Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 29 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 29. ist nach muhanlmedanischer Lührenur Schöpfungsgewöhnheit Gottes. Wie kann unter diesen UmMnden der Aixnsch .schuldig werden? Wir dadurch, daß er dem, was Gott ist und an ihm wirkte, seine innere Zustimmung erteilt. Der Mensch Tcimt Gottes Willen durch die Propheten, als deren letzter und abschließender Muhammed gilt. Das goldene Zeitalter des Islam liegt in seinen Anfängen. Mach dem Tode der ersten vier Nachfolger des Propheten trat eine Spaltung ein. . Das angeblich von Muhammed und diesen vier bckeutendsten seiner Genossen gegäene religiöse Gesetz wurde vernachlässigt.- Der Rückgang des Islam war die Folge. Der Islam ist, wie das Judentum, eine ausgesprochene Gesetzesrmrgion, und zwar wird nicht nur das religiöse Leben — Waschung, Gebet,-Almosen, Fasten, Pilgerfahrt — gesetzlich normiert, sondern auch ml das, was wir dem Rechtsüben zuweisen, was 'für uns unter den Begriff von Volkssitte und Anstand fällt. Das oberste' moralische Sittengesetz ist ebenso. wie der tägliche Gebrauch des Zahnstochers in gleicher Weise durch religiöse Vorschrift den Menschen auferlegt. f Tie Allgültigkeit des Gesetzt erstreckt sich natürlich auch auf dm Staat, da es dem Muhammedaner selbstverständlich ist, 'daß Staat und Gemeinde zusammenfallen, mi Leim Spitze der Kalif steht. Bürger des Staates ist nur der Moslem. Der Ungläubige ist nur Bürger zweiter 5llasse. Diese Lehren sind mit den Tatsachen schon in der Vergangenheit in Konflikt geraten und in der Gegenwart natürlich ganz unhaltbar. Die Unerfüllbarkeit dieser Bedingungen des religiösen Gesetzes für den gewöhnlichen Sterblichen hatte die fatale Folge, daß man in den islamitischen Ländern dm Begriff des Gesetzes in unserer Prägung nicht kennt, und daß man ein Gesetz für etwas nimmt, das dm Jdealzustand darstellt, den zu erreichen die Menschen zu schwach sind. ' - s Schon die bloße Kenntnis des Gesetzes verlangt einen cigcnm Stand, und so hat sich im Islam ein Stand der Rechtsgelehrten gebildet, der dem Schristgelehrtcntum des Judentums analog ist. Das religiöse Leben des' Islam erschöpft sich aber nicht auf dem Gebiete der juristischen Spekulation, sondern es hat nach langen Kämpfen in ihm die Mystik Platz gegriffen. Die populäve Forin der Mystik ist das Dcrwisch-- , tum, das soziologisch die Funktion unseres Vereinswcsens * erfüllt, aber ebenso, wie das antike und mittelalterliche Bereinswesen, religiöse Formen hat. Im Mittelpunft . dieses Dcrwischtums steht nun ein dem ursprünglichm Islam ganz frencker Kult des Propheten Muhammed, der als Jdcalmensch geschildert wird und als Persönlichkcitsideal allen Muhammedanern vorschwebt. Dieser Jdeal-Muhmumed, nicht der von unseren Forschern zum Tcll polemisch konstruierte historische Muhammed, ist der wirklich lebendige. So sehen wir dm Islam sich im Laufe der Jahrhunderte manchjerwi Bedürfnissen anpassen, und so wird auch der Islam sich mit der modernen Welt abfindcn können. Auf dein GÄiete des Staatsgedankens ist schon lange ein Anfang gemacht. Der moderne Verfassnngsstaat hat trotz des Kalifatsgedankens feste Wurzeln geschlagen; die Stälung zum GZetz ist eine andere geworden, und in der