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Neue jüdische Presse · 1917-08-03 · Heft 29 (3.8.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 29 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6e8e 2. gegenüber dem General-Anzeiger Vornehmes Familien-Kaffee PST Nachmittags u. Abends Konzert. 1 Jetzt müssen auch die Mauern der zwei letzten Ghettis, die im alten Europa noch geblieben sind, stürzen: das sinnländische und das rumänische. Sie werden stürzen wie die Mauern Jerichos vom Posaunenschall der großen russischen Revolution. Wie mitgeteilt wird, ist. in Finnland bereits das entsprechende Gesetzesprojekt fertig. Wir wollen hoffen, daß Rumänien nicht wird warten wollen, bis wieder der Friedenskongreß selbst diese Frage lösen wird. Von uns Zionisten wurde bchauptet, daß wir das Galuth verneinen, daß uns die Fragen der Diaspora gleichgültig lassen. Noch .mehr, manche behaupteten sogar, daß für uns das Prinzip gilt: je schlimmer desto besser. Zionismus, sei, behaupten sie, eine Reaktion auf Rechtlosigkeit; wird die Rechtlosigkeit verschwinden, wird auch der Zionismus keinen Boden mehr haben. Nichts ist verkehrter als eine solche Behausttung. Es genügt, vorurteilslos das Baseler Programm zu lesen, um die richtige Sachlage zu «Haffen. Die Organisation und Vereinigung der jüdischen Kräfte-in den einzünen Ländern, die Hebung des nationalen Bewußtseins,— ist es denn nicht dasselbe, was auch die nichtzionistischen Miven Elemente im Judentum erstreben? Für sie aber erschöpfen diese Aufgaben die ganze Tiefe der natioiralen Arbeit. Für uns ist es nur eine Stufe auf unsereul WM, der zum Endziel fiihrt, zur Wiederbelebung unseres' Volkes in seiner alten Heimat. Das Wesen der in der Diaspora geschaffenen Arbeit und ihre Bedeutung wird aber dadurch nicht geändert. dkoch klarer und ausgeprägter zeigte sich diese unsere. Stellung zur nationalen Arbeit in den Beschlüssen unserer .Konferenz zu H.elsingfors, derselben Konferenz, die uns die alte Regierung bis zu ihrem letzten Memzuge nicht verzeihen konnte. Endlich .müßten gerade die Kriegsjahre und die Monate der' russischen Freiheit alle diejenigen darin überzeugt ljafiten* .bereit Irrtum» ohne Falsch war. Schwere Leiden hat der Weltkrieg dem russischen Judentum gebracht. Me Zahl der Juden, die auf dem Felde der Ehre gefallen jmb, ist unmeßbar. Mit ihren GÄeinen sind die Ebenen von Polen und Litauen, die Gebirge der Karpathen, die Gefilde der Champagne und Belgiens, die Hügel von Gallipoli und des weiten Asiens besät. Gedenken wir auch derer, die als unschuldige Märtyrer ohne Gericht und Untersuchung der verbrecherischen und sinnlosen Verleumdung zum Opfer gefallen find. Nicht leicht wird diese Wunde der Volksseele gehellt werden. Hunderttausende unserer Bruder wurden aus ihren Wohnsitzen geworfen und wie Staub über das gesamte Reich zerstreut. Hunderttausende sind in ihrem Städtchen geblieben, haben ober jede Existenzbasis.und jede Unterstützung ihrer Nächsten verloren. Eine große Hüssarbeit tat not. Nachdem die erste Hilfe geleistet worden war, war es an der Zeit für eine neue und größere Arbell: für das nationale Bauen in den bescheidenen Formen und unter den ungünstigen Umständen, die das mißtrauische Regime gestattet hat. Bei all dieser .Arbell im Zentrum und in der Peripherie standen die Zionisten überall in den ersten Reihen. Der Zionismus anerkennt die Wichtigkeit der Diasporaarbeit. Keiner von uns. meint, daß das jüdische Volk sich in absehbarer Zell in seiner Gesamtheit von neuem .in. Palästina konzentrieren wird. Dies ist auch für die Lösung des Problems garnicht notwendig. Was uns nottut und was wir «streben, ist die Schaffung eines national-territorialen Zentrums für. das über Me Weltteile zerstreute Volk, eine nationale Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Metropole für die nationale Diaspora. Für dieses Zentrum ist die Grundlage schon gelegt worden. Es wird jetzt gebaut mtb durch neue Kräfte und- Mittel der Peripherie gestärkt werden. Die Peripherie ist für uns daher sehr wichtig, andererseits werden die Volkssplitter, die unter anderen Nationen zerstreut sind, nur dann