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Neue jüdische Presse · 1917-10-12 · Heft 38 (12.10.1917) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 38 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 ScoloLlcWle Olympia-Theater Schäfergasse 29; - Weisafraneiutr. 14. Nup baate und intaraiaante Aufführungen. : ErstklasBigeKünstlor kapelle. , Frau Dr./ P. hät, sM von jeher sozialen Aufgaben ge- . Änbnret’ Sie -grüridete das urustergAltige! ^Israelit. «Kinderheim, das Suppenanstalt, Kinderhort, Haushaltungsschule, Volksküche usw. enthält. . Kassel.. Auf der Hauptversammlung des Alldeutschen Verbandes forderte General v. L i e b e r t Grenzschutz gegen die Ostjudein Nur auf diesem Wege könnten sich die deutschen-Juden den Frieden , in der Heimat sichern. Zürich. Die Einführung der Lu low im aus Italien war diesmal sehr erschwert. Jeder Bezieher mußte sich verpflichten, seinen Lnlow nichtaus der Schweiz auszusühren und ihn überhaupt' nicht weiterzugeben. -In Basel verschied — 54 Jahre alt — Jakob Böllag-Fenchtwanger, ein Mann,- der eineZierde des thoratreuen Judentums war.- Er hatte u. a. die so segensreich wirkende Institution des Büros für jüdische Auswanderer gegründet und geleitet, gehörte der Kommission des Vereins zur Erziehung israelit. Waisen an, war' Präsident des Pro Falascha-Komitees, Vizepräsident der Chewra Kadisthja usw. 25 Jahr lang fungierte er als Baal .Dokea in der Synagoge. Seine Frau ist erst vor wenigen . Monaten verschieden. ' Wie«. Die Abgeordneten Bernd ard Stern .und Genossen beantragten am 25. September, am 26.. September in Rücksicht auf den Versöhnungstag die Sitzung aussallen zu lassen. Fürst Lubomirski, P. Stojan, P. Balou sek und andere katholische.Geistliche. ' hätten den Antrag unterzeichinet. Trotzdem die ganze Rechte für ihn eintrat, wurde der Antrag äbgeleh'nt. Llnt lOeiterreich). Das hiesige „Tageblatt" beschäftigt sich in einem eingehenden Artikel mit der zionistischen Arbeit in Palästina. Der Artikel kommt zu dem Schlüsse, daß die Türkei kein Interesse daran haben könne den Juden in Palästina die kulturelle Autonomie zu versagen. Paris. Die antifemiti sck en ^Un ru b en in Tunis, bei dlmen auchl Menschenleben zugrunde gerichtet ^wurden, werden von der Zensur totgeschwiegen. „Le Peuple Juist", das darüber berichten wollte,, enthält eine große Zensurtücke. Pari». Das Ministerium Painlevö hat zwei jüdische Mitglieder, Klotz als Finanzminister und P i erre M ass e als Staatssekretär im Kriegsministerium. Der erstere war . schon öfter Finanzminister. Masse ist eines der jüngsten Mitglieder der-Kammer und seine Reden werden stets sehr beachtet. Es ist seit Anfang des Krieges das erste Mal, daß .auch Juden im Ministerium sitzen. ... L'univ. isr. berichtet über große antisemitische Unruhen in Tunis. Es fanden Plünderungen, Verwüstungen und auch Mordx statt. Auch in Biserka, Söusse, Sfax usw. wurden die Juden von den Soldaten geprügelt: ihre Waren wurden auf die Straße ge-, würfen. , Paris. Charles Eduard Lefebre, Komponist, 1870 mit-dem Rompreis ausgezeichnet, ist — 74 Jahre, alt — in Aix-les-Bains verschieden. . Resn-Nork. Bankier Jsaa c Seligmann ist durch einen Unfall beim Reiten ums L c b e n g e k o m m e ni. »■* Kraukfurter Berichte. Nene Stiftung. Anläßlich seines 60. Geburtstages ist dem Wege» seiner hervorragenden Tätigkeit auf dem Gebiete der Bolkswühlfahrt hochgeehrten Direktor des Philanthropins Dr. S. Adler von Verehrern und Freunden ein größerer Geldbetrag übergeben worden. Der Gegierte hat diesen Betrag zu einer neuen Stiftung für Töchter von Beamten und Lehrern bestimmt, die seinen Namen tragen wird. Soziale Tätigkeit. -Die Fuge nd gruppe (b egr. v. d. Fr auenv e r e i n i g u n g d. Franks.