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Neue jüdische Presse · 1917-08-03 · Heft 29 (3.8.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 29 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Tie nationale» Ströniungen innerhalb der Judenhell ^eise» Entgleisungen auf, ebenso wie die religiösen Ströüngrn. Doch dies hat mit der Bewertung der nationalen Idee so wenig zu schaffen wie mit der Bewertung |re Religion. Der reine Nationalismus ohne Religion und die eligwn, beraubt ihrer nationalen Wem, Heide stellen mseitigkeiten dar. DaS Judentum der Väter hatte nie eligion und Volk getrennt. Wir verurteilen es, wenn Nationale Juden sich z. B. zu der Entgleisung einer ligionslosen nationalen Einseitigkeit versteigen können, sagen, getaufte Juden könnten Mitglieder der jüschen Gemeinde werden. So geschah cs jüngst auf einer ersammlung in Petersburg. Wir verurteilen es äebr iich, wenn Nurkonfessionelle das Judentum seines Nationen Wesens entäußern wollen. Eine Zerreißung der neu JudeNheit in die Judenheiten der verschiedenen Inder der Well und innerhalb der Judenheit eines den Landes eine unendliche Schwächung des.'jüdischen ebens sind die unabweislichen Folgen davon. Ter Nationalismus, der die Erhaltung der Judenheit strebt und deshalb von der Sehnsucht nach 'Palästina id der Liebe und dem SolidaritäEgefühl zu allen juchen Individuen getragen wird, erfüllt damit ein Stück aditionelles Judentum, und cs ist schier unverstündh, wie Männer mit weitem Blick sich dieser Tatsache schließen können, wie sie nur krampfhaft nach den ntgleisungen suchen und die gewaltige Bedeutung der üionalen Strömungen für die Weckung und Förderung bischer Interessen bei Kreisen, die unter anderen Nminden zum großen Teil für eine jüdische Zuklmst ver ren gewesen wären, nicht sehen wollen. Man sollte meinen, daß gerade die traditionell geeilte Judenheit wie ein Mann sich der nationalen Beegung hätte anschließen müssen. Leider ist dem nicht Teils hat die Konfessionalisierung und Entnationalirung sogar in diesem THle der Judenheit Platz gegriffen, jls ist es das mangelnde Selbstvertrauen, den Auf den gewachsen zu sein, die gerade des traditionell geinten Juden, der sich der nationalen Bewegung getreu ner Pflicht anschließt, warten. Die den Ueberlieferungen Väter treue Judenheit sieht schon lange, wie cs ihrem Bestände abbröckelt, und sie glaubt daher, daß notwendig sei, den Blick nur »ach innen zu kehren id nach außen nur dann aufzutretcn, wenn es der Berdigung eigener Interessen gilt. Diese Methode hat «r wcker qualitativ noch quantitativ wesentlich gefördert. Wenn die traditionell gesinnte Judenheit in ihrer esamtheit mehr Wagemut und Selbstvertrauen gehabt tte, wenn sie stets überall dort zu finden gewesen ire, wo sich Mische Werte, wenn auch nur im Bruchl, zeigten, sie selbst 'hätte den größten Nutzen davon habt. Denn die Vermehrung ihrer Interessen und Gehtspunkte hätte Tauseiwe an ihr gefessell, die ihr so lloren gegangen find.. Im Rahmen dieser Ausfützngen möge nur die nationale Bewegung hervorgehoben n, und es sei uns hier zur Verdeutlichung ein Beispiel s dem Leben, gestattet. Bon den Enkeln und Urenkeln - großen Samson Raphael Hirsch s. A. sind verschiebe der akademisch gebildeten dem Judentum gegenüber, ihnen einzig Religion ist, gleichgültig geworden, iren diese Enkel und Urenkel' aber von der nationalen wegung ergriffen worden, ihr Denken wäre im jü- [djen Interessengebiete geblieben und sie hätten auch religiösen Judentum'viel näher als jetzt gestanden, lleicht wäre sogar der eine oder andere von ihnen i wieder ganz gewonnen worden. Ein Teil der traditionell gesinnten Judenheit hat rechten Weg erkannt, hat wieder wie die Väter mit religiösen auch das NMionale. Judentum aus seür "kr:: geschrieben!