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Neue jüdische Presse · 1917-11-23 · Heft 44 (23.11.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 44 (23.11.1917)
Date
1917-11-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Frankfurter ZsraeütiWes FamilienAatt. Nr. 44. J£. T. Äodehan, Herrenschneider Frankfurt a. Hain, Fried enggtrasse No. 1 Telephon: 'BSmer 3650. FEISTSTE MASS-SCHSTEIDEBEI. Auf 'Wunsch koschere Verarbeitung. Frankfurter Berichte. Berel« „Tifereth vachurtm.' Am 11. November eröffnete der Verein seine Wintertätigkeit. Der gut besuchte Bortrag wurde durch! eine kurze - Ansprache des Vorsitzenden Wilhelm Rosen eingcleitet, der einen Rückblick aus die Ereignisse des Weltkrieges für die Juden gab und zum Schluß für den für das Vaterland gefallenen früheren 1. Vorsitzenden Hermann Goldschmidt s. A. rühmende Worte des Nachrufs hielt. In dem darauf folgenden Vortrag entwarf stud. Phil. Hch. Speyer ein Lebensbild des großen jüd. Geschichts- Historikers Graetz und schilderte neben dem Lebenslauf die einzelnen Werke Graetz in klaren Md eindrucksvollen Worten. Dem mit großem Beifall ausgenommen«» Vortrag folgte der Wunsch, recht bald weitere Vortragsabende folgen zu lassen. HimS-Einweihung ' Die Stiftung für gebrechliche oder verwahrloste bedürftige 1fr. Kindckr E. D. beging am 14. d. Mtz. die Einweihung ihrer neuen im eigenen Haust Bleichstraße 8 hier belegenen Räume. Nachdem die Vorsitzende Frau Metzger die zahlreich erschienenen Gäste, unter ihnen Vertreter von hiesigen Kindmhorten, begrüßt hatte, hielt Direktor Dr. Adler die Festrede, in der er einen Ueberblick über die mehr -als 30 jährige Geschichte der Stiftung gab und die segensreiche Wirksamkeit des von der Stiftung begründeten Hortes schilderte. Der.Hort gewährt etwa 150 Kindern täglich einen Aufenthalt von 3—4 Stunden; die Kinder fertigen unter fachmannigm Aufsicht ihre Schularbeiten an, üben sich in allerlei Handarbeiten, lesen oder spielen und erhalten auch enllprähiende Verpflegung. Nachdem die Hortkinder einige Lieder vorgetragen hatten, besichtigten die Gäste die neuen Räume sowie den zum Haust gehörenden großen Garten und überzeugten sich, daß alle Räume in ihrer gesamten Einrichtimg und Ausstattung den Zwecken eines Kinderhortes zu dienen auf das beste geeignet sind. In französischer Gefangenschaft. 3. Bericht. Das Fort Pentievre, um 1840°. erbaut, ist ein kasernenartiges Haus, auf einer Anhöhe gelegen, mit herrlicher Aussicht auf den Atlantischen Ozean. Wer auch diesen Geruch der Bewunderung der schönen Natur untersagt man den Kriegsgefangenen und verbietet mit Androhung von Strafen, eine« Blick über die das' Fort umgebende, etwa 150 Meter hohe Festungsmauer zu tun. Die Verhinderung dieses unschuldigen Vergnügens ist weiter nichts als Schwane und Quälerei, um das Märtyrertum der schon ohnÄnes psychisch stark leidenden Menschen noch zu steigern. Wie behutsam von den französischen Vorgesetzten ans diqes kleinliche Verbot geachtet »wurde, ergibt sich z. B. daraus, daß bei Sonnenbäder», die Ms Anordtmng des Arztes auf dem flachen Dache des Gebäudes vorgeuommen wurden, ein Posten mit aufgepslanztem Bajonet zur Bewachung nritgegeben wurde. Zum Ruhme dieser alte« LanLsturmleute muß allerdings gesagt werden, daß ihnen' das nötige VerstLidnis für. Durchführung solch widersinniger Bmbote fehlte, und daß sie es meist vorzogen, ihre Knarre in eine Ecke zu stellen und sich selbst einem süßen Schläfchen hinzugeben. . ° Diese ergrauten Krieger legten uns auch sonst keine Schwierigkeiten in den Weg. (£§ waren Bauern der Bretagne von einer ganz niederen