Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 28 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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t. Erscheint wöchentlich am Freitag. Srzngsprris pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. I.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert SO Pfg., frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1.50, für Rußland 1 Rubel,' für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel-Nummern kosten 10 Pfg. -■j ne. Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M. r: Cangeftr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. -S-3S=S——. HeeansgeSer: Oalp H>eis. Jnsertionspreis für die fünfgespaltene Petitzeile 30 Pfg., für die Reklamezeile Mk.1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnungsinserate, Heirats-Annoncen 20 Pfg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne jeden Rabatt. Platze und Datum-Vorschrift ohne Berbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei derExPed-und ina.Amwncen-Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. — 9! :iten.; für {tags all. und 17S. r tall, ».) '» J t. m. an. m K 13. 15 Jahrs-«-. Freitag, den 8. Aw 5677 (27. Juli 1917) Nr. 28. Vas würden die biblische» Propheten in diesem Weltkriege sagend siichvbeaw-Gedanken von Dr. Sretzinund Jampel, Schwedt a. Oder. (Schluß.) Jesajas verkündet den Untergang Babels, seil sein König „die Welt zittern und die Ander' beben machte, weil er die Königreiche >>. eine Wüste verwandelte, ihre Städte zerstörte md . ihren Gefangenen nicht die Türe öffnete", hl dem weltbeherrschenden Assyrerreiche „wird der!err Zebaoth unter die Fetten die Darre senden, md-seine Herrlichkeit wird er anzünden, daß sie >rennen wird wie ein Feuer" (14, 17; 10,16), .weil ie assyrischen Könige in ihren siegreichen Feldzügen >icht die Ausführung des Planes des heiligen Gottes, cr Assurzn seiner Zuchtrute machte, sahen, sondern llcs ihrer eigenen Macht zuschrieben; da ihr Herz arauf gerichtet war, „zu vertilgen und auszurotten licht wenige Völker." Ganz in derselben Weise sind politischen Zukunftsgedanken aller andern Propheten iach der moralischen Weltordnung, orientiert. IN rster Linie aber wird Israels Bestehen und' Beruhen nach seinem ethischen Wert und Unwert berimmt. Hier zeigt sich die wesentliche Differenz Wichen den Propheten Israels und den „Gottesmänicrn" der Gegenwart, die bei ihrer Beurteilung der lolitischen Ereignisse ebenfalls die göttlichen Llbichten erraten zu können glauben. Unser Vertrauen u den letztern wird schon.allein dadurch erschüttert, aß ihre Weisheit von den wichtigsten Weltereiglissen denselben immer nachhinkt,. daß sie mißlicher Zeise die himmlische Wahrheit immer, erst hinterher rfahren. Der Perdacht gegen die Echtheit ihres rophetischen Blickes wird natürlich noch dadurch getigert, daß die theologischl-politischen Kombinationen cr gegenwärtigen Gottesmänner sonderbarerweise nt den ränkevollen Plänen ihrer eroberungssüchtigen Minister und Heerführer sich stets decken. Nach dem lhmählichen Verrat Italiens, der ein Schandfleck >l der politischen Geschichte Europas bleiben kvird, mren es ganz hervorragende Vertreter der Religion, ie von der Kanzel herab dem italienischen Volke crsicherten, daß „Gott an der Spitze des italienichen Heeres marschiere." Daß es bei allen andern riegsührenden Völkern nicht anders ist, braucht hier licht dargelegt zu werden. So haben Israels Propheten nicht gehandelt; ie haben nicht nach dem Mdunde der Volksführer csprochen. Sie sind für die Wahrheit mit der Hinabe ihres Seins eingetreten. Dafür bietet uns schon klein das Verhalten Jeremias der Kriegspartei gecnüber während der Zerstörung Jerusalems die cuthichste Illustration. Was würden nun die biblischen Propheten in icsem Weltkriege sagest? 9kun, wie sie die gegenwärtige Blut-Sündflut im Rahmen der stnoralischen Zeltordnung betrachten würden, darüber wird jeder, cr die Moral der Friedenspolitik in den letzten Jahrzehnten kennt, und dem hxr prophetische Stil (läufig ist, Prophetenreden sich selbst konstruieren öunen. An die Mresse derer, jedoch, die sich als ie Nachfolger der biblischen Propheten betrachtenmrden sie m. E. folgende Worte richten; f Die Bibel mr es, die i zum ersten Mal die erhabensten Ideen, welche als Basis für eine Völkerverbrüderung dienen stlen, verkündet hat. Die Bibel ist es, die gelehrt ät, daß alle Menschen Gotteskinder sinddaß alle ii Ebenbilde„Gottes Geschaffenen gemeinsamer Mamnrung von einem einzigen Menschenpaare und mnt 6on zuhause aus gleichwertige Vüüder sind,. die sich daher als Kinder des einen einzigen himmlischen Katers gegenseitig lieben müssen, wie dieser Vater sie alle gleich liebt. Ihr aber, die offiziellen . Vertreter der biblischen Religionen, habt Euer heiliges Amt der Liebe und des Friedens dazu benutzt, um die Völker aufeinander zu Hetzen, sie gegeneinander zu reizen. Darum sollt Ihr es mitansehen müssen, tvie sich christliche Völker mit heidnischen verbinden, um andere christliche Völker auszurotten; wie sich evangelische Christen mit Katholiken und Griechisch-Orthodoxen vereinigen, um die größte evangelische Nation zu vertilgen; wie Kulturnationen mit Hilfe afrikanischer Negerherden die höchsten Kulturgüter Europas zertreten und die größte K ulturnation der Gegenwart zu' vernichten suchen! Solche Gedanken drängen sich uns besonders am Tischobeaw auf, da die Geschichte des Unterganges des jüdischen Staates uns .Jeremias und seinen Kampf gegen die Kriegspartei' in Jerusalem vor Augen führt. Da sehen wir, wie ein Prophet zu den politischen Fragen seines Vaterlandes sich stellt, wie er für die Wahrheit kämpft, wie er lieber sein Leben hingibt, als daß er die Wahrheit auch nur verschweigt, geschweige denn, daß er sie verleugnet. Reue jüdische Zeitungen i» Rußland. Das in Moskau erscheinende hebräische Wochenblatt „Haam" erscheint seit dem 1. Juli als tägliche Zeitung. In die Redaktion des Blattes sind.Grünberg, Dr. Glücksohn, M. Kleinmann und S. T sch er nowitz gewählt worden. Demnächst beginnt in Moskau das Wochenblatt „H a d o r" unter der Redaktion des bekannten hebräischen Schriftstellers David Frischmann zu erscheinen. Der „Hador", der ursprünglich in Odessa erschien, hatte vor einigen Jahren sein Erscheinen eingestellt. Das Wiedererscheinen des bedeutenden Wochenblattesist ermöglicht worden durch die Subvention von 100000 Rubeln, die ein Freund der hebräischen Literatur, Herr Stiebet, zur Verfügung gestellt hat. Das bekannte hebräische Journal „Haschiloach" erscheint seit dem 1. -Juli in Odessa unter der Redaktion von Dr. Klausner. Von Juli ab erscheint in Moskau eine hebräisch-pädagogische Monatsschrift „Marken u" (Unser Weg) und ein hebräisches Wochenblatt für Kinder unter dem Namen „S ch e t i l i m" (Wege). Ein - neuer hebräischer Verlag „T.e ch i a" (Renaissance) ist von der russischen Regierung bestätigt worden. Das Grundkapital von 300000 Rubel ist voll eingezahlt. Im Laufe des Monats Juni sollen weitere Beträge entrichtet werden und zur Organisierung des Unternehmens geschritten werden. Das Kapital des Verlages soll bis auf eine Million Rubel erhöht werden. In Kiew erscheint seit Juni eine jüdische Tageszeitung „Dos Volk". An .der Spitze des redaktionellen Kollegiums -steht der bekannte Schriftsteller und Zionist N. Syrkin. Seit 1. Juni erscheint in Petrograd eine große jüdische Tageszeitung „Volksblatt".unter der Beteiligung von S. Dubnow, S. Niger und I. Zinneberg. In Tis l i s beginnt seit dem 