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Neue jüdische Presse · 1918-03-22 · Heft 12 (22.3.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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.. . Erscheint wöchentlich am Freitag. Se^ngspreispro Mrrteljatzr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.58 frei ins Haus. Bei der Post abonniert Mk. 1.35, frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 5011.2.— für alle übrigen Länder Mk. 2.58 Einzel - Nummern kosten 15 Pfg. —' ... . . -.— i Redaktion und Expedition: Franftfiirt a. M. :: Langeste. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. Herairsgevw: Kalg Herr. Insrrtiouspreis für die sechsgespaltene Prtitzeile 38 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Platz- und Datum-Borschrist ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Szped. und in «.Annoncen-BureauL. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. 5Dt unter 5str. 4354. -- ■ - — . ■ .. ■ - 16. Jahrgang. Freitag, de« S. Nissan 5678 (22. März 1918) Nr. 12. Aufrnf. Während im .Osten die Morgenröte des Friedens hcraufdämmert, wollen unsere oerblendeten westlichen Gegner die Hand zum Frieden noch nicht reichen. Sie wähnen noch immer, uns mit Waffengewalt zu. Boden ringen, zu können. Sie werden erkennen müssen, daß das deutsche Schwert die alte Schärfe besitzt, daß unser braves Heer unwiderstehlich im Angriff, unerschütterlich in der Verteidigung, niemals geschlagen werden kann. Von neuem ruft das Vaterland und fordert die Mittel von uns, die Schlagfertigkeit. des Heeres aus der bisherigen stolzen Höhe zu halten. Wenn alle helfen, Stadt und Land, reich und arm, groß und klein, dann wird auch die 8. Kriegsanleihe sich würdig den bisherigen.Geldsiegen anreihen, dann wird sie wiederum werden zu einer echten rechten deutschen Volksanleihc. Religiöse Blutsgemeinschaft. Von Felix A. Theikhaber. (Schluß.) Wie liegen nun in Wirklichkeit die Verhältnisse? Untersuchen wir einmal eine Kategorie von Menschen, die in der Welt derzeit eine große Rolle spielen, die bekannten Juden Schiss, Strauß, Morgenthau, Veit, Marburg in Newyork. Bon Geburt aus Deutsche, wurden sie, der eine früher, der andere später, amerikanische Staatsbürger, kämen in den Kulturkreis und in die Sprachwelt der U. S. A., deren politische und soziale Interessen sie wesentlich teilen. Stellenweise erinnern sie sich mehr oder minder der jüdischen Probleme und suchen auch mit diesen Fühlung zu nehmen. Wie weit ihre Erinnerungen, Handlungen, Denkprozesse, ja ihre körperliche Erinnerung von Milieu und Abstammung bedingt sind, läßt sich für den einzelnen Fall wissenschaftlich, schwer Nachweisen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir allen Einflüssen ein gewisses Recht einräumen. Der Mensch läßt sich eben nicht immer genau katalogisieren. Kchne Methodik 'der Wissenschaft kann heute genau die Abgrenzung zwischen allen Bezirken vornehmen. Vererbbare Wesenszüge stehen in buntester Wechselwirkung mit Faktoren eines Kulturkreises, in welches das Individuum einige Zeit eingestellt wird. Es gibt dann Uebergangsformeu, welche die Eigenarten miteinander verbinden. Die deutschen Juden stellen eine Gemeinschaft dar, die, in der Kultur des deutschen Lebens stätk von den Vorgängen des täglichen Lebens berührt, tausendfach von dem deutschen Wesensgehalt beeinflußt werden, wenngleich sie aus ihrer Abstammung, aus dem reichen Fonds der Erbmasse Werte schöpfen, die unzweifelhaft einem, besonderen, .dem jüdischen Kulturkreis, entstammen. Wer nun letztere Eigenart ertöten will, der muß die Familienbande, die Inzucht aufheben, damit die Anpassung des einzelnen Individuums durch die Einflüsse des Blutes nicht gestört wird. Er muß die - gesellschaftlichen, ethnographischen und kulturgeschichtlichen Mächte, die in der jüdischen Religion stecken, paralysieren und entfernen. Cr muß alle soziale Sonderstellung ausschalten und verdrängen. Und tatsächlich gibt es Juden, welche die Tendenz verfolgen, die Juden voll und ganz rhrer Eigenart zu