Bildungsstufe, die, znm T«l weder lesen noch Schreiben konnten, ziemlich interesselos den Tagesereignissen gegenüber standen und Angen und Ohren aufspannten, wenn wir ihnen von den Vorgängen an den Fronten erzählten. In den Köpfen dieser Leute stellte sich auch, der Feldzug 1870/71 als ein Sieg Frankreichs dar, und sie ließen sich, von der ihnen eingepaickten Geschichtsfälsch ung durch keine Ueberredungskunst abbringen. Mögen sie diese Meinung mit ins Grab Nehmen. Ans kann es nur recht stur, wenn die französische Republik ihre Politik ans Verdummung der niederen Vollskreise aufbant. In diesem Bestr^en wird sie von der Presst und besonders' von den Provinzblattern gut sekundiert, die an Verdrehung und Verhetzung den Gipstl des möglichen leisten. / Untergebracht waren wir in den Kasematten des Forts, die je nach Größe 20 oder 30 Münn beherbergten. Wenn »Me Transporte ankamen oder Verschlungen der Gefangenen von einem Depot zum andern stattfanden, erfuhr diese Zahl eine beträchtliche Steigerung, und man mutzte den einem zugewiesenen Platz mit noch einem anderen! teilen. Wenn wir. so die Nachte manchesmal in fürchterlicher Enge verbringen mutzten, so war man doch zufrieden, in den mit dicken Mauern versehenen Räumlichkeiten wenigstens einen guten Schutz gegen die an der Küste oft - nrwLndig tobenden Elemente zu haben. M KaffeeRuhland j . Kaiseratrasse 56 j Kaiseretraase 56 TSgUch erstklassige HF* UntedtpltangsmiiBlk' '°M> : Gesangs . Einlagen. Diese bescheidenen Vorzüge des .Lagers stellen aber auch das einzig Rühmenstverte dar, das man selbst bei bestem Willen an dessen Zuständen feststellen kamr. Die sanitären Einrichtungen spotten auch hier jeder Beschreibung. Als Worte dienten offene Kübel, deren Inhalt täglich einmal morgens hei Ebbe ans den Strand des Meeres enlleert wurde, nachdem er tagsüber und besonders in der heißen Jahreszeit die Luft verpestet hatte. Wasser wurde in Fässern herbeigeschafst; der Waschraum wurde durch eine Leitung aus einer Zisterne gespeist und war natürlich nur solange zu benutzen, als Wasser vorhanden. war, woran es in den Sommermonaten sehr stark haperte. Als Ersatz sollten Seebäder genommen werden; der Anfang wurde auch gemacht, aber sie wurden plötzlich wieder eingestellt, weil irgendwo in Frankreich, ein Unglücksfall beim Baden vorgekommen sein soll. - Unser Lagerkommandant besaß absolut kein Wohlwollen für die Gefangenen. Er suchte mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, bie Dielen alten unb immer wieder erscheinenden Verordnungen unter möglichst genauer Auslegung zur Durchführung zu bringen. Weniger gewissenhaft war er allerdings bei Zuteilung der uns zustehenden' Essensrationen, da wurden bei weitem nicht die Qualitäten geliefert, die vorgeschrieben waren, und man kann sich leicht vorstellen, in wessen Tasche das ersparte Gelb geflossen ist. — Ich erinnere mich einer Zeit, in der es fast vier Wochen lang mittags'imd abends nur die sogenannten Saubohnen gab, die man bei uns als ° Viehsutter verwendet; ein anderes Mal mußten wir uns längere Zeit mit Zwiebelsuppen begnügen. Es war dies ein ganz besonders billiges Wen, da diese Zwiebeln von der Größe eines Kinderkopfes infolge Torpedierung eines Schiffesan die Küste angeschwemmt worden waren. Sv verspürten wir buchstäblich am eigenen Leibe die wackeren Taten unserer U-Boote. Me das Essen, war auch Heizung und Beleuchtung ungenügend. Ein kleines Oefchen mit einem halben Brikett den Tag, eine Petroleumlampe, die au Großvaters Zeiten erinnert«,, sollten für die Bedürfnisse sorgen. — Da müßte schon Selbstschutz eintreten, und man verschaffte üdj; Brennmaterial, wenn