Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 32 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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/ Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Ntr. 32 c. 32. sicherte Felsenhöhle, um da das Ende des Bombardements abzuwarten. Dort war er so liebenswürdig, mit mir den Inhalt seiner Feldflasche zu teilen, er machte sich, aber gleiche dafür bezahlt, indem er von wir ein Souvenir verlangte. Sv mußte ich mein ' Taschenmesser und Zigarettenetui"'opfern. Dann ging es weiter nach rückwärts bei strömendem Regen immer durch Laufgräben, in denen das Wasser bis km die Knie reichte. Man watete und watete immer 'vorwärts, versank auch manchmal etwas tiefer, bis 'ich endlich an einem Sammelplatz landete, wo ich denn auch etwa 60 Kameraden von unserem und einem Nach-- barregiment antraf. Mn folgte Verhör auf Verhör. Tadellose von Fliegern aufgenommene Photographien unseres Grabensystems wurden vorgelegt, um über dunkle Punkte Aufschluß zu geben. Man wußte aber natürlich gar nichts. Das reizte die Franzmänner zu großer Wut, sie drohten mit allem Möglichen, bis man endlich eine Auskunft gab, die aber nur zur Irreführung diente, damit war dann ihnen und uns geholfen. "~ \ Es war mittlerweile 1t Uhr abends geworden, und wir sollten unser Nachtquartier beziehen. Zu diesem Zwecke, wurde ein von zwei Mauleseln belegter Stall leer gemacht, in den wir nun hineingrpfercht "wurden. Es war kein -Platz zum Sitzen oder Liegen, in völlig durchnäßter Kleidung mutzten wir die Nacht stehend verbringen, von de» Aufregungen und Strapazen mähr tot als lebendig. Die öfteren tröstenden Zurufe der französischien Soldaten: „Soyer contents pour vous, la guerre est iinie“ die auf deren Geistesverfassung ein merllvürdiges Licht warfeir und die uns zu beneiden schienen, konnten mich mit dem Geschick nicht versöhnen, und ich merkte an allem, daß ein neuer Krieg beginnen würde, — und so war es auch. Nachdem wir-zum Frühstück ein Stück Brot mit Heißhunger verzehrt hatten, setzte sich! unser Zug in Bewegung, um nach! dem "Innern des Landes "verbracht chn werden. Wir mjarschierten gegen 7 tlhr morgens ab und wände rten so den gantzen.Dag "mit Msnahme einer Mittagspause bis gegen 11 Uhr abends. Unsere Begleitmannschaft wurde öfters - ab gelöst, uns mutete man die ungeheuren Strapazen zu. In einem Keinen Heuschjuppen rasteten wir. Mau ' lag neben- und übereinander in den feuchten Kleidern und nässen Stiefeln, es war einem in diesem Momente alles egal, man wollw nur schlafen. - . Bei Zeiten wurden wir wieder geweckt, es ging weiter. Wie am vorhergehenden Tage, so waren wir auch au diesem Morgen an allen Plätzen, die wir passierten, den johlenden Zurufen einer fanatische» Menge ausgcsetzt, unter welchen sich besonders die Frauen hervortäten. In allen "möglichen Posen gaben sic uns ihre Verachtung zu erkennen, so daß man. sich oft amüsierte, ob man wollte oder nicht. Die Franzosen haben den. Sport, sich von den Gefangenen ein Andenken geben zu lassen, und besonders haben sie es auf "Achselklappen, Mützen und Uniformknöpfc abgesehen, aus letzteren lassen sie sich Ringe machen. So war man aus dem ganzen Wege einer ewigen Bettelei ansgesetzt, und wenn man nicht gutmütig herausrückte, mußte man der Gewalt.weichen. Wir iM)ertcn uns so langsam Chalons für Marne — gefangen wurde ich bei Massiges (Ihr könnt den Weg auf der Karte verfolgen) — und wurden dort in einem großen Gefängnis cingeliefert. Wenn wir glaubten, uns dort eiyer einigermaßen