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Neue jüdische Presse · 1917-08-31 · Heft 33 (31.8.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 33 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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August 1917) Nr. 33 fhnafeü Der di ^wöchentliche Thvraabschiritt führt wieder ---mal. eines jener Grundprinzipien des Judentums vor, die heute noch fein einzigartiger und »nd alleiniger Besitz sind. Es ist die Tendenz ^jüdischer Sraatsknnst im Gegensatz 511 dem Amalctprinzip, jener Staatskunst/ die sich von der Machtfrage bestimmen läßt und deshalb zu der Entgleisung ,Macht geht vor Recht" versteigt. Amalek sah die ermatteten und durch Frauen und Kinder an der Kampffähigkeit gehinderten charen des jüdischen Volkes durch die Wüste ziehe». Er hatte nicht das geringste Interesse daran, dem jüdischen Volke feindlich, zu sein, —_ und trotzdem überfiel er die Waiwerndcn. Es winkte mühelose Liegesbeute, und überdies gebot eine kluge.Politik, ein anderes Volk, so .die Gelegenheit günstig war, zu schwächen. Nicht Amalek, Israel siegte, siegte jedoch nicht aus eigener Kraft, sondern nur, 'weil Moses seine Hände erhob und solange er sie erhob zu Gott hinauf. Gott, den Schöpfer der Menschheit-. auch als den Lenker ihrer Geschicke begreifen, lehrt Moses Verhalten bei Amaleks Ueberfall. Und als Moses vor seinem Tode im Angesicht des verheißenen, den«. Ballen seines Fußes aber versagten Landes noch einmal all' das, .was er im "Aufträge Gottes dem Volke vierzig Jahre gelehrt hatte, in großen Zügen als Testament an sein Volk Lnsammenfaßte, da sprach er auch - der Thoraabschnitt des dieswöchentlichen Sabbats bringt sie uns — folgende Worte: „Gedenke dessen, was dir Amalek getan hat, ans der Wanderung, als. ihr ans Mizrajim zöget. Wie er dich auf dem Wege anfiel und deiue Nachzügler niedermetzelte, während du "abgemattet warst, — und er fürchtete nicht Gott. So sei es denn: wenn dir Gott, dein Gott, Ruhe geschasst haben wird von all deinen Feinden ringsum in dem Lande, das Er dir als Erbe zur Besitznahme gibt, dann lösche das Andenken des Amalek unter hem Himmel; — vergiß es nicht!" Wenn du das Land deines Erbes eingenommen hast und nun auch ein selbständiges Dasein als Nation führst, dann betrachte es als das höchste Ziel deiner Staatskunst, Amaleks Andenken zu vernichten! So Moses' Lehre. — Sein Volk hörte die Lehre, und die dreieinhalb tauiegd Jahre Geschichte seines 'Volkes zeigen, daß cs die Lehre begriffen hat. Solange das jüdische Volk im eigenen Lande weilte, bäumte es sich gegen die eigene Herrschaft auf, ivenn diese die Macht zuni Prinzipe erheben wollte, und kämpfte bis zum letzten Blutstropfen gegen fremde Machthaber, die es kraft des Machtprinzipes zu unterjochen suchten. Und als es ans seinem Lande getrieben wurde und die tausendjährige Goluswanderung antrat, nahm es Moses' Testament mit und hat seitdem stets für das Recht und die Menschlichkeit seine Besten als Kämpfer gestellt. Amalek's Andenken voni Erdboden zuvertilgen, hat das jüdische Volk stets als seine vorzüglichste Aufgabe betrachtet. Der Thorabund. Ärüttdmlgsvers.ainmlungen werden meist von; einer Atmosphäre der Begeisterung getragen^ — und Begeisterung hat ein festtägliches Gewand angelegt, kein Kleid der .werktätigen Wirklichkeit des