Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1918)
- Date
- 1918-03-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 FräU-ssuvrer „ UiLelitisches KamiliendlaU. Str 13. Abrahame, Samuels, Aaiphasie, Sanlusss, Shylocks meinetwegen. Herr S. konnte Ehrfurcht und Erschütterung nicht vermeiden. Und er mußte sich erst sammeln, ehe er fragte: „Sagen'Sie, wie wird aus sowas — der Kommis vom Franz Josefs-Kai? Durch welche Methode erzeugt die Natur aus diesem Härtesten, Schärfften, Geprägtesten — jenes Glatteste, Weichste, Laueste? Aus diesem Ehrwürdige» jenes Widerliche?" — Da mußte ich mich vor Herrn S. verbeugen, der Jude vor dem „Antisemiten". Und es ist fraglich, wer von uns in diesem Augenblick mehr Jude war, wer mehr Antisemit — er oder ich. lieber de» beseelten tut* tzsychalo gische« Mensche«. Wahrlich! Ter Glaube an die Zukunft des geistigen Europa, au den inneren Wert der so laut gerühmten europäischen Kultur konnte durch die Entfesselung der menschlichen Begierden und Leidenschaften, wie wir sie jetzt sich austoben sehen, ins Wanken, geraten, inmitten dieses Krieges, der die sittlichen Wette im Völkerleben zu verschlingen droht, erschüttert werden. Ist aber dieser Glaube nicht erloschen, lebt er vielmehr unzerstörbar fort, dann drängt sich die Frage mit Notwendigkeit auf, wieweit die Lebensgrundlagen der zivilisierten Menschheit mit den sittlichen Postulaten harmonieren. Die Antwort wird diese fälschlich genannte Kultur, die einen solchen entsittlichenden Krieg dullrete, eigentlich zur notwendigen Eolge hatte, verdammen, mehr oder minder verdammen. n, der Tat hat der Bankrott der europäischen Lebensformen rnter den Intellektuellen eine Reaktion hervorgeruscn Tiefes Suchen nach neuen, wahrhaft ethisch normierten Lebensformen erneut festzustellen, hatten wir Gelegenheit anläßlich des Vortrages von Paul Kornfeld, gehalten am 17. März in der „Bereinigung jüd. Schülerhöherer Schulen", deren Förderung allen Freunden der aufstrebenden jüdischen Jugend nahegelegt sei. Dem Dortrage: „Ueber den beseelten und psychologischen Menschen" lagen etwa folgende Gedankengänge zugrunde: Mcht die Veredelung seiner Triebe, nicht die Ausbildung seiner Talente,. «ülein das Auswirke» seiner ihm von Gott gegebenen Seele ist der Lebenszweck des Menschen. Ein Widerschein des Göttlichen, hat der Mensch als unerreichtes Lebensziel, sein Irdisches, die Summe seiner irdischen Bedürfnisse, in den Dienst seines inneren, wahren Kernes: der Seele zu stellen, derart, daß diese irdischen Mtwendigkeiten stets Muherungen, Funktionen seines höheren Seins werden. Unerreicht bleibt dieses Ziel, am nächsten erreicht von den reinen Größen der Kunst, die darum, wenn auch absolut tendenzlos, in ihren Werken für dieses hohe Streben werben. Dem einzelnen Menschen ift. jedoch die ungeheure Macht in die Hand gegeben, in der Mchtung dieses Zieles, das Utopie scheint, sich zu ändern und dmnit das Gesicht der Welt zu ändern, mehr als alles äußerliche Tun und Handeln es vermag. Gerade der E i n z e l n e, «ms? eigner Kraft, muß die Augen auf dieses Ziel gewandt, unverrückt halten und desein Weg nach eignem Gewissen, nach eignen Dogmen beschreiten. Der Einzelne, nicht etwa eine geistige Gemeinschaft gleichem Ziel zustrebender Menschen, bedeutete dies doch: Sich-fest-legen auf Gesetze, die dem Menschen auf seinem von ihm als gut erkannten Wege hinderlich sind und nur hemmend wirken. Hat sich der Einzelne dieses Streben zu eigen gemacht, dann wird die größte Gesetzgebung: der Staat mit der Zeit zerfallen. Denn der Geist wird nicht in Statuten eingezwängt, in 'Gesetzesbüchern verwahrt. Das unsäglich