Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Mehrere saalrtige Zimmer? seines stattlichen: Wohnhauses hatte er amit angefüllt, und sein Diener öder Meschores, wie ine Glaubensgenossen sagten, mußte das alles in Ordimg halten. Schaie Gumpcrt, ioie der Meschores hieß, war ines der alten Originale, wie sie leider nach und nach ussterben. Dazu ein Schalk erster Güte. Bei jeder Teufelei, die int Städchcit vorkam, durfte man sicher ein) daß. er seine Hand im Spiele hatte. Er und der aissierer' Jacob. Goldlvein. . Das war ein kleines, etwas erwachsenes Kerlchen, dem. sie den Spitznamen „Jekum-- urkon" angehängt hatten. Die innigste Freundschaft verand die beiden. Niemand konnte klug daraus werden, enn Jeknmpurkon stand gesellschaftlich tief unter dem famulus Kleeblatts, ja wurde sogar halb und halb als .Schnorrer" angesehen. Außer Schaie waltete in dem Kleeblatt'scheu Hanse och die alte Köchin und Wirtschafterin des Herrn, iitel geheißen; — „sie konnte Schalet bereiten und kochen ne keine", weshalb David sie auch hoch schätzte, obwohl sonst nicht viel von dem weiblichen Geschlecht hielt. Damit hatte es folgende Bewandtnis: In . seinen ingeren Jahren war er sterblich verliebt in Blümchen öwenstein, eine jüdische Schönheit, um die sich gleichetig sein Bruder Perle in dem nahen G. bewarb, diesem, als dem stattlichsten der beiden Brüder, hatte chließlich das Mädchen den Vorzug gegeben. Das traf en guten David mitten ins Herz. Von Stund' an verihloß er sich vor der Welt, und obwohl ihm, dem größten ozen (Reichsten) der ganzen Gegend, Dutzende der insten Heiratspartien angetragen wurden, wies er alle b. Vergällt und verglimmt lebte er mit Schaie und er alten Gitel seine Tage dahin, und höchstens der irwerb irgend eines alten, seltenen Kabinettstückes ivar och imstande, ihm ein vorübergehendes glückliches Lächeln bzugewinnen. Jahre kamen und gingen. David war alt geworden. Ae Mütter heiratsfähiger Töchter hatten es längst aufegeben, ihn cinzufangen; die „Schatchonim" (Eheveroiitler) erst recht, und zehn Jahre mochte cs schon her ein, seit ihm der letzte über die Schwelle gekounnen war. Kit allerlei „Alterszulagen" bedachte ihn dabei die Na- »r, die dem Menschen erst alles gibt, um es ihm nachher tückweise wieder. abzunehmen. In den Beinen fühlte r's zuerst — die wurden schwach und unsicher —, der Kagen wollte auch nicht mehr recht arbeiten, der Puls etzte öfters aus, kurz, David spürte, daß er „klapperig" wurde. Sein Arzt, ein Nichtraucherverbot ihm die geliebte Zigarre, die Trösterin seines einsamen Lebens. Doch ganz ließ sich der alte Herr das Rauchen nicht nehmen; drei Stück täglich verpaffte er noch, statt zehn bis zwölf, die sonst seine Tagesleistung gewesen waren. Neulich hatte er es sich mal ausgerechnet, was er schon verraucht hatte. Aneinandergelegt geben zehn Zigarren etwas über 1 Meter Länge, also 363 Meter im Jahre, lieber 55 Iahte trieb er das schon so, also 365x50 (fünf Jahre zog er ab) — 18 250 Meter. Also mehr als 18 Kilometer Zigarren hatte er schon in Ranch verwandelt.. Er' erschrak selbstüber die unheimliche Größe dieser Zahl. j David wurde nachdenklich. Auch noch über.:manches andere. .Schon vor langer Zeit hatte er sein großes Vermögen der jüdischen Gemeinde des Städtchens vermacht, wohlverstanden nach.Je jpemr Tode, obwohl er sin dem einzigen Sohne seines Bruders Perltz-einen näheren Erben gehabt hätte. Aber der Groll des Verschmähten ließ das nicht zu. Nun aber mar der Bruder' gestorben, Blümchen folgte ihm bald darauf, und seitdem ertappte sich David manchmal bei dem Gedanken, daß es eigentlich doch Unrecht sei, dem Neffen entgelten zu lassen, was seine Eltern getan hatten. Was konnte der Venn dafür. Und hinterlassen hatten sie ihm nicht viel, denn Perle war in letzter Zeit mit seinen Getreidespekulationen nicht glücklich gewesen. Fast sein ganzes Vermögen mußte er den Gläubigern hingeben. Der Neffe, Dr. Moritz, harte Jus studiert und sich vor kurzem in der nahen Residenz als Rechtsainvalt niedergelassen. Doch ließ die Praxis noch viel zu wünschen übrig, wie Schaie, der oft und gern mit dem Doktor verkehrte, seinem Herrn bedauernd berichtete, denn er war des Lobes voll über den Neffen. Auch von anderer Seite hörte David nnr Gutes über ihn. Da geschah es eines Tages, daß den alten- Mann auf der Straße ein so starker Schwindel befiel, daß er sich halb besinnungslos an dem Pfeiler.einer Gaslaterne festhalten mußte. „Das ist der Tod" dachte er. Und «er täuschte sich nicht. Bon Woche zu Woche wurde er hinfälliger, konnte das Bett nicht mehr verlassen und bereitete sich ans sein Ende vor. Schon längst hatte er beschlossen, sein früheres, bei Notar Dr. Avenarius liegendes Testament, für null und nichtig zu erklären und dafür seinen Neffen zum Erben einzusetzen. So sagte er