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Neue jüdische Presse · 1917-07-27 · Heft 28 (27.7.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 28 (27.7.1917)
Date
1917-07-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mmmm KUIWII ■RRRRHRI Seite <ä. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 28. Nr xexennber dem venernl-AnzeiAer Vornvlime8 familien-Kaifee Nachmittags u. Abends Konzert. ausschließlich äC „Jüdische -- Rechte-Kongreß" betrachtet, weiterer Schritte enthoben hat. Die Presse vermutet, das Komitee befürchte. Laß die Wahlen zum Kongreß klar ergeben würden, daß das Komitee in Wirklichkeit nicht, wie es behauptet, 500,060 jüdische Arbeiter vertritt. Als dritter Grund wird angeführt, daß die Führer des Komitees ihr Interesse mehr Parteifragcn als allgemein-jüdischen zuwendcn. Einige Zweigvereine Haben - beschlossen, sich doch beim Kongreß vertreten zu lassen, und es herrscht die Ansicht por. Laß die jüdischen Arbeitermassen in ihrer Eigenschaft als Juden ihre Delegierten trotz dieses Schrittes der Leitung ihrer'Parteigeschäfte zum jüdischen Kongresse entsenden werden. Die Mische« Frauen Amerikas und der jüdische Kongreß. Der Wunsch der jüdischen Frauen Amerikas, aktiven Teil am amerikanisch-jüdischen Kongreß zu nehmen, fand seinen Ausdruck in der Nominierung von 16 Frauen unter den Delegierten von Groß Newyork. Die Zahl der weiblichen Delegierten wird jedoch zweifellos erheblich größer sein; denn es kommen die. Delegierten aus anderen Städten und die' Vertreterinnen der Nationalen Frauen- Organisationen hinzu. ' Mshr als 200,000 jüdische Frauen Amerikas, die bisher keiner jüdischen Organisation angeschlossen waren, haben sich in „die Frauen - Organisation für den amerikanisch-jüdischen Kongreß" eintragen lassen. Die Tätigkeit dieser Organisation beschränkt-sich' nicht auf Newyork; in . 103" Städten sind Zweigvereine gegründet worden. Eine aktive Propaganda wird geleistet, Literatur wird verbreitet, Vorträge und Volksversammlungen werden veranstaltet, eine htteß-Kampagne wurde unternommen. Die Kandidatinnen vertreten die verschiedenen Interessen der Bevölkerungsklassen, von denen sie aufgestellt worden sind. Bisher wurden nominiert: Miß Henrietta Szvld, Miß Sadie American, Mrs. Samuel Mason, Frau Charles Spivacke, Frau Josef Fels, Frau Iah C. Guggenhcimer, Frau Richard Gottheit, Frau Nathan Straus, Frau Hillel Solotaroff, Dr. Stella Shaffer-Epstein, Frau . Morris Rothenberg, Dr. Dora Askowith, Frau Jda Lcvine,. Frau Charles Zunser. Rew-Aork, 10. Juli. Verschiebung des Kongresses. Der mnerikanisch-jüdische Kongreß ist auf den 18. diovember verschoben worden. Der Krieg und die Juden. . Frankfurt«!. M. 'KurtStern, Sohn des Herrn Mayer Stern, Eschenheimer Anlage 31, erhielt das Eiserne Kreuz. . Leipzig. Offizierstellvertreter Heinrich Wolf, ° Prokurist der Rauchwarenhandlung •. Leop. Apfel,. erhielt das Eiserne Kreuz 1. Kl. . München. Hauptmann Dr. PaulDreh, Sohn des Kommerzienrats Dreh, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Alm. Leutnant Otto Weil starb den Heldentod. Konstanz. Dipl.