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Neue jüdische Presse · 1917-12-28 · Heft 49 (28.12.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 49 (28.12.1917)
Date
1917-12-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ZK 4- F«mG»ter Zfr«titWeS Fa»Si«ülatt. r3 «Big empfundenen Laute der hebräischen, ergreifendere klagehymne über den Verlust des heimatlichen Bodens jandeu im Publikum lebhaften, Widerhall. Tie Herren O. Ebelsbacher und Großmann entledigten, der üne im ernsten, der andere im humoristischen Bortrag sich ihrer Aufgabe in kunstvoller Weise. Namentlich die Meister- Jüdte: Wenn nicht noch höher von Perez und Schalam Aechems Besuch in Berditschew übten ihre bezaubernde Wirkung aus. Für den genußreichen und kunstreichen Llbend ,, dem Vorstand bestens gÄänkt. Milleton. vögele tzer Maggid. Bon Aron David N e r n st e i n. (Kertschnng.) Bon welcher Seite man sich auch der K'hilla naht man komme über die Weichsel im Süden oder über Sandberg, im Westen oder über, den Begräünisort im iVorbeft oder von zwischen den Scheunen her im Osten —, man wird an jedem gewöhnlichen Wochentag meinen, in Anrazoncnreich. zu betreten, das nur von Frauen agiert wird. Wäre Lecser Schlapp nicht allenthalben ins der Straße zu sehen oder doch mindestens zu hören, md ginge nicht dann und wann einmal ein Bachur iber die Gasse, könnte man auf die Vermutung kommen, »ß das Geschlecht der Männer vertilgt sei von der 8rde. Aber am Freitag löst sich das Rätsel. Die Männer ind seit Sonntag hinaus aufs Land. Nicht etwa, um >em Gewühlc der Stadt zu entfliehen und der Ueppig-, eit des Landlebens sich hinzugeben, sondern um draußen uf den Dörfern, Gütern oder Baucrngchösten ein bishen Tuch oder Kattun, oder Stricknadeln oder Hosenrager oder rote Bändek und Schmucksachen, die den danS in den Augen der Christel und die Christel in den lugen des Hans wohlgefällig machen, zu verkaufen und »für ein bischen Wolle, oder Felle, oder Leder, oder Lchweineborsten, oder Hörner, oder Wachs, oder Honig, >der Talg, vder Federn und was, sonst Reb Noach Brall verwerten kann, cinzukaufen. Die Stadt bleibt die Woche iber unter der Obhut der Weiber und der Kinder ehr wohl aufgehoben. ■ Die paar Männer, die nicht mfs Land gehe», können durchaus nicht über ein all- ' uböscs Weiberrcgiment in den Tagen der Woche klagen!lber am Freitag, da. zieht,, ein Vorbild der Zeit des Ncssias, in der die große Posaune wird gehört werden ln allen vier Ecken der Erde, die männliche Bevölkerung an über der Weichsel und über den Sandberg, von inter dem Begräbnisort und von zwischen den Scheunen sieder heim, und es ist ein Gewimmel und ein Gc-- ümmcl von allen Seiten her, daß, so weit man den llick auch über den Horizont schweifen läßt, man nichts ieht als Himmel und „Juden". Auch einige Christen wohnen hin und wieder zertreut unter ihnen; aber daß wir es nur zur Beschönung aller christlichen Germanen sagen, in unserm jünsch-orientalischen Staat oder richtiger Städtchen hatten te paar Christen durchaus keine Ursache, über Glaubensaß zu klagen. Sie waren vollständig emanzipiert, noch äuge vorher emanzipiert, ehe die Nationen rings herum eglückt wurden durch die Grundrechte, der Deutschen us Frankfurt am Main. Nur ein Christ lebte unter seinen völlig gleichgelellten Krüdern, der die Quelle