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Neue jüdische Presse · 1917-11-30 · Heft 45 (30.11.1917) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 45 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I Seite 4. Frankfurter Israelitisches FamrlieMatt. Nr. 45 Bögele -er Maggid. Von'Lrou David Berrrfftein. F. . . - ist cm Städtchm an der Weichsel, .dessen Existevtz Lie KöKigl. Preußische GenerÄ-Prst-Karte vom Großherzogtum Posen Hinreichend verbürgt; sein. Ruf jedoch als K'hilla3) ruht auf besserer, auf historischer Basis, seine Berühmtheit wurzelt in der Geschichte der Vorväter, wessen sich Kind und Rind in der ganzen guten K'hilla mit großem Stolze bewußt ist. i Es ist nämlich Fdieselbe K'hilla, in welcher vor hundert Jahren ein sehr berühmter Chasan, Namens Ephraim Greidicker wirkte, dessen Synagogen-Lieder noch heutigen Tages die Schlummer-Arien jckes echten Wiegenkindes in F. sind. Die Behörde könnte diese rührenden Melodien als hinreichende Legitimation statt eines Geburtsatcstes aus F. brauchen; mindestens steht es fest, daß Jürer, dem diese sanften Töne ftemd sind, eher gar nicht als in F. geboren sein kann. Welch kaltherzigem Wesen diese Tatsache nicht Bürgschaft genug für die Berühmtheit unseres StWtchens ist, höre und wisse, daß vor etwa achtzig Jahren der ^Maggid"^) dort lebte der, wie jeder Mensch aus F. bestätigen wird, „von Eckweft bis Eckwelt nicht seines Gleichen hatte". In der Erinnerung an ihn war es in F. zum Sprichwort geworden: „Wenn er Buße predigte, fingen die Betpulte an zu zittern, und bei seinen Grabreden haben alle Leichensteine geweint." Darum war auch ein „Wörtchen" vom Maggid, Friede sei mit ihm, ein Honigseim für jedes K'hilla-Kind. Wer dergleichen nicht mit Enthusiasmus aufnahm, mußte von Fremdlingen in der Gemeinde herrühren. Ein drittes historisches Merkmal unseres Städtchens ist ein noch epochemachender zu nennen; denn nach diesem Ereignis wurde in Wirklichkeit gezählt. Das Ereignis war ein Brand und zwar ein großer Brand, in welchem das ganze Städtchen vor etwa vierzig Jahren drauf ging. Nicht das Besham8»rasch, nicht die liebe heilige Schul blich verschont, sogar das Haus des Herrn Bürgermeisters, das gar noch nicht nötig hatte, abgebrannt zu werden, ging auch in der al^emeinen Zerstörung unter. —«Nur die SRiftoe3) — und das war das größte Wunder, das F. weltberühmt machte — blieb stehen, und auch nicht eine einzige Schindel ihres Daches konnte vom Feuer.angegriffen werden. Als nach dem großen Elend des vielbesvrochenen Brandes der ganze sicher prophezeite Reichtum oer Gemeinde in den Geldern der Feuerassekuranz eintraf, wurde das Städtchen wiederum neu anfgebant und zwar in dem würdigen einfachen Baustvl, der das -Schöne mit dem Nützlichen verband und der ganzen Gemeinde die Uniform einer kleinen einstöckigen Kaserne verlieh. Nur vier Gebäude machten eine Ausnahme. Die heilige liebe Schul wurde in einer Schönheft aufgemauert, desgleichen die Well nicht gesehen hat. , Man trieb die Pracht hierin gar so weft, sich die nah und fern berühmten „Schnitzlet aus Kempen kommen zu lassen, um die heftige Lade-und das Borleserpult mü vergoldetem Schnitzwerk zu versehen. — Auch das Haus des Herrn Bürgermeisters" zeichnete sich beim Neubau durch ^inen zweften Stock aus, obgleich kein Mensch in F. begreifen konnte, wozu man sich eine Wohnung Wer der andern erbaut, um auf einer Treppe dort hinaufzusteigen, wenn man. so bequem im Erdgeschoß wohnen käirn. Doch der Bürgermeister tat es und die Gemeinde mußte schweigen- — Nicht so ganz schweigsam verhiell sich die Welt in F., als sie sah, daß sich der