Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 16. bajj nicht alle nach, Palästina imniigricrenden Ostjuden mittellos sein dürsten, ein minimales, freilich nnr für den Anfang ausreichendes Grundkapital von etwa 100' bis 200 DMlionen Mark. Da nun, wie gesagt, unsere Hochfinanz im gegenwärtigen Moment nicht tu Betracht kommt, so ist diese Summe nur durch starke Heranziehung des Mttelstandes zu erzielen. Das könnte zum-Beispiel in der Weise geschehen, das; wir, um bei der ersten 'Ziffer zu bleiben, 100,000 Grundaktien zu je 1000 Mark' Nenuivert an schlimmstenfalls 100,000 Käufer oder — besser gesagt — Spender ans dem Drittelstand (was nur ea. Igo der europäischen Judenhcit anslnacht) anzubringcn trachten. ... Jedenfalls aber ist cs Pflicht dcr zionistischen Organisatiou in dieser Schicksalsstnnde, wo über Sein öder Nichts sein der ganzen Nation entschieden 'wird, an das ganze Volk zu appellieren und durch groß angelegte Propaganda sich die nötige» finanziellen Mittel zu verschaffen zu suchen, ohne die jeder praktische Zionismus unpolitisch nnd jeder politische unpraktisch bleiben musz. Die Ostjudenfrage — eine Friedensfrage — für uns ist sie eine Lebensfrage, und mehr dem, je gilt es heute: Und wenn nicht jetzt, wann denn? K riegsg e fairgeu e. Hundert Steinzeichnungen von Her m a u u S t r u ck. Begleittvorle: Eins ü h rung in die Grundzüge der Anthropologie von F. von Ln sch an. Alit 60 Tertbilderi, nach Originalausnahinen. Verlag von Dietrichs Reimer (Ernst Bobsc») Berlnr. In 3 Ausgaben: Vorzugsarisgabe, jedes Blatt vom Künstler eigenhändig unterzeichnet, Preis M. .100.—. Quartansaabe, Preis M) 20.— nnd Vollsänsgabe. M. 2. Ein bockünteressantes. Wcrkchcn V Ein Meister des Zeichenqriffels und ein Meister der Gelehrsamkeit laben sich hier zusammengetan, um durch ihre Vereinigung gleichzeitig Auge nnd Ohr des Lesers, für das Verständnis dessen, was sie mit ihrem' Wcrkchcn beabsichtigen, zu sesscln. Das; wir Menschen, in welchem Gebiete der Erde wir auch, rrnscre Geburtsstätte haben, alle Kinder eines Vaters sind, in diesem bildlichen und wissenschaftlichen Nachweis liegt der Wert des Buches. Luschan schreibt u. a. „Heute ist die weitaus überwiegende Majoritäl aller Fachleute der Ueberzeugung. dast der Vro'cß der Mensch-- ' tverdung nur eimnal 'und an einer Stelle erfolgt ist. und das; alle jetzt lebende» menschlichen Ralfe;/von dieser einen Ur jonn abstammen. Wo diese sich? entwickelt nutz wie sie ausgesehen chat. darüber haben Lvir zurzeit nichjt einmal Arbcitshypothclen." . .„Asien' schließlich toerden wir immer als die wahre Wiege der Menschheit betrachte» müsien. Da ist. Ivie oben schon, angedeutet, der ursprüngliche Mensch entstand."» und da hat sich' von dem zunächst einheitlichen Tvpus. dem vermutlich die fossile Neandertal-Rasie und die beutiae» Eingeborenen von AustraliennabeNet-en. f>-üher schon, der helle, kurzköpfige und gauz/s-blichtbäariae Jnncrasiate abgezweigt, der im Laufe der Zeit im Osten noch' die inandel förmigen Schlitzaugen und die Mongolensalkc hinzncrwarb." Sehr geehrte Sch-riftleiinng! Biele Freunde und Bekannte haben mich, namentlich in der letzten Zeit befragt, auf welch" Weise sie am besten dazu komme« könnten, sich! d n r ch S elb st u;i t e r - rich't in die hebräische Sprache so eichzuar- Veiten^, das; sie diese jeden, Juden heilige Svrgch-' verstehen. gramentlichl