1. Juli ein Wochenblatt, in russischer Sprache für die jüdische Jugend, zu erscheinen, und zwar unter dem Namen „Junny Jsrail" unter der Redaktion von L. T a n d i t. In Odessa erscheint ebenfalls am 1. Juli, ein zionistisches Wochenblatt in. russischer ~ Sprache „Fewreiskaja Mysl" (Jüdischer Gedanke). Die Ziere Zion in Witebsk geben eine Monatsschrift unter dem Titel „Auf der Wache" in russischer Sprache heraus. Das Blatt verrritt den Standpunkt der zionistjschen demokratischen Jugend. Die zionistischen Studenten in Odessa geben eine Monatsschrift mit der Ueberschrift „Jung I u d a" heraus. Misrachi-Konsereuz in Amerika. Mitte Juni fand in Pittsburgh eine Konferenz der Misrachisten Amerikas statt, die von über 200 Delegierten besucht war. Die Verhandlungen erstreckten sich über fünf Tage. Unter den Delegierten waren 50 der führenden amerikanischen Rabbiner. Die Hauptpunkte der Tagesordnung behandelten die Palästina-Frage, den Amerikanisch- Jüdischen Kongreß, die Beobachtung des Sabbaths, eine fünftägige Arbeitswoche und die Verbreitung der misrachistischen Ideale unter der Jugend Amerikas. Während der Konferenz wurde eine Volksversammlung abgehalten, bei der ausschließlich hebräisch gesprochen wurde. Der Misrachi hat jetzt 119 Zweigvereine in 95 Städten. Aus aller Welk. Deutsche» «tu». Bruchsal. Landesverein zur Erziehung israelitischer Waise» im Großherzogtnm Baden. Der Jahresbericht für das Jahr 1918 gedenkt des Gründers und Ehrenmitgliedes Rabb. Dr. Josef Esckstlbacher s. A., zu dessen Andenken der Verein eine Stiftung von 10,000 Mk. errichtet hat. Die Mitgliederbeiträge sind von 10,107 Mk. im Gründungsjahre 1888 auf 3803 Mk. im Jahre 1915 ge-. fallen. Das kommt 'daher, daß die kleinen Gemeinden, die die treuesten Mitglieder stellen, nahezu ganz aushören und die mittleren Gemeinden immer kleiner werden. Groß und erfreulich find dagegen die Stiftungen, die nfcht allein für Gefallene und Verstorbene gemacht wurden, sondern auch von solchen, die pekuniär nicht unter dem Kriege zu leiden hatten. Die Berwaltungs-- und Verpflcgungskosten beliefen sich auf 18,952 Mk., die Mitgliederbeiträge und Schenkungen auf 26,327 Mk.- das Vermögen des Vereins am Ende des Berichtsjahres' auf 341,279 Mk. Während dieses Jahres wurden 18 Kinder in wie Vereinsobhut ausgenommen und 10 aus ihr entlassen, weil deren satzungsgemäße Altersgrenze weit überschritten war. Der Verein ließ am Jahresanfang 108 Kindern, am Jahresende 116 Kindern seinen Beistand angedeihen. Würzbnrg. .Thora-Bund. Am 15. ds. M. fand hier die konstituierende Sitzung des Thora-Bundes statt. Der Thora-Bund erstrebt (»ach 8 2 seiner Satzung) die Verbreitung und tiefere Erfassung der überlieferten jüdischen Wissenschaft (Thora).' In die Leitung gewählt wurden Leo Wreschner, von der Firma Beer, Sondheimer u. Co. in Frankfurt am Main, als Bundesvorsitzender, Kommerzienrat George Marx in Königsberg als Vorsitzender des Finanzausschusses, ferner Sanitätsrat Dr. El res er, Rosenbaum in Frankfurt a. M„ Dr. Jonas Simon in Heidelberg und Sanitätsrat Dr. Hermann S t e r n in Fulda. Ter Thora-Bund hat seinen Sitz in Heidelberg. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 6;— Mark. Amerika. Der Kongretz und die jüdische« Arbeiter. Das „Komitee der Rationalen Arbeiter" in Amerika,' das die organisierten Gruppen der internationalen Sozialisten im Osten umfaßt, hat beschlossen, sich von der Kongretz-Bewegung zurückzuziehen; infolgedessen sind die Vertreter des Komiteesaus dem Exekutiv-Komitee des Kongresses ausgetreten. In der Presse wird dieser Rücktritt verschiedentlich kommentiert. Als Grund wird vom Komitee die russische Revolution genannt, die mit einem Schlage die ganze Judenfrage gelöst und das Komitee, das ' den Kongreß