religiöser Zwietracht war. - Sein Name war zwar Kerkow; aber der gute Wachtmeister versicherte bei jedem Schnäpschen, das er am Sabbat in Judenhäusern trank, daß er schon hinter die Geschichte kommen' werde! Der Name müsse fälsch sein, denn der Judenfeind müsse durchaus von Titus oder Haman oder Pharao abstammen und hintcrgehe die Obrigkeit durch strafwürdige Täuschungen. Was denn eigentlich. Kerkow wollte, war. schwer zu ermitteln. Die Emanzipation der Christen mar so vollständig in F., daß sogar einmal zwei der Raismänner christlichen Bekenntnisses ivaren. 'Man behauptete zwar später, als bereits die große Schandtat Kerkows, von der wir sprechen wollen, geschehen war, er habe, einmal geäußert, er werde sich für seinen Sonntag ebenso einen „Sonntag-Jüd" zum Einheizen, Wasfertragen u. dgl. wie die Juden einen „Schabbes-Goi" halten; aber wir nehmen Anstand, ihm solche Pläne ohne sichere Beweise zuzumuten, denn dieser Gedanke grenzt an Wahnwitz: welcher „Jüd" in F. würde sich dazu habe mißbrauchen lassen! Tatsache ist, daß Kerkow ursprünglich ein Grobschmied war, dann plötzlich mit dem Anspruch auftrat, als Schlosser zu gelten. In diesem Punkte gab ihm die K'hilla — wir wollen nicht sagen: mit Recht — nach, und ließ sogar von ihm das große Schloß an der Synagoge einmal reparieren. Aber sein Stotz kannte bald keine Grenzen; er wollte nun auch der Uhrmacher für die K'hilla Mn. Und hier griff er in die Religion ein;.' Die Uhren, die Kerkow reparierte, gingen untereinander in einem sehr verschiedenen Schritt; jedoch in der Masse glich sichs aus. Was die eine vorauflief, blieb die andere nach. Er hatte aber auch die Frechheit, zu verlangen, daß der Rabbi, Reb Jizchak Reb Simchas, seine Uhr bei ihm zur Reparatur geben sollen dies jedoch war eben die Uhr der Religion; nach ihr klopfte mam in die Schul', stand man zu Frühgebeten auf, begann gegen Abend den Sabbat und Festtag zu feiern, und genoß den ersten Bissen am Festtage, wenn der Himmel trübe über F. hing und kein Sternlicht zu sehen war. Diese Uhr konnte man seiner Hand nicht anvertrauen, ohne die Religion zu gefährden,'und darum faßte die schwarze Seele Kerkows einen Plan der Rache würdig seines Ahnherrn Hainau, denn es war-ihm nicht genug, wenn er sich au dem Rabbi hätte rächen können; eS sollte die ganze Gemeinde seine Bosheit fühlen. Um die Ruchlosigkeit in ihrer ganzen Fülle zu verstehen, müssen wir eben die ganze Gemeinde oder richtiger das Gebiet derselben ins Auge fassen, — und hierzu bietet uns nichts bessere Gelegenheit als der Eiruw. Was der Eiruw sei, brauchen wir hoffentlich nicht zu erklären; da aber gegenwärtig die elektrischen Telegraphen-Leitungen, diese Stangen mit Drähten verbunden, durch das Land gehen, und der Eiruw eigentlich deren getreues Vorbild ist, so steht zu befürchten, daß wohl mancher Unerfahrene einen Eiruw für eine telegraphische Leitung oder eine Telegraphen-Leitung für einen Eiruw ansehen könnte; und zur Meidung solchen Irrtums mögen die guten Leser eine kleine abschwcifendc Erklärung nicht übel deuten. Wir bedienen uns bei derselben nicht unserer eigenen Worte, sondern führen lieber eine historische > Szene vor, wie einst ein Rabbi in Frankfurt am Main dem gestrengen Herrn Senator Jenichen das Wesen des Eiruws deutlick inachte. (Fortsetzung folgt.) Otteabanber Druekliift-i Jft«nhaeha.HL TdefoalSS. (Auchta» mitFnonkf«rt}.