchterlichen Hasse habe ich Vir. entgegengesehen, nachdem ich deinen Brief gelesen, kaum treffe ich dich dort auf dem Steg, war das alles fort, wie weggeblasen. Denk dir nun dich so täglich in all deiner Lieblichkeit und Feinheit vor sich zu.sehen, mit dir durch Feld und Wiese zu gehen, neben dir zu sitze», dir hier und da zu erklären, was das für ein Baum ist, wie der Vogel heißt, der dort fliegt —" „Du warst ein guter Lehrer, Josef," unterbrach ihn Rosel. „Und sich dabei doch fragen müssen, täglich und stündlich: Wird das eine rechte Bäuerin? Verstellt sie sich nicht? Ist es ihr wirklich Ernst damit?' Sic, Rosel, das war ja mein Leiden von der ersten Minute? an, das hätte mich zuletzt noch dazu getrieben, wieder ' Soldat zu werden. Ich habe nicht gewußt: issis dir Ernst oder bloßer Spaß, mit allem; spottest du uns im Stillen nur aus und machst dich luftig über uns, oder — bist dn wirklich das Prinzessele nicht nrrhr, als welches du zu.uns gekommen bist —" Rnsels Augen füllten sich mit Tränen. „Geh, Josef," sagte sie, nnd es klang fast wie unterdrückter Zorn hindurch. „so wie ich gegen dich — von der ersten Minute.au, warst du doch nicht gegen mich. Wie hätte dir in den -Sinn kommen dürfen, daß ich aus Falschheit und Lüge zusammengesetzt bin?" In diesen! Augenblicke mochte ein tiefer, vielleicht unheilbarer Riß durch die so unbarmherzig angegriffene Seele Rosels geschehen. Wer kann sagen, wie ein.scharfes Wort, zur Unrechten Zeit gesprochen, in das Gemüt eine Wunde schneidet, wovon es nie genesen kann? Beide, Rosel und Josef, standen erst jetzt an einem Wendepunkte ihres Lebens, er hatte Worte gesprochen, die im Grunde selbst eine weniger stolze Seele hart berühren mußten; dagegen bedurfte es nur eine-s geringen Anstoßes, nur eines ivillfährigen Nachgebens dieser Erregtheit von seiten Rosels, — und ein Bund mar zerrissen, der unter so eigentümlicher Entwickelung entstanden, zwischen diesen zwei Herzen trat der lebendige Tod ein! In der Tat hatte es auch den Anschein,' als ob Rosel dem Gefühle gekränkter Mädchenhaftigkeit, dem,' was an das Beste ihres Lebens so mitleidlos griff, nämlich an ihre Wandlung, nachgeben wollte. Sie rang sichtlich nach einem Entschlüsse; laut schluchzend hatte sie sich abgewendet, indem sie dabei ihre Hand, Hie Josef gefaßt hatte, losriß. Das dauerte eine lange, fürchterliche Weile. Tief» atmeitd stand indes Josef da. Da drehte sich mit einem Male Rosel zu ihm um, und halb lachend, halb nveinend wies sie: '»Josef, ich bin Rosel und nichts anderes als Rosel. ... Glaub nur aufs Wort! Ich habe in dir ja auch nur den Josef erkannt!" „Rosel! goldene Rosel!" jauchzte er auf, und feder» > leicht hob er das Mädchen zu sich auf, zwischen Himmel und Erde! Der böse Augenblick, uni den lichte nnd schwarze Engel gekämpft hatten, war ohne Verheerung vorübergezogen!! Jetzt mahnte Rosel zum Aufbruch, die Mutter wüßte nicht, wohin sie gegangen sei, und Ivürde wahrscheinlich in Sorgen sein. So gingen sie wieder zu dem Stege, an dem die Rosse ohne ein Zeichen von Ungeduld warteten. „Jetzt fährst du mit mir nach Hause!" rief er überlustig. „Unterstehe, dich, jetzt mir sortzulanfen, wie du meinem Vater fortgelaufen bist." „Erst will ich sehen, >vie ich sitzen iverde," sagte Rosel im gleichen Tone. Plötzlich rief Josef: ,»Da hätte ach bald »etwas vergessen, was ich dir milgebracht -habe." „Etwas Schönes?" „»Einer