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Neue jüdische Presse · 1917-09-07 · Heft 34 (7.9.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 34 (7.9.1917)
Date
1917-09-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr 34. Was den guten Großvater dabei am meisten verwirrte, war, daß er Hirsch und Hanne als liebendes jrautpaar. gekannt hatte. Wie lange hatte Hanne, die tzt so verbitterte Hanne, sich gegrämt und dem Augenlicke cntgegengesehnt, der sie mit ihrem Hirsch unter cm Trauhimmcl zusammcnführte! Und wie hatten ine Augen gebrannt und geleuchtet, als er endlich ie Worte jener uralten bindenden Formel: „Ich traue ich mir an," zu der Errötenden sprach! Und nun waren sie in ihrem häuslichen Leben heimgesucht von :ncn finstern Mächten der Zwietracht, den nimmer uhcnden Zerstörern alles Licbesgluckcs und alles Liebcsmbers! Wie Hund und Katze! Kehren wir wieder zum Großvater zurück. Die Sonne am Himmel hatte sich schon längst intcr die alte Synagoge zurückgezogen, die Schatten )rcr Mauer sind bereits so breit geworden, daß Oheim mnd in zarter Rücksicht auf die seiner Obhut überlssenen Kätzchen an den Rüctzug denkt, um sie nicht ncr Erkältung auszusetzen. Die Luft hat sich merklich bgckühlt, und der alte Mann sitzt noch inrmer da vor inem Buch und schlummert. Was soll das bedeuten?!as ist ihm noch nie widerfahren, und jetzt lächelt c schon wieder, und das Lächeln ist wie scheidender Ibendsonnenstrahl und sagt, daß die Sonne wieder aufchcn und leuchten ivird über seinem ehrwürdigen aupte! Mit einem Male ivird es in deni greisen Antlitze nster. das Lächeln hat sich entfernt, cs ist, als »venu in düstrer Traum seinen Bann über dasselbe geworfen ätte. Oder ist das mehr als Traum, ivas als klägliches Jammergeschrei an seine Ohren gellt und seine Augen cwaltsam aufriß? War das Wirklichkeit? „Das Kind! das Kind!" hörte er wirr durchcin- »dcr rufende Stimmen, die sich bald zu nähern, bald l entfernen schienen — und jetzt war er erwacht. Er trat an das Fenster, das auf die Gasse hinhaute. „Was ist geschehen?" rief er hinaus. „Das Kind! das Kind!" scholl es ihm entgegen, ein Kind ist verloren gegangen." „Was für ein Kind?" „Hirsch Elsäßers seine Michele ist verschwunden, >an sucht cs schon seit einigen Stunden und kann cs nicht ndcn." Hirsch Elsäßers Kind! Wie ward doch dem Größter? Hatte er das Kind nicht gesehen? Oder war : noch unter dem Banne des Schlafes, der ihn wähnd des ganzen Sommernachmittages gefangen gehalten itte? Er hatte den Knaben doch gesehen_ war das ährend eines Traumes? Konnte er sich nur nicht innern, oder war das schon längst geschehen? Andere Stimmen kamen vorüber; haufenweise stanu die Leute in der Gasse umher, auf aller Gesichtern nnenlose Angst und Entsetzen. '■ „Man hat das Kind vor drei Stunden bei den icgelhütten gesehen," rief eine Frau, „und dort ist a ttefer Teich." „Tu deinen Mund nicht zum Unheil auf," rief ii anderer. ' „Gewiß ist es ertrunken!" Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Und ein Schrei, ein Jammerlaut gellte durch den Haufen . „Bei den Ziegelhütten hat man es gesehen?" sprach der Großvater vor sich hin, halblaut, wie einer, dessen Sinne noch immer nicht ihre gewöhnliche. Klarheit erlangt haben. „Bei den Zicgelhütten war es nicht!" schrie der lange Zendcr, seines Gewerbes Fleischhauer, „aber die Zigeuner werden es mitgenommen haben. Gestern war Markt!" //Zigeuner!" flüsterte es wiederhalblaut von den Lippen des Großvaters, „Zigeuner! Wie kommen Zigeuner zu dem Knaben?" Hatte er ihn nicht selbst gefehen? Mit seinen eigenen Augen gesehen? Wo war er dem Kinde nur begegnet? War das doch vor kurzer Zeit? War cs schon lange her? In dem nächsten Fugcnblicke ertönten von dem fernsten Ende der Gasse her die bekannten drei Hammerschläge, die zum Abendgottcsdienstc riefen. (Schluß folgt.) Hschsomrner.*) Verweht ist lang' im Winde Der weißen Blüten Schnee; Nün duftet wieder die Linde, Ter Sommer ist auf der Höh. In reifsten 'Prangens Fülle Und üppig steht Natur; Schon legt es' .sich wie stille Ermattung auf die Flur. Und oft, in früher Stunde, Man welkes Laub schon sicht, Tie erste leise Kunde, Wie bald der , Glanz entflieht. Ta denkt mein Herz so zage Tes Abschieds' ach, des schwer'», Ter frohen, guten Tage, Tie wohl nie wiederkchr'n. Wohl brachten sic viel Sorgen, Und Kummer blieb nicht 'aus. Und dennoch, wie geborgen. Lebt sich's im stillen Haus! Nun geht's hinaus zur Ferne, Nach ungewissem Ziel, Nach neuer Heimat Sterne, In fremder- Stadt Gewühl. Doch meine Angst vergehet Und alle Bangigkeit» Wenn nur Ihr Teuren, stehet Auch ferner mir zur Seit'. > Auch draußen blühen die Linden In jedes Jahres' Kreis; Ich will mein Heim da finden. Wo ich das eure weiß. *) Aus „In de r Dämmer st u n d t“. Gedichte einer Taubblinden von Jenny Bergmann, Insassin der Jüd. Blindenanstalt Berlin-Steglitz, Wrangclstr. 6—7. 72 Seiten. 1917. Verleger und Herausgeber: M. Friedberger, Leiter der Jüd. Blindenanstalt BerlinSteglih. Offeobaslter Draebluft^ABlage Qffanbach £. H. Telefon 123. (AnHchlima mitftankftat). JewährteatB TcpotohFBlQSsUBg (100,000 qm jährlich) äowie unQbertroffana Bettfadsrnralnlgung mittetet Druckluft and Wasserdampf. Wochem-Klüe«-er. Samstag, 8. September (= 21. Elkul). Sabbat-Anfang in Frankfurt 7 Uhr 15 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 8 Uhr 45 Mint, in Berlin 8 Uhr 25 Min. - Wochenabschnitt: Ki-Sowau. — Die Erstlingsfrüchte. Der zweite Maaser. Aufstellung der zwölf Steine am Jordan. Verkündigung von Fluch- und Segenssormeln. Die große Strafpredigt. Aus dem Prophetenwort des Sabbats: „Stehe auf und leuchte! Denn gekommen ist dein Licht, und die Herrlichkeit Gottes ist über dir aufgegangen. Siehe! Finsternis deckt die Erde und Wetterwolke die Staaten; — über dir aber strahlet Gott, und seine Herrlichkeit wird über dir sichtbar. ... Zu deiner Bestimmung mache ich den Frieden, zu deiner Triebfeder Gerechttgkeit und Pflichttreue. In deinem Lande wird nicht ferner Gewalt vernommen, nicht Raub und Bruch innerhalb deiner Grenzen, denn Gotteshilfe nennst du deine Mauern und Gottes Tatenlob deine Tore." - Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens 6 - Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim. Unterlindau 7 Uhr, Hauptsynagoge Königsteinerstraße 7yr Uhr). Abend 71,4 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim. Unterlindan IV2 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr» Königsteinerstraße 7 Uhr). Vereins-Kalender. Zionistische Jugendgruppe, Taubenstr. 11 pk. Montag, 9—10: Hebräischer «Sprachkursus. Mittwoch, 8V2—9%: Bibelkursus. Mittwoch, 9Vs—lOVb: Hebräische Konversation. Donnerstag, 8Vs: Referat von Frl. B. Schiratzki über: Ing. Agr. Dr. Oettinger: „Methoden und Kapitalbedarf 'jüdischer Kolonisatton in Palästina." Frankfurter Kamittermachrichte». Barmizwos. Edgar Jwiensky, Fellnerftr. 6,Synagoge Friedberger Anlage. — Lothar Meyer, Rechneistr. 6; Friedel Mühlfelder, Merianstr. 36, Synagoge Börneplatz. -Verlobte. Dora Jacobsohn mit David Pcrek, Ostendftraße 12. Auswärtige FamUieuuachrichteu. Verlobte. Margareche Stargarder, Elbing mit Bruno Danziger, Schöneberg. — Alice Frank, Reichenbach i. V., mit Alfred Michalowitz, Berlin. Sterbefalle. Max Tannenbaum, 18 I., Mansbach, i. F. — Alfred Ernst Kahn, Regensburg, i. F. — David Baer, 69 I., Nördlingen. — David Mosbacher, 75 I., Nürnberg. — Adolf Heppenheimer, Mannheim. — Gustav Kaufmann, 64 I., Aachen. — Emma Mühlenthal, geb. Eahn, 58 I., Bonn. — Kurt Gottlob, Charlottewburg, i. F. — Saly Haymann, Berlin, i. F. — Jsaac Graetz, 70 I., Berlin — Albert Meyer, 75 I., Leipzig. — Samuel Crohn, 83 I., Berlin. — Walter Michaelis, 36 I., Berlin, i. F. — Alfrrch Tietz, Berlin, i. F. — Richard Marx, 35 I., Metz. Ausstellung oon Neuheiten m Damen- und Kinder-Hüten Damenn Kinder-Konfektion ^Preiswerte Mexilieiten. sind in Kleider- und Seiden - Stoffen in reicher Answahl am Lager. lauf haus ♦ .♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦ tiOOOO Zeil Ecke Stiftstrasse ♦ '♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦♦'♦♦♦♦

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