- und hat sich, in der- Organisation des Misrachi vereinigt, der nationalen Bewegung angeschlossen. Auf denr Misrachi liegt deshalb die kraftvolle Zukunft des Judentums. Gerade in dieser ernsten Zell, die wir jetzt durchleben, möge der Ruf durch die ganze traditionell gesinnte Judenhell gehen, nicht weiter den Weg nach der einseitigen Konfessionalisierung, sondern den Weg nach dem religiösen und natwnalen Judentum der Väter einzuschlagen und sich deshalb dem Misrachi anzuschließen. Zum Kongreß der russischen Zionisten. Der jüngst stattgefundene Kongretz der russischen Zionisten ist von weittragender Bedeutung sowohl für die Entwicklung des russischen Judentums wie auch der zionistischen Betvegung. Vom russisch-jüdischen Standpunkt betrachtet, hat der Kongreß gezeigt, von welch starkem natiolem Willen das. emanzipierte russische Judentum getragen ist. Die große Zahl der Delegierten zum Kongreß das lebhafte Interesse, das ihm von allen Seiten innerhalb der russischen Oesfentlichkeit entgegengebracht ward, und das in der ausführlichen Berichterstattung über die Verhandlungen des Kongresses durch die allgemeine Presse sowie in den offiziellen Begrüßungen durch den Minister des Aeußeren, den Arbeiter- und Soldatenrat und andere führende Körperschaften des neuen. Rußland seinen tveithin sichtbaren Ausdruck fand, all dies zeugt von der machtvollen Stellung des zionistischen Gedankeris innerhalb des russischen Judentums, zeugt damit von dem entschlossenen Willen desselben zur Wahrung seiner Eigenart auch auf der Basis der neu errungenen Gleichberechtigung. Insofern bedeutet der russische Zionistenkongreß das erste eindrucksvolle Bekenntnis des russischen Judentums zum national-jüdischen Gedanken seit seiner Enmnzipation. Nicht minder bedeutsam, ja bedeutsamer und beachtenswerter vielleicht noch erscheint der Kongreß der russischen Zionisten vonr allgemein zionistischen Standpunkt gesehen. Hier ist das wichtigste Moment sein einmütiges Bekenntnis zur Neutralität, die Zurückweisung jedes Wer suches, den Zionismus mit den Interessen einer der beiden kriegführenden Mächtegruppen zu verkoppeln. Man iveiß, daß solche Versuche bereits oft unternommen sind; weiß auch, daß, je mehr der Krieg sich seinem Abschluß nähert, für alle neutralen Faktoren, seien es ganze Staaten oder einzelne Organisationen, die Bewahrung ihrer neutralen Stellung immer schwieriger wird. Umso bedeutungsvoller ist es da, daß der russische Zionismus, der fahrende Teil innerhalb der zionistischen Gesamtbewegung, energisch und ein mütig sich zur Wahrung der streng neutralen Haltung des jüdischen Volkes und der zionistischen Organisation im besonderen bekannt hat. Es ist dies unlso bedeutsamer und für den verantwortungsvollen. und politischen Sinn der russischen Zionisten ums» bezeichnender, als der Kongreß unmittelbar während der Evakuierung von Jaffa stattfand und somit ganz unter dem Einfluß der vertriebenen, vielfach lügnerischen Meldungender englischen und neutralen .Presse über die angeblichen Judenverfolgungen in Palästina stand. Trotz all dieser Nachrichten, trotz der türkenfeindlichen