Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Seite 6 Verhältnis ein. Mein Feldrabbiner ist Tr. Jtaliener- Darmstadt, dem ich nur alle Anerkenn»,ng zollen kann. Leider ist der Tätigkeitsbereich der Fcldrabbincr räumlich ein viel. -5» großer, doch habe ich z. KL von meinem frühere»!»! Platze ans, wenn irgend möglich, Samstag Nachmittag! den fünfviertelstnndigen Weg zu seinem Wohnsitze zu den regelmäßigen Gottesdiensten gemacht. Besonders eindrucksvoll war es tarn vergangenen Schewurus, wo wir im Parke eines dem Fürsten von M. . . gehörenden Schlosses Gottesdienst im Freien hatten, und am Rosch-Haschonoh und Jomkippur in L. . ., wo über 150 Beter zusammen kamen. Die auch äußerlich recht angesehene Stellung der Feldrabbiner trägt sicher dazu bei, in den Kreisen, aus denen sich das -Offizierkorps zusammeusetzt, eine bessere Meinung über das Judentum hervorzurufen, und auch das Ansehen der Rabbiner in unfern eigenen Kreisen ivird dadurch nach dem Kriege erhöht werden, was »vohl nur von Vorteil sein kann. Wie der Einzelne sich nach dem Kriege zuin Judentum' stellen wird? Ich glaube, da wird das Milieu und die alte Gewohnheit wieder in Betracht kominen, auch ist das wohl individuell zu verschieden. Leider hatte ich auch zu toenig Gelegenheit mit vielen Kameraden darüber zu sprechen. Der orthodoxe .Jude entbehrt natürlich am meisten. Ich habe jetzt schon zum zweite» Male durch die Postverhältnisse und Ortswechsel z. B. keine Mazzoth am Pessach gehabt, dieses Mal auch keinen Sedrr, da ich erst kurz vor Pessach an dem neuen Platze aukam, und nicht gleich am ersten Abend fort konnte, zumal der nächste Seder IV2 Fußstunden von hier gegeben wurde. Ob der für Laon verkante, das ich Mit der Bahn erreichen kann, bei der gcgc: »värtrgen Beschießung überhaupt zu stände kam, weiß ich nicht. Unter diesen Umständen kommt man unwillkürlich dazu, mehr an die große» Fragen des Judentums zu denken, die man gerade in unser» traditionellen Kreisen vernachlässigt hat. Aber gerade deswegen freut es mich immer, wenn ich laus der Heimat höre, daß all die Keinen Dinge weiter minutiös gehalten werde»», und wir, wenn wir, s. G. »v., gesund heimkehren, in unsereit f amilien und Gemeinden all das wieder vorfinden, »vas »vir ier entbehren. Hoffentlich sind dann die Anschauungen der Heimkehrenden großzügigere geworden, mit mehr Verständnis für den Gegner. Glücklicherweise habe ich selbst von Antisemitismus so gut wie nichts gespürt, wenn ich auch andere darüber klagen hörte. Mein Prinzip ist, keinen Hehl daraus machen, daß ich Jude bin, im gegebenen Fglle aufllärend zu wirken, aber mich keinem aufdrängen .und nicht init jüdische»» Dingen zu protzen. » Was den Zionismus betrifft, so habe ich über die Möglichkeit der Erfüllung unserer Idee ebensowenig eine Meinung, wie etwa über den zukünftige» Friede»» überhaupt, aber zu unserer Leitung, die sich bisher innstcrhaft neutral verhielt, alles Zutrauen. Des Kriegers letzter Brief von Verwalter H. S. Draußen blühende Bäume, die Natur zeigt sich im Erühlingskleide, die Vöglein zwitschern ihre herrlichsten ieder. Ein Singen u»»d Klingen von Liebe. Wie schön, wie wunderbar schön ist dies alles. Doch Haiti mich schaudert's. Ich wende ineine Blicke zurück zu den vor mir liegenden Verwundeten. „Wie ist's möglich", frage ich mich, „daß die Menschen so vom Wahn gepackt sich gegenseitig zerreißen, zermürben und zerfleischen und die Äi Güter aufs Spiel setzen, um schließlich mit ihrer leer emszugehen. Kann denn die Erde soviel Leid