- L o g e) benötigt dringend Hilfe für ehrenamtliche, soziale Arbeit. Alle, die auch nur über etwas freie Zeit verfügen, werden gebeten sich in, den Sprechstunden, Mittwoch, den 17. und Donnerstag, den 18. Oktober zwischen 11—1 Uhr vorm, in der Frankf.-Loge, Eschersheimer Landstraße 27, zu melden. Personalien Hier verschied nach kurzer Krankheit erst 56 Jahre alt — Herr Gustav Kreh, -der durch seine streng traditionelle Lebensführung und sein gastfreies «Haus in Genua, wo er bis zum Ausbruch! des Krieges als Vertreter der Firma Beer, Sondheimer u. Co. wohnte, in weiteren Kreisen der traditionstreuen Judenheit angesehen war. * . Kleine Notizen. . Jüdische Arhe iter und Arbeiter innen aus den besetzten Gebieten russ. Polens sind in Fabrik» bei Frankfurt a. M. in größerer Zahl eingestellt worden. Der Israelit. Hilfsverein hat gemeinsam init dem Verein Weibliche Fürsorge die soziale Fürsorge für diese' Arbeiter und Arbeiterinnen übernommen, und wird auch unter Mitarbeit des Rabbiners Dr. Nobel, ihren religiösen Und rituellen Wünschen entgegenzukommeik suchen. •V'*:'" ' -* \ Frankfurter Israelitisches Fämiliendlatt. Der Larke Simso«. Erzählinsg. vo^ E-lisc. O rsLäSk^o. (Fortsetzung.) Sie streichelte langsam sein schwarzes Haar mit ihrer schwieligen und äbgearbeiteten Hand, schaute einen Augenblick lachend sein Gesicht an, und' mit, einer Art schüchterner Zärtlichkeit sagte sie zu ihm: , „Nun, geh' nur zu,Deiner Arbeit: — ich iverde ^sch-m in allem Rat schaffen;-Dein Kopf, soll mir nur über alles ruhig sein!" ' Uno Schimele ging in der Tat zu seiner Arbeit, ^er'.zu seinen gelehrten Folianten. Seine Gedanken Mn'n ruhig und sein Herz überströmte von.süßen Ge- Wleu und religiösen Empfindungen verschiedener Art.— Ei-war vielfach glücklich. Der Stolz auf sich selbst und' stillvergnügte' Zufriedenheit füllten seine Brust, wenn in sein dunkles, schmutziges Stübchen verschiedenartige Menschen Kimen, ernste Männer, sogar reiche und gelehrte, um ihn über die Bedeutung mancher dunklen Stellen in der religiösen Wissenschaft zu befragen oder um einen Rat in verschiedenen kleinen Punkten der religiösen Kasuistik zu erbitten oder einfach diese oder jene Geschichte aus der Hagada, diese oder jene alte Legende und Sage erzählen zu hören.. Schimele erklärte, antwortete, erzählte, riet mit einem Eifer, der fast an Exiase grenzte. Das war die einzige Freude für Schimele. Die andere und nicht geringere schöpfte er, wie wir es bereits wissen, ans seiner väterlichen Liebe, die zwischen fünf Objekte geteilt war, von. welchen jedes ihn durch einen anderen Reiz entzückte und in ihm eine ruhrende/» begeisterte und ewig fröhliche Zärtlichkeit erweckte. Nicht die geringste Traurigkeit mischte sich .in dieses zärtliche Empfinden. Das Los der Kinder in der, Gegenwart bereitete ihm-keine Sorge. — Dafür sorgte Zipa sehr viel; da sie aber nie etwas ihrem Manne erzählte,? wußte er auch nichts davon. Was die Zukunft änbetraf, so . dachte Schimele, wenn er seine Kinder ansah: „Enoch, -Mendel und Lceser werden Gelehrte, Liba und Esther werden