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Neue jüdische Presse · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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♦ I ♦ ♦ I ♦ j>-j ■■a- ' 1 ------ 1 - — •. % Insrrtümsprris füx die fechSgesPaltene Peützrile SV Pig., stx S dieRellamezelle Mk.1.—. Bei Wiederholungen entsprechender » Rabatt. Platz- »ad Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. | Annoncen-Annahme bei der Exped. und ina.Amwncen-Bureau3. 8 Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. «nt« Rr. 4884. I ■■ ■ ■=■ y - - - —.' Erscheint wöchentlich am Freitag. Drmzsprris pro Nirrtrsivhr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.SL frei ins Haus. Bei der Post abonniert Mk. 135, frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn M t.3.— für alle übrigen Land« Mk. 2.50 Einzel - Nummern kosten 15 Pfg. Redaktion und EXpeditüm: Frankfnrt a.ffl. s Eangeftr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. -Sk- SalN Geis. 16. Jahrsass. Freitaz, de« 19. Sichewat §678 (1. Februar 1918 Rr. 5. 25 Jahre „Ceutralverein". Am 5. Februar ds. Js. blickt der „Cenrralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" auf ein Vicrteljahrhundert des Bestehens zurück. Ein „Kriegsjubiläum" in mehrfacher Bedeutung, denn der Centralverein ist eine Kanrpfvrgamjation, und die Arbeit, die er in diesen 25 Jahren geleistet hat, war ein einziger unermüdlicher Krieg wider den Antisemitismus, ein ständiges Streiten für die Grundforderung jeder staatsbürgerlichen Existenz: um Gleichberechtigung. Die Tatsache, daß zwischen dem Centralverciu und der jüdisch-nationalen Bewegung Streitpunkte prinzipieller Art und demgemäß eine sachliche Gegnerschaft besteht, darf, uns nicht hindern, anzuerkennen, daß die Geschichte des' Centralvereins, im Ganzen genommen, eine bemerkenswerte Seite im Buche der Geschichte des deutschen Judentums ausfüllt. Der Gesichtspunkt, von dem aus >vir die jüdischen Fragen beurteilen, ist der Auffassung des Centralvereins in mancher Hinsicht diametral entgegengesetzt, und seiner Theorie wie seiner Praxis galt oftnial schärfste Kritik von unserer Seite ' und wird in Zukunft in noch erhöhterem Maße zu gelten haben, wenn beide nicht unter dem Eindruck der letzten gewaltigen Ereignisse in der jüdischen Welt einer grundlegenden Revision unterzogen werden. Wer sieht man einmal von diesem Standpunkt ab und würdigt den Verein und sein Merk allein unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Verhältnisse im deutschen Judentum, so bleibt der Eindruck einer großen Leistung, deren Bedeutung auch für den Gegner achtunggebietend bleibt. Der Grundgedanke des Centralvereins, dem Antisemitismus im Lichte der weitesten Oeffentlichkeit gegenüberzutreten und ihn mit allen rechtlich erlaubten und moralisch einwandfreien Mitteln zu bekämpfen, entsprang einem elementaren Bedürfnis geistiger Wehrhaftigkeit, das wohl zu keiner Zeit auf größeres Verständnis rechnen dürfte als gerade heute. Wenn wir nichts am Centralverein änden, das unsere Achtung verdiente: daß er dieses Bedürfnis in 25 Jahren wach gehalten und gesteigert hat, ist eine Wertsteigerung der Psyche des deutschen Juden, die trotz allem „Aber" auch für uns bedeutungsvoll bleibt. . Ein Jude, dem der Mangel einer vollständigen Gleichberechtigung gleichgültig ist und der sich nicht für sein unbeschnittenes Staatsbürgerrecht einsetzt, kann auch nicht im letzten S^rne Nationaljude sein. Denn der Verzicht auf Gleichberechtigung kann nimmerniehr Privatsache des Einzelnen bleiben. Hier wie in so vielen Dingen steht der Jude für .feine Gemeinschaft, in unserem Sinne also für sein Volk. In diesem Sinne reihen wir