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Neue jüdische Presse · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. . Stütze Mo seS Rath, der Verfasser des in über 10,000 . Exemplaren verkauften bekannten Lehrbuches ist, hat mehrere Schulen mit Parallelklassen für alle Alter einrichten müssen und kann nicht einmal damit alle Bedürf- . nisse befriedigen. Die.Lehrer des Hebräischen, die übrigens organisiert sind und Bindende Stundentarife festgesetzt haben, sind an Zahl viel geringer, als benötigt werden. Arbeiteten sie früher in einem seltenen Idealismus zu Hungerslöhnen, so sind sie jetzt nicht einmal gegen gute Honorierung zu erlangen. Natürlich nimmt die Jugend beiderlei Geschlechts den größten Anteil an der hebräischen Bewegung. Der akademische Verein ,^>atchijah" entfaltet insbesondere eine große Rührigkeit und veranstaltet sogar nächster Tage auf einer Wiener Bühne eine Matinee, bei der ein hebräisches Schauspiel aufgeführt wird. Die Jugend läßt es auch nicht an Einsicht in technischen Maßnahmen fehlen. Die Zeit ihrer vereinspolitischen Tändeleien scheint zu Ende zu sein. Unter der Führung der hinreißenden Persönlichkeit Dr. Siegfried Bernfelds hat sie sich zu organisieren begonnen. Eine „Zentralstelle der jüdischen Jugendgruppen Wiens" schafft den als einzelnen schwachen Vereinigungen nicht nur -äußere Vorteile, sondern wirkt auch auf Geist - und Unternehmungssinn belebend. Die wichtigste Institution, die für die reifere Jugend nach den Plänen Dr. Bernfelds geschaffen wurde, ist wohl das jüdische Pädagogium. Es vertritt den Standpunkt, daß das jüdische Volk Erzieher zum Judentum braucht, die zwei Eigenschaften aufweisen müssen: pädagogische Schulung und jüdisches Wissen. Es führt durch, was schon lange Jahre das Problem des Zionismus war, die Jugend an sich zu ziehen, um sie als Erwachsene für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes an sich zu fesseln. Ist dies auch die Linie des geringsten Widerstandes, so wird doch nicht die Werbung reifer Menschen, deren die Partei um ihres politischen Einflusses bedarf, außer Acht gelassen. Wohl unter dem Eindruck, daß die Arbeiten firr de» Frieden vorbereitet werden müssen, hat sich in den letzten Wochen ein neues Zionistisches Lokalkomitee gebildet, das die vom Jnnerösterreichischen Distriktskomitee unterbrochene Arbeit durch Schaffung von Bezirkssektionen wieder aufnimmt. . Es handelt sich, wie gesagt, in Wien im besonderen und in den Provinzen im allgemeinen nur darum, für die zionistische Gesinnung der Bevölkerung die adäquate Ausdrucksform zu finden. Das ist allerdings schwierig und wird sich Mit der Zeft aus gewissenhafter Kleinarbeit ergeben. Wenn sich der österreichische Zionismus Mi Methode und System gewöhnen wird, kann nicht ausbleiben, was Eingeweihten und denen, die ein feines Ohr für die Stimmungen der Menge haben, llar ist: die österreichische Judenschast ist in ihrem überwiegenden Telle jüdisch-national und darüber hinaus zionistisch orientiert. Aus aller Welt. Deutsches Reich. S« »eit BerhauHlunge« mit Rumänien. , Der Reichskanzler empfing am Freftag, den IS. März die VorstandSmftglieder und Geschäftsführer der neu gegründeten „Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens", welche ihm die Wünsche der deutschen Juden wegen einer Regelung der rumänischen Judenfrage im Zusammenhang mft den Friedensverhandlungen in Bukarest vortrugcn. Nach Anhörung der eingehenden Darlegungen der Herren erllärte der Reichskanzler, daß die Regierung an einer befriedigenden Regelung der rumänischen Judenfrage Interesse nehme und sie bereits zum Gegenstand von Besprechungen