Gelehrte heiraten!", Und das ivar keine einfache Hoffnung, es war eine .Gewißheit, die ihn nicht nur über das zukünftige Los „seiner Kinder beruhigte, sondern vielmehr glücklich machte und ihm so einen schönen Vorgeschmack einer ununterbrochnen Gelehrsamkeit in seiner Familie gewährte. Die dritte und vielleicht Hie höchste Quelle seines Glückes war die Arbeit. — Er war kein Faulenzer, wie es vielleicht, jemanden, der die Sache nach dem äußeren Scheine beurteilte, Vorkommen möchte. Ich, die ich sehr oft den kleinen Laden Zipas besuche und von dort ins Innere des nachbarlichen Zimmers hineinblicke, sehe /mit meinen eigenen Augen Schimele manches Mal in die Arbeit vertieft, und zwar so vertieft, daß von seiner vor Erschöpfung blassen Stirn der Schweiß in hellen Tropfen herabrann, daß das mit dichtem schwarzen Haar bewachsene Gesicht sich mit blutigen roten Flecken bedeckte, und die Lippen in nervöser Erregung zitterten; so bewegt ihn der Kampf der Meinungen und die Schwere seiner Aufgabe. Schimele arbeitet mit seinem -vollen Herzen und mit. allen seinen Kräften; aber wie 'herrlich und groß belohnt sich auch seine Arbeit und die einige Anstrengung! Welche Entdeckungen " macht er. Welche tiefe und wichtige Rätsel löst er! Was für, wmrderbare'Gesichter und Träume hat er! Einmal gelang es ihm zum Beispiel, in dem fünften Traktat des Talmuds, welches von den Opfern handelt, den Namen eines Kieres zu entdecken, welches als unrein galt und deshalb nicht als Opfer gebrächt werden konni^, und. diesen Namen wußte noch niemand. Und noch jetzt konnte niemand erraten, welches Tier der entdeckte Name bczeichnete, aber die Entdeckung erfüllte Schimele mit der reinen Freude, welche nur glücklichen Entdeckern zuteil werden kann, und auch in der Gemeinde wurde es als ein Ereignis betrachtet. Ein anderes Mal ivieder sah Schimele etwas ganz Außergewöhnliches. Es war in der Nacht. Zipa und „VICTORIA" Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hanaa Tel. 2002. ]| GntlCDtStnSSB . II. Hanaa TaL2002. ~ Spezialität: Kragen Mans chetteaunil. Hemden. Seite 3. -;( -* s die Kinder schliefen^er-aber -fchlie^.yicht^ sönstern^ saß bei einer kleinen..Läklipe mft ememMygen rauchenden Zylinder über seinen Büchern und studierte. Er lernte eifrig, doch. eür .unbesiegbarer Schlafschicht/sich endlich seiner zu bemächtigen; als er -plötzlich: die Wrgen Äon seinen Büchern, aushob, richtete er sich aus, wurde totenblaß, riß weit den Mund päd die Hngen auf und blieb in dieser halb erschreckenden,, halb? bezaubernd^ Position stehen. . ** - Es war auch kein Wunder, da er folgendes Bild in diesem Augenblicke erblickt hatte: Hutter dein, Fenster^ . vor welchem er saß, breitete sich die-dichte Finsternis der Nacht aus: auf ihrem dunllen Grunde blickte ans einmal . vor, den vom Buche abgewendeien mit Blut unterlaufenen Augen Schimeles erstens ein langer goldener Streiftn empor, der sich dann in lleinere und , immer lleinere S kreischen verbreitete- bis sich sämtliche in eine goldene Leiter verwandelten, deren Spitze in den', mit dicken Herbstwolken bedeckten Himmel reichte, währenddas Fuß-, ende sich auf die, durch den Regennaß. gewordenen Sinne des Hofes stützte. - Ringsum herrschte pechschwarze-Finsternis, von deren Grund die Stufender goldene«'Leiter - . sich abhoben; auf jeder Stufe aber ständ ein Engel.