Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ssüe S , ' Trsnchratar Jßnaaliti-chrd S^uuUeitilttit. Nr. 12: Sk Dunkü seinen ganzen Erdenweg noch eimnal zu gehen? Dies ist derWeg, der uns ans Ziel führt: zur Erkenntnis.- Und Toni war ihn gegangen, — davon sprach sein letztes Gesicht, Es zeigte die wächsernen Zügen eines alten, vom Leben oufgebrcmchten Mannes, Leiden und Leid hatten ihre Narben hineingeprägt, aber darüber lag verklärend ein stille, starkes Lächeln, das die Jahre auszulöschen schien und wiederbrachte, was sie vertrieben hatten: den Hellen, mutigen Unschuldschimmer der Jugend. — Wie? War, was ihm jetzt als Frucht und Summe seines Lebens in der erstarrten Hand lag. schon einmal sein Besitz gewesen? — Im Keime, ja! Die Todesstunde bringt nichts in uns zur Reise, was nicht von jeher in uns wuchs!. Wir konnten es nur nicht mehr sehen, weil unsere eigne Torheit, Bequemlichkeit und Sünde, weil unsere Einbildung Dornen und Disteln darum emporwuchern ließ. Es ist noch nicht zu spät, wenn erst der bleiche Vollender nrit seiner Hippe das gelle Unkraut rodet. So spiegelte der Glanz, der von Tonis letztem Antlitz ausging, ins Ewige vereinfacht das wider, was jdie Kameraden froher Werdetage einst sein „Lausbubenlächeln" genannt hatten. . ." Holms Büch ist ein gutes Buch, voll Frische und Spanimng. ,,^Vom al t enWyan n a s i u m. Englisch oder Französisch. Laiengedanken zum Religionsunterricht Drei Aussätze zur Schulreform von Josef Hofmiller. 100 Sellen. M. 2. Aiünchen, Hugo Bruckmann. ' Ein beachtenswertes Buch. Wenn der Verfasser sagt: „Eine große Anzahl der Abiturienten Unserer höheren Schulen treten religiös indifferent in die Hochschule über und i:;; Leben hinaus. . . und doch nicht gleichgültig gegen dl: schweren Fragen des Lebens und der Welt, sondern geradezu dürstend nach ihrer Beantwortung . . . Ihr melllphysisches Bedürfnis verkümmert und erstickt, und eine seine Stelle treten Surrogate: Kunst, Wissenschaft, Politik, Sport oder Verzicht auf alle geistigen Interessen, sowell sie nicht mll dem erwähnte» Fachberufe Zusammenfalle». Wer ihr seelischer Herztrieb ist abgestorben, und sie?) sind sich's nicht einmal bewußt", so spricht er ein Urteil! aus, das auch bei unserer jüdischen Jugend seine Berechtigung hat. Denn viele, die Gleichgültigkeitsjuden oder gar Taufjuden wurden, gingen diesen Weg nur, weil ihre Erzieher ihre jüdische Seele verkümmern ließen. ' Viel wird versäumt durch „Mangel an Klarheit und an Wärme ber den betreffenden Religionslchrern und Lehr- . büchern". ,Mir brauchen Heimaten des Geistes, :venn wir nicht verwehen wollen wie Spreu im Wind. Wir müssen wissen, aus welchem Boden wir gewachsen sind und aus lwÄchen Wurzckr." Ml dies läßt sich auch von der jüdischen Schule sagen. Gerade für den jüdischen Religionsunterricht liegen die Dinge günstiger als für den christlichen. Der Jude hat mehr religiöse Lebensübung. Sehr richtig schreibt der Bersasser: „Schon öfter hat man sich gewundert über die erstaunliche konservative Macht des jüdischen Glaubens. Wljährlich beobachten wir, wie