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Neue jüdische Presse · 1918-01-25 · Heft 4 (25.1.1918) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
16 (1918)
Issue
Heft 4 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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S*r 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. Me Sinnen, daß ich's gar nicht aushalr Mer Sabbat, wenn nicht die ganze K'hilla, gleich weiß, daß ich streben möcht für jed' Löckchen in dein glänzenden Antlitz meines Kosminers!" Aber welch ein Erschrecken folgte diesem Ausruf! Auf dem Stein vor der Mikwe seitwärts der Tür im Schatten saßen die beiden Bachurinl noch und hatten alles, alles gehört. Sic sprangen auf. Golde, dem Umsinkcn nahe, wurde vom Zempelburger aufgefangeii, Vögele, mit einem Schrei aufspringend, stand dem Kosmincr einen' Augenblick fast drohend zornig gegenüber. Was. sie der ganzen Welt eben gestehen wollte, das sollte er, das durfte er aus ihrem Munde nicht so erfahren. — Aber er hatte sic trotzdem mit beiden Armen umfaßt, so daß ihr nichts übrig blieb als die schnell wicdergekchrte Schalkhaftigkeit ihres ganzen Wesens. „So?" rief sic und versuchte nur schwach, sich aus seinen Armen zu befreien, „was seid ihr mir für ein frommer Bachur, daß ihr uns Mädchen so erschreckt, als wär's eine Sünde, wenn mir herauskommcn, um das Mondlicht zu begrüßen." „Wohl ist's eine Sünde," cntgcncte der Kosminer, „wenn ihr am Sabbat in den Mond hinein blickt! Löscht euer Auge sein Helles Licht aus!" „Charifchen," entgegnete sie spottend, „seid ihr so fromm, wie dürft ihr am Sabbat versuchen, die Flamme der Schmeichelei in meinem Herzen zu entzünden!" Der arme Bachur fühlte sich zurückgeschlagen; durch einen Scherz zwar; aber er sah, daß er solchen! Wesen gegenüber von der Kraft seines Armes keinen Gebrauch machen konnte. — Er ließ sie nun frei unh sprach im Tone ernster Anbetung: „Lichtes Wesen, mit meinem Arme kann ich dich zwingen und halten; aber wie fasse ich, halte ich deinen Geist, der so hell ist wie die Sonne!" „O. geht doch," sagte Vögele sanftmütig: „Gegen den Mond habt ihr schon gesündigt, und nun vergeht ihr euch gar auch gegen die lichte liebe Sonne." „Ach!" rief er ans: „ich ivciß nicht, ob ich mich nicht gegen alles, alles versündigen könnt'!" „Da soll ja Gott im siebenten Himinel sich erbarmen! Ihr sprecht ja, daß man euch müßte den Mund znhalten!" Und hierbei kam ihr Händchen dem Ätnnde so nahe,- so nahe, daß. er es ergriff und mit Inbrunst an die Lippen preßte. WaS half's? Ein sündiger Mund ist gar nicht so leicht zu stillen. Wohl hatte sie es schon mit beiden Händen versucht; aber die sündhaften Worte gegen die gute Sonne, gegen den lieben Mond, gegen alle lichten Sterne, gegen den großen Himmel, gegen die weite Erde wollten gar kein Ende nehmen; nutz als er einmal ihre beiden Hände wieder gefaßt hatte, und mit einem Beben, das ans den innersten Stürmen einer in Flammen geratenen Seele entsprang, ansrief: „Wenn ich deinen Namen nenne, möcht' ich hinfallen auf die Knie, wie all die Priester und all das Volk, wenn sic hörten aussprcchen den einen Namen, den Erhabenen, den Heiligen und den Reinen!" — da erschrak die Arme so wegen dieser Sünde, daß sie mit Beben den Mund des Frevlers schloß und so schloß, daß er der Sprache und der Sinne für eine Weile gar nicht mehr mächtig >var und als er dann anfblickte, nur sah, daß sie ihm entflohen war. Der Zempelburger geleitete Golde noch einen Schritt in den Flur hinein. „Und du glaubst so ganz an mich, du herziges Herz!" fragte er sie mit einem Händedruck. „Ja!" sagte Golde, „ganz, ganz glaub ich an euch!" — entzog ihm sanft die Hand und folgte ihrer Schwester. Es war Samstag morgen iir der Schul'. Reü Noach Brall, der neben der Thorarolle als Vorsteher dastand, stutzte, als er erfuhr, daß der Zempelburger Bachur sich freiwillig gemeldet hatte, zur Thora hinzuzutreten; allein er ahnte, nach dem, was er am gestrigen Abend noch von seinem lieben Weibe erfuhr, den Zusammenhang und gestattete mit einem Lächeln, das dem Synagogendiener nicht gefiel, diese Neuerung. Als daher der Vorbeter statt Reb Chaim den Bachur zur Thora anfrief und dieser dem Rufe mit aller Ruhe folgte, erhob sich ein solches Murren während der Vorlesung, daß der in üblicher Weise mit sehr leiser Stimme gehaltene Vortrag all' der Strafandrohungen fast völlig dem Ohr der Gemeinde verloren ging. Unter diesen Uniständen war die herrschende Stimmung in der Gemeinde ans den vom Rabbi angckündigten gelehrten Bortrag ganz besonders gespannt; und wir dürfen versichern, daß Reb Jizchak Reb Simchas init Ehren die großen Anforderungen auch heute erfüllte, die der Stolz unserer K'hilla an ihn zu stellen berechtigt ivar. Der