reichste Mann der K'hilla, Reb Noach Brall, auch ein zweistöckiges Haus aufrichte. War er auch der Aw» gesehendste in der Gemeftche und durch seinen Reichtum berechtigt zu allen äußerlichen Würden, so mochte man ihm Doch diesen Luxus nicht verzeihen, zumal er bereits sechs Jahre kinderlos mü seiner schönen Frau Täubchen lebte und eigentlich nicht viel, aus den vier Pfählen seiner -Stube im Erdgeschoß herauskam. - Zeichrreten sich diese drei Gebäude nach dem Brande zum Borteft vor der Uniform des ganzen Städtchens aus, so machte die wunderreiche Mikwe, so' hochgepriesen sie auch-in .der ersteu Zell war, eine seltsame nrü» etwas sehr verfallende Ausnahme. Aber ihr Ruhm, der Ruhm einer -von keiner. Flamme antastbaren Mftwe, verblieb noch lange Jahre nach dem Brande und gehörte zu den 3).'Jüdische Gemeinde. Prediger, gtebner. les Tauchbad. Dingen, auf welche jedes Kind ans dev K'hilla mit Recht stotz> war. Zu all den Berühmtheiten aber kam nach dem Brande noch der Umstand, daß die Gemeinde sich nach heftigen Parteikämpfen entschloß, einen Rabbi zu wählen. Der Rabbi richtete eine talmudische Hochschule ein, und di: Stadt bevölkerte sich in Folge dessen mftmehr als füntzehn Bachurim und erhielt dadurch einen' treuen erhabenen Glanz. Aus dem mittler auferbauten Beshamidrasch, das gegenüber der berühmten Mikwe stand, erhob sich demnach in der Zeft, in welcher unsere-Geschichte spielt, ein Dust der Gelehrsamkeit Wer Hie ganze Stadt, so daß die Erhaltung der Bachurim, die eben der armen Gemeinde nicht leicht ward, doch ein fteudiges Opfer war, daß die Einwohner gern darbrachten. Es war an einem sonnenhellen Nachmittag in der Mitte des üef ernsten Monat Elul, als zwei Bachurim allein im Beshamidrasch saßen, denn diese Stunde war eben nicht die des allgemeinen Studierens. Im Monat Elul, in der heftigen Zeit, in der die Posaune schon mahnt an die Sünden der Menschen, war das Beshamidrasck in den einsamen Stunden der Nacht belebter als an den Nachmittagen. Heute besonders, an einem Donnerstag, gebot die Sitte der Schule, die Nacht hindurch gar fleißig zu lernen, so daß selbst der Rabbi erst spät gegen das Besver-Gebet in dieser Werkstatt seiner geistigen Produküoncn zu erscheinen pflegte. Die beiücn heutigen Insassen dieser Stätte hatten zwar vor sich große Folianten aufgeschlagen, auch wiegten sie sich im andächtigsten Summen der Melodie, in der der Talyruü gelesen wird, unter leichtem Schaukeln hin und her; allein oi: nachlässige Bewegung ihres Oberleibes und das Summen ihres Gesanges würde auch den weniger Eingeweihten schon verraten haben, daß sie nicht die schwierigen Probleme des Talmuds sannen. Wer schärfer Hinblicken konnte, würde sogar wahrgenommen haben, daß die Folianten nur zum Schein aufgeschlagen seien; denn der eine der Bachurim, ein lleincr Mensch mft dem blühenden AnÜitz der Jugend, Wer dessen ansprosjenden Bart nocki nicht die „Zwickscheere" gefahren, hatte einige geschriebene Blätter in jüdischen Schristlettern vor sich, aus die sein Blick mit besonderer Glut geheftet war; und wenn er das Auge von dieser Schrift anffchlug, flog der Blick offenbar hinaus zum Fenster und drüben .hinüber nach den sehr lleinen Scheiben der wundersamen Mikwe. Der zweite Bachür, älter als sein Genosse und von bleicherer und sorgenvollerer Gesichtsfarbe, schien noch minder andächtig dem Folianten zuzusprechcn. Er hatte zwischen den Händen.halb verborgen ein Buch von einer Kleinheit, wie es in Händen von Bachurim sonst selten ist; ein Buch, in das er sich sehr vertieft zu haben schien, und das offenbar sein höchstes Entzücken erregte, das er aber ganz