| ewährteate TapplShrafniauiiB (100,000 qm jOriiefc)| so«ne unflbartroflena Battfadarnralnlgima Druckluft und WaautdamfL Soche«-Sale»-er. Samstag, 29. Dezember (== 14. Teures). Sabbat-Anfang in Frankfurt 4 Uhr 10 Min. — Sabbat-Ausgang in Frankfurt 5 Uhr 25 Min., in Berlin 4 Uhr 50 Mi». Wochenabschnitt: Was echi. — Jokobs Segen. Jakobs Tod. Josephs Tod. Wa»IMtU0tte»di«ujt i» I»AmIs»rt. 4ä»itag «toi» 4 Uhr in tot mSifta» «hnagage» (Maj» stünerstraße 8 Uhr). .BamLtag früh IP/i Uh« in tot meisten Synagogen Mach»» fynagoge 0 Uhr, Königsteinerstratzs V/a Uhr). Wochengattesdienst in Kranifirrt. Morgens 7 Uhr 10 Min. in den meisten Synagogen (Brckivvheim, Untrrlindau, Hauptfynagoge^ KSnigstehrerstn. Atoid» 4 Ahr in Ifen nsisten «ynaMM (UIi»q,MWW 8 Ahr). veretus-Saleuder. Talmud-Thora-Berein. Freitag abend: Vortrag Dr. Heinemann. Ar«»kf»rter Am»MrU»achrichte». Geboren. E. Tochter Theodor Guggenheim (Rapp), Eschenheimer Anlage 30. Barmizwos. Wfr. Löbenstein, Fasanenstr. 13; Ernst Brückner, Elkenbachstr. 28, Synagoge Börneplatz. — Max, Sohn von Dr. Jacob Feuchtwanger, Schwanenstr. 7; Mchcr Lieber, Obermainanlage 3, Synagoge Friedberger Anlage. - '; , Verlobte. Selma Stern, Hanauerlandstr. 32 mit Siegsr. Höxter, Grüneburgweg 94. — Jda Odenheimer, Antwerpen mit Sally Spangenthäl, Eckrnheimerlandstr. 52. AuswSrlige Famtüeimachrichte». Verlobte. Lili Plaut, Mainz mit Pgul Strauß, Nürnberg. j. Gestorben. Max Lehman», Grvß-Zimmern. — Allgemeine Mitteilungen. Der Winter, mit seinem Frost und seiner Kälte, hat feinen Einzug gehalten! Wohl Jedem, der durch :varmo Unter- und' Oberkleidung gegen seine Unbilden geschützt ist! Aber nicht Allen ist die Möglichkit gegeben, sich damit zn versehen. Wohl sind unsere Bestände — dank der Opferfrendigkeit und der Einsicht unserer Frankfurter Mitbürger — groß, aber viel größer -roch ist die Nachfrage! nach Kleidungsstücken jeder Art! : ' Darum ergeht heute von neuem unser Ruf an die vom Schicksal begünstigten: Helft uns an unserem Werk durch Ueberlassnng von Wäsche, Schnhwaren und Kleidungsstücken jeder Art! Ihr helft damit, die Pläne unserer unerbittlichen Feinde, uns durch wirtschaftliche Not mürbm zn machen, zu vernichten. Gebt uns, was Ihr irgend entbehren könnt! Gäbt uns auch sdlche Sachen, von denen Ihr annehmt, daß sie nicht mehr zu brauchen seien! I» unseren eigens dazu errichteten Wersitätten wird alles, selbst das unscheinbarste, wieder hergerichtet und gebrauchsfähig gemacht. Wir bitten, die Gegenstände in der Altkleiderfanrmelstelle (Große Friedbergergaffe25) ofiu zugeben. Es werden dafür Abgabebescheinigungen verabfolgt, auf Grund deren von der Bezugsscheinstelle Töpfeogasse, Bezugsscheine ansgestellt werden. Vas Allgemeine jüdische Krankenhaus „Schaare-Zedek“ zu Jerusalem bittet für seine Kranteen. . Organisation rein europäisch. Isolierhäuser für Ansteckende. GosehMftsleitling: Frankfurt am Main Aufnahme unterschiedslos für Alle. Höchste Anerkennung aller Behörden. 'Postscheckkonto No. 7785 Frkffc. a M. hält sieh für gewissenhafte Uebernahme von Stiftungen empfohlen. Bitten-, Zimmer-, Jahrzeit-, Credenktafel-itiftangen. Man fordere die Bedingungen ehr. Briefe zu richten nach Röderbergweg 63. )

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