Bildungsschicht der Stellung unserer aufgeklärten Juden ihrem übernommenen Ritus gegmüber vergleichbar. Dogmatisch steht der Islam jn der Periode des RationMismus. Eine wirkliche Modernisierung verlangt natürlich auch bei ihm einen Vruch mit der mittelalterlichen Gebundenheit. Aber der Islam ist hurchaus befähigt, diesen Bruch' zu Vollzügen, ohne seinen Grnndchoraktcr zu verlieren. Die Bildung des modernen Islam ist eiNe Mischung von Jntell«cktualismus und Beschaulichkeit. Für den' .persönlichkeitsbildenden Wert der letztere» pflegen wir fetten Verständnis zu besitzen. Auf die Dauer wird als erziehender Faktor auch! das mooernc Wirtschaftsleben sich gellend machen, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß der Kampf zwischen modernem Kapitalismus' und islainttischer Weltanschauung von der letztere» eine Anpassungsfähigkeit erwartet, die größer sein muß als' alle Anpassung, die der Islam in früheren Jahrhunderten bewiesen hat. Jedenfalls aber wird der Islam etwas Eigenes bleiben, genau wie der Hellenismus de» Orient nicht gräzisiert, sondern eine neue Kulturform gefördert!hat. Die von da drüben. 'Amerika-Roman von Earl Ferdinand Rudolph. Umschlagzeichnung von Professor Hugo Skiuer-Prag. 2 Mk.» Leipzig, Paul List. Man gewinnt den Eindruck, daß der Dichter die Dinge da drüben in Amerika aus dem Augenschein kennt, und in diesen! Amstayd liegt der Reiz der Schilderungen. Interessant ist natürlich auch die letzte Fahrt der Lusitania, an deren Bord sich der größte Test des Romans abspielt. Zu beanstanden ist Ivesentlich', daß die Farben ohne Abtönung zu stark aufgetragen sind und dadurch zu viel Tendenz hervorsicht. Literarische Notizen. ,-Hazefira h." Die hebräische Wochenschrift „Hazefirah" in Warschau entwickelt sich in erfreulicher Weise, namentlich hat sie sich gediegene Mitarbeiter heranzuziehen verstanden. Der bchentcnde hebräische Dichter S. Schnöur bringt in den letzten drei Nummern (16, 17, 18) Bruchstücke eines neu verfaßten Romans. Eindrucksvolle Gedichte, Kriegsstoffen entnommen, stammen vom bekannten Lodzer jungen Poeten I. Kahan. Lllerarische Themen behandelt der anerkannte Kritiker F. Lachower. Außer politischen Aufsätzen finden wir wertvolle wissenschaftliche Abhandlungen; so von Dr. Poznanski und Dr. Simchoni. Aus dem Lager der zionistischen Jugend 'Warschaus .schreibt I. Gordon über die Strömungen in jungziomstlschpn Kreisen. ' „Das Volk." Das Warschauer jiddische Wochenblatt „Das Volk" ist dffiziell von der „Volksgruppe" als Parteiorgan übernommen worden. An der Redaktion nehmen teil: Sch. Hirschhorn, Sch. Stupnitzki, N. Prilutzki und Lazar Kahan. Die letzte Nummer (20) steht unter dem Zeichen des JahrStages der Volks- Partei, die bekannllichl bei den Stadtratswahlen in Warschau voriges Jahres entstanden war. Diese doppelte Nummer bringt Beiträge von N. Prilutzki, A. D. Momberg, Stupnitzki und alleren. Ein jiddischer Kinderverlag ist in Lodz unter dem Namen „Für unsere Kleinen" gebildet worden. Er beabsichtigt die Herausgabe von Kinder-Geschichten, geeigneten Theaterstücken, Liederbüchern und anderem mehr. Als erstes Buch ist ein Theaterstück in zlvei Akten, „Nothllelc" (Rotkäppchen), unter der gelungenen Bearbeitung von I. R a w i n, erschiene». Die erste jiddische