tragen?" Und das große Leid der Menschheit spiegelt sich wieder in dem Zimmer des Kranken, in das die Friiyliiigssonne ihre leuchtenden Strahlen hineinsendet. Mit einem Schwerverwundctentrmisport brachte man nachts diesen jüdischen tapferen Krieger, geschmückt mit dem.Eisernen Kreuz, in. das Lazarett. Und als man ihn vorsichtig bettete, da griff er suchend um sich nach seiner Tefilloh, um dem Schöpfer Tank dazubriiigen, daß er ihn behütet hatte und ihn die Heimat erreichen ließ. Fr«nlfu»ter Israelitisches Famiüenblatt. Ter Morgen graute —, umgeben von blühenden Aestr» und dem' lieblichen Gesänge der Vögel, schrieb der Verwundete seiner Gattin: „Siche, Schweres habe ich durchleben »Nüssen. Losgelöst von unserem Heim unter den entsetzlichste,» Entbehrungen und Gefahren, lernte ich erkennen, »vie sehr wir alle bestrebt sein sollten, die Lehre»» des Krieges zu ziehen. Ter Aber uns hereingebrochcnc Jammer möge uns läutern, damit.wir unser Leben in der Häuslichkeit und im allgemeine», mehr dem Einfachen zuwcnden. Aeußerlich bescheiden, aber innerlich desto erhabener, reiner und größer. . . Verwundet und nahezu 16 Stunden in« seindlichen Feuer schwer blutend hilflos liegen geblieben, brachte man mich in die geliebte Heimat. Stille ist es hier, — draußen blühen so prachtvoll die Bäume, — die Vögel zwitschern so schön, — alles freut sich mit »nir. Grüße unsere beiden Lieblinge — ich bin im Himmel!" Ruhig schlummert der Tapfere hinüber, seine Seele zieht gen Himmel. Gl« Papyrus-Fund über den Durchgang durchs Rote Meer- Wie das „American Magazine" einem Berichte des „Palestine Exploration Fund" entnimmt, enthält eine von» Straßb»»rger Aegyptologen entzifferte altägyptische Papyrus ein geographisches Lexikon der Hauptortschaften des östlichen Nildeltas, von »vo uns die Israeliten ihren Weg in daS gelobte Land antratci». Ter Papyrus erlvähnt die in»'Exodus ' aufgezählten Ortschaften in nahezu derselben Reiheiifolge. { Bekanntlich nahmen die Israeliten ihren Weg ’ vom Lande Gosen aus, von dem feststeht, daß es ein Landstrich im östlichen Nildelta war, den. die Aegypter „Gesem" nannten. Genau 'genommen, begannen sie ihre Wanderung von der Stadt Raemses aus und »»achten, »vie cs in, Exodus heißt, ihre» ersten Halt in Suckoth. Der Papyrus wirft diesen Ort mit Pithom znsammen, das ebenfalls'in der Bibel ertvähnt wird. Der ägyptische Name ist „Pe-Atum- Zuttu", aus dem init Leichtigkeit der Doppelname „Pithoiii- Suckvth" herausgelesen »verden kann. Dann wandelten die Israeliten südöstlich und lagerten sich „gegen das Tal Hiroth, zwischen Migdol und dem Meer, gegen Baal-Zephon". Dort holten die Scharen Pharaos die Israeliten ein, u»»d hier war cs, »vo Mose auf des Herr»»' Geheiß seine Hand ausstreckte, so daß die Israeliten trockenen Fußes hinüber zun» andere»» Ufer »vander»» konnten, während die Krieger Pharaos, die ihnen nachzufolgen trachteten, elendiglich in den über sie hereinbrechenden Wassern umkainen. Im Papyrus ist nun die Rede von einem See Kharta. Das Wort Kharta Kingt aber »uw zweifelhaft an das biblische „Hiroth" an. Ferner ertvähnt der Papyrus einen „Migdal von Baal-Zephon". Ein Migdal »var im alten Aegypten soviel »vie ein Forts oder befestigter Turm, und wahrscheinlich stand dieses Migdal außerhalb der Stadtmauern von Baal-Zephon. So bestätigt dieser aufgefundene Papyrus die geographischen Angaben des Exodus in vollem Umfange. Literarische Chronik. Mitteilungen zur Jüd. Volkskunde. Herausgeber: Rabb. Dr. Grunwald, Wien. 20. Jahrg., 3. i». 