denn an eineni trüben Winternechmittage zu seinem treuen Schaie: „Was meinst du, wenn ich mein Testament zu Gunsten meines Neffen, Dr. Moritz, abändere?" „Se können nix Besseres tun," gab ebenso überrajcht wie erfteut der Meschores zur Antwort. „Der Herr Doktor is'n lieber, braver Mensch, und die Kehille (Gemeinde) braucht ihr Geld nit, — se hat Neschires (Vermögen) genug," Zustimmend nickte David mir dem Kopf. „Nun wohl, Schaie," sagte er, „so telegraphiere meinem Neffen, daß er sogleich herkomme, ich will mein neues Testameirt machen. Daß du und auch die alte Gitel darin reichlich bedacht werden, brauch' ich dir wohl nicht besonders zu sagen. Auch dem Notar sage Bc- . scheid. Sonst aber spreche mit Niemand darüber." Schon wenige Stunden später traf Dr. Moritz ein. Der Kranke reichte ihm die abgezehrte Rechte und schaute lange in seine dunklen Augen, die ihm so sehr an die Heimgegangene Geliebte erinnerten. Dann sagte er: „Vergib', meist Junge, daß ich mich die vielen Jahre nicht um Euch gekümmert habe. Will es aber einigermaßen gut zu machen suchen, indem ich Dich zum meinem Erben erkläre. Geh, Schaie, und hol den Notar." „Onkel, lieber Onkel", sprach gerührt der Neffe, „Dn wirst noch nicht sterben, wirst Dich wieder erholen und — so Gott will — noch viele, viele Jahre leben." „Dank für deine guten Wünsche, aber ich fühle, es gehr zu Ende mit nnr. Doch freut es mich, daß ich Dir noch nützlich sein kann Ich weiß von Schaie, daß Du Sabel Katzensteins Tochter liebst, daß sie Dich auch gern hat und nur Deine beschränkten Verhältnisse den alten Geizhals bisher seine Einwilligung versagen ließen. Nun wird er wohl anüeren Sinnes werden." Erschöpft schwieg der Kranke und sank mit geschlossenen Angen 'in die Kissen zurück. Schweigend saß der Doktor an dem Bette. Die verschiedenartigsten Gefühle bewegten ihn. Trauer um den voraussichtlichen.Verlust des Oheims, Hoffnung, freudige Hoffnung, nun doch die so heiß umworbene Geliebte erringen zu können, wenn er als reicher Mann vor ihrem Vater hintrak. Ja dieser Vater. Erst neulich, auf einer Hochzeit, als die Champagnerpfropfen knallten, hatte er, der Doktor, es versucht, sich ihm zu nähern, indem er ihm das Glas zum Anstößen hinhielt. Der aber hatte sich geringschätzig abgewendet. Was galt ihm der Doktor! Den Titel ließ er sich wohl gefallen, aber „nicht der Titel, sondern die Mittel, sind die Hauptsache," pflegte er zu sagen. Der schwerreiche Viehhändler Jakob Weinberg, der sich ebenfalls um seine Tochter bewarb, hatte' bessere Aussvchten. Als jetzt der.Lehrer der jüdischen Schule in H. die Hochzeitsrede hielt und davon sprach „wie die Macht der Liebe das junge Paar zusammengeführt habe, wie die Liebe das köstlichste Geschenk des Himmels sei," da stieß Säbel seinen Nachbar, den Pater der Braut, mit dem Knie an und sagte halblaut, so daß es der Doktor gerade noch hören koimte: „Was red't er als von Liebe, — du bist doch kein Schnorrer nit." Schaie war inzwischen seiner Weisung gemäß zuni Notar Avenarius geeilt, traf ihn aber nicht zu Hanfe, da er n'ch auf dem Amtsgericht zu tun hatte. Der Schreiber riet ihm, inzwischen die beiden Zeuge» zu besorgen. Das tat Schaie denn auch, und als er nach kaum einer halben Stunde mit diesen — dem halbtauben Schammes Chone Neustädler und dessen Bruder Salme — zurückkehrte, war auch der Notar zur Stelle. Schleunigst ging's nrm dem Hause des Testators zu. (Schluß folgt.) Woche»-Sale»der. LüNIi istag, g. März (= 25. Adar). Sabbat-Anfang Frankfurt a. M. 53/i Uhr. Sabbat-Ausgang in Fra ui : Frankfurt 7 Uhr 05 Min., in Berlin 6 Uhr 4V Min. Wochcnabschnitt: Wajakheil und Pekudei. — Die Stiftshütte. Die Priestergewänder. Weihe der Stiftshütte. Priesterweihe. Par sch as Hachandesch. Donnerstag, 14. März: Rausch Chaudefch Nissan. Sabbatgottesbienst in Frankfurt. Freitag abend 5% Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinerstr. 6 Uhr, Hauptsynagoge 6 Uhr). Samstag früh Uhr in den meisten Synagogen (Hanptsynegogr g .Uhr, Königstrrnerstraße {tya Uhr). Wvchengottesdienst in Frankfurt. Morgens 6Vr Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsynagoge, Königsteinrrstraße 1% Uhr). Abends 5Vs Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinerstraße 6 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr). Das Allgemeine jüdische Krankenhaus „Scliaare - Zedek“ zu Jervsftlem bittet fttr seine K.ranbLen. Organisation reih europäisch.' Ieoiierhäuser für Ansteckende. Ireschäftsleitftng: Frankfurt am Main. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden. Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a M. hält sich für gewissenhafte TJehernahme von Stiftungen empfehlen. Betten«, Zimmer-, Jahr zeit-, Credentttufel« Stiftungen» Briefe au richten nach RSderbergweg 63. Man fordere die Bedingungen ein