Tageszeitung in N'ewyork „Vorwärts" feierte im Aprll ds. Jahres ihr 20jähriges Bestehen. Ein jüdischer Almanach in polnischer Sprache. Im Herbste erscheint in polnischer Sprache ein Sammelbuch „Jüdischer Almanach" (Verlag „Moriah", Wien, I., Ebendorferstraße 3/13) mit einer Reihe literarisch-wissenschaftlicher Beiträge namhafter jüdischer Schriftsteller, durch die Probleme des nationalen, ökonomischen und kulturelle» Daseins des jüdischen Volkes im allgemeinen und desjenigen in polnischen Ländern insbcsonders einer sachgemäßen Erörterung unterzogen werden. Durch eine entsprechende Verbreitung in allen polnischen Ländern soll hier der erste Annäherungsversuch gemacht werden zwischen dem bis jetzt abgesondert lebenden Teile der Juden. Galiziens und Russisch-Polens. Hebräisch-wiffeuschaftlich-literarische Monatsschrift. Anfangs September erscheint im jüdischen Buch- und Kunstverlag, Max Hickl, Wien 1111, Lerchengasse 6a, eine hebräisch - wissenschaftlich - literarische Monatsschrift. Offenbacher Prnetlnft« A nlagel Offsnbach a> M. Telefon 123. (Anschluss mitFrankfnit). I I bewährteste TspplBbFOlnlptlBB (100,000 qm jährlich) I sowie undbertroffena BBttfadsrnralnlgung mittelst I Drncklnft und Wassordampf. Wochert-Lalerrder. Samstag, 4. Aug. (= 16. Aw) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 10 Uhr, iij Berlin 9% Uhr. Wochenabschnitt: Woes' chanan. — Moses Bitte, das gelobte Land zu sehen. Ermahnungen an Israel. Die sechs Zufluchtsstädte. Wiederholung der Zehn Gebote. Der erste Abschnitt von Schema.. Aus dem Prophetenwort des Sabbats: „Tröstet, tröstet, mein Volk!" wird einst euer Gott sprechen. „Redet Jerusalem zu Herzen, rufet chm zu, daß erfüllt ist sein Heeresdienst, gesühnt seine Sünden, daß cs bei - all' seinen Sünden doppeltes gewonnen hat aus der Hand seines Gottes". . . Alles Fleisch ist Gras und all' seine Hingebung wie die Blume des Feldls. Es dorrt das Gras, es welkt die Blume, sowie der Hauch Gottes dagegen weht; — wahrlich, wie Gras ist das Volk! — Doch cs dorrt nur das Gras, cs welkt imr die Blume, — aber das Wort unseres Gottes bleibt ewig bestehen! ... Wie ein Hirte weidet er seine Herde, der in seinen Armen die Lämmer sammelt und in seinem Schoße sie trägt, die Säugenden aber besonders, leitet. Wer hat schon mit seinem Schuhe die Wasser und mit der Spanne die Himmel gemessen, wer mit dem Maße 'den Staub der Erde bestimmt und Berge und -Hügel auf der Wagschale gewogen? Wer hat den Geist Gottes erfaßt, wer ist der Mann seines Rates? . . . Siche die Völker sind ja wie der Tropfen int Eimer und dem Stäubchen in der Wagsch'ale gleich. . . Sic erhalten erst Bcdcutnng, wenn sie Ihm sich hingeben! Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens 672 Uhr in den meisten Synagogen (Bockeiihcim. Unterlindmr 7'Uhr, Hauptsynagoge Königstcinerstraße 7V2 Uhr). Abend 8yi Uhr in den meisten Synagogen (Böckeiiheim, Unterlindcük 772 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr, Königstcinerstraße 7 Uhr). Vereins-Kalender. Zionist. Jugcndgruppc. : Montag, 9—10: Hebräischer Sprachkursus. MittwÄs, 8V2—9he: Bchelkurs (Propheten). Mittwoch, 9-/2-IOV2: Hebräischer Konversationskurs. Krankfnrter FamiNe««schrichte». Verlobte. Martha Spcier, Körnerwiese 15 mit Dr. Hermann