gelehrte Mann gab ein Kunstwerk zum besten, das leider der Nachwelt nicht in unveränderter Form erhalten werden ist. welches sich aber würdig all den Produkten feiner Zeitgenossen anreiht, deren höchster Genuß darin bestand. Fragen über unerklärliche Bibelvcrse übereinander aufzugipfeln, bis ei» ganzer Turin solch >r Fragen entstand, der dann eiütlich ebenso künstlich auseinander zu» echtgelegt wurde zum Ergötzen all' derer, denen nichts in der Welt über ein „gleich Wörtchen" ging. Die gute fromme K'hilla! Seit langen Zeiten war kein Ereignis von solch erschütternder Wirkung daselbst vorgekv'.nmen, und v»n solch wohltuendem Einfluß war lange Zeit kein Vortrag gewesen. Niemand aber kehrte ans der Synagoge seliger Heim als Reb Chaim. Sein altes Antlitz leuchtete derart, daß Golde sich nicht der Tränen enthalten konnte, els er sie segnete. Auch Vögele war sehr erschüttert, als sie de» Vater eilig nach de»! geliebten Sch'loh hackodausch greisen sah, um seine Rührung zu verbergen. Der gute Reb Chaini.' Er hatte in seine» Dicken Folianten alles gefunden, roas er je gesucht hatte; er war fest überzeugt, daß auch sein wahrster Wohltäter, der Zempelburger, irgend wo im Sch'loh hackodausch stecke, und daß er ihn nur jetzt nicht finde, weil ihn die Freudentränen verhinderten, die rechten Worte zu lesen! Es war rührend zu sehen, wie eifrig er sich die Augen wischte, und >vie beharrlich er ihn suchte, und wie er sich endlich sagte: „Ich werde heute die ganze Nacht Blatt für Blatt durchgehen, und mit Gottes Hilf' iverde ich ihn schon auffinden." — 2, gewiß, du guter Reb Chaim, du findest ihn recht bald auf! (Ksrtsetzung folgt.) I «rnwraax e. as? reasra iä (iu&unB ffitüTaBKnsQ, pewährtuie TsgalskrsisimesB (100,000 r» jährlich}! |mvi« nlbirtmiHn Betoadararslalgiini mittelst! Drmcktaft nad Wasser dampf. W»che«-Sslr«tzrr. Samstag, 56. Januar (= 13. Schewat) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 4U Min. — Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. ß Uhr, in Berlin 5 Uhr 25 Min. Wvchenabschnitt: Beschalach. — Verfolgung des BvlÄitz Israel durch Pharao. Pharaos and seines Heeres Tod im Schilfmeer. Das Siegeslied. Die bitteren Wasser von Mara. Das Murren des Doltbs'. Auralek. Montag: Chamischo-Osor -b'Schwak. Sabbatgottesdienst in Frankfurt. Freitag abend 4 Uhr 35 Min. in den meisten Synagogen (Königsteinerstraße 6 Uhr, Hauptsynagvge 4% Uhr). »*m9toa früh ty* Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsynagoge S.Uhr, Königsteinerstraße 8y» Uhr). Wochengottesdienft in Frankfurt. Morgens 7 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau, Hauptsynagoge, Königstrinerstr. Uhr). Abends 44/» Uhr in den meisten Slinagogen (Königstrinerstr. 6 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr). Berei«K-Saleir-er. Zionistische Jngendgruppe. Irden Mittwoch, 8«*, Uhr, findet ein Lesrabeud im Cafü Haumwache statt. Donnerstag, 8»/- Uhr, Kaffee Hauptwache: Achab Haam (B. Wahrmann). Dm Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaaire Zedek“ zu Jerusalem bittet für seine Kran.U, en. •rgaaisatiea reis auropäisch. Iselierhäuser für Ansteckende. Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden, hält sich fir gewissenhaft® TTeberaahme von Stiftungen empfehlen. Setten-, Zimmer-, Jahrzeit-, Briefe au richte» aaeh Röderbergweg 88. Geschäftsleitung: Frankfurt am Main. P*stseke«kk«ato Ne. 7785 Frkft. a M. Credenktafel - {Stiftungen. Man fordere die Bedingungen ein Cresncfet für Kriegswirtscheft der Getreideand Landespredmkten branche brancheknndlgen V /»tmgam Maas -W» für Reise u. Bnrean, er. Kriegsbeschädigter. Offert, m. Angabe der Gehidtsanipracbe am Meier Neuhof, Sehttehtern, Be*. Kassel. putz. Lehrmädthen bei steigender Tergfltaag gesacht« Sameteg frei. AmaOleSLatB Bergeratraase 16 II. Studentin au# bester Familie möchte während der Ferien, Februar, März, April, Posten alS annehmen. Offert, u. W« SS an di» Exp. bfS. Al- Sehwancastraue 6, 1. Stock anssergewöhnlich giesse C Zimmer - Wohnung mit Balken, Bad etc. sofort za ▼ermietea. Näheres im Eekhden bei Monchhiusor, Obermain-Anlage 16. _ Imnd findüftpsmal findet Stellung. StclItmTenaittlug d. weibl. Fttrsorgt, Langestr. 3»p. Yrknihnurhim und uUuElOuIudlUlflEa, gebnachte Ffbnft Frankfurt m. ■«, LllCll, Gr. Eschenheimerotr. 2. — Reparatar- Werkstätte. — Nachhilfeunterricht für Schüler mittlerer u. höherer Schulen in klein. Prwatzirkrln und Einzelunterricht, erteilt M. Oppenheimer, Lehrer, IWitrScTgtteg 2t- Sach* für meine Tochter, Mitte 30., sehr tüchtig im Geschäft und Haushalt, sparsam a. etwas Mitgift, passende Partie Witwer mit 1 Kind nicht ausgeschlossen. Offerten unter 2531 an die Xxped. da. Blattes. 281284

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