auch auf unerlaubte Astist, wo immer man es finden konnte. Natürlich durste man sich bei diesen Requirierungen nicht erwischen lassen; so ist mir auch kein FM bekannt, daß auf unserem Depot dieserh'alb jemand bestraft wurde. Wenn bei einer Jnventuraufnahmc eine Anzahl Hocker, Tische, Pritschen u. a. sthlten, so wären sie eben verschwunden, und die Nachforschungen vertiefen ergebnislos. Untersuchungen bildeten ich'erhaupt eine große Nolle bei den Franzosen, und. sie erstreckten auch sülche oft auf Leibesvisitationen. Da wurde nach deutschen und -ausländischen Mürben geforscht, nach Notizbüchern, verbotenen Zeitungen, Zivilkleidern, nach Ilniformstücken imd Wäsche, die nicht deutlich mit dem Gefangenenmonogramm P. G. gestempelt waren. Dabei wurden manchmal Kameraden trotz Geheimlager und aller sonstigen Vorsichtsmaßregeln geschnappt, denn die französische Gendarmerie, welche, diese Untersuchungen vornahm, verstand sich recht wohl auf dieses Handwerk. . Sehr ärgerlich gestaltete sich auch oft die Konirolle der aus Deutschland eintreffenden Paketsendungen. Von den zwei Lagerdolmetschern behandelte der eine, der vor dem Kriege als Kaufmann in Leipzig ansässig war, die ganze Sache recht human; sein Kollege nahm cs hingegen doppelt ernst und führte die Zensur mit einer ihm von seinem Berus als Lehrer her wohl anhaftenden Pedanterie aufs Gewissenhafteste durch. — Da blieb keine Zkgarettcnschachtel uneröfsnet, kein Paketchen Tabak vom Durchwuhlen verschont, Würste wurden durchschnitten, Konservenbüchsen geöffnet, andere Dinge wie Bleistifte, Briefpapier, Kerzen, medizinische Präparate,. Spirituosen usw. konfisziert. In buntem Durcheinander mußte man so seine Sechen in Empfang nehmen, auf welche die Lieben in der Heimat so viele SorgfM verwendet hatten. Auch bei der Zensur der einunb ausgehenden Post leistete sich dieser Interpret durch Streichungen und .Ausfragen. das Maß des Möglichen; bei letzteren wurde er natürlich so verastet, daß ferne an eine Oberbehörde abgehenden wöchentliche Berichte wenig Wahrheitsgetreues enthielten. Wohl stand uns ein Beschwerderecht gegen vermeintliches Unrecht zu, aber wer davon Gebrauch machte, war gewissermaßen sein eigener Totengräber. Er konnte mit Bestimmtheit darMf rechnen, daß seine Reklamation als unberechtigt auf. Grund irgendeines Paragraphen angesehen wurde und zog sich eine harte Bestrafung, Freiheits-, Postnnd Paketentziehnng für längere Zeit zu. Bei Strafen hatten die Franzosen überhaupt ein merkwürdiges Verfahren. Jeder, Korporal oder Sergeant kann eine Strafe von 2 resp. 4 Tagen verhängen, der Bericht geht weiter an den Lagerleiter, welcher eine Verschärfung . bis zu 8 Tagen aussprechen kann, und so geht die Sache natürlich Mter.übertriebenen und stark aufgepauschter Darstellung von einer Instanz zur andern bis zu dem Sunmailbierenden General der Region, so daß man Mter Umständen wegen der geringsten Lappalie bis zu 60 Tagen brummen kann. Da verkneift nur» schon besser keine Wut ob des ergangenen Unrechts und hofft innerlich', daß die Stunde der Vergeltung auch nochmals schlagen wird. Die Tageseinteilung war bei mir etwa folgende: Morgens 67s Uhr Appell, anschließend Ausgabe von Wassersuppe als Kaffeerfatz, 7 Uhr antreten zur Arbeit, 11 Uhr Mittagessen in Form einer Suppe, 17* Uhr Appell. 