Stimmung,. die jetzt in Rußland naturgemäß herrscht, hat der russische Ziomstenkongreß in keiner Weise gegen die Türkei Stellung genommen, sondern durch seinen Vorsitzenden Dr. Tschlenow sein Bekenntnis zur Loyalität ihr gegenüber wiederholt. Die. Rehe -TschlsrkoM ist ein bleibendes Dokumylt, das in eindrucksvoller Weise Zeugnis ablegt von der politischen Reise und dem tiefen nationalen Berantwortungsbewußtsein der russischen Zionisten. Diese Haltung der russischen Zionisten ist besonders wichtig sür die Stellung des Engeren Aktions-Komitees und die Aufrechterhaltung und konsequente Weiterführung seiner Politik. Man weiß, daß das E. A.-K. seit den ersten Kriegstagen eine unbedingte und.unerschütterliche Neutralitätspolitik verfolgt, und man weiß .auch, daß von manchen Seiten innerhalb der Organisatton deswegen heftige Angriffe gegen das E. A.-- K. gerichtet worden find. Es war zu befürchten, daß unter dem Eindruck der vielen Versprechungen, die von Seiten der Entente den Zionisten in .letzter Zeit gegeben wurden, diese Gegnerschaft zur neutralen Politik des E.. A.--K. sich vcrMrken konnte. Diese Gefahr ist durch die Stellungnahme der russischen Zionisten beseittgt; ihr Kongreß hat die Politik des E. A.--K. restlos gebilligt und ihre Fortführung für die Zukunft als unbedingt notwendig erklärt. Gestützt aus dieses Votum der russischen Zionisten ist das E. A.-K. in der Lage, allen etwaigen .Angriffen gegen seine Politik ruhig entgegenzusehen in dem Bewußtsein, daß die überwältigende Mehrheit der Organisation hinter ihm steht. Neben dieser inneren Stärkung und Befestigung der zionistischen Neutralitätspolitik, die der russische Zionistenkongreß zur Folge haben wird, ist er auch geeignet, allen von außen her kommenden Beschuldigungen und Verdächtigungen des Zionismus, daß er im Dienste englischer Interessen stehe, den Boden zu entziehen. Solche Beschuldigungen hat man in lAter Zeit zuweilen vernehmen können, und selbst ei» Blatt von hem Rang der „Frankfurter Zeitung" hat sich nicht gescheut, eine Meldung dieser Art zu publizieren. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß all solche Behauptungen falsch sind und entweder tendenziöser Mache oder völliger Unkenntnis der Verhältnisse entspringen. Das Votum der russischen Zionisten erweist die Sinnlosigkeit dieser Behauptungen mit aller Deutlichkeit und muß jeden davon zu überzeugen, daß der Zionismus heute so neutral ist, wie er vom ersten Tage des Krieges gewesen ist, daß seine Politik, die aus dem unerschütterlichen Prinzip der Neutralität ruht, unverändert bis heute geblieben ist und auch .jnt weiteren Verlaus des Krieges unverändert bleiben wird. Eine Rede Dr. Tschleuows.*) (Im Auszug.) Erst drei Monate sind vorüber, seit sich Rußland die Freiheit errungen hat und die Provisorische Regierung in Gemeinschaft mü dem Rat der Soldaten- und Arbeiterdeputierten die.schmachvolle Rechtlosigkeit der Juden, die seit Jahrhunderten RuWand befleckt hatte, schleunigst ans der Welt geschafft hat. Die Geschichte unseres Volkes kennt kein zweites Beispiel der Vernichtung ^ines sa großen Ghettos tote dieses, weiß keine Befreiung, die so menschlich einfach durchgeführt wurde von den einen und so würdig^ empfangen wurde von den anderen, wie diese. Wir senden der Provisorischen Regierung, unseren .herglichen Gruß! - *) Gehalten am 6. Juni aus der zion. Delegierten« Jonfmna-m; l\

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