Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 16 (1918)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Frankfurter Israelitisches Tamiüenblatr. Seite 3. „Ein fein Wörtchen!" rief Reb Noach in vollstem Ernst. Vögele aber fuhr fort „und darum will ich reden vom Tachliß." „Red' red', du lieb Kind," fügte Reb Noach hinzu, als sie einen Augenblick Pause machte. „Bor füntzehn Jahren," begann Vögele ruhig ivieder, „hat man geschlossen die Schule von Reb Chaim des Maggid's. Und die K'hilla hat aufgebaut ein Beshamidrasch und hat sich genommen einen guten Rabbi und es lernen darin die Bachurim gar mächtig Gottes Wort bei Tag und bei Nacht. Aber die heilige liebe Gotteslehre ist gut im „Anfang" und will nicht sein „Tachliß"! — Hab' ich recht, Reb Noach?" Reb Noach wiegte noch etwas zweifelhaft den Kopf. Vögele fuhr. fort: „Und da gehen herum die Kinder von der K'hilla, Jüngelchen und Müden, und haben keine jüdische Schule und keine deutsche Schule, wie eS sich gehört, und lernen nichts für die Welt und nichts für jene Welt! Das ist auch kein Tachliß!" „Wahrheit, Wahrheit, Wahrheit!" rief Reb Noach. „Und an der Mikwe hatte sich ein Wunder beiviesen, daß sie ist nicht abgebrannt, und es wohnt in ihr Reb Chaim des Maggid's mit seinen zwei Maden. Wie lang wird es dauern, und es wird noch ein größer Wunder sein, wenn das Hans über einander fällt und mit Gott wird Reb Chaim und seine Kinder retten, daß sie werden herauskommen mit dem Stückchen Leben! Nicht wahr Reb Noach, das ist auch kein groß Tachliß!" „Sie ist gerecht, wie Gott gerecht ist!" sagte dieser. „Zwei Bachurim," fuhr Vögele mit bewegterer stimme fort: „gehen ein und aus in dem Beshamidrasch, und Gott, gelobt sei er, hat es gemacht, daß die zwei Müden von Reb Chaim des Maggid's fanden Wohlgefallen in ihren Augen. Der eine Bachur, der ein großer Gelehrter ist, hat geworfen sein Aug auf meine liebherzige- Golde, und es „hängt ihr Gemüt an seinem Gemüt!" — Und da ist das andere Bachurchen, ein Charifchcn!4), — ein Charifchen! ach — ein Charifchen! sag ich." Vögele hielt innc und bewegte ihre zwei Arme mit einem Entzücken dubch die Luft, daß es aussah, als ob sie Dieselben wie zwei Flügel gebrauchen wolle, uni sich zur Höhe aufzuschwingen, wohin ihr glühend Antlitz und ihre Augen gerichtet waren. Aber nur einen Augenblick stand sie so, ein Bild der Verliebtheit und des Entzückens; im zweiten Moment schon hatte sie die Hände gefaltet und sagte mit der trockensten Treuherzigkeit von der Welt: „Reb Noach, wenn wir noch zwanzig Jahr für unsere Bachurim die Lichter machen, und jene Nacht für Nacht zwanzig schwierige Schriftstellen im Beshamidrasch zurechtlegen, dann sag ich doch: es ist kein Tachliß und ist kein Tachliß und ist kein Tachliß! — — und für den Maggid da ist es gar kein Tachliß!" setzte sie mit drolliger Heftigkeit hinzu, und zeigte mit dem Finger auf sich selbst. „Was sagst du zu der Mad?!" rief Reb Noach lachend, indem er sich zu Täubchen ivandte. „Mir steht mein Verstand still!" „Und nun, lieber Reb Noach," sagte - sie wieder mit feierlichem Ernste, „wollen wir uns umsehen in eurem lieben Haus! Da hat euch Gott, gelobt sei er, gesegnet mit Gut und Ehre, und nun wird er euch *•) <£in scharfsinniger Talmudist. segnen, daß man ausrufen wird das Wort des Propheten Jesaias:») „Jauchze, die noch nicht geboren! Breite aus den Ort deines Gezeltes und die Teppiche deiner Wohnung erweitere." Aber, lieber Reb Noach, nicht euer. Haus allein wird sich ausbreiten! Es wird sich müssen erweitern euer Speicher und euer Laden; denn ihr werdet nicht mehr sprechen zu Gott, gelobt sei er, wie Abraham unser Altvater: „wozu gibst du mirs, da ich gehe kinderlos umher?"°) Ihr werdet danken, daß er Gnade häuft auf Gnade und Kindersegen gibt in Vater-Mühen!" „Wie schön möcht' es sein, Reb Noach, wenn ihr werdet bald sein, wie unsere Weisen gesagt haben „ein Fünfziger tauglich zum Ratgebeu"^, daß Einer noch bei euch ist, „ein Zwanzigjähriger zum Betrieb"?), der da lauft treppauf und treppab im Speicher, und der da packt und schnürt und bindet in eurem Laden, und schreibt und rechnet und arbeitet, bis die Kinder werden aufgewachsen sein „wie lichte Bäumchen, die da sind gepflanzt um euren Tirsch^)." „Reb Noach leben, wäre das nicht ein rechter Tachliß?" (Schluß folgt.) OflfearibaeSsQf ns^eklHfg-Asdagel 88oubssh s. 8- Te!afon 1S8. (Afisehlnsa sitFraakfmt). I •wehrtest« T«9Plefe?siB)89Bg (108,040 qm jährtiehjB •owis ur.flbertroflene Battfsdornratalsuiie aiMsi 1 Drsekhtft und Waas «dampf. hmbbhhI WschessAaleNdee. Samstag, 23. Febr. (= 11. War). Sabbat-Anfang in Frankfurt 5 slhr 25. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 6^/1 Uhr. Wochenabschnitt: Tezaweh. Parschas Sochaur. Dienstag, 26. Febr.: Purim. Sabbatgottesdienst in Frankfurt. Freitag abend 514 Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinerstr. 6 Uhr, Hauptsynagoge 5i/, Uhr). SamStag früh Sh4 Uhr in den meisten Synagogen (Harcpksynagogv 8 Uhr, Königsteinerstraße 91/2 Uhr). Wochengottesdieust iit Frankfurt. MorgenZ 6 Uhr 35 Min. in den Meisten.Synagogen (Hauptsynagoge, Königsteinerstraße 714 Uhr). Mcnds 5i/i Uhr in den meisten Synagogen (Königstcinerstraße 6 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr). Bereiss-Kslerrher» Verein Montefiore. Mittwoch, pünktlich 81/» Uhr: Große Purimfeier, Redner Dr. B. May; musikalische, deklamatorische Darbietungen. Freitag, 8% Uhr: Gesellige Zusammenkunft. Jüd. Turnverein. Die Damen- und Jugend-Abteilung turnt jeden Sonntag Vormittag IlP/s—12 Uhr in der Herderschule, Wittelsbacher Allee 6. Verein Me kor Chajinr. Samstag, 4 Uhr: Mikro (Schachnowitz). Sonntag, 6 4M: Mogilas Esther (Schachnowitz). 5) Jesaias 54. 1. 2. °I 1. Moses 15. 2. 7) Sprüche der Väter 5. 21. Bj Psalm 128 3. FrssLfurter FmirMnmachrichle». Geborene. Eine Tochter Max Cramer (Gestetner), Körnerwiese 5. Barmizwos. Jack Schapiro, Wittelsbacher Allee 7; Jakob Newadomsky, Rechneigrabenstr. 19, Synagoge Friedberger Anlage. — Max Grünebaum, Staufenstr. 28, Synagoge Königsteinerstr. — Alfred Oppenheimer, Mlerheiligenstraße 49; Manfred Strauß, Sandweq 62, Svnagoge Börneplatz. Verlobte. Lina Heimann, Schillerplatz 1 mit Dr. med. H. Stempa, Zeil 66. Gestorben. Ernst Pessel, 26 I. — Fanny Kap, geb. Birnbaum, 49 I., Röderbergweg 71. — Louise Kauf- - mann, geb. Scheidt, Wioe., 46 I., Hansa-Allee 3. — Bertha Auerbach, geh. Wler, 76 I., Beethovenstr. 5. RrrSvSrttge FL«ilie«»achrichte». G e b 0 r e n. Eine Tochter Arthur Neuburg (Finkenstein), Berlin. — Cüne Tochter Leopold Lemke (Held), Tilfir. — Eine Tochter Ist Marx (Abraham), Bensheim. — Ein Sohn Julius Löwenthal (Werner), Eschwege. Barmizwos. Karl Steinlauf, München, Brünnstraße 12 (16. Februar). Verlobte. Alice Epstein mit Rudolf Levi, Stuttgcuck. — Gertrud Bernstein, Berlin mit Dr. Walter Windmüller, Neviges. — Rosa Kasper mit Siegfried Weißenberg, Berlin. — Hulda Friedmann, Ostrvwo mit Louis Stern, Nordeck. — Flora Rosenthal mit Artur Löwensteiu, Stuttgart. — Meta N. Spiegel, Konstanz mit Max I. Adler, Stuttgart. — Malli Lamm mit Josef Regensburger, Nürnberg. . Gestorben. Aron Herzog, 70 I., Osthofem — Severin Behrendt, 55 I.. Berlin. — Laura Frankenstein, geb. Jüdel, Stettin. — Moritz Rüben, 84 I., Berlin. — Josef Metz, 38 I., Berlin. —. Louise Neufeld, geb. Lewisohn, 67 I., Posen. — Jda Blum, geb. Strmlß, 63 I., Mannheim. — Levi Strauß, 72 I., Kreuznach. — Victor Bloch, 83 I., Müllheim i. Baden. — Jakob Heilbronn, 81 I., Köln. — Elias Frohmann, 51 I., Darmstadt. S-e»re». Beim Frankfurter Israelitischen Familienblatt gingen ein: Menny Rapp gratuliert Familie I. L Gotein zur Silberhochzeit, 2 Bäume im Harry-Gotein-Wald, 12 M. Familie Weinberg, Neuhausstr. 1 (Büchse) 12 M. r Statt Kaetan! Verwandte, Freunde und Bekannte laden wir hiermit %u der am Dons» erstag, dan 28® Februar, i'k Uhr, in der Frankfurt-Loga, Eschenheimer Landstrasse 27» stattfindenden Trauung unserer Kinder Therese und Leo höflichst ein Frankfurt am Main. SEaier Sisemann u. Zfrau. Üsaak Soidsehmdi u. $rau, Infolge beschränkten Papiervorrates find wir gezwungen, vorerst jede zweite Nummer vierseitig erscheinen zn taffen. Wir bitten »nsere Leser in Rücksicht aus die Zeitlage um gütige Nachsicht. Fraskfurter Israelit. Familiesblatt. Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaare - Zedek“ zu Jerusalem bittet für seine Kjan3s.cn, Organisation rein enropäisch. Jselierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden, hält sieh fir gewissenhafte Uebernahme von Stiftungen empfohlen. Betten», Zimmer-, Jahrzeit-, Briefe bu richten nach Köderbergweg 68. Oesehäftsleitung: Frankfurt am Main. Postscheckkonto No. 7785 Frkft. a. M. Gedenktafel-Stiftangeii. Han fordere die Bedingungen ein.