2—5 Uhr Arbeitsdienst, 57r Uhr abends meist eine verdünnte Auflage der Brühe von Mittag, 8 Uhr letzter Appell und Löschen der Lichter. Die Arbeitszeit wird Euch nicht sonderlich lang erseinen. Für gesunde, kräftige Leute wäre es auch nicht zu viel gewesen, aber unser Depot setzte sich nur ans Kranmn und ausanderen Lagern als arbeitsunfähig Entlassenen zusammen, denen es bei schlechter Ernährung doppelt schwer fiel, das Pensum zu verrichten.' Eine HaupLeschästigung bildete das Äüsfischen von Seegras, das in gewissen Zeiten bei. günstiger Wind- Kaffee Kaisergartcn am dpehiplata Erstklassiges Famillen-fiaffee Jeden Nachmittag Ton 4 bis 7 Uhr and Abend von k 81/* Uhr ab Künstler-Konzert. richtung/ von der kommenden Flut aus Land geschwemmt wird. In solchen Fällen gab es auch Nachtschichten. Dabei wurde für die Arbeitsleistung nicht ein -sou bezahlt! Ihr könnt Euch denken, mit welcher Freudigkeit die Arbeiten geleistet wurden. Ich persönlich blieb ja von all diesen Quälereien verschont, da ich als SMitäter in der Krankenstube beschäftigt war und in meinem Vorgesetzten,, einem älteren französischen Arzte, eine gute Stütze hatte. Dieser war überhaupt ein Muster von Unparteilichkeit Md Vorurteilslosigkeit; er sah in dem Kriegsgefangenen sticht nur seinen Feind, sondern einen zur Ohnmacht verurteilten bedauernswerten Menschen. Kraft seiner Autorität als Arzt verhinderte er gär manche Ungerechtigkeit, und man fand bei ihm ein williges Öhr, wenn man mit..einem gerechten Wunsche kam. Er bewundern: an dem. Deutschen dessen Disziplin, Strammheit, Sinn für Sauberkeit und', stellte an ihn auch in dieser Beziehung große Ansprüche. Gerecht, wie er war, hielt er auch mit seiner Anerkennung.nicht zurück. Auch ich besitze von ihm ein Zeugnis über meine Tätigkeitdas mir stets eine schöne Erinnerung an die Zusammenarbeit mit diesem ehrenwerten Chef bleiben wird. Herbst.') Das ist ein weiches, ist ein leises Gehe» Äüf welken Blättern, die zu Hansen liegen. Die sich in Ohnmacht an die Erde schmiegen. Wenn sie vom Stamm des Herbstes Winde wehen, Das ist ein weiches, ist ein leises Gehen — — Ringsum siehst Dü kein Leben mehr sich regen; Nur Sehnsucht liegt auf allen unser» Wegen- Nur müde Seufzer raunen: Auferstehen. Das ist ein weiches, leises Gehen — — Ich sehe illichaus fahl beglänzten Weiten Gesenkten Hauptes in den Abend schreiten, Aus welken Blättern mir entgegengehen! Heim. Sternbach. iQiffeiibacher Draeklaft-Anlage I [ Ottenbach a.M. Telefon 123. (Anncblnwi mitFranktot).! bewährteste Tepplehrofnlpimg (100,000 qm jährlich)! Bowie onObartroffona Bottfodararelolouna mittele! I Druckluft und Wasserdampf. Wochea-Saleader. Samstag, 24. November (= 9. Kistew). Sabbat-Anfang in Frankfurt 4 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 5 Uhr 25 Min., in Berlin 4 Uhr 45 Min. Wvchenäbsch-nitt: Wajeizei. — Jakobs Flucht aus dem Elternhause. Jakobs Traum. Jakob bei Laban. Wvchängottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens 67t Uhr in den meisten Synagogen (Dackenheim, Unterlindau 7 Uhr, Hanptsynagoge Königsteinerstraße 77- Uhr). MendS 4 Uhr in den meisten Synagogen (Hauptshnagoge 4 Uhr, Königsteinerstr. 6 Uhr). Frankfurter FamMermachrichte«. Geboren.. Eine Tochter Otto Bonwit (Barr). B a r m i z w o 8. Isaak Rosenfelder, Schützenbrunnen 8, Synagoge Friebberger Anlage. Gestorben. Max Maas, 71 I., Humboldstr. 40. — Frieda Seelengut, geb. Marx, 67 I. — Hortensia Strauß, gev. Zunz, ,85 I. — Bizewachtm. RechtSanw. Josef Weil. *} Aus „Das neue Lied'. Ein Beitrag zur Geschichte der jüngstdeutschen Dichjtung. 1,20 Mk. Weimar 1917, Der Weckruf-Verlag Wolf von Kornatzki," auf welches jüngst erschienene Büchlein mit vorstehender Probe eines jüdischen Dichters empfehlend hingewiesen sei. Scala - Lichtspiele Sch&fergasse 29. - SoUfergasse'Sf. Modernes Theater; YorfQhrung-stets neuer und hervorragenderFilmo.

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