Oppenheimer. - Barmizwos. Ist Weil, Windeckstraße 35, Synagoge Friedberger Anlage. Gestorben. Jenny Hcßdörfer, geb. Auerbach, 67 I., Rödcrbergweg 97. — Leopold 'Halberstadt, 65 I., Hinter der schönen Aussicht 1. Auswärtige Farniliermachrichte«. Geboren. E. Sohn Leo Munk (Bamberger), Köln. —!E- Tochter Dr. Victor Veith (Goldstein), Nürnberg. — E. Sohn -Heinrich Mayer (Oppenheimer), Mainz. — E. Sohn Ernst Mayer (Neizenstcin), Mainz. Verlobte. Anna Simon, Linz mit Hugo Tannenwald, Kiel. — Elle Davidsoh'n, Sachsenhagen mit Bruno Konschewski, Cottbus. Gestorben. Mathilde Königsberger, geb. Oettingcr, 72 I., Nürnberg. — Sigmund Lerchienthal, 71 I., Nürnberg. — Salomon Löwcnsteiu, SO I., Commcrn. — Isidor Moser, 68 I., Aachen. — Jacques Bardach, 58 I., Elberfeld. — Alex Calmer, 79 I., Cöln. — S. Aronsohn, Dresden. — Felix Krämer, Berlin, i. F. — Franz Ornstein, Berlin, i. F. — Salomon Franken, 72 I., Emmerich!. — Jcttchen Roseiistcin, geb. Goldschmidt, 49 I., Hamburg. — Otto Löwenthäl, Stuttgart, i. F. — Hans Weinberg, 31 I., Wilmersdorf, i. F. — Max Rosengarten, 20 I., Berlin. — Harry Baron, Chärlottenburg. i. F. — Jngomar Camnitzer, Berlin, i. F. — Felix Stcinfcld, Osnabrück, i. F. — Ernst Weil, Ulm a. D., i. F. — Emil Straus, 27 I., Mannheim, i. F. — Amalie Meyer, geb. Ilbraham, 88 I., Bonn. Spende«. Bei der Nationalfondskommissio» (I. Heiman», Zeil 21) gingen ein: Evakuierte in Palästina. H. L. Lipinsky, Uhlandstr. 5 Mk. — Frau Sntzman», Luxemburger Mlee 100 Mk. — Durch Herrn Dr. Jsserliu, Soden von Moses Kling, Mommenheim 10 Mk. — Sally Kahn, Verzicht auf Sachverständigengebühr 10 Mk. — A. Ndnmann 2 Mk. Natio n al so nds. Frau Strauß, Rhönstr. 4, auf den Namen Lndivig Strauß 1 Oclbanm 6 Mk. — Bon den Hinterbliebenen auf den Namen Famry Demuth, anl. Jahrzeit 1 Oclbäum 10 Mk. Büchsenleerung. ' Alftcd Pick 30 Mk. — I. Wodowski 3.41 Mk. — Marburg 0.50 Mk. — S. H. Gvldmann 3.55 Mk. — Dessau 0.61 Mk. — Teplitzky 1.64 Mk. — Frau Dr. May 2.21 Mk. — Peiiswn Friedmann B.86 Mk. Briefkasten. L. Die konservativen Repräsentanten der Bcrliiicr jüdischen Gemeinde haben wegen der Berufung des Dr. Kellermann, des radikalsten aller ' liberalen Rabbiner, ihr Amt niedergelcgt. Justizrat Breslauer, der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum iii Deutschland, hat den Antrag gestellt, im Krantenhause der Berliner jüdischen Gemeinde eine Abteilung mit nichtritueller Kost cinznrichiten, damit kein liberaler Jude in die Gewissensbcdrängnis' gcraie, koscher zu essen. Alles Dinge, die da zeigen, daß trotz des Krieges das meiste wie vorher geblieben ist. ",.io ts-MMsi M. Spezial-Separator-Werkstatt für Büro - Maschinen und Beglstrler-Kassen aller Systeme. Sonder-Ahteüung: Schriftliche Arbeiten und Vervielfältigungen. Goethestr. 2. P» Köhler Co, Tel Börner 4678. Buchhandlung F. Saile, Bergerstr. 28 Abonnnmant-Stelle sämtlicher Modenhefte and Zeitschriften. Lieferang snf Wunsch ins Haas. mm An- und Verbaut gelesener Bücher. ■ leb bitte um geneigten Zuspruch. findet Einzelverkauf, AvonnementL- und JnseratenannaHme des Frankfurter Israelitischen Famttienvlatt bei dem Annoncenbüro I. Freid, Rymaröka 16 statt. Atelier kür Oiseiiereu und Lodelliereu. 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