-Jng. Ludwig Schatz, Prokurist bei den Deimlerwerken, wurde zum Leutnant befördert. Wien. Fliegeroberleutnant Herrn. Bock, Sohn des verstorbenen Smichpwer Rabbiners, erhielt als zehnte Auszeichnung das Eiserne Kreuz 1. Kl. Blöchs ,Oesterr. Wochenschrift", verzeichnet in ihrer letzten vürmmer folgende Äuszeichnuugeu an Juden: 7 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 6 Militärverdiensttteuze 3. Kl., 16 silberne Signum laudis, 23 bronzene Signum laudis, 24 goldene Verdienstkreuze mtt der Krone, 11 goldene Verdienstkreuze, 12 silberne Verdienstkreuz» mtt der Krone, 1 silbernes Verdienstkreuz, 7 silberne Tapferkettsmedattlen 1. Kl., 20 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 31 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 85 eiserne Verdienstkreuze mit der Krone, 134 eiserne Verdienstkreuze, 12 belobende Anerkennungen des Armeeoberkommandos,' zusammen 388 Auszeichnungen; hievon 68 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 41 an Militärärzte und Militärbeamte, 280 an Personen des Mannschaftsstandes. Persoimlle« «. kleine Mttteilrmge«. pflegten zeigen, gelungen, Vorkehrung zu treffen, auch Erholungsbedürftige in den Monaten August und September zu verpflegen. Basel. 'Hier kommen 35 K i n d er an, die von der Adas; Jisroel-Gcmeinde in Berlin aus eine Ferienreise nach der Schweiz geschickt wurden. Wien. Gegen die Wahl des Professors D r. Hans Horst Mäher, des wahrscheinlich bedeutendsten Pharmakologen der Welt, zum Rektor der Universität, machte sich Widerspruch geltend, da er großväterlicherseits semitischer Abstammung sei, — und er wurde erst im dritten Mahlgang gewählt. ° Boloana. Dr. Margulies, der Oberrabbiner von Florenz, hat die voit K a f f a e l e O t t o l c n g h i letztwillig gesttfteten 20,000 Lire dem Rabbinerverbände zur Hebung des jüdischj-rcligiösen Lebens in Italien übergeben. Königsberg. Henriette Becker geb. Jsenheim, die Witwe des Geh. Kommerzienrats Becker, ist — 83 Jahre alt — in Charlottenburg verschieden. Sie hat auf dem Gebiete der Wohltätigkeit vielerlei geleistet. Ferner errichtete sie eine Sttftüng zur Herausgabe von Büchern, die sich mit den Leistungen der Juden in der Kultur beschäftigen. Durch diese Sttftüng erschien beretts das Buch „Juden als Erfinder und Entdeikr." . , ■ IfiettlöDit. Dr. G. KantorowiLkh-Bernburg ist hier als Rabbiner gewählt worden. 7 Köln fl. RH. Rabb. Dr. Fr.a»k begeht am 6. Sept. das 50jährige Amtsjubiläum. Baden-Baden. Dem Israel. Erholungsheim für Frauen und Mädchen, welches glaubte, wegen schwerer Beschaffung der Lebensmittel Kranw nur während der Monate'Mai-Juli verpflegen zu können, ist es, angchpornt durch die gute.Erfolge, welche die bereits Ver- Korporal Spitz. Eine österreichische Geschichte aus dem Jahre 1859 von Leopold.Kompert. _ | Am Nachmittage eines Wintcrsabbats im Jahre 1859 ging es in der großen Stube bei. Josel Spitz nicht wenig lebhaft zu. Um die Wette mit den Schneeflocken, die da draußen durch die Lust gar lustig wirbelten, flogen in der Stube drinnen die Reden hin und her, und nichts .Geringeres hatten sie zum Gegenstände als die Welthandel des' Tages, oder, wie wir das mit landläufigen Ausdrucke zu bezeichnen pflegen — die Politik! Ist das nicht gar merkwürdig, ja wmidcrbar zu nennen. In den Pariser Tuilerien hätten die Diener wahrscheinlich erst angefangen, den Staub aus jenem Thronsessel zu klopfen, worauf der junge französische Kaiser gesessen, als er mit jener bekannten Neujahrsrede den Gesandten eines großen Staates begrüßte — und in einem stillen böhmischen Gcttho saßen schon die Leute beisammen, sprachen nicht von: Stand der Hasenhäutchen und des Rohleders, nicht wie der nächste „Altbrünner" Markt ausfallen dürfte, sondern erörterten in aufgeregten Gesprächen und mit leidenschaftlicher Wärme, was die Folgen jenes Pariser Neujahrsgrußes sein könnten! Treten wir. in die weite Stube ein; es ist darin gar traulich und anheimelnd, und der mächtige Kachelofen strahlt eine behagliche Wärme «aus! Vielleicht können wir den Gesprächen gar manches entnehmen — was gedruckt zu werden verdiente ... Da ist, vor allen ein eisgrauer alter Mann, der im Lehnstuhl sitzt und Feiwel „Buchhalter" heißt, auf den wir besonders unser Augen- und Ohrenmerk richten müssen. Er ist beinahe fünfundachtzig Jahre alt und genießt in diesem Kreise eines an Verehrung grenzenden Ansehens. Wenn Feiwel Buchhalter spricht, schweigt alles, und die Fliegen an der Wand werden still. Namentlich seine polittsche .Weisheit wird bewundert; darin ist er die erste Quelle, woraus jeder, der nach einem klaren Trünke der Aufklärung dürstet, zu jeder Stunde des Tages schöpfen kann. Da er nämlich die Erfahrungen einer langen Vergangenheit für sich hat, so-vertreten diese bei ihm, wie bei so manchem allmächtigen Minister die Stelle der „Staatsweisheit".' Er hat sämtliche französischen Kriege, von dem. ersten' Ausbruch des Gewittersturmcs bis zu -dessen fürchterlichen Verhüllen auf der Ebene von Waterloo — am Schreibtisch mit der Feder in der Hand duttchgelcbt; ja in Schönbrunn war es ihm „Anno Neun" gelungen/ den großen „Napilion", wie er ihn in aller Orthographie zum Trotz nennt, beinahe an sich vornberreiten zu sehen;, aber um dieses „Beinahe" lag wie um eine ägyptische Pyramide der volle Zauber des Geschichtlichen —. fünfzig lange Jahre waren 'nicht vermögend gewesen, ihm in der Ueberzeugung der „Gasse" den kleinsten Abbruch zu tun! „Was ist von jeher meine Red' gewesen?" sagt er unter allgemeiner Stille,-während seine grauen Augen vor. sich hinstarren, „es soll einer aufstehcn und behaupten, ich hätt' nicht vor der längsten Zeit gesagt, daß der Napilion die'Welt nicht in Ruh' läßt. Meinen Napilion kenne ich zu gut dafür." „Wie .meinen Sie das, Herr Buchhalter?"- ließ sich eine vorlautspitze Sttmmc vernehmen, die dem Eisenttödler Gerson Stänglein gehörte. „Der, von dem 'Sie reden, existiert ja schon lange nicht mehr auf der Welt!" li. Krämer =plan»er Maew* Kalserhofstr.14. Waschen, Färben und Faponnleren allan Art Harr an- und Oamenhüta> Abholung und. Lieferung frei ins Hans. I E Kaffee Ruhland 9 Kaiserstrasse 56 Eniserstrasse 56 Täglich erstklassige MF* Unterhaltungsmusik *3 ■ Gesangs-Einlagen. - .... .'..i: lieber die- Gesichter aller Anwesenden, wie sie dl um den Tisch herumsaßen, schlich, mit Ausnahme bi\ Buchhalters, ein leiser Schrecken. Sie kannten den Alte, zu gut und wußten, daß er insein Gehege so leich keinen Eingriff erlaubte. Die Antwort blieb auch »ich aus. Feiwel Buchhalter richtete seine grauen Augci nach der Seite, woher jene vorlaute Frage gekommen um seine Mundwinkel spielte ein verächtliches Lächeln „Gott, Lebendiger!" rief er mit einem Tone, dessc, Schärfe ruck Eindringlichkeit man dieser verwitterten Ruin nicht zugcträük hätte, „was