aus deiner Gemeinde, den ich auf dem Wochenmarkt getroffen, hat mir ein Paket übergeben. Ich soll dir sagen, meinte er, es käme von deinem Lehrer Arnsteiner." „Was 'kann der mir schicken?" Josef ging , an den Wagen und holte von dort -ein in ^weißes Papier sorgfältig gelegtes und mit un- - Hähligen roten Siegeln versehenes Päckchen. ,;Än das »wohl-- und hochgeborene Fräulein Rosa ' Ehrenfeld, d. Z. uns dem 'Dorfe M.so lautete die . in schönen Lateinbuchstaben geschriebene Aufschrift, die - Joses lachend vvrlas. Frankfurter Israelitisches Familienbiatt. „Laß uns doch.gleich sehen, was Herr Arnsteiner uns schickt," rief Rosel und hatte in rascher Bewegung das Päckchen seiner Siegel entledigt. „Bücher!" riefen beide in einem und demselben Augenblicke. „Und da ist ein »Brief für dich!" sagte Josef, indem er ein »vährend des heftigen Aufreißens zu Boden gefallenes Papier vom Boden anfhob und es Rosel einhändigte. „Soll ich ihn auf der Stelle lesen?" meinte Rosel. „Ja, tu das!" rief Josef. „Ich will voch hören, was dir ein Herr Arnsteiner schreibt." Rosel faltete den Brief auseinander und las bei dem klarsten Mondlicht, das selbst die kleinsten Gegenstände ringsum bis zur Deutlichkeit überflutete, folgendes: „Mein hoch- und wertgeschätztes Fräulein Rose! Ihre sehr verehrte Frau Mutter teilte mir jüngst sub rosa mit (es ist dies eben kein Witz, sondern lateinisch, und will so viel bedeuten als: im geheimen, oder was man im gewöhnlichen Leben so nennt: umter der Hand), daß'Sie »vährend Ihres aus Gesundheitsrücksichten auf das Dorf unternommenen Ausflugs Ihre bisher mit so vielem Talente und Begabtheit erlernten Lehrgegenstände zu vernachlässigen, die ausgesprochenste Intention zeigen. Seitdem geht mir diese Mitteilung >vie ein finsteres Gespenst auf allen Schritten und Tritten nach; bei - Tag und Nacht, in jeder Lektion, die ich erteile, schreckt es mich auf. Wenn ich einer Schülerin eine Feder schneide (ich wiederhole immer und immer: Seitdem man Stahlfedern hat, ist jede schöne Schrift zu Grabe getragen »vorden, und unser Jahrhundert kann darnin füglich ein eisernes genannt iverde»), muß ich daran denken: ,Wie sieht jetzt Rosa Ehrenfelds Schrift ans' Wenn ich dann einer anderen Schülerin den schiversten Kettensatz (welcher eigentlich nur als eine Ausgeburt der mit Recht als goldene Regel, sonst auch Regeldetri von den Italienern benannten Rechnung betrachtet werden kann) erkläre, so geht es inir wie ein Stich durchs Herz, daß Rosa Ehrenfcld in diesem Augenblicke vielleicht zusieht, »vie man einen Sack Erdäpfel aufladet, und nicht »veiß, »vie man den Ansatz zu einer einfachen Interessen- oder Gesellschaftsrechnung, selbst ohne Brüche macht. Und besonders, »venn ich an die schivierige Partizipialkoustrnktion gelange, die von jeher als »nein Steckenpferd (ich gestehe dieses offen, weil sie cs »virklich verdient) von mir gepflegt tvnrde, dann erst mochte ich blutige Tränen »veinen, daß Rosa Ehrenfeld vielleicht (»vie »vürdc ich der Göttin Hoffnung danken, »venn vem nicht so ivärc) an ein Butterfaß angeschmiedet ist, »vährend meine dreizehnjährige Schülerin Sidonia Winterfell) die schönsten Partizipialkonstrnktionen »nacht und auflöst. Bon der französischen Grainmaire darf ich gar »richt reden, da bekomme ich gleich Herziveh, i»nd als ich neulich mit Herrn Koppel Brandeis ältester Tochter den Teleinaque