ein gesundes Leben führen können, wenn sie Lebenssaft aus der Metropole erhalten werden. Nur so, im steten Zusammenhang des Zentrums und der Peripherie und ihrer organischen Wechselwirkung, denken wir uns die Regeneration des jüdischen Volksorganismus, die Lösung des Gesamtproblems des jüdischen Volkes. Dieser Zusammenhang .wird unseren Volksmasjen immer greifbarer und verständlicher. Wer von uns hat nicht das Leben des jüngsten Zweiges des jüdischen Volkes, des amerikanischen, im Verlauf der letzten einundeinhalb Jahre beobachtet? Hunderttausende .Arbeiter vereinigen sich in der Forderung der nationalen Rechte in der Diaspora und des autonomen Zentrums in Palästina. Die Newyorker Kehilla, die IV2 Millionen Juden repräsentiert, tritt mit derselben Losung auf, endlich die mächtige Kongreßbewegung, die das Drei-Mlllivnen-Judentum erfaßt hat und die sich diesen Herbst in so wichtigen Beschlüssen vollenden wlld. Fassen Sie alle diese Tatsachen zusammen, und Sie werden sich überzeugen, daß die Harmonie, von der wir träumen, längst den Organisationsrahmen überschritten hat und zur Losung des Gesamtvolkes geworden ist. In anderen Ländern wurden diese Probleme durch die Sorgen und Forderungen der Kriegszeit in den Schatten gestellt. So war es eine lange Zeit auch bei uns. Da kam die Revolution, und die schaffende Arbeit wurde herrschend. .Sie stellte diese Ausgaben auf eine .solche breite Grundlage und beleuchtete sie so hell, wie es nur dort, wo das ganze Leben von Anfang bis zu Ende neu umgefornlt wird, möglich sein kann. Demnächst soll in Rußland ein jüdischer Kongreß stattfinden! Dieser Kongreß toirb sich nicht auf die Lösung der Fragen, die mit dem russischen Judentum allein verbunden sind, beschränken können. Nicht solcher Natur ist der gegenwärtige Augenblick. Der Weltkrieg hat die ganze Menschheit ergriffen; er hat alle nationalen Problenre in ihrem weitesten Umfange auf die Tagesordnung gestellt uird strebt danach, sie grundsätzlich zu lösen. Der Kongreß muß sich daher mit den Fragen, die allen Teilen des Judentums gemeinsam sind, befassen, sonst ist uns ein solcher Kongreß undenkbar. Sonst ist er auch — wir glauben fest daran — für das gesamte jüdische Volk undenkbar. Noch eine Forderung haben wir an den Kongreß zu stellen. Er muß auf weiten demokratischen Grundlagen einberufen werden. Nur daun wird er die Hoffnungen und Anschauungen des ganzen Volkes zum Ausdruck bringen; nur dann wird er die gehörige Autorität nach außen und innen genießen. Die geschilderte Arbeit für Staat und Nation wird die höchste Anstrengung unserer Kräfte verlangen. Aber indem wir die Bedeutung dieser Aufgaben betone», werden wir — ich bin fest davon überzeugt — keinen Augenblick vergessen, daß alles, was das Judentum für sich in der Diaspora schaffen kann, mir ein Surrogat des nationalen Seins darstellt. Für uns gibt es nur einen Weg zur Gesundung des Volkslebens, das ist der Weg, den wir schon längst verkindet haben und auf dem wir schon bald drei Jahrzehnte langsam aber sicher vorwärts' schreiten. Hier ruht der Schwerpunkt all unserer Hoffnungen, Absichten und Arbeiten. Die großen Weltereignisse, deren Zeugen und Teilnehmer wir sind, konnten nicht an dieser unserer Ueberzeugung rütteln. Im Gegenteil, sie befestigten in uns nur die Gennßheit ihrer Richtigkeit. Denn das', was wir behaupten, behaupten und fordern jetzt alle Völker, einen Boden, einen eigenen Boden für ein freies Leben. Mit unsagbarer Freude und Stolz erfüllt uns das Verhältnis der breiten Volksmassen zu unserem Ideal, das. .sich, während der Tage der großen Revolution ttmdgegeben hat. Trotz der Nr. 29. großen. Freude,, die die Emanzipation hervorge rufen hat, hatte sich das, jüdische Volk keine, Augenblick im Freudentaumel verlören. -Was. ge schah und was geschieht, ist das Gegenteil voi dem, was unsere Gegner prophezeit haben. Anallen-Gegenden Rußlands erreichen uns znsammei mit den jubelnden. Kundgebungen über die Befrei nug auch Erklärungen der unerschütterlichen Treu, für unser ewiges Ideal der Regeneration in nur serem Palästina. Jung und alt, arm und reich Soldat und Zivilist, orthodox und freigesiuut - alle vereint die Ueberzeugung: jetzt, gerade jetzt aus den Ketten der Knechtung befreit, könne, wir freudig und eifrig uns dem Dienste unsere Ideals weihen. Die größten Säle sind nicht i,„ -stände, all die Massen, die dies verkünden wollen aufzunehmen; vieltausendköpfige Meetinge, Demo,, stratiouen mit blau-weißen Fahnen in den be deutendsten Städten des Reiches, von selbst, sic bildende, unzählige Zellen, die sich in Rayons und Distriktsorganisationen zusammentun, die tut geheure Nachfrage nach zionistischer Literatur, - das alles zeugt klar, wie reif unser Volk if .sein altes Ideal aufzunehmen und es zu vc, wirklichen. Doch wir Hütten der Beweise garnicht bk dürft, wie »ich das jüdische Volk zu seinem Idee stellt. In all dem, was das Volk bereits ,' Palästina geschaffen hat, ohne jede Unterstützt»' eines Staates, bei völliger Gleichgültigkeit d Finanzkreise und bei unglaublichen Schwierigkeit! und ernsten Hemmungen von außen, offenbarte sii der Wille d e s V 0 l k e s in seiner ganzen Kra und Entschlossenheit. Unsere vordersten Stellunge und die -Avantgarde, die sie verteidigt, zeigen a besten, tvelches der Geist ist, der im Volke herrsch Gerade die letzten.Kriegsjahre legen von di Standhaftigkeit unserer Pionier Zeugnis ab. Ein kleines Ländchen mit wen Vorräten, wo das Leben erst im Anbeginn i wurde plötzlich von allen Teilen der Welt g trennt: keine Einfuhr, keine Ausfuhr. Woher, so es Kraft nehmen, die Last dieser Leiden zu c tragen? Und unsere Gegner beeilten sich, u, mit einer mitleidigen Miene ihr Bedauern ausz drücken, daß die Arbeit so vieler Jahre jetzt Grunde gehen muß. Mit Freude und Stolz könm wir aber jetzt konstatieren, daß alle unsere P sitionen im Lande aufrecht geblieben sind, dt kein einziger Kolonist und kein einziger prod« tiver Einwohner der Stadt in diesen schweren Ja rcn seinen Posten verlassen hat. (Schluß folgt.) Nr. 1 E, FI tigungen Rar Sftal.; bedurfte den Hä, getragen Es mit geri herigc C bis die Wv sielen, t Einer s blieb sch lang zu Eine stürmische Bersammluug der Petersburger jüdische« Gemeinde Bei Anwesenheit von etwa 400 Personen fand,0 14. Juni eine allgemeine Versammlung der Petersburg jüdischen Gemeinde statt. Nach der -'Eröffnung dm A. Warschawski wurde N. Kreinin zum Be sitzenden gewählt. B. Slosberg verlas sodann d Protokoll der fünf Wochen vorher stattgehabten Versanr lung. Das Protokoll besagt u. a., daß bei den Wahl zur Gemeindeverwaltung nur acht Kandidaten die absob Mehrheit erhielten. Es fei deshalb ein Protest mit Unterschriften cingelaufen, der sich auf die Behaupt»! gründet, die Wahlen seien ungesetzlich gewesen, da et> 89 Personen erst eine Stunde vor der Versammlung d Gemeinde-Mindestbeitrag von drei Rubel zahlten. Ai an den Stadthauptmann sei ein Protest gesandt worb mit dem Ersuchen, der Wahl seine Bestätigung zu v! sagen. Die acht gewählten Herren hätten inzwischen Ungesetzlichkeit der Versammlung anerkannt und ihr A niedergelegt. Zum Schluß sagte Slosberg, daß die bisher Verwaltung nicht die Verantwortung für die brennen! großen Aufgaben allein auf sich nehmen könne, er be« trage daher, eine neue Verwaltung zu wählen. Minkowitsch widersprach dem Anträge, da die Organisierung der Gemeinde auf demokratischer Gru> läge vor sich gehen müsse; die Wahlen könnten in z bis drei Monaten vorgenommen werden. Nunmehr ergriff, stürmisch begrüßt, Senator Gr s e n b e r g das Wort. Er war der .Vorsitzende der tiorij Versammlung und fühlt sich durch die Proteste persö! beleidigt. Bisher, seien die Gemeindeversammlungen der Regel von etwa 30 Menschen besucht worden, die.vorige Versammlung mit ihren 433 Anwesenden nicht die Wische Ehre wahren können, denn die Per! 'Die scheu am 23. 50 Nab führte leitend jüdische Be sationcv der Obi Zentral Bcwegu schlossen — ein — Jug rachi c öO»/» ui Da Lehreritominci Kvngrcs und üb Organi arbcits! gewann „Misro ähnlich? Di« lutionei jüdische Wieder! 200,00t poratio Fragen Hand widmei Die „9 finniseli Projcki ge n 0 A> höhere von 6 bürg, lich in von B und 3 A dische zu lo! israeli 4k Proust 5 Pr (unter sich - Aufga Kt JSr Jeden

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