aus Schützengräben und Garniwnen ..tritt dauernd diese Fraae an mich! heran. Ich emvfabl - ihnen stets das neue Lehrbuch von Moses R a t ft*), musste aber seit Monaten mit Bedauern erfahren, daß dieser „gute Rath" völlig vergriffen war. Zu-Weiner große« Freude kan», ich nunmehr den Freunden der bebräiichen Sprache die Mtteilung machen, das; das Lehrbuch in neuer verbesserter Form als' zloeite vielfach verbesserte und vermebrte Mlflage vorliegt. Es beißt unbt zu viel, wem; ich saae. das; hiennit einem wirklichen tiefemvfunde»cn Bcdü-Nl'ste »eii'-gt wird. Durch einen selch großen Teil der jüdische» Jugend gebt das lebendige Verlangen nach einer Lehrmethode im Hebräischen, die ihnen deck Selbstunterricht möglich macht. Das ist hier der Fall. Das soll -iricht etwas beißen, das; der Verfasser bereits das Ideal der besten Methode erreicht hätte. Er selbst weiß qciviß am besten, wie viel noch! zur weiteren Vcrbelserung seines Werkes geschehen könnte. Mer die guten Erfahrungen, die wir bereits mit der crffcit völlig vergriffenen Auflage gemacht haben, werden durch die jetzige Neuauflage in, höchsten Maße gerechtfertigt. Die Terte sind interessanter geworden. die Grammatik ist übersichtlicher, der Wortschatz vennebrt und verbessert. Ein Wörte'rvc'-zeickinis macht es leicht. d>c in Veraelstnbeit geratenen Vokabeln wieder zu finde». Der erste Teil des Lehrbuches, der-bereits vorlieqt — die sväterc». weiteren sollen später besonders erscheine» — gibt zusammen mit dem bciacsüqten Schlüsseldie Möglichkeit, daß der A>'tä»g"r, der gar keine Vörkenntni'se hat. nach seiner Durcharbeitung leichtere Biboltcrte. aber auch eins,ich,'re nenlebräsichc Schriften ohne große Hilssmittcl leien und rerstet-en. aber auch-einfache Gespräche führen kann. Der Wortschaß 'ist ziemlich reichlich, abcx auch scbr gut ansacwählt und" die ganze Mctlöde so angelegtdaß ein gebildeter Mensch sich leicht danach unterrichte» kann. " Besonders wertvoll wird das in neuer Form jetzt vorliegende Buch auch jüdische.» Lebr.-rn werden, die ihren Schülern werttibllerc Kennt,löse ftct&ri„rtc» werde», da ja der hebräische Unterricht grade in der-Methode leidet. *) Moses Math: Szofat amipenii. Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht. .Praktische Methode zur Erlernung der hebräische» Sprach-: in Wort und Schrift. Einführung in die Liieralur. 2. Ausl Wien. Selbstverlag des Verfassers 1017. (Wien I Ro ten tu r m st rage 17. Aucks durch den Jüdische» Verla« Berlin -Wü. 15», Sächsische Straße 8, sowie durch HeH^MMjlEuHhandümgchu beziehen.) Aranyurter MaehitiWs Familienblatt. 2llle Freunde der hebräischen Sprache möchte ich dringend aus dieses Buch' aufmerksam machen, das uns die' Entschuldigung nimmt, die wir bisher 'hatten, wenn wir uns um das wirkliche Erlernen des Hebräischen nur aus dein Vorwände herum drückten, haß cs kein praktisches Lehrbuch?. gäbe. Ich möchte dieses praktisch wertvolle Buch alle». Freunden statt jeder privaten Antwort wärinstens empfehlen. Sie werden angenehm überrascht sein, so viel guten.Stoff, zum Lernen zu finden. Literarische Chronik. Zur Psychologie christlicher und jüdischer Schüler. Dr. Ottokar Ncmccek hat nach' den neuesten Methoden der experimentalen Psychologie Vergleiche zwi- ' schen der seelische» Beschasscnheit christlicher und jüdischer Schüler österreichischer Schulen*) aiigcstcllt, deren Ergebnisