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Neue jüdische Presse · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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*1* * -4-' Erscheint wöchentlich am Freitag. Seragspreis pro Nirrtrtjahr: In Frankfurt a. M. Mk. l.SV fre! inS HauS. Bei der Post abonniert Mk. 135, frec mS Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn M l.2.— für alle übrigen Länder Mk. 2.5Ü Einzel - Nummern kosten 18 Psg. v- -- ■ —^ Redaktion und GLpedition: Frank!urt s. M. rr rsngefte. 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903. —>«'«.«> Hevansgsvee: Kalu cheis.? — ... < Insertionspreis für die sechsgespaltene PetitzeUe 30 Pfg., für die Reklamezeile Mk. I.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Platz- und Datum-Borschrist ohne Verbindlichkeit. Annonccn-Annahme bei der Exped. und ina.Annoncen-BureauS. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. - ■ ■ ■ ,± . Krettag, den 81. Ijar L628 (3. Mai 1918) Rr. 18. 16. Jahrgang. HilfSverei« der deutschen Jude«. Ain 28. Tlpril fand die Sitzung des Zentralkonlitees und die Generalversammlung des H i l f svereins der Deutschen Juden statt, die sehr gilt besucht waren. Trotz der Erschwerungeu des Reiseverkehrs waren auch Mitglieder aus allen Teilen des Reiches erschienen. Der Vorsitzende, James Simon, schilderte einleitend in kurzen Zügen die furchtbare Notlage der Juden im Osten. Dr. Nathan erstattete sodann den Tätigkeitsbericht, aus dem folgendes cntnonrmen sei: Die Kriegs hilf stätig.keit wurde auch im vierten Kriegsjahr in allergrößtem Umfange fortgesetzt. Nach der Eroberung der ersten russischen Gebiets'teile hatte der Hilfsverein in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Hilfsaktion für dieselben mit Erfolg angeregt. Als das Hilfswert größeren Umfang annahm, wurde für die lkebermittlung und Verwaltung der von dort gesandten Gelder das .selbständige „Jüdische Hilfskomitee für Polen und Litauen zur Verwaltung amerikanischer .Untcrstützungsgelder" gebildet, dein neben Dr. James Simon als Vorsitzenden Dr. Paul Nathan und andere Persönlichkeiten des Hilfsvereins neben Vertretern anderer Vereine angehörten. Die Arbeiten, die außerordentlich schwierig und umfangreich waren, erledigte das Büro des Hilss-- vereins, der zur Bewältigung dieser und anderer Arbeiten der Hilfstätigkeit zeitweilig inehr als 100 Hilfskräfte anstellen mußte. Annähernd 2h-. Millioneil Juden in den besetzten Gebieten haben zuerst alle Schrecken des Krieges miterlebt und sind jetzt seit fast vier Jahren trotz Mein Wohlwollen der Okkupationsbehörden von den furchtbaren Folgen — Stocken von Handel und- Wandel, Arbeitslosigkeit, bedrohlicher Knappheit der Lebensmittel — in schwerste .Mitleidenschaft gezogen. Die Sterblichkeit hat namentlich in den Großstädten einen bedrohlichen Umfang angenommen. Aus den amerikanischen Unterstützungsgeldern sind seit Anfang des Krieges bis zum Ausbruch des Krieges mit den Vereinigten Staaten von Amerika durch das deutsche Komitee verausgabt worden 12458671 Mark. Daneben ist der Hilfsverein mit eigenen Mitteln eingetreten. Es wurden, überall Volksküchen und ähnliche Einrichtungen geschaffen. Zur Zeit bestehen in den besetzten Gebieten etwa 600 Volksküchen, Abgabestellen für Naturalien, Teehallen,, Schulspeiseanstalten, die von mehr als 400000 Personen in Anspruch genommen werden. In Warschau allein sind an 100000 Besucher oder Benutzer der Volksküchen vorhanden; außerdem werden dort noch. 12 bis 15000 Schulkinder gespeist. In Wilna sind zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung, also rund 40000 Personen, von den Volksküchen und.ähnlichen Einrichtungen abhängig. Wo die Einrichtung von Volksküchen nicht angängig ist,: sind Barunterstützpngen eingetreten.. Seitdem der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ausgebrochen ist, hat nach längerer Stockung ein neutrales holländisches Komitee die Unterstützungsaktion mit amerikanischen Geldern weitergesührt. Während der Unterbrechung des amerikanischen Hilfswerks mußte der Hilfsverein in noch erheblicherer..Weise -als vorher Krdie besetzten Gebiete aus .eigenen Mitteln eintreten. .Mein während der Herbstseiertage 1017 sind aus Mitteln des HilsHvereins % Million Mark nach den besetzten Gebieten abgesandt worden. Eine besonders schwierige Aufgabe war die Ueberweisung von Geldern, die die Verwandten aus Amerika oder aus anderen Staaten an den Hilssverein zur Weiterüberweisung in die besetzten Gebiete sandten. Solcher Gelder überwies er im Jahre 1915 % Million, 1916 über 3h» Mill-, 1917/18 über 5 Millionen. Das Büro des Hilfsvereins war der Mittelpunkt für diese Art des Geldvcrkehrs nach den besetzten Gebieten geworden, nicht nur für die einzelnen interessierten Personen, sondern auch für die großen Banken Deutschlands und des Auslands, die ausländischen Abteilungen des' Roten Kreuzes und .für zahlreiche Behörden. Auch für die Hilsstätigkeit für die in Deutschland vom Krieg überraschten mittel- und hilflos zlürückgebliebeneu russischen Staatsangehörigen, die von dem interkonfessionellen „Unterstützungskomitee für bedürsigeRufseu" unter Förderung seitens des Reichsamts des Innern, der Kgl. Kommandantur in Berlin uno des Stellvertretenden Generalstabes in Berlin organisiert wurde, hat der Hilssverein sein Büro zur Verfügung gestellt. Das Komitee verausgabte im ganzen 2h> Millionen Mark, davon zahlte die frühere russische Regierung durch Ueberweisung über die spanische Botschaft über 2 Millionen Mark. Auch seit dem Ausbruch der Revolutiou sind von der russischen Regierung durch Vermittlung der spanischen Botschaft einige Mittel zur Verfügung gestellt lvordeu. Besondere Fürsorge wurde den in Deutschlano befindlichen jüdischen Arbeitern aus .den besetzten Gebieten zugewandt. Auf den Orient, auf die Türkei, insbesondere Palästina, mußte sich das Hilfswerk gleichfalls erstrecken. An dem umfassenden Kriegshilssmerk, vas in Konstantinopel selbst und von Konstantinopel aus im türkischen Reich von jüdisch-osmanischer Seite ausgeübt wurde — es wurden int ganzen vom April 1916 bis Ende Dezember 1917 94366.65 Lty. rund. 2 Millionen Mark verteilt. — hat sich der .Hilfsverein in Verbindung mit der GroUoge für Deutschland, U. O. B. B., und dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden 1916 und 1917 mit Beiträgen von rllnd Hi Million Marl beteiligt. Die Hilsstätigkeit für Palästina, .das seit Frühjahr 1917 zum ilnmittelbaren Kriegsschauplatz geworden ist, wurde 1917 in erhöhtem Umfange fortgeführt, insbesondere auch, als seit Eintreten der Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg das von den amerikanischen Inden für -Palästina geleistete Hilfswerk eine Unterbrechung erfuhr. Das Hilfswerk, das der Hilssverein vom Jahre 1915 an organisierte, erstteckte sich aus die Speisung von Bedürftigen in Volksküchen, die Errichtung von Darlehnskassen, Unterstützung von Instituten und Einzelpersonen, Beschäftigung von Arbeitslosen und Flüchtlingsfürsorge. Im Jabre 1917 wurden für diese Hilfstätigkeit 290000 Mk. ausgewandt, in den letzten drei Jahren insgesamt 600000 Mark. Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina wie der europäischen Türkei in Konstantinopel hat trotz mannigfacher Schwierigkeiten, mit denen es jetzt zu kämpfen hat, einen schr guten Fortgang genommen. Die Evakuierung Jaffas hatte die Auflösung des dortigen Schulwegs — eines Kindergartens, einer Knaben- und einer Mädchenschule mit rund 500 Kindern --- zur notwendigen Folge. Durch die Uebersiedlung des größten Teiles der Jassaer Lehrkräfte nach Jerusalem wurde aber andererseits die Möglichkeit geboten, den Wirkungskreis des Schulwerks zu erweitern und fremden Anstalten, vor allem in Jerusalem, die wesentlichsten Dienste zu leisten, namentlich der englischen Evelina de Rothschild School in Palästina, die im April 1917, bis zu welchem Zeitraum die türkische Regierung sie ungestört hatte funktionieren lassen, geschlossen wurde. Der Hitfsverein hat auf Grund der ihm bisher zugekommenen Mitteilungen die Beruhigung, daß das palästinensische Schulwerk intakt geblieben und in Betrieb ist. Es ist dem Hilfsverein auch möglich, durch das einsichtige Entgegenkommen der zuständigen deutschen Behörden die nötigen Geldmittel zur Ausrechterhaltung desSchulwerks nach dem jetzt von den Engländern besetzten Jerusalem zu überw e i s e u. Das Kulturiverc des Hilfsvereins in Rumänien, Bulgarien und Galizien' ist infolge des Krieges zum Sttllstand gekommen» In Jerusalem unterhält und subventioniert der Hilssverein zwei Kindergärten (350 Schüler), eine Mädchenschule .(450 Schülerinnen), eine Knabenschule (Edler von Lämelschule, 350 Schüler), eine Handelsrealschule und Lehrerseminar mit angegliedertem Rabbinerkursus (100 Sch.), ein Mädchenheim (30 Kinder), eine Chederthoraschule, zwei Talmudthoraschulen. Die Schulen in Konstantinopel, ein Kindergarten, eine vierklassige Elementarschule, eine Kjnabenimittelschule, eine mit außerordentlichen Fonds des Hilfsvereins gegründete Mädchenschule, eine Kolonieschule bei Konstantinopel, werden von rund 1000 Kindern beiderlei Geschlechts besucht. Außerdem sind seit Erlaß der Konstitution Abendkurse für deutsche, türkische, hebräische Sprache, sowie kaufmännische Fortbildungskurse vom Hilssverein eingerichtet, die sehr stark besucht sind. Die Kosten für das Schulwcrk haben durch Zusammemvirken vielfacher durch, den Krieg ge- -schafsener Verhältnisse, insbesondere die Valutavertuste, sowie durch die im weitesten Maße übernommene Fürsorge für die armen und verarmten Schulkinder einen ganz außerordentlichen Umfang angenommen. Die Aufwendungen für das Schulwerk rm Orient betrugen im Jahre 1917 über eine halbe Million Mark, für Schul- und Hilfswerk zusammen annähernd 1 Million Mark. . Allein durch Vermittlung des Hilfsvereins und des Jüd. Hilfskomitees für Polen und Litauen konnten während des Krieges an 30 Millionen Mark zur Linderung des Elends der Juden im Osten verausgabt werden. Ganz große Summen müssen weiterhin aufgebracht werden, wenn nicht Millionen rn Polen und Litauen in dauerndes Elend versinken sollen, und damit für die Jueen Palästinas und der Türkei, besonders für die tausende von unglücklichen Evakuierten und Flüchtlingen, die hilflos nach der Eroberung Jerusalems und Nordpalästinas nach Jnnerasien und Konstantinopel wandern mußten, weitere Fürsorge getroffen werden kann.

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