uns gern in die Schar jener ein, denen das Jubiläum des Centralvereins Anlaß gibt, dem Gedanken der Gleichberechtigung nachzugehen. Wir glauben unserer Anerkennung keinen besseren Ausdruck zu geben, als daß wir darzustellen-versuchenwarum notgedrungen trotz anerkanntem Ziel der Weg des Centralvereins, wie er heute läuft, nicht der unsere zu sein vermag und daran die Frage knüpfen, ob es stets bei diesem Zustande bleiben müsse, oder ob wir hoffen dürfen, in nicht allzuferner Zukunft dem Centralverein rückhaltlos das Mandat erteilen zu können, den Kampf gegenden Antisemitismus auch in unserem Namen. — und daun selbstverständlich auch mit unserer tatkräftigsten Unterstützung zu führen. Es .handelt sich im Grunde genommen am etwas 'sehr Einfaches, um eine engere oder weitere Umgrenzung des Begriffes „Staatsbürgertum". Für den Centralverein umschreibt der Terminus „Deutsches Staatsbürgertum jüdischen Glaubens" alle Werte der deutschjüdischen Persönlichkeit, alle jüdischen neben allen deutschen. Für uns hingegen liegen die in uns ruhenden jüdischen Potenzen durchaus nicht nur in dem eng geschlossenen Kreis des „Jüdischdeutfchen", dessen Elemente auf jener Seite untrennbar erscheinen. Beide fordern wir Gleichberechtigung, jene mit der Begründung, ihr Judentum sei „deutsch", wir ohne diese Begründung, mit dem Anspruch, als deutsche Staatsbürger das gleiche Recht mit den anderen auch dann verlangen zu dürfen, wenn unser Judentum ein Judentum saus phrase, ein „jüdisches" Judentum ist, — ein nationales Judentum! Solange der Centralverein sich nicht dazu verstehen kann, diesen unseren Anspruch als gleichberechtigt anzuerkennen, solange macht er selbst es uns unmöglich, in seinen Reihen zu kämpfen. Wohlgemerkt, es handelt sich durchaus nicht darum, im großen und ganzen eine „Mehrheft" zu besitzen, die unserer Auffassung ist. Es handelt sich nur darum, daß der Centralverein endlich anerkennt, daß Staatsbürgerrecht auch dem. zustehe, der mit Bewußtsein und Willen sich der jüdischen Volksgemeinschaft anschließt, die nie ausgehört hat zu existieren und der gerade in unseren Tagen eine Auferstehung beschieden ist. Wir können uns nicht denken, daß die so zahlreich im -Centralverein vertretene .jüdische Intelligenz .unberührt bleiben sollte vom jüngsten Geschehen, weniger von dem, was von außen über das jüdische Problem geäußert wird, als von der allmählichen Konsolidierung des GemeiuschaftSwillens des Alljudentums. Dieser Gemeinschastswilieu ist unverkennbar nationaler Natur, ihn nicht anerkennen, heißt sich von der neuen Gemeinschaft Israels absonderu. Das kann der Centralverein unmöglich wollen. Und darum erwarten wir, daß .früher oder später der Tag kommen wird, an dem der Centralverein es ausspricht, daß in seinen Reihen für uns Platz ist, so wie wir sind und allein sein wollen. Bis zu dieser Stunde bleiben wir seine Gegner, die den Wunsch in sich tragen, Verbündete zu werden. Am Centralverein ist es, mit kluger Wahl den Gruudst-nu für weitere 25 Jahre des Aufstiegs zu legen. C. Z. Klötzel, im Felde. Die jüdische» Kolosierr Argentinieus. Die „Allg. Ztg. d. Judent." veröffentlicht aus einem Privatbriefe aus Argentinien folgende höchst bedeutsame Stellen: „Die russischen Juden sind außer sich vor Freude über die neue Aera in Rußland; überall, wo sie in größeren Mengen zusammenwohncn, finden Meetings und öffentliche Umzüge statt. Fast alle erklären, nach dem Kriege zurückwandern zu wollen. Wenn auch bei einigen später die hier ausgewachsenen Kinder sie zurückhalten werden, so wird doch aus Stadt und Land eine große Rückwanderung stattfinden. . Die neueren Kolonien, in denen stoch dazu die wirtschaftliche Lage miserabel