entkleiden und ihnen nur noch eine Art jüdischer Religion zu lassen, deren „blutleerer Begriff" (Eduard Bernstein) niemals lebensfähig sein wird, da in dieser Religion alle Erinnerungen des Volkstums, alle sozialen Vorschriften, die irgendwie für den Augenblick unbequem sind, alle geistigen Grundlagen, die im hebräischen Schriftstück bestehen, ausgetilgt werden. Eigentlich sind diese Anhänger der Reform Anhänger des Deismus 'resp. Pantheismus, den schon Schopenhauer für eine -höfliche Form des Atheismus' bezeichnet. Sicher kann man diesen Religionsgemeinden das Recht streitig machen, daß sie noch auf dem Boden des wirUichen Judentums stehen, es gibt keine solche „mosaische" Konfession. Mer damit ist noch nicht alles getan, solange die Familiengemeinschaft besteht. Wer hundert deutsche Juden rein äußerlich betrachtet hat, wird zugeben Müssen, daß ein blutsmäßiger Typus vorliegt, der viel Gemeinschaftliches mit Juden anderer Länder und früherer Zeiten (man betrachte sich nur die Bilder, die uns von den Juden aus den vorchristlichen Jahrhunderten überliefert sind) aufmeist. Airders ausgedrückt: »vir können hundertfache Familienverwandtschaft zwischen den Juden herausfindcn. In der Ahnenreihe jedes Juden befindet sich eine mehr oder minder gleich große Zahl derselben Lkhnen. Auf den historischen Charakter unserer Gemeinschaft will ich nicht mehr eingehen. Er hängt mit dem rein blutsmäßigen und mit den Ausstrahlungen des .Religionsverbandes zusammen. Schließen wir also: Die deutschen Juden gehören nicht nur einer .Religionsorganisation an, deren Bedeutung wir eingangs erwähnten, .sie jirrd auch eine große Familie, deren Beziehungen weit nach dem Osten hinüberreichen. Damit ist eine stark positive Erklärung 'für unsere Eigenart gegeben. Die deutsche Judenheit ist ein Menschenmaterial, das sich noch im Ghetto national von dem umgebenden Volkstum streng abhob. Heute suchen große Teile deutscher Juden sich kulturell, politisch und auch in ihren religiösen Anschauungen mit der mächtigen Umwelt zu vermischen. Die Angleichung der jüdischen Religion zu einer philosophisch ethischen Gesellschaft, der die Reformgemeinde und zu einem Teil Jünger Hermann Cohens zustreben, liegt in der Richtung dieser Bestrebungen. Aber letzten Endes sind alle restierenden religiösen Sonderbestrebungen der .Juden wieder volksbildend, umsomehr, als die. Inzucht starke physische Bindungen schafft und die hierdurch und historisch erklärliche soziologisch-gesellschaftliche Struktur erst recht an einer immer wieder erstarkenden Eigenart arbeitet. Diese zwei Tendenzen bekämpfen sich, wachsen, nehnien zeitweise wieder ab und erscheinen dem einen Beschauer bald als stärker bald als schwächer. Wirklich methodologisch sind sie mathematisch unfaßbare Größen. 'Sie sind aber vorhanden. Sie sind unleugbar. Sie kommen im dumpfen Fühlen Hunderttausender von Juden und Nichtjuden zur Erkenntnistäglich wird .der Gedanke ausgesprochen, und täglich der- Gesichtspunkt verschoben, je nachdem der einzelne das Gefühlsleben des einzelnen mit dieser Gemeinschaft weiterleben möchte oder die Brücken abzubrechen wünscht.*) Wir Juden haben allen Grund, die Zeichen der Zeit zu werten. Die große Judenheit hat in dem letzten Jahrhundert eine Wandlung durchgemacht, wie sie wenige Jahrhunderte auszn-. *) Die praktischen Folgerungen aus diesen Erwägungen spinnt der Berfasser in den „Mitteilungen des BerbandeS der jüd. Jugendverelne" Wetter aus. Er stellt sozusagen diese Definition alS die Grundlage oder Brücke für die jüdische Verständigung auf. Die Redaktion. weisen Haben. Wie ich andernorts nachzuweisen versucht.habe, drohen dem westlichen Judentum schwere Gefahren. Diesen zu entgehen, ist höchste Zeit, und Unfug ist es. fich wegen mißverständliche Determinationen zu bekämpfen) Kraft und Zeit zu verschwenden, wo die Dinge klar und ,einfach liegen. In der historischen Stammesart, .'die durch die Religion vorgesehen, gestützt und stärü>ig wieder gefestigt wurde, ist unser Wesen begründet. Die Eimzuxg der Mische« J»re«d