unzweifelhaft um jtt>en Preis den Blicken eines Lauschers entziehen mochte; denn es war ein verbotenes Buch, es war — daß wir's nur sagen — es war ein Buch mft deutschen Lettern. Daß sic trotzdem den äußern Anschein des Studierens in Bewegung des Leibes und in ihrer wehmütigen Singweise zu wahren trachteten, geschah ohne Zweifel nur, um einen unberufenen Lauscher zu täuschen und die Gedanken und Gefühle zu verdecken, die ihre Seele erfüllten. — „Zenchelburger", begann der Jüngere nach einer Pause, in welcher er sorgfältig die geschriebenen Blättchen zusammenrollte und in einem Aermel verbarg, „siehst Du sie?" Der Zempelburger blickte mü seinen großen Augen von dem BuchL auf und ließ dieselben hinüber auf die Scheibchen der Mikwe schweifen: „Ich Hab sie noch nicht gesehen; aber ihre Hand hat eben die Scheiben abgewischt. Sie wird kommen!" „Golde witt» kommen!" sagte Der Jüngere,' den wrr nach der Sitte der Bachurim ebenfalls nach seiner Vaterstadt, den Kosminer nennen wollen: „Golde wird kommen," wiederholte er mft einem ttefen Seufzer; „von Vögele Hab' ich noch keine Spur erblickt." Nach diesem kurzen Gespräch trat eine Pause ein, in welcher beide wieder in das Wiegen des Körpers und in den singenden Ton des Lernens verfielen; denn von draußen her in der schmalen Gasse vernahm man den merkwürdigen Doppelschritt von Leeser Schlapp, einem Manne, der jahraus jahrein wegen seines schlimmen Fußes stets in einem Stiesel und einem Pantoffel einherschritt, und der. wegen seines bösen Mundes die gcfürchteste Erscheinung in der Gemeinde war. . - ' Leeser Schlapp nahte wirklich und streckte sein Gesicht an die niedrigen Fenster des-Beshamidrasch. Als-beide Bachurim hierauf einen Augenblick .inne hielten''und den gefürchteten Gast durch die Scheiben ansahen, verzerrte sich sein Gesicht zu einem bösen Lachen. „Da sieht man", ries er laut hinein: „die heutige Welt! Die Bachurim fitzen im Beshamidrasch, aber sie lassen nicht einmal den Gesang vom Lernen hören!" Unwillkürlich wollten Heide, in ihrem Gewissen getroffen, diese Melodien hören lassen; allein an, den lleinen Scheiben drüben in der Mikwe ließen sich . .in> selben Augenblicks wahrscheinlich angelockt--von Lxesers Stimme, zwei jugendliche Gesichter blichM,der:n »Erscheinen die', jungen Menschen wieder wiÄer/verstummen machte. Da jedoch die Gesichter schnE /wieder ver- .schwanden und Leeser immer noch auf die Melodie zu warten schien, hoben sie. nun mft munterer Stimme und offenbar , in aufgeregter Stimmung laut die Texte aus ihren Folianten zu rezftieren an und fuhren darin so kräfttg fort, daß sie die schmähenden Worte Leesers nicht Hörten, mit welchen er seinen denkivürdigen Doppelschritt in die Gasse hinein begleüete. Wieder trat eine Pause ein, in welcher fie beide seufzend aus das wunderreiche Gebäude gegenüber hinblickten. Die Flammen in den Augen des jungen Kosminer waren dabei so gewaltig, daß man für das arme Häuschen hätte Gefahr darin erblicken können, stünde es nicht fest, daß gerade dieses mft Schindeln gedeckte Gebäude feuersicherer sei als alle Bauwerke der Welt. . Endlich nach langem Harren öffnete sich die niedrige Türe, und nicht Goü>e, sondern die schlanke Bögele trat heraus. Das Angesicht des Kosminers verriet ein Entzücken, das» nur die Liebe zu erzeugen vermag; jeooch gemischt mit einer Verlegenheft, die hinreichend zeigte, wie seine Liebe noch in jenem Stadium sei, wo fie nur erst stummer Anbetung und keines Wortes mächtig ist. Offenbar machte Vögele Vorbereftungen ins Beshamidrasch einzutreten. Sie hatte in Papier eingewickelt etwa ein Dutzend Talglichter in der Hand; diese