stark sich an den hohen jüdischen Festtagen, am Pessachfest, am Neujahrs- und Bersöhnngstage alle Juden ihrer Glaubens- und Stammeszugehörigkeit bewußt werden, wie auch die Lauesten und Modernsten mll einem Male wieder wissen, daß sie Juden sind, und sich lauf der Straße im Festkleid, auffallende Andachtsbücher unterm Arm, offen ms Juden bekennen. Sollte das nicht hauptsächlich den Helligen Texten zuznschrciben sein, die der kleine jüdische Schüler in die Hand bekommt, fast noch ehe er sie versteht? An ihnen lernt er lesen: hülige Schriftzeichen sind die ersten, die er mühsam entziffert. Er lernt, zuerst deutsch, dann hebräisch, all die feierlichen Gebete: Morgen- und Wendgebete, Tisch- und Sabbat-, Freuden- und Trauergebete. Die Hagadah, der großartige, dramaüsch aufgebaute Bericht vom Zluszug JsraÄs aus typten, wird ihm jedes Jahr durch das Pessachfest zum tiefer erfaßten Erlebnis: Die Wegschaffung des gesäuerten Brotes, die Verbrennung des allenfalls noch geftindeuen, die Bereitung der Sederschüssel. bas Kidduschgebet, die Frage des Jüngste» nach der Bedeutung dieser Nacht, die Aillworten der Tischgesellschaft, die große Strasenaufzähülng mll dem vierzehnmckl sich wiederholenden „Dies wäre uns genug gewesen", der 113. und 114. Psalm, der Genuß des Weins und der Mazzoth, das Gebet mtt baldige Erbauung der Helligen Stadt Jerusalem, das symbolische Oefsnen der Tür, der 115. Psalm, das große Hallel, das ergreifende Nachtgebet mll der immer wiedcrkehrenben Kadenz „Nacht" und dem siebenmaligen „Es war. in der Mitte der Nacht", das darauf folgende und ihm genau entsprechende Pessachgebet, mit der steten Kadenz „Pessach" und dem wieder siebenmaligen „So sprechet vom Pessachfeste", der Lobgesang mit dem sich einhämmernden Kehrreim von: „Reich", der seltsame Ruf „Zum kommenden Jahr! in Jerusalem", die siebenmalige Bitte um Wiedererbauung des Tempels, die feierliche Auslegung der Zahlen von eins bis dreizehn, das uralte geheimnisvolle chaldäische Märchen vom Lämmchen zuletzt: ein Nichtjude kann, kaum von ferne nachfühlen, wie ungeheuer die jährliche Wiederkehr dieses eindrucksvollen häuslichen Gottesdienstes in einer Helligen Sprache.wirkt. Hier, in der engen Verbindung von Religion und Familie, im Einssein von Gemeinde und Haus am Pessachfeste, in dem ungebrochenen Bewußtsein der Einheit von Glaube und Heimat, hier ist der Schlüssel zum konservativen Charakter des Judentums, zugleich auch der zum auflösenden Charakter alles Judentums, das diese Einheit preisgibt. Wenn dann der Keine Jude in seineil Kenntnissen vorschrellet, liest.er Stallen aus dem Pentateuch, und lernt durch Propheten und Psalmen Leid und Freud seines Volkes kennen. So sind ihm von Anfang-qn die heiligen Texte ehrwürdig und vertrmll zugleich. In die weiche Knabenseelc drücken sich die tausendjährigen Worte, und? kaum bedarf es eines äußeren Anlasses, so wachen isie auf! und üben ihre einstige Macht, der Mann wird an Mneit!': zum Kinde, ihn ergreift ihre Gewalt und rührt ihr uralter Klang. ' r liu i In den 26. Aufsätzen des Bnchs von Norrenberg über „Die deutsche höhere Schule nach dem Weltkriege" (Leipzig, Teubner), steht je ein Beitrag über katholische nnd protestantische Rekigionslehre und religiöse Erziehung, aber nichts über jüdische» Religionsunterricht. Das scheint sonderbar, wenn mau bedenkt, daß unsere höheren Schulen doch auch von vielen Juden besucht werden. 