i» T»«1schla«d. Das Bewußtsein, daß in der gegenwärtigen Zeit die Zusammenfassung und einheitliche Zusammenarbeit aller jüdischen Kräfte und Richtungen notwendig sei, dieses Bewußtsein, das in allen Ländern zu einem Zusammenschluß der jüdischen Parteien und Richtungen geführt hat, hat in. der letzten Zeit auch iminer weitere Kreise der jüdischen Jugendorganisationen in Deutschland erfaßt und zu der Einleitung von Verhandlungen geführt. Am 5. März fand eine größere Sitzung in Berlin statt, zu der Vertreter aller Jugendorganisationen, der neutralen Jugendverbände, der nationaljüdischen und zionistischen Jugendvereinignngen, der liberalen Jugendgruppen und, wenn auch nicht offiziell, als Delegierte-Vertreter der Agudas Jisroel Jugend-Gruppe teilnahmen. Eine Verständigung kam freilich nicht zustande. Tie meisten Reden waren aus den Ton des gegenseitigen Kampfes gestimmt und konnten zuni Schlüsse daher nicht die Stimmung herbeiführen, die für das Zustandekommen einer Verständigung notwendig gewesen wäre; doch wäre es falsch und oberflächlich gesehen, wollte man einzelnen Reden oder Rednern die hauptsächliche Schuld an dem Nichtzustandekvnlmen zuschieben. Vielmehr hatte der objektive Zuhörer den Eindruck, daß die notwendige Klärung, die einer solchen definitiven Verständigung vorausgehen inüsst, noch nicht so weit gediehen war, um diese wirklich herbeizuführen. . Das einleitende Referat von Frl. Dr. Cora Berliner, das die Grundlinien für eine solche gemeinsame Zusammenarbeit geben sollte, war, wenn die Rednerin sich auch in vielen Dingen einer objekttven Betrachtungsweise befleißigte, doch in manchen anderen Grundfragen zu sehr von dem Standpunkt der neutralen Jugendgruppen, deren Mitführerin feit langen Jahren Frl. Dr. Berliner bekanntlich ist, gefährdet, als daß sie wirklich eine alle Gruppen eingehende Basis für eine Verständigung hätte bilden können. Es war wohl im wesentlichen mit die Folge dieser Rede, wenn daraufhin sowohl von zionistischer wie wie liberal-jüdischer Seite die Notwendigkeit empfunden wurde, den besonderen Standpunkt der Gruppe mit aller Schärfe auseinanderzusetzen, was naturgemäß zu einem noch stärkeren 'Auseinandergehen führen mußte. Bon zionistischer Seite wurde der größte Teil der gemeinsamen Arbeiten, die Frl. Dr. Berliner für die Zusammenarbett der Gruppen vorschlug, abgelehnt, weil in diesen Arbeiten die Unterschiede in der Gesinnung und Anschauung zwischen den Zionisten und Nichtzionisten zu groß wären, als daß eine gemeinsame Arbeit möglich wäre. Hingegen schlugen die zionistischen Wortführer vor, daß ein gemeinsamer Ausschuß gebildet würde, der, erstens eine Anzahl von Arbeiten, für die ein Zusammenwirken möglich wäre, letten und — als entscheidenden Punkt — die Vorbereitung eines allgemeinen Jugendtages der jüdischen Jugend in Deutschland übernehmen sollte. Bon Seiten der anderen Richtungen wurde die Einberufung eines Jugendtages hingegen abgelehnt. Tr. Apfel, der die Sitzung^ einleitete, fand es zum Schlüsse auch nicht für nötig, .über die Bildung eines solchen Ausschusses abstimmen zu lassen, sodatz die Versammlung ohne jedes positive Ergebnis auseinanderging. Es gibt zweifellos eine Anzahl von wichttgen Arbeiten, in denen sich alle Richtungen der deutsch-jüdischen Jugend einigen können. Es liegt von vornherein in der Natur der Sache, daß die Herbeiführung einer solchen Verständigung und Arbeitsgemeinschaft für I u g e n d gruppen sehr viel schwieriger ist, als für andere politische Organisationen. Es widerspricht dem Wesen der Jugend und dem Eharakier der Jugendbewegung, sich auf Kompresse einznlassen und durch Konzessionen und Nachgiebigkeit Minimalprogramme zu gemeinsamer Arbeit aufzustellen. Aus diesem Grunde wäre es auch sicherlich von vornherein falsch gewesen, hätte man von den jüdischen Jugend« organisattonen in Deutschland so etwas wie die Bildung einer B. I. O. D. für die Jugend fordern wollen. Das wäre nicht nur unmöglich, sondern verderblich, weil sie die

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