// " Die Engel waren ganz verschieden; Schimele er- , kannte sie nach der Reihe; es'erschienen ihm Wesen, die er in der Tat nie so Auge in Ange getroffen hatte, die er ' aber nach den Zeichnungen in den-Bücherndie er käs, , kannte. . . " . Dort ganz am Ende der Leiter, die er mit seinen mächttgen Schultern stützte, stand der Sar-ha-Olam der Erzengel des Wissens. Nicht umsonst hat er in der Hagada den Titelndes „Fürsten der Welt!" — dachte^ ' : - TJ-. '.V- V, -Sl Schimele.' Seine riesige Gestalt umhüllte ein scharlachroter Mantel und auf dem Kopfe trug er eine Krone .aus meisterlich geformten Buchstaben, welche wie die zum Himmel sich erhebenden Flammen märtyrischer Scheiterhaufen strahlten,, er war eingehüllt in silberne Wolken, die Schimele als die Gedanken, des Geistes . betrachtete.. Diese Wolken rissen sich von der,. Brttst des Geistes in ^silberne Streiftn ab. und: flöhen, in die ihn umringende Finsternis, mit der sie;üi tzrm großen Raum zu kämpfen schienen.. Da blickte der Engel auf diese Kämpfe mit einem ruhigen, großen» durchdringenden. Auge und die flammenden Buchstaben seiner Krone büdeien das Wort: ,^zch werde siegen." . Höher erhoben sich verschiedene .andere Enget, größere, lleinere, mehr oder weniger strahlende. Simelr erkannte jeden uns nannte jeden bei seinem Namen. „O, das ist der, Engel Meratron", .sagte er sich heimlich- „Sei gelobt. Du Engel Metattan, welcher das Bolh. Israel stützt wie seinen Augapfel «nd sein armes Haupt mit Deinen Flügeln birgst." 1 — Und das ist der Engel llriel mit seinen zwölf /; j Begleitern, die über zwölf Monate im Jahre Herrs scheu! Und dieser Engel,, das, ist der vertraute Freund der Menschenttnder. In seiner Hand hält er eine Fülle - jH von Blumen. Jeden Augenblick kommen andere, urch er flicht sie immerfort zu Kränzen von riesenhafter ,",^ Länge. — - . '•'] "■■■■ ■ v Ich weiß, sagte Schimele, das sind die menschlichen Gebete, die immer und inimer fort von der Erde zunr Herrn der Welt hinanziehen; Sanaldsön ergreift sie sin Borüberfliehen, flicht sie zu Kränzen und bettet sie alle zu den Füßen des Ewigen, gelobt sei. er. Der Ewige erkennt ja doch schon loessen und was fFr Gebete vor seinen Thron gelangt sindl Sandalson, intern er alle menschlichen Gebete sammelt, fühlt offenbar großes Mitleid nnd wird traurig, denn in,'seinem Auge sieht man eine große. Träne schimmerndie wie der , schönste Diamant glänzt. ' ' ■,. -. - - Schimele» sieht die Träne und denkt: Sei gelobt. Du Engel Sandalsbn, dafür, daß Du so ein heiliges ' Mitleid mit den Menschen fühlst. — Und dies sägend fängt er an, die aus der Hand Sandalsons herniederregnenden Blumen anzufchauen, dia ihm wie. ein längesfarbiges Ban8 erscheinen, und er kann ihre Schönheit- 'gar nicht genug bewundern. Ihre purpurnen Kelche erlangen in seinen Augen eine solche Höhe, daß sie schon in dein lleinen Fenster, durch welches erblickt, "keinen Platz mehr finden; die. schneeweißen Rosen glänzen wie sllberne Tränen, auf den blutigen Stengeln wachsen.'- ,'.i schwarze Blätter mit weißen Säumchen als einen Trauerrand, und/die blauen Sterne knistern einen Regen von - goldenen Funken! .' _ . . -1^ . - . * '• .. ■ 77^-.*-'"' Und das die Engel des. Sturmes und des Feuers: — sie sehen wit regenbogensarbiger Dunist aus, aber ihre Farben erblassen ^jeden - Augenblick ,mehr üich der» streuen sich wie. sie. selbst, -sft verschwinden,, und van dech ' ‘I 5- ► •K-!

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