'Wer selbst, wenn dieser -Beitrag durch einen Zufall vergessen worden wäre, der Zufall hätte recht: am jüdischen Religionsunterricht braucht nichts geändert zu werden, weil er auf her gemeinsamen!,Lesung Wld Erklärung dyr. Helligen Texte aüsgebaut ist, auf -foen Festen des jichrscheix Wahres, auf den Tatsachen der jüdische» Geschichte, auf den für ^Händeln und Wollen entscheidenden Mächten der.'Seele, auf Gemut/Eriimerung und Phantasie, nichts auf einemin Pensen abgeteilten, von einer Stunde auf die andere anfgegebenen und examinierten und von einem Tag zum andern vergessenen Buchwissen, das höchstens zu Prüfungszwecken notdürftig, preist auch unwillig aufgeftischt wird, um sich unmittelbar darauf desto gründlicher zu verflüchtigen." Woche»-Sale»Ser. Samstag, 23. März (— 10. Nissan). Sabbat-Anfang in Frankfurt 6 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 7% Uhr, in Berlin 7 Uhr 05 Min. Wochenabschnllt: Zaw. — Opfervorschriftcn. Ein- Keidung und Weihe der Priester. Schabbvs Haggodau l. Aus den Prophetenworten des Sabbats (Maleachi, Käst. 3 Vers 19, 22-25): „Siehe, es kommt ein Tag, glühend wie der Ofen, an dem alle Uebermütigen und Bollführer des Bösen wie dürres Stroh werden, — und es durchglüht sie der kommende Tag, daß er ihnen weder Wsurzel noch Zweige übrig läßt", spricht Gott der Schöpfnngsscharen. „Bleibt eingedenk der Lehr« meines Dieners Moses, da ich ihm am Horeb fttr ganz Israel Gesetze nnd Rechtsordnungen gebot. Siehe, ich sende euch den Propheten Elijah vor dem Eintreten des großen und furchtbaren Gottestages. : - Daß er den Sinn der Väter zu den Kindern und den Sinn der Kinder zn ihren Vätern zurückbringe, damit ich nicht komme und die Erde mit Bann schlage. Siehe, Ich sende euch den Propheten Elijah vor dem Eintreten des großen und furchtbaren Gottestages." Pessach. Beginn: Mittwoch Abend. Gabbatgottrsdienst in F.-ran ksurt. Frellag abend 6 Uhr 10 Min. in den meisten Synagogen (Königsteinerstr. 6 Uhr, Hauptsynagoge .6 Uhr). früh ly* Uhr in int «mston Ghmcao»m (Hauptsynagega 8 Ahr, K»nfzswtn««str«ßo *ye Uhr). Woch e n g o t te « di«nst in Frankfurt. Morgen« GV» Uhr in den meisten Synagogen (Haup^ synagoge, Königsteinerstraße 1% Uhr). AbrndS « Uhr in den meisten Synagogen iKönigsteinrr. stvahe 6 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr). Bereirrr-K*le*tzer. Ag udas-Jsro el-Juge nd- N. Mädche ngruppe Samstag, 5V- Uhr: 3. Hagadah-Bortrag für Her«» und Damen (Dir. Dr. G) Lange). BereinMontefiore. Freitag, 8'/» Uhr: Gesellige Zusammenkunft. Verein „Mekior Chajim". Samstag, 4 Uhr: Mikro-Vortrag (Gustav Kaufmann). Sonntag, 61/2 Uhr: Pijutim (Tr. Joseph Breuer): Kr»»rs«rter Ka«Uie«»aHriHte». I i Barmizwvs. Michael Gpldsinger, Uhlandftr, 25;;! Rud. Levi, Mllerheiligenstr. 