geschehen doch für. Wunde, heutzutage auf der Welt! Da sitzt einer sein ga» Leben bei alten Nägelnund verrosteten Eisenstangen und ich bin in der Welt gewesen und hätte den „Napi lion" mit meinen eigenen Augen bald in Schönbrni» gesehen, wenn nicht seine Leibwache um ihn herumgewcsci wäre. . . and da steht einer auf und sagt mir i, mein Gesicht hinettl, daß er tot ist. Wo hast du dein die Weisheit eingekauft, Gerson Stänglein? Ich möchl auch an den Ort hin, wo so etwas zu kaufen ist?" Das sonst blasse Antlitz des Trödlers rötete sicl bei diesen Worten merklich. „Das lass' ich mir nicht sagen, Herr Buchhalter das nicht. Was ich weiß, .das weiß ich, und darm halt. ich mich fest, wie an einem Geländer. Der, voi dem Sjp reden, der kann schon lange keinen Fing: rühren." Der Alte hustete stark, wie inrmcr, wenn ihn bei Zorn übermannte. Die blauen Adern auf seiner Stirn, schwollen gefahrdrohend an. „Ei du mein Züngele," rief er, nach dem frühere, Sprecher hingewandt, der, nebenbei bemerkt, gerade voi sechs Wochen das Glück gehabt hatte, die dritte seine, Töchter unter die /Haube' zu bringen. „Ei du mcii Jüngele, du willst gegen mich aufstehen und willst :nii etwas ablcugnen, was ich mit diesen meinen eigene, Augen gesehen habe? Hab' ich ihn denn dazumal Am, neun nicht gesehen?" Der Alte war grob geworden, das empfand de, Trödler mit lebhaften! Gefühle; dennoch bezwang c, sich noch einmal und rief mehr wehmütig als. zornig „Aber seitdem, Rebb Feiwel, Hat sich ja auf de, Welt so nmnchcs verändert." - „Nichts hat sich verändert, sag' ich!" schrie de, Buchhalter und schlug mit der knochigen Fast auf de, Tisch. „Der „Napilion". lebt noch, sag' ich!" „Also derselbe „Napilion" soll das am Neujahrs tage zum Gesandten unseres Kaisers gesagt haben?" ric Gerson der Trödler mit einem ausdrucksvollen Achsel zucken, das zu seinem Glücke den Augen des Buchhalter entging. ' In diesem Augenblicke wurde er jedoch von eine andern Seite durch einen ziemlich empfindlichen Fußsto, auf das Ungeziehmliche seines Benehmens aufmerksam gc macht. Der Erteiler dieser zarten Belehrung Wat Josc Spitz, der Hausherr selbst, der mit Recht einer, gewali samen Störung der Gastlichkeit [Beizeiten vorgreifen wollt. Der Trödler blickte auf, verstand aber sogleich die Al sicht des Hausherrn und schwieg. „Recht haben Sie, Herr Buchhalter," rief Jos, Spitz, „Gottes Recht, daß Sie dem da die. Wahrhci so ins Gesicht hineinsagen. In dem kleinsten Finger von Ihnen steckt mehr Weisheit als in seinem ganze Stängleinleib." . Gerson Stänglein lächelte zu diesen Worten bittersüß. Denn er liebte nicht das Witzeln, das seiner Namen galt. (Fortsetzung, folgt.) ' , lOlfenbaehef Druckluft-Anlage | Ottenbach a. ü. Telefon 123. (AnBBhiuBB mitFrankfiut), ewShrteste Tapplcbralnlflong (100,000 qm jährlich) IsoviennflbartroffanaBattlaaararelnlguno mittelst Druckluft und Wasserdampf. Woche»-Sale»der. Samstag, 28. Juli (— 9. Uw) Sabbat-Anfang i Frankfurt a. M. 8 Uhr 10 Min. v. Sabbat-Ausgang in > Frankfurt a. M. - 10 Ul 10 Mn., in Berlin 10 Uhr. Wochenabschnitt: Deworim. — Rückblick auf d .Wüstenwanderung. Marge U , 7] Abend U . st« Zi Säbbc Montc s G (Ster, Anshi] Tri Tel. R Isr Vorne! Vorb Uaba: Hli i; 12 Gl vii h So, vc 12 G auch ■v S 28

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