im Rahmen der in Bukarest stattfindenden Friedensverhandlungen gemacht habe. Am Empfang nahmen tell: Dr. James Simon, Geh. Justizrat O. Cassel, Dr. Paul Nathan und Professor Dr. Franz Oppenheimer. Rechtsanwalt Dr. Hantle war durch Abwesenheit von Berlin am Erscheinen verhindert. Oesterreich-Lusar«. mu*. Reform der «emeindeftatuteS Kommerzialrat M. Sonnenfeld richtete an den Vorstand der Jsr. Kultusgemeinde eine Eingabe, in der es heißt: > — Der Vorstand soll Abblld und Vertretung aller Schichten der Wiener Judenschast sein. Auf Grund der bestehenden Wahlordnung aber sind im Vorstande, dessen Beschlüsse doch die Interessen aller Wiener Juden berühren, nur die — natürlich in der Minorftät befindlichen — reicheren Juden vertreten. Darin liegt ein Vorrecht, das nach jüdischer Auffassung ein Unrecht bedeutet. Die bestehende Wahlordnung wird sich — ebenso wie die Wahlordnungen anderer Bertretungswrper in Oesterreich — den durch den Krieg gesteigerten demokratischen Anforderungen anpassen müssen, um so mehr, da ihr Statut beinahe 25 Jahre alt ist und ihre Agenden sich infolge der seit damals erfolgten ungefähren Verdopplung der jüdischen Bevöllerungszechl sehr vermehrt haben. Eine mäßige Erhöhung der Mitgliederzahl des Vorstandes wäre zu empfehlen. Die Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes schlage ich nicht vor, well ja hier andere Gesichtspunttc maßgebend sind, als bei den Parlamentswahlen. Ein großer Teil der Wiener Juden ist arm und auf die öffentliche Mlldtätigkeft angewiesen. Die vermögenden Juden sind aber keineswegs die einzige Stütze Ghaalitisch«» gfMfttfitftfetafat. des Judentums. Darum sollte der Kreis der Wahlberechtigten durch Herabsetzung des Minimums der Kultussteuer auf 10 Kr. erweitert werden. Für diese Gruppe von Wählern könnte das Wahlrecht an eine drei- oder vierjährige kontinuierliche Steuerleistung gebunden werden. Wäre der finanzielle Effekt auch nicht bedeutend, so wurden durch diese Reform doch weite Schichten des Judentums zu lebhafierer Teilnahnie an jüdischen Angelegenheiten herangezogen werden. Auch kömrte im Statut bestimmt werden, daß vier oder fünf vom Rabbinatskollegium delegierte Gemeinderabbiner, deren Konservatismus ein gesundes Gegengewicht gegen allzu radikale Strömungen wäre, denr Vorstände als Mitglieder angehören. Die Würbe und das Ansehen des Rabbinats würden durch eine solche Bestünmung gewiß gefördert werden. Der Vorwurf der Antisemiten, daß die Juden für Demokratie agitieren und selbst ein kapitalistisches Klassenwahlrecht haben, wäre durch eine Demokratisierung der Wahlordnung entkräftet.! Nebenbei bemerkt, sind nach 8 51 der evangelischen Kirchenverfassung die Geistlichen, die eine ähnliche Stellung haben wie unsere Rabbiner, Mitglieder der evangelischen Gemeindevertretung und des Presbyteriats. Das Steuerminimum für die Wahlberechtigung beträgt dort 2 Kr. Rutzlarrv. Unter »er Herrschaft »er viaximalifte». Die Regierung ist nach 'ihrer feindseligen Stellungnahme und ihren drohenden Erllärungen zum jüdischen Kongreß zur Tat geschritten: der Vorsitzende des Orgamsativnskomttees des Kongresses, M. N. K r e i n i n, wurde plötzlich verhaftet und damit die Haltung, die die Regierung fernerhin einzunehmen gedachte, deullich kundgetan. Der Zeitpuntt des Kongresses ist auf unbesttmmte Zeit verschoben worden, jedoch wird in der Zwischenzeit zur Wahrnehmung der Interessen der russischen Judenheit ein zeitwelliger Nationalrat gebildet werden. Auf Befehl der Regierung werden die in jiddischer oder hebräischer Sprache erscheinenden Tagesblätter und Zeitschriften unterdrückt und ihre Redakteure in Haft