63,!jiSYnagoge Börneplatz. — Hckns JSenariOy Savignystr. 1,^Synagoge Königsteinerstr. B e.rlüb t)e. Malli Maüt,pHänani:mü Arthur Hirschberg,))Frankstn:k! -7 Grewl Mayer,-Röberbergweg,41> mit -r i Emil Gpttlieb. — Selma Rosenthal, Röderbergweg 41^ mit LeöMld Freudenthal, Stuttgart. :i’-' 'M I Gestorben. Unteroff. Fritz Sundheimer, Inhaber des Eis. Kreuzes u. Hess. Tapferkeitsniedaille, 27 I., Elkenbnchstr. 10, i. F. — Regine Engelbert, geb. Stern, 74 I., ' Bürgerstr. 89. — Karoline Lob, geb. Lippmann, 64 I., Bllttersdorfplatz 33. — Flora Zimmt, geb. Zimmt, 44 I., Hansa-Allee 18. , ' ««SwLrtt-e FamiNeuvachrichte«. ' Geboren. Ein Sohn Leo Weil (Hamburger), Saar- ' brücken. — Ein Sohn Arthur Goldschmidt (Aron), Leipzig — Ein Sohn David Goldmann (Fleischers B^lin. — Eine Tochter Moritz Bacher (Löwy), Steinheim. — Eine Tochter Daniel Flieg (Primo), Chemnitz. Sterbefälle. Luz. Krebs, Grätz, i. F. — Georg Knoch, 55 I., Berlin. — Clara Blaustein, geb. Brilles, 47 I., Charlottenburg. — Pauline Weiß, geb. Löwenstein, 68 I., Bielefeld. — sAmalie Jakob, geb. Feuchtwanger, 74 I., Nürnberg. — Mathllde Herrmann, geb. Baum, Lichtenfels. — Sophie Hellbronn, geb. Honig, Fürth. — Josef Adler, 74 F., München. — Bernhard Hellbrauner, 60 I., Jchenhausen. — Julie Simon, geb. Herz, 64 I., Eitorf. — Leopold Frank, 64 I., Köln. — Assistenzarzt Dr. Kurt Loeb, 26 I., Bad Dürkheim. — Simon Kahn, München. — Mvses Kronheim, 80 I., Forst. — Jsaal Schneider, 81 I., Berlin. Spende«. Bei der Nationalfondskommission (I. Heimann, Zeil 21) gingen ein: ■ Eli Michael 3 Oelbäume im Walter Katzenstein-Garten M. 18: Famllie Emanuel u. Wfr. Pick zum Todestage ihres 1. Siegfried Pick, 7 Nissan je 1 Oelbaum, M. 12: C. H. zum 16. War 1 Oelbaum M. 6. Palästina-Nvtstands-Aktion. Frau Rabbiner Dr. M. Horovitz z. 16. War M. 10; Brüder Horovitz zum 16. Adar M. A); Sophie Horovitz zum 16. War M. 5. Purim-Sammlnng zu Gunsten der Notstands-Aktion. Aron I. Sachs M. 20. Durch ÄnnrnndMargot Svndheimer Nachtrag von Frau Mich. Mainz M. 10. S a m m l n n g E l s e E. E1 s e m a n n. Famllie Wolpert 3 M.>; Frau Krainer 2 M.; Dr. L. Szrünetz 5 M.s; jElse E. Eisemanw 3 R$ Levst 1M.; Simon 1 M.: Arnsberg 1 M.; Rothensis 1 M.; Herm. Apelt 1 M. : A. Pick ’5 M:; Frl. Grünblatt 3 M.; Frau M. Collin 5 M.'; Gebr. Simon 5 M.; Meyer 2 M.; Wohlfarth 2 M.; Levi 1 M.: Ludw. Wolpert 1 M.; H. Schiratzky 0.50 M.; Fetigir» 1M.; Lilly Jawlo> 1 M.; Berta Schiratzky 3 f.; 1. Goldbera 5 M.s; Fanny Eiseman» 2 fDt.; Louise LiebMaun 1 M.; Diverse N. N. 16 M. Beti gäbe tone Hin betr Kra Das Allgemeine jüdische Krankenhaus „Sckaare - Zedek“ zu Jtrualeai Organisatian r«m eorapäiseb. laalierkinser Kr inateckende. Aufaahne nnterschiadslas ffir Alle. Kickste Amarkanaoag aller Bakirdan. , killt sick für gswissaskafta TJakaraakma raa Stiftugen empfaklan. Betten-, Zimmer-, Jahr zeit-, Sriafe zu ridatem naek Riderkargwag 83. GeichXftsleitaBg: Frankhirt am Main. Paataakeckkanto Na. 7715 Frkffc. a. M. Bedenk tafei - Stiftungen. . Man fardera die Bedingungen ain. ha« Ich' sui kam nach han mit an <«l Elt