menschenwürdigen Behandlung erfreuen, zu können, so sahen wir uns sehr enttäuscht. Keine Waschgelegenheit bot sich, uns, um den krustendicken Dreck, der an Körper und Kleider klebte, zu entfernen. Wir wurden morgens um 6 -Uhr in drei Abteilungen in einen Hof geführt, der vielleicht 8:3 Meter groß war und an'der Kopfseite eine schmale Uäberdachung hätte und gar keinen Schutz gegen Regen und Schnee bot. Als Sitzgelegenheit war. die Erde da, das andere Inventar bestand in einer Wasserkanne und einem Kübel für menschliche Bedürfnisse. Dort mußten wir uns bis abends 6 Uhr aufhaltcn. Gespeist "wurden wir um 10 und 5 in Form einer Wassersuppe, die den Vorteil hatte, heiß zu sein und einem Viertel Brot. Abends kamen wir in einen Schlafsaal, lagen auf ebener Erde mit ettvas "-"Stroh, das aber stark bevölkert war, so daß wir die aus den Gräben noch vorhandenen Läuse nicht nur Nicht los wurden, sondern solche furchtbar überhand nahmen.' Dieses" Hnndelcvdn mußten wir 8 Tage führen, auch! Schreiben an die Angehörigen wurde urrs nicht gestattet, bis 'wir endlich am Sonntag den 20. Januar — die Franzosen wählen mit Vorliebe die Feiertage für Transporte zwecks'; Volksbelustigung — in Viehwagen verladen wurden und' nach zweimal 24 Stunden in Belle Ile antämen. Weiteres ein andermal. Gruß B. Literarische Notizen. Eine jüdische Tageszeitung begann in Poltawa, wo der Aufenthaltsort einiger tausend jüdischer Heimlosen aus Polen und Litauen ist, unter dem Namen ,',Der Jüdische He im lose" zu erscheinen. Das Blatt vertritt, wie der Name anmutct, die Interessen und Angelegenheiten jener Heimlosen. Die nationale jidischx Zeitung, das „Lodzer Volksblütt", hat eine 'durchgreifende Umgestaltung erfahren: Das Blatt hat sich, von seinem" bisherigen Verlag ^,,den Deutschen Staatsdruckereien" unabhängig gemacht und erscheint nun unter dem Namen: Das „Bolksblatt" sowohl in Lodz als auch in Warschau, hier von Israel K a h a u, dort von L. Kahan redigiert, der zugleich die Leitung des politisch-publizistischen Teils "übernommen hat. Rasch geht auch der langsam Schreitende seiner 3 freiung entgegen und stirbt nicht dem Verderben pre gegeben, und es fehlt ihm nicht an Brot." „Wie schön sind auf den Bergen die Füße des Bot, der die Friedenskunde bringt . . ." „Seid auf teure Lauterkeit bedacht, denn ihr si Träger göttlichen Werkzeugs!" Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens 67a Uhr in den meisten Synagogen (Bockenhei brech •eng ri Untcrlindau 7 Uhr, Hauptsynagoge Königsteinerstra 7-/2 Uhr). > Abend 8-/4 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenh,. Unterlindan 7% Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr, Slöni stcinerstraße 7 Uhr), Vereins-Kalender. npfhelz Thora-Bun d. Sonntag, 8V1 Uhr, Löge Adler, Scilcrstr.: Oeffcntl. V säinmlung (Referenteir Leo Wrcschncr, Tr. Jon Simon). Hrarrkfurter FaiuMermachrichte«. A Die erste. Mmmcr-des Organs"Poale-Zion Oesterreichs, „Der Jüdische Arbeiter", enthält u.' a. Beiträge über „Der jüdische Arbeiter und der Krieg", Der jüdische Kongreß in Amerika von L. CHasan0witsch, „Bor einem jüdischen Kongreß in Oesterreich" von Dr, M.^ Rose »selb und Scholaiun Alejchcm von M. S i n g c r. . Verlobte. Bettina Nauheim, Darmstadt mit Simon, Kaiserstr. 50. ' 80. Geburtstag. Johanna Weil geb. Schwäbach Zeil 02. Gestorben. Helene Kahn, Finkcnhofstr. 26. — G Mayer-Wolfs, 62 I., Eppsteincrstr. 