genommen. < Der Rat der Wollskommissäre hat beschlossen, die jüdischen Sozialistenparteien, Poale Zion und Bund, als revolutionsfeindlich zu kennzeichnen. Die Lag» »er Juden BeffarabienS. » Bei den Kämpfen der Russen und RuNränien in Bcssarabien trugen die Juden schweren Schaden davon. Beide Parteien behandeln die jüdische Bevöllerung im Kriegsgebiet als schütz- und rechtlos und betrachten ihr Gut als willkommenen Fang. Namentlich die Pruth- Gegenden haben unter dem russisch-rumänischen Kleinkrieg außerordentlich viel gelitten. Reiche Dörfer und Niederlassungen-des Distrikts Jsmajlow sind vollkommen zerstört. In dem Städtchen Bajmaklia ist nahezu die ganze Judenschast von plündernden Soldaten ermordet worden; die Frauen wurden ausnahmslos geschändet. Was nicht geraubt werden konnte, fiel der Vernichtung anheim. Rer Kries smd Sie Jnde«. Frankfurt a M. Dem Gefreiten Walter Neuberger wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Fraakkurt a. M Der König von Bayern verlieh Frau Emil Jgersheimer, geb. Güggenheim, das König Ludwig-Kreuz für Heimatverdienste während des Krieges. Aickoffenburg Bankier Otto WoliSthal und Frau fttsteten zum Wiederaufbau der Volkskraft nach dem Kriege 50,000 M., aus deren Zinsen bedürfttgen Frauen Entbindung und Pflege im städtischen Krankenhaus zuteil werden soll. Breslau. Stabsarzt Dr. Georg Zickel und Bizefelbwebel KurtWachsner erhielten das Eis. Kreuz 1. Klasse. Rechtsanwalt Dr. Franz Engel wurde zum Leutnant befördert. Budapest Dem Oberstleutnant Leopold Sebeß wurde der Ad el verliehen. Dem gefallenen Leutnant Dr. Eugen Tedesco würde der E i s. K r o n e n v r d e n 3. K k. verliehen. $evf8tt*lien rr. Heine «tttellunse». Berlin. Prof. Dr.. L eff er, Direktor der Universitätsklinik für Haut- und, Geschlechtskrankheiten, und Prof. Dr. Neufeld, Direktor des Jnstttuts für Infektionskrankheiten, wurden in das Reichsgesundheitsamt berufen. . - Die Jüd. Bibliothek und Lesehalle (Vorsitzender: Dr. Max Ginsberg) schloß ihr letztes Berichtsjahr mit 8462 Bänden. Die Zahl der Besucher betrug 7844 gegen 32,144 im Jahre 1813. Einnahmen und Ausgabe« bilanzierten mft 8605 Mark. Berit«. Die Reichsfleischstelle gibt folgendes bekannt: - „Das jüdische Passahfest fällt in diesem Fahre in die Woche vom 24. bis 30. März und in die Woche vom 31. März bis 6. April. Um den rituellen Haushaltungen zu ermöglichen, in diesen Wochen Fleisch zu erwerben, würden die Schacht- und Fleischverkanfstage wie folgt festzusetzen sein: Für die Woche vom 24. bis 30. März: Schächttag: in der vorhergehenden Woche spätestens der 25. März; Ber« kaufstag: 26. März. I Vom 31. März bis 6. April: Schächttag: 27. März oder 30. März abends; Verkaufstag:1. April. Nr. 12. Den hohen Bundesregierungen und Landesflellchstelle,! beehren wir dies zur geneigten — gefälligen — Kenntniil zu bringen mit dem Mnheimgeben, die erforderlichen Anord-I nungen treffen zu wollen." I Berlin. Rechtsanwalt Hug» Caro ist gestern til seiner Wohnung in der Nürnberger Straße 61/62 tot aus.I gefunden worden. Ter Tod des bekannten Anwalts ijil durch Gasvergiftung herbeigeführt worden. Dal Hauptgashahn der Wohnung war geöffnet, und auch in deal Zimmer, in denr man Caro tot fand, war der Hahn einet] Gasflamme offen. Ob es sich um einen Unglücksfall ha»-] delt, oder ob Caro freiwillig aus dem Leben geschieden ist,] steht nicht fest. | Köln. Zum Nachfolger des verstorbenen Rabbineri Dr. Frank ist Dr. Adolf Kober-Wiesbaden berufe» worden. > VreSlau. Leopold Callom»»>, Repräsentant«.! Stellvertreter der jüd. Gemeinde, starb im 71. Lebens] jahre. f ] Bafel. Herr und Frau Spstein-Mayer feiert«] die goldene