begann, der, »vie Ihnen ,vielleicht (»venn ich diesen Brief drucken ließe, so würde ich dein Setzer dabei bemerken, er möge dieses Wort durchschießen) noch bekannt sein dürfte, mit den Worten anfängt: ,Calypso ne pouvant se cvnsoler du depart d'Ulisst (zu deutsch, weil ich doch nicht »veiß, ob Sie das noch verstehen: Kalypso konnte sich nicht trösten über die Abreise des Ulysses), da rief ich bei mir selber ans: .Unglücklicher Arnsteiner! auch du kannst dich über die Abreise deiner Rosa Ehrenfeld nicht trösten,' und dabei hat Ulysses doch nur der Stimme einer Göttin gefolgt, die ihm seinen rühmlosen Müßiggang vorhielt, während Sie auf Befehl des Doktors in die Verbannung gingen, als »venn es gar keinen Julius Arnsteiner auf der Welt gäbe! Sic »vissen, ich habe den Doktor immer respektiert: aber seitdem er mir das getan hat, habe <ch angefangen, von meiner Betvunderung für ihn (weil er doch der einzige von der ganzen Gemeinde ist, »nit dem man über etwas anderes reden kann als über Wolle und Hasenhäute) um einige Perzente zurückzukommen, imd ich sehe in ihm allenfalls' keinen ungeioöhnlichen Menschen inehr. 'Trotzdem und vielleicht daruni, wertgeschätztes Fräulein Rosa, habe ich, Julius Arnsteiner, mich unterstanden, gegen die kategorischen Befehle des Herrn Doktors, die ich »vohl in medizinischer, aber nicht in päda- .gogischer Hinsicht als maßgebend und diktatorisch anzusehen gewillt bin, offen und ohne Furcht zu handeln, nnd habe mir erlaubt. Ihnen beiliegend zwei der wichtigsten Bücher zu schicke.n. Zuerst: Die deutsche Sprachlehre, wo ich in das Kapitel von-der .Partizipialkonstruktioick e.in Ohr hineingedrückt habe, und zweitens den Telemaque. Das Kapitel im ersteren Buche ist die beste Abwehr gegen alle Anfechtungen des Dorflebens (denn ich möchte sagen, den.Unterschied zwischen einem gebildeten.und.uugebil- Berte 5. deten Menschen bestehe eben darin, daß jener in Partizipialkonstruktionen, dieser aber in einfachen, p»ge»mnnten »nackten^ Sätzen spricht), und das zweite Buch gewährt neben der unterhaltenden Lettüre eine vortreffliche Uebung für die verbes reguliers und irreguliers. Wertgeschätztes Fräulein Rosa! Schiller sagt einmal in seiner Ballade: Der Taucher: — .Unter Larven die einzig fühlende Brüste — Branche ich mich näher zu erklären? Habe ich nötig zu sagen, auf welchen Umstand sich diese göttlichen Verse beziehen? Nein! Nein! Wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen, so lesen und wiederholen Sie öfters in diesen beiliegenden Büchern! Dann werden diese Verse mitten unter den Menschen, zu denen.Sie der Befehl des Doktors verbannt hat, an Ihnen zur Wahrheit werden ... wo nicht, so sagt Julius Arnsteiner — verdienen Sie eine Bäuerin zu werden. Ihr seiner Schülerin beraubter und.darum bemitleidenswerter ehemaliger Lehrer Julius 'Arnsteiner. Nachschrift. Ich sehe zivar stets bei meinen Schülerinnen darauf, daß sie von diesem dem weiblichen Geschlecht namentlich so eigentümlichen Anhängsel eines Briefes so wenig als möglich Gebrauch machen; diesmal inuß ich aber selbst meine Zuflucht dazu nehme». Ich »vollte Ihnen nämlich noch ein drittes Buch schicken, das man, wenn man schon auf dem Dorfe leben muß, erst recht begreifen und würdigen lernt, nämlich Geßners unsterbliche Idyllen. Aber zu meinem tiefsten Bedauern hat neulich das kleine Kind meiner Hausvermieteym. als sie gerade am Freitag .Barches' buk (nicht backte), einigen Papiers znm Unterzünden bedurft und riß in seiner Unkenntnis des kostbaren Schatzes etliche zwanzig Blätter heraus. Der Obige." (Schluß folgt.) Luther über die hebräische Drache. Prof. Dr. Will). Walther hat folgende Aeußerungen Luthers über die hebräische Sprache znsammengesteM: „Die hebräische Sprache hat ihre eigne, sie von der griechischen, lateinischen und deutschen unterscheidende Farbe, sie ist die allerbeste und reichste au Worten," insofern sie nicht wie jene „bettelt." Jene anderen haben für manches nicht ein eignes Wort. Sie müssen häufig etwas aus anderen Worten entlehnen und daraus ein neues zusammenstellen. Im Deutschen haben wir etwa das Wort „laufeir." Dieses fügen wir dann mit anderen Bestandteilen zusammen und reden von „entlaufen, verlaufen, umlaufe», belaufen. Anlaufen, ablaufen, weglaufen. eirüaufen" usw. Dafür hat die hebräische Sprache keine zusammengesetzten Wörwr, sondern „spricht ein jedes Ding mit seinem eignen, besonderen Wort aus." Ebenso gebrauchen wir Deutschen ei» Wort in sehr verschiedener Bedeutung. So können wir mit ,Lerz" „ein Stücklein unseres Leibes" meinen. Wir reden aber auch davon, jemand habe keilt Herz, und wir »vollen ihn damit als „kleinmütig und verzagt" bezeichnen. Wir gebrauchen auch die Wendung: „Das Herz sagt es mir", oder: „Sein Herz brennt ihm", welch letzteres besagen will, „er ist zornig." „Da hat der Hebräer in einem jeglichen sein sonderlich unb eigentlich Wort." Andererseits hebt Luther hervor, daß diese Sprache nicht viel Worte niacht, sondern „einsältig" ist» zugleich aber „majestätisch und herrlich, schlicht und wenig von Worten, aber da - viel hinter ist," während die griechische Sprache „wohl freundlich und holdselig" ist, aber sich »nit „guten nnd lieblichen Worten" begnügt. Oder er beachtet, wie reich die hebräische Sprache an bildlichen 'Ausdrücken ist. „Unglück leiden" nennt:sie „trinken." „Strafen, peinigen, martern und allerlei Plage aiitun" nennt sie „einschenkeu oder zu trinken geben." Daher der häufig gebrauchte Ausdruck „der Kelch des Herrn", womit „die Strafe, die er einen» jeglichen eiuschenkt oder zuteilt," gemeint ist. Ebenso redet sie oon „Trunkenheit", »ven,i jemand. sei es vor Freude, fei eS durch Leid, ganz außer sich gerät. Literarische Chronik. Siallk und der Nobelpreis. Das „Lcinberger Tageblatt" inacht i» einem Aussatz über die moderne jüdische Literatur batauf aufmerksam, daß das jüdische Volk bisher bei der Verteilung des Nobelpreises für Literatur leer ausgegangen ist. Die Zeitung meint, daß-der Grund hierfür darin -zu suchen ist, daß der großen Oeffentlichkeit die modernen jüdischen Dichter, z. B. Chajim Nachanau Biabi k, um »ur einen N'ainen zu nennen, bisher fast unbekannt geblieben sind, und regt an, die literarischen Leistungen Bialiks, der sich »vohl mit den übrigen von der schwedischen Akademfle mit dem Nobelpreis gekrönten Dichtern und Schriftstellern messen karln, einer größeren Oeffentlichkeit bekannt zu machen. Diese Anregung des .Lembergcr Tageblatts" erschien gleichzeitig mit der Publikation neilhebräischer Dichtungen in schwedischer Uebersetzung in der angesehenen Stockholmer Zeitschrift „Wort und Bild, in deren Llvrilheft Ober» rabbiner Dr. Ehrenpreis zusammen mit dem schwedischen Dichter Ragnar Josephson Dichtungen von CH.

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