ist, werden sich sicher auflösen; in den älteren wird auch eine größere Zahl Kolonisten zurückgehen und vor allem die noch nicht ganz bodenfeste Bevölkerung: Arbeiter, Pächter, Kleinhändler, Handwerker werden völlig verschwinden." „Hier (den Namen des betreffenden Ortes muß ich natürlich verschweigen) ist geradezu eine Nostalgie nach Rußland ausgebrochen. Man hört auf emmal überall russisch sprechen. Neulich sagte ein Kolonist, der mit nichts aus Rußland kam und hier zum wohlhabenden Manne geworden ist: „Wir (das heißt er und seine Frau) träumen alle Nacht von Rußland, und wenn der Krieg zu Ende ist, verlaufe ich mein Vieh und Inventar, schenke der JCA. alles, was ich auf mein Land eingezahlt und meine Baulichkeiten und fahre nach Hause. Es gibt kein besseres Land in der Welt wie Rußland, wenn alle Menschen gleiche Rechte..haben." Das ist nicht eine Ausnahme, sondern ein typischer Fall für die Leute, welche bei der Rückwanderung nichts zu verlieren haben. Die . hier nichts zuzusetzen haben, kehren natürlich noch viel leichter zurück, sobald sie nur das Reisegeld erschwingen." Diese Aeußerungen sind höchst bedeutsam. Sie bestätigen nämlich das, was die wenigen schon seit Jahren behauptet haben, die wirklich Ueberblick über die Zustände in der Judcnheit besitzen. Sie betrachteten von jeher die jüdischen .Kolonien in Argentinien als nicht zukunstsfähig. Die 25V Millionen Francs-Stiftung, mit denen Baron Moritz Hirsch die „Jewish Colonisation Association (Jca)" ins Leben rief, zeitigten nur Ergebnisse, wie sie mit solch gewaltigen Summen immerhin erreicht werden mußten; das großzügige und großherzige Wollen eines Mannes, der ein Stück jüdische Zukunft schaffen wollte, ließ sich nicht in die Wirklichkeit umsetzen. Den Grund hierfür gab die Nichtbeachtung der Tatsache, daß wir Juden eine Volksgemeinschaft sind. Wenn man einige tausend mittel- und heimatlose Juden irgendwohin versetzt nur unter Berücksichtigung ihrer rein wirtschaftlichen Zukunft und die idealen Momente außer acht läßt, so kann dieses Vorhaben, so edel es auch gemeint ist, nicht gedeihen. Dies haben in ihrer mehr als zwanzigjährigen Geschichte die jüdischen Kolonien in Arlentinien bewiesen. Die Mittel waren in Fülle vorhanden, den Leuten alle Vorbedingungen für ihren wirtschaftlichen Aufschwung zu geben. Und doch wollten diese Kolonien nie blühen und 'ihre Bewohner nie glücklich werden, vielmehr sie fühlten stets ein unstillbares Verlangen nach draußen. Das gleiche Bild zeigt sich überall dort, ivo keine kompakte jüdische Masse, kein jüdisches Milieu vorhanden ist. So bei uns in Deutschland. Auch hier ist z. B. viel Geld und Kraft für die Ueberführung von Juden zur Landwirtschaft aufgewendet worden, aber die Jndenheit als solche hatte nur selten Gewinn davon, denn die Zöglinge dieser Anstalten haben meist in der nichtjüdischen Umgebung, in die sie nach dem Verlassen dieser Anstalten kommen mußten, den Rest ihrer elterlichen Ucberliefernng noch verloren. Dabei liegen die Bedingungen in Ländern, in denen die Judenheit eine vielhunderljährige Geschichte hat, viel günstiger als in Argentinien, einem Lande ohne eine solche Geschichte. Es gibt eben Imponderabilien, die mächtiger sind als die Sicherstellung der Sorge um das tägliche Brot. Ter- Aermste, wenn er mir Geist har und versteht, einen Gedanken in einer Masse von Menschen lebendig werden zu lassen, kann seine Absichten zur Wirklichkeit reifen sehen: — doch der Millionenfürst muß trotz des größten WoUeus auf die Befriedigung verzichten, mit der Macht seines Geldes seine idealen Gedanken zu verwirklichen, wenn er es. unterläßt, sich um die

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