legte sie auf den großen Stein vor der Mikwe nieder. Der Kosminer sah nun in stftler Anbetung, wie Vögele gar züchtig das „Brusttüchel" von den Schultern abnahm, um ihren bloßen Kopf damit einzuhüllen; denn obwohl ihr nußbraunes Haar sich in einem fürstlichen Palaste nicht hätte zu schämen brauchen, gebot doch der fromme Anstand, baß sie nicht mit entblößtem Haupte ins Beshamidrasch treke, wo die Bachurim und die liebe» heiligen Bücher waren. Das Brusttüchel verdeckte nun die zierlichen Flechten ihres Kopfes; aber es enthüllte eben dadurch halb die ärmlich gelleidete, überaus liebliche und schlanke Gestalt des jungen Kindes. ', Der Zempelburger ließ den Kopf ttef in seinen Folianten sinken. Es war heute nicht Golde, wie er mit der ganzen abergläubischen Zuversicht der Liebe erwartet hatte; es war Vögele, die herüberkam. Mft einem ttefen Seufzer begann er laut seinen' Text, während der Kosininer mit Herzpochen die Trftte der HerWerschrettenden zählte und bei ihrem wirklichen Eintrftt in das Beshamidrasch aufsprang um ihr in glühendster Verlegenheit entgegenzugehen. „Bachur", sagte Vögele mit weit geringerer Verlegeicheit zu dem vor ihr Stehenden: „da sind die Hälfte der Lichter für das Beshamidrasch. Sie sind heut ein bischen spät fertig geworden." Der Kosminer streckte seine Hand aus, um die Lichter zu empfangen; unwillkürlich berührten sich die Finger des jungen Paares. Dem Kosminer wurde so wunderbar hierbei zu Mute, daß er sofort vergaß, was er sagen wollte; nur mit Stottern vermöchte er die Worte hervorzubringen: * „Vögelchen, Ihre Hand" — — „Ist treife" — siel ihm Vögele schalkhaft schnell ins Wort, indem sie ihre in der Tat von den Talglichtern glänzenden Fingern dabei besah. „O nein, bewahre!" rief der Kosminer in bitterster Verlegenheit und im Tone halber Verzweiflung aus, denn ihm schwebte etwas ganz anderes vor, was 'er sagen wollte. Gewiß hätte er auch noch das richtige Wort dafür gesunden, wenn ihm Vögele nur Zeft gelassen hätte: allein sie hatte offenbar noch etwas anderes zu bestellen. Sie blickte mft einem ebenso klugen als schalkhaften Blick auf den Zempelburger, der seinen Kopf noch immer hinter den Folianten, verbarg und sagte mit etwas lauterer' Stimme: „Die änderen Lichter wird Golde ball) herüberbringen!" Der Kosminer stand noch in seiner üefsten Betroffenheit da, als Vögele schon wieder zur Tür hingetrete» tvar und der Zempelburger auf ihre letzten Worte den Folianten von sich^schob und' mü einem frohen AnÜitz an die Seite seines Kollegen uick Liebesgenossen trat. . (Fortsetzung folgt.) Jnr Laz gen und S ete angekom Anna P< noch sieber -fen), saß t itj ins i Tel Maria ieife'fürdie traten.- Es lnangenehm« Anna P jrauen verli Ater ihren Sie rief ,Hören ' jissen Sie, ier! .'. ." „Was?" ,Mas! efindet sich dienst erwie „Jchvei «gen." - ,Me? ch verstehe ß Der Se logischen B tändnis aus „Selbst! «sonders ff „einen. . Pr. 45 „Anna md jetzt mi .Nun n ür soll man Anna 3 »Ja, n, »achte am l Vas ist eine mrd. Man cher, der u ' «Im er „Man i ' „Sofor ' Maria t drückte xine Ir „Das i Als sie die langen, phieren lass Anna [ gnügt. Tie B;Welchl „Der k herzige Sch Der G tigem, ersch urigerKran ,Mas „Man »A, d> Anna 5 ein paarm Petrvwna ' .«3ß m ,D«mkl „Sieh, alles. Will Sie ihm Z geben, dan einen Fuß Sie be steuz erhal Der E ganze Erzc Der § ihn auf sei Feuer hind er selbst a sehr weh c den Komm zusammen, geschwächt. «Das Maria Pet sein eigene ' «Ja" Me: ,Ha Erstaunlrch Uns bald neue Schl , «Für der Georg! ^«3°, recht zu v< ' „Best, Saldatlein ,Mus *) D< Krjegsaus vvckeM .

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