37. — Mathilde Mi geb. Cahn, Wwe., 57 I. — Auswärtige Familiennachrichte«. lOffenbaeä er Druckluft-Anlage I Off «Ibach a. N. Telefon 183. (Anschluss mitFrankfhit). I JewShrteete TspplchrelnlfHSKg (100,000 qm jährlich) |sovie nnQbartroHena Battfadarnrslnlguno mittelst Druckluft und Wasserdampf. Wochen-Kalendr* Samstag, 25. August '(— 7. Stint.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7Va Uhr. « Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9>/, Uhr, in Berlin? Wochenabschnitt: S ch a u f t i in. — Einsetzung gerechter Richter. Einsetzung eines Königs. Abgaben der Priester. Wahre und falsch: Propheten. Kriegsrecht usw. Aus dem Prophetenworte" des Sabbats: „Ich bleibe stets unveränderlich derselbe — das ist's, was euch tröste. Warum fürchtest du dich da vor dem Menschen, der dahinstirbt, der wie Gras dahingegeben wird, — und vergissest Gott, der noch, jetzt dich gestaltet, noch jetzt die Himmel wölbt und der Erde ihre Festigkeit verleiht, und machest dir den ganzen Tag Sorge wegen der Wut des Drängers, als könne er dich vernichten; — wo ist nun die Wut des Drängers?' Verlobte. Lilly Renberger, Fürth mit Juli Schwarz, Berlin. — Elsa Herz, Gelsenkirchen mit Herma de Bries, Hamborn. Gestorben. Jette Löwenstein geb. Roth, Lollar. Isidor Augsburger, Rottweil. — Hermann Löwenstc mit mu 43 I., Hagen, i. F. — Alfred Jacob, 23 I., Wongrow i- F. — Julius Bloch-, Gebweiler, i. F. — Rcbecka Go schmidt geb. Herz, Monsheim. — Salomon Bing, 70 Friedberg. —- Johanna Klein geb. Kahn, Mainz. — 2i mann Lippmann, 78 I., Stolze,mu. — Regine Wass mann geb. Löbenthal, 62 F., Ansbachs — Therese Stil geb. Gallinger, 82 I., München. — Simon Kohn, 84 Buch,an. — Sophie Nolling geb. Benjamin, 76 I., H> nover. — Siegfried Simon, 57 I., Stuttgart. — Charlo , 1 j, Maycrstein, 54 I., Hannover. — Julius Rcichenhc 89 I., Dresden. — Simon Blum, 71 I., Mcllrichsta — Joseph Levy, 72 I., Hagenau. Allgemeine Mitteilungen. Frankfurter Nativnalsammlung für Hinterbliebenen unserer Krieger. Infolge des wiederholten Aufrufes sind in den letz Wochen für die Nätioualsammlung, Käiserstraße 23, tcre schöne Geschenke eingegangen, namentlich wert! Bilder, Bronzen und Porzellanfiguren. Die öffentl Ausstellung wird in, September eröffnet werden, die? iwahrei stcigcrung soll im Oktober stattfinden! Bis dahin wei weitere Gaben dankbar angenommen, und zwar sind ai den oben genannten Gegenständen namentlich, auch ar Möbel und überhaupt Antiquitäten sehr willkommen alle sonstigen Sachen, die einen wirklichen Kunstwcrt hä seresang Kunsthandlung H. Trittlcr Kunst-Ausstellung. Pas Graphische Werk von Siegfried Laboschin. Neuheit: „Das Morgengebet.“ KUNSTHANDLUNG H. Trimer r^scLtz. Goetheplatz 6|8 Kunsthandlung H. Trittler Institut für Scfcönfieitspflege Gesichtsmassage, Entfernung der Hantfehler, Gesichtshaare unter Garantie. M.Elser, Kirchnerstr. 9, Hth., 2. St. Christofle-Sackreuter Schillerplaftz 5 u. 7 Spezialität: Geschenke für Verlobung, Hochzeit, Konfirmation. IVAialtAitAti groaaar Auswahl eUUÜlltJIl irmf allon Prolslagon* 4^4^4^4b4^4^4^ Frankfurter Israel. Famllienklattes in den hebräischen Buchhandlungen, Zeitungsverkaufsstellen des Haupthahnhofs sowie in den Zeitungskiosken der Stadt. amm pi Damen-, Herren-, Kinderhate, Umformen — Reinigen — ‘Färben. Filz-, Velour-, Tölpelu. SamtUüte. 36 aparte Formen zur Auswahl Garnierte und nngarnierte Hfita za Fabrikpreisen. Telephon Amt Römer 7389. Gegründet 1873 GfOSSO Sandgassa 17, im Hause der Konditorei Gödel Strohnnd Filzhutfabrik O. Kretschmer er Gene Inland iteilung Strümpfe u. Unterzeug Crössta Auswahl! Hur bewährte Qualitäten! 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