4. Heft. Organ der Gesellschaft für Jüd. Volkskunde in Hamburg. Inhalt: Davidsschild und Saloinos Siegel (Bela Bajda). — Beiträge zur jüd. Kulturgeschichte. (M. Grün- Wald). — Mtjüdisches Gemeindclebcn. (M. Grunwald). Literarische Notizen. Stefan Zweigs „Jeremias", die Tragödie JerusaleinS, erzielte bei ihrer Uraufführung im Züricher Stadttheater bei gläuze»»dcr Jnszenicrilug besonders in den Massenszenen einen starken äußern Erfolg. Nr. l v. Offenbaeiter Bmklnft-Anlag« 9(fIBb&Sh B. BL Telefon 188. (Ansehlißs mitFrftnkfuit) bewährteste TippIArtbliflaag »owie unübertroffene BattiedBrnrelnlgunB 'mittels Druckluft nnd Wasserdampf. Woche«-Sale«-er. Samstag, 20. April (= 8. Jjar). Sabbat-Anfang in Frankfurt 7% Uhr, Sabbat-AuSgmi-Wcitz Jo in Frankfurt 9»/t Uhr, in Berlin 0 Uhr. Meuß. - Wochenabschnitt: A ch a r e i m a u S und K e d a u sch im. — Die Opferhandlungen des Hohenpriesters an Jomkippur. Verbot des Blutgenusses. Verwarnungen »0: ierlin, Unzucht. Sabbatheiligung, Menschenliebe, Verbot vo» Mischgattungen bei Tieren, Pflanzen und Kleidern, strcngfli Redlichkeit im Handel und Wandel us»v. Oiner-Tabelle. . Freitag, 19. April abends 23. Samstag, 20. „ „ 24.: Sonntag, 21. „ ,, -- 25., Montag, 22. „ 26j Dienstag, 23. ,, 27, Mittwoch, 24 , ( tr 28. Donnerstag, 25. 29. Omer. .« n Wall rndl. 's Brun Uchaelü ettinge ritz G> anitätt 01t Mo Hofes 30 tonn, «. ehe. — F. Bei H. laiitor 1 or Gös -aly G Sabbatgottesdienst tu Frankfurt. Freitag abend 77» Uhr in den meisten Synagoge^ (Königsteincrstr. 7 Uhr, Hanptsynagoge 6 Uhr). Samstag früh 8»/» Uhr in den meisten Synagogen (Haupt synägogc 9 Uhr, Königsteinerstraße 9W Uhr). . Wochengottesdicnst in Frankfurt. Morgens' 6V2 Uhr in .den »neistci» Syitagogen (Haupt synagoge, Königsteinerstraße IV2 Uhr). . ' Abends 7Jli Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinw straße 7 Vs Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr). — m F Berei«s-Kale«der. Verein „M ek0 r Ch aji n»". Samstag, 4Vs Uhr: Mikro (Julius Schlvabacher). Sonntag, 87: Uhr abends: „Aus der jüd. Geschichte"! (Redakt. Schachnoivitz). 1 Dienstag, 9 Uhr abends (Langcstraße 18): Mischna, zmm 1. Jahrzeitstage für Hermann Goldschmidt s. A. (Rcdakt.s Schachnolvitz). ' A g n d a s I i s r 0 c l I u g e >» d - und Mädchenn : gruppe. SamStag, 57b Uhr (im Anschluß an Mincho): Haftaea-I Vortrag (Fritz Joseph). 3 J Krsrttfvrter FaMilieurrachrichts«. Geborene: Ein Sohn, Manfred Schcllenberg^ (Mayer), Cronbcrgcrstraßc 23. B a r in i z »v 0 s: Abrahanr Oelbanin, Ostendstr. 17.'! Klans-Synagoge, Ostendstr. 15. ■ Verlobte: Hedy Brumlik, Neue Krame 30, mit! Oskar Sternberg, z. Zt. Hannover. Gestorben: I. Landauer, Robert Mayerstr. 45. Dr. med. Rosel Zuntz, Börnestr. 26. — Abraham Rapp, Höh! derlinstr. 9. — Josephine Neuberger, 82 I. ' ’ l k Asswärtige Fsrnilirjmachrichte», Ein Sohn, Nathan Grüncbaum (Frank),! Geborene Köln-Nippes. Verlobte: Heddy Ansbacher, Nürnberg mit Euch A. Loepert, Berlin. — Selma Simons, Essen mit Richard Krombach, Charlottenburg. — Tina Glaßinan», Wronke mit! Siegfried Pollnow, Berlin. — Doris Emsheimcr mit Franz Levy, Köln. . i Ge starben: Jsüac Cohn, 75 I.. Paderbern. — Friedinann Bamnann, Driese». — Selma Pinner geb. Szaszanski, 45 I., Berlin. — Erich Blumenthal, Leipzig, i. F 1 vLL A-Ugssvisivs Mäisolis Lrs.nLsvIig.ii8 „Scliaaire-Sedek“ Jerusalem bittet für seine KLranls.en. Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. Geschäftsleitnng: Frankfurt am Main. 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