Hochzeit. ' ] Genf. Der Genfer Staatsrat hat Fräulein S i n t| Stern, Doktor der Medizin, zum anßerordent.] lichen Professor an der medizinischen Abteilung der] Genfer Universität ernannt. Fräulein Lina Stern ist die] erste Frau, die einen Lehrauftrag an ber Genfer Universität erhielt: sie ist eine aus Rußland stammende Jüdin. I * Warschau Einem Tätigkeitsbericht der jüdischen! G e m e i n d e für die Jahre 1312—1917 ist zu entnehmen, daß ] die Summe der im Laufe dieser fünf Jahre erhaltenen Hilfsgelder rund 3 Millionen Rubel beträgt, wovon anderthalb Mlllionen vom Berliner Verteilung», komitee der amerikanischen Hllfsgelder und über 550,000 Rubel vom Magisttat überwiesen wurden. Für Bildung und Erziehung sorgt die Gemeinde durch 22 Anfangsschulen mft 870 Schülern, 31 Chadorim mit 1400 Schülern! und die Abendkurse für Erwachsene mit 1700 Besuchern,] Außer 10 Fachschulen werden 15 Heime und Asyle unterhalten. Petersburg. Joffe, der frühere Vorsitzende du] Friedensdelegation in Brest-Litowsk, wurde znm Bots ch a f t e r in Berlin ernannt. London. Der erste Teil derPalüstina-Kommissio»,] bestehend aus dem Vorsitzenden Weizmann, de« Mitgliedern Joseph Cowen, Leon Simon, Israel Sieff und dem Vertreter der Jto, Dr. Eder, ist bereits abgereist. Der zweite Teil der Kommission wird demnächst, begleitet von Prof. Shlvain Lövh als dem Vertreter] der französischen Juden, ausbrechen. Lei ,rg »F mc fön urij Ta M gek un der me un dei au Ir un Ha vo Ko hei ge> un zir bei un sch sch ha mi Krurkfsrter Berichte. PersauaNe«. Sechzigster Geburtstag. Am' ersten Tag des! Pessachfestes wird Herr JsakGoldschmidt seinen sechzigsten Geburtstag feiern. Jsak Goldschmidt, der, jullad al birke Rabbi Mosche Mainz, bei seinem Großvater, dem großen Rabbi Mosche Mainz gelernt hat und in dessen] Geiste erzogen ist, gehört zu den hervorragendsten Talmidc] Chachamim in unserer Frankfurter Gemeinde. In der Schar-1 Chevra, wo demnächst beim kursorischen Lernen ein Sijum auf den Traktat Gittin stattfindet, ist er eines der eifrigsten Mitglieder, und außerdem lernt er tagtäglich mit Schülern und Genossen. Neben dem Studium der Thora bildet die] Uebung der Mizwaus seinen schönsten und vornehmsten] Lebensberuf. Er ist ein, namentlich auswärts viel tättger] Mohel und ein vorzüglicher Baal Kaurö. Für Hilfsbedürftige und für gute Zwecke jeder Art hat er stets eine offene Hand. Seit drei Jahren ist er als Mitglied des Ausschusses der israelitischen Gemeinde tättg. Möge es ihm beschieden sein, noch eine lange Reihe von Jahren in Gesundheit und rüstiger Kraft zu seiner eigenen Befriedigung und zum | Segen für die Gesanftheit Giftes zu wirken und zu schaffen. rn wi de tic kle an es K, wl Lc N m sa de de in m ui zr> ok de Die Prinrefsin. Eine Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts von Leopold Komp er t. I. Der Bauer. Aus einer grünen Frühlingssaat hebt sich eine Lerche hoch in die klare Morgenluft; bald in engeren, bald in weiteren Kreisen dringt sie himmelan und singt dem ihr Loblied, der sein Auge mit Lust wellen läßt an jeder freien Regung seiner Kreatur, an der flatternden Mücke so gut, wie an dem im WaLesschatten spielenden Rehe. Weiß die Lerche, aus wessen Saat sie sich erhoben? wer mit dem Pflugeisen die Furchen in diesen Acker geschnitten? Wer das goldene Korn hineinworfen hat, daß es ihr eine bergende Wohnung geworden ist? ' , In -Böhmen ist jetzt mancher Bauernhof, groß, hell und geräumig, mit Scheuem und Ställen, Aeckern und Wiesen, Garten und Wald dazu,, auf welchem ha te tä ist di st> si. st< ka w do ih er ui er Hk fi al ai

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