Schwere liegt erst in der Erkenntnis und dem Wollen, das Erkannte durchzuführen. Europa, vor dem Kriege ein großes Warenhaus, in dem die Menschen nach Verdienst als einem Selbstzweck ruhelos, sinnlos jagten, hat Götzen angebetet, hat den Daseinszweck des Menschen verkannt. Zwei Völker allein, die Slawen und die Juden scheinen sich die Fähigkeit gewahrt zu haben, diesem Ziele nachzustreben. Europa aber steuert durch eigne Schuld einem Abgrund zu. Nun will es sich dem Schrecken, den es über sich gebracht, entwinden. Es will sich retten, befreien, nicht etwa, weil es de» Krieg als schlecht und sittlich verwerflich, sondern als schädlich erkannt hat. Politik, Kompromiß, sollen der leidende» Menschheit Heilmittel werden; ein Weltgericht über Völkerstreit und -zwist soll Unheil für die Zukunft beschwören. Eine Selbstlüge in größtem Maßstabe. So werden Symptome einer Verderbnis beseitigt, nicht aber die Verderbnis selbst, die indes weiter; um sich frißt. Nicht Politik, mag sie auch bestgewollt sein, nicht Scheinverbrüderung werden Europa Rettung bringen, einzig und allein die Verbesserung, die Versittlichung des Einzelnen! Sie eröffnen den Weg zu besserem, wahrerem Sein. . Die Ansfiihrungen, in sachlichem und darum eindringckichem ■ Tone gesprochen, verfehlten nicht durch ihre oft in überraschend neuer Art vorgebrachten Gedanken, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen und zum Schluß auch die Widerstrebenden zum Beifall mitzureißen, Ivo nicht aus innerer Zustimmung, so aus vollem Verständnis. Alan mag dem Redner in manchen Gedankengängen nicht beistimmen, so muß doch anerkannt werden: die von ihm aufgestellten Grundforderungen werden in den Herzen Tausender ein Echo finden, auf gleiche Ucberzeugung, geboren aus gemeinsamer Not der Zeit, stoßen. Zum Schlüsse sei bemerkt, des Redners Ansicht von dem jüdischen Grundsatz: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, war insoweit richtig, als dieser Satz schon von Hillel! im Geiste des Judentums in dem Sinne erklärt ward:: Ma dialoch soni usw. (Was dir nicht genehm, .tue auch keinen« anderen). Sodann gilt der Grundsatz: Chajecho kodmim lcchaje chawercha (Dein Leben geht dem deines Nächsten voran). Beide Postulate legen Zeugnis ab von dem Wesenszug des Judentums: Gerechtigkeit gegen sich selbst wie gegen andere. In dieser grandiosen Ethik ist das Judentum die Erlösung für die irrende Menschheit. Wir brauchen nicht nach neuer Religion, nach neuem Ethos zu suchen. Uns bleibt die große Aufgabe, den Grundprinzipien in unserer Mitte, zunächst in unserer Mtte, allgemeine Geltung zu verschassen. Und dann wird die übrige Menschheit sich zu diesen unvergänglichen Prinzipien durchringen._- Samstag, 6. April (*= 24. Nissan). Sabbat-Anfang j, Frankfurt 6Vb Uhr. — Sabbat-Ausgang. in Frani furt 7 Uhr 55 Min., in Berlin 7V- Uhr. Wochenabschnitt: S ch e m i n i. O m e r - T a b e l t c. Donnerstag, 26. März abends: Freitag, Samstag, Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch Donnerstag, Freitag, SamStag, 29. 30. 31. 1. 2lpril 3. 4. 5. 6. 1. o £ 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Omer Aktiv: icht Ging* Aktienkap aase, fiel Seidsort ei itasn.Gu l’etenuv eehnongB' ring) Bank Wechseln; rerzinal. 8 Sereinr-Snlender. Verein SamStag, 4 Uhr: Sonntag, nachm. . (Redakteur Schachnowitz) „Mekor Chajim". Mizrajim" (B. Rachetsoyj ^Nhr:^ „Aus der jüd. Geschichi r* Arnnkfnrler Knmiliennnchrichte«. Oü«Bfeaöbe? &rtu3blKla*JuBl«Htr rssskssd ». W. Telefoa 1S§. {Anschluss mitFrankftut) Awihrteste VeiHrtsäpaiCisanS (100,000 qm jährlich *«trie unübartrofteso BatttsderBratolguRB mittafe’ Druckluft and Wasserdampf- WVtye*-s«tenr>er. P-ssach.' Beginn: Mittwoch abend 6 Uhr 50 Min., Frankfurter Zeit. Schabbos Chaul-ha-maned. Sabbat-Anfang in Frankfurt 6 Uhr 20 Min. Sabbat-Ausgang, in Frankftlrt 7 Uhr 40 Min., in Berlin 7 Uhr 16 Min. Schluß des Pessächfestes: Donnerstag, 4. April, abends 7 Uhr, 55 Min., Frankfurter Zeit. Geboren. E. Sohn Max Freimark (Heller), Sa» weg 32. — E. Tochter Dr. med. Adam Loeb (Horkheim« Savignystr. 55. B a r m i z w v s. Jakob Strauß,- Langestr. 55, Sy» goge Börneplatz. — Max Wolpert, Dahlmannstr. 7, Shm goge Friedb. Anlage. — Rudolf Strauß, Oberlindau li Synagoge Königsteinerstr. — Ferner am 6. April: .Jo Goldberg, Windeckstr. 31, Synagoge Friedb.. Anlage. Verlobte. Sara Unna, Kl. Obermäinftr. ,30 tt Moise Eschwege, Würzburg. > j’. Gestorben. Gardedragoner Erich Wronker, Sü von Hermann Wronker, 24 I. — Albert Rosenthal, 75 Güntyersburgallee 41. — Dr. med. Jakob Lange, 44 Schifferftr. 84. .... AnswSrtige Nnmiliennnchrichle«. Gestorben. Oberarzt Dr. Artur Schohl, Piro, fens, 30 I,, i. F. — Mordche Oppenheimer, 76 I., Fra» Crumbach. — Leutnant Dr. jnr. Adolf Jacobsohn, Lü, bürg, i. F. — Herz Mayer, 84 I, Friedberg. — Iso Maier, 50 I., Heilbronn. S-en-e». Beim Frankfurter Israel. Familienblatt gingen ci Isaak Aschkenasy zur Jahrzeit seines einzigen Sah, Anselm auf dessen Namen 1 Oelbaum 6 Mk. Allgemeine Mitteilungen. Frankfurter Gewerbekasse. In der gen» schaftlichen Sitzung des Vorstandes uno Änfsichtsrates wui die Bilanz per 31. Dezember 1917 nebst Gewinn- und B lustrechnung vorgelegt und beschlossen, der am 10. Ap d. Js. stattfindenden Generalversammlung die Verteil» einer Dividende von 8Vr°/o gegen 7°/o im Vorjahre, reichlichen Rückstellungen und Abschreibungen vorzusch fokost gen. Der Reingewinn betrug 609 033 Mark, Die H« summe der 3211 Mitglieder beziffert sich ans 6152 ( Mark. ‘ ' Das Allgemeine Jüdische Krankenhaus „Schaar© - Zedek“ zu Jerusalem bittet für seine Krankten, Organisation roin europäisch. feolierhäuser für Ansteckende. Gescbgfteleitug; Frankfort am Main. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden. Peitaahaakkonta No. 7785 Frkft. a M. halt sich für gewissenhafte Uebemahme von Stiftungen empfohlen. Betten »5 Zimmer-« «Fahrzeit-, Gedenktafel - Stiftungen» lt! anweisung lostrogutb Banken n.l eportsun* bsrdsgegc longärig, pspiere . orscbüss« (Varenu.V rerechiffui igene We cnsortialligung. . lauernde lignngbei Baaken ». firmen. . lebitoren : fenderRec a) gedeck *124,815, davon du: bSraengfir Wertpap» gedeckt ^86,861, bl uugede 5^.136. naB a. idem Bürge: öebitren j* 32,114, lankgebäa JL 10,270, bzQgl. Dj JI170, kmet.lmm JL 1,084, bzügl. Hj J! 35. Jobihor . Oe en ») GehSttc Geacbä kosten M Tantier Filialdir d.Prok n.d Voi derDep kaasen, Gratifil Briefe zu richten nach Böderbergweg 63. Man fordere die Bedingungen ein. sorge . d) Steuert äeiträge mmBaam lichernnai d.Deutscl ^Bankier beau.z.Pe kasee dei Ibachreibi auf Bankg anf Mobil leingewin Verleih 7* Div.i Baden-Baden Töchterpensiouat 3 Albreeht - Dürerstr. Telephon 246. Streng rituell. Gründliche wissenschaftliche und hauswirtschaftliche Ausbildung. Tüchtige Lehrkräfte. Prospekte, Beferenzeu näheres durch die Vorsteherin. per April oder Mai sucht Langensohwalbach. Znr Pflege und Gesellschaft einer alten Frau wird für einige Vor- und Nachmittags- Stunden W 7, Wir bitten «nsere Leser, ihre« Bedarf Bezugnahme ans unser Blatt bei «nft Inserenten z» decke«. gesucht. Meldungen bei Schleedorn, .Weseratras«e' 24. Krsukfurter Israel. Fa«Menblstt. *■ u. Teut anlager Beamte c Für die Fahnor. rnfener tan uni Familie f. and. 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