Lekens. So müssen denn erst die Begeisterung in Abzug gebracht und dann in ruhiger Ueberlegung all' die gehörten volltönenden Worte einer Prüfung unterzogen werden. Das ist vorzüglich die Ausgabe der Wächter der Zeit, derjenigen, die die öffentliche Meinung leiten sollen, her Männerder Drnckschwärze. In Frankfurt, der Wiege der Freien .Bereinigung für die Interessen des orth. Judentums und der Ägudas Jisroel, ist eine neue Organisation, Thorabund genannt, ins Leben gerufen worden. lieber das Wollen dieses Bundes gebe der Bericht über die Gründüngstagung Aufschluß, und dann möge unsere kritische Sonde an das Werk gelegt werden. Leo Wrehchner, der Vorsitzende des! neuen Bundes, legte, in seiner -Eröffnungsansprache die Notwendigkeit dar, für die Kenntnis.. und Erkenntnis des Judentums, für das „Lernen"' etwas iDlwchgreisendes zu tun. Das Judentum durchlebe gegenwärtig vielleicht die katastrophalste Zeit seiner Geschichte, und wenn , man auch nicht die Kraft habe, den Stoß cmfzuhasten, so könne man ihn doch mildern, indem man ' durch die Verbreitung jüdischen Wissens ein erhaltendes Ferment schasse. . Dr. I 0 n a s S i m 0 n- Hcidelberg,..der Schöpfer des, Thoradnnv-Gedankens und Leiter der ersten Erziehungsanstalt gemäß den Initiativen des Thorabündcs, verbreitete sich über das Arbeiisprogramm. Es gelte unter den Erwachsenen wieder eine jüdische m0sphäre zu schassen. In.Deutschland werde wohl noch gelernt, aber meist mehr vereinzelt: es fehle die Befruchtung der Aussprache. Hier wolle der Thorabund, durch Zusammenkünfte von Gleich st redenden und durch einen Bundestag sür Gedankenaustausch Sorge tragen. Das Hauptaugenmerk aber sei auf die Jugend zu richten. Es müssen A n st a l t e n begründet werden, deren grundlegender Unterrichtsgegen ftand Thora- und T a l m u d - unterricht, bildet, und die nebenbei sich das Ziel einer höheren Schicke vorgesreckt haben. Da der Plan einer höheren Schule nur für inittelmäßige Fähigkeit abge-nessen ist und da die eingehende Beschäftigung mit dem Talmud die geistige Ansfassungsgabe ungemein schärft, so lasse sich bei gutem Schülermaterial so Hervorragendes erreichen, daß „Lamdonim" aus der Schule hervorgehen würden. Jacob 'Rose-- h e im eröffnete d -e Anssprache. Er führte hauptsächlich aus, wie der Gedanke des'Thorabundes nicht etwas überraschend Neues sei, sondern eine geschichtliche Vorentwicklnng habe. Das Thorawissen sei aus Deutschland nicht erst in den letzten Jahrzehnten, vielmehr schon seit einem Jahrhundert entflohen. Um es wiederznbringen, sei es aber zuerst -wtwendig gewesen, ihm eine gehobene so'ziale Grundlage zu geben, da die traditionstreue Judenheit all' den Gegenströnun-gen gegenüber, die ihr die Zeit innerhalb der Judenheit geschaffen hatte, hilflos war. Diese Aufgabe erfüllten Hildesheimer, Hirsch nsw. mit den Gründungen eines Rabbinerseminars, der Religionsgesellschaften, orthodoxer Realschulen usw- Eugen Neuberger richtete an den Vorstand die .Anfrage, warum eine neue Organisation notwendig sei und nicht im Rahmen der bestehenden Organisationen — er denke besonders an die Agndas Jisroel — die Aufgaben des Thorabundes gelöst werden könnten. Ihm erwiderte Rechtsanwalt Dr. I s a a'c Breuer. Me bereits bestehenden Organisationen hätten sich von jeher init so vielen anderen wichtigen Fragen zu beschäftigen, daß sie nie zu dem Wichtigsten, dem Lernen, kämen. Erst im Jahre 1917 erkannte man das Grundübel, daß der deutschen traditionstreuen Judenheit Thorawissen fehlt; — und so greift man in dein modernen Deutschland heute zu einer Art Cheder. Dr. Jsaac Heimann ging auf die geplanten Erziehungsanstalten, die in der des Dr. Simmbereits ein Vorbild haben, des Näheren ein. Die Durchführung des Problems hänge ganz von dtzn Persönlichkeiten ab, die diese Anstalten leiten. Finden sich die richtigen Männer, dann fei bei einem Unterricht, der die formale jBiümng auf dem Jüdischen aufbaue, die berechtigte Aussicht, ein Geschlecht von Lamdonim zu bekommen. Dr. Simon und Leo Wrefchner hielten sodann Schlnßansprachen. Sämtliche Redner entboten dem Thorabund. ihren Glückwunsch; auch wir entbieten ihn. Jede. Förderung des Lernens kann nur aufs freudigste begrüßt werden. . - Der Erfolg hängt fteilich davon cchji ob hie Schönheit und die Größe des Gedankens in der Alltagsbeleucht-ing nicht an der Personenfrage der Lehrer Schaden erleiden wird. Nötig sind ideale Persönlichkeiten, Edelmenschen im jüdischen Sinne, deren Wort nicht nur vom Thorajudentum spricht, deren ganze Persönlichkeit vielmehr auch den Geist deS Thprajndentnms atmet. Denn der Lehrer muß dem Heranwachsenden jungen Manne eine menschlichem Verkörperung für die Größe des Judentums, muß ihm der. Vertraute und der Wissende sein, an den er sich von selbst in allen Fragen des Zweifels wendet. Sonst konrmt der Jüngling sehr' leicht in die Gefahr des Strauchelns. Das Schulwerk des Thorabundes kann quantitativ über einen engen Rahmen nicht hinausgehen. .Bei der Eigenart des Erziehungslverkes sind nur sogenannte freie Schicken, Schulen in Verbindung mit Internaten, sowie nur für begäbe Schüler, da es nebenbei auch noch das vom Staate vorgeschr-ebeue Pensum zu erreichen gilt, denkbar. Wenn drei Schulen mit im ganzen 100 Schüler erreicht werden, wäre schon das Höchste erzielt. Hier ist es wirklich die Frage, warum eine solche Aufgabe nicht von der Agndas Jisroel 'ausgesührt werden soll. Ans diese Frage gibt es zwei Antworten: Erstens, sind die i-mnerhin beträchtlichen Suimnen von einer neuen Organisation eher zusammenzubckommen, als wenn die Agndas Jisroel zu ihren anderen Zwecken auch noch für diesen Zweck Geld a--sbringen soll. Und dies, trotzdem in beiden Fällcn die Spender die gleichen Leute sind. Des weiteren haben die beiden Organisationen ständig mit politischen Känipsen innerhalb der traditionst-'e-ren Judenheit zu tun, während die neue Organisation des Thvrnbimdes, da das Studium doch neutral ist, alle traditionstreuen Kreise umfassen kann. Sollte der Plan des Thorabundes gelingen — und wären es nur fünfzig Knaben, die in den nächsten zehn Jahren zu Jünglingen mit tmrklich nnlfasscndenl und tiefem jüdischen Wissen heran-- gebildcr werden —, dann, ja dann hätte der .Thorabund der deutschen Judenheit unendlich Zukunstverheißendes gegeben. Znr jüdische« Kolonisation in Valästina. 1 Julius Simon, Mitglied deS Zionistischen großen Aktionskomitees» hielt auf einer Zusammenkunft im H a a g, die der Präsident der Belgischen Z i om ste n föde rati on Dr. .Herz leitete -md der n. a. Jean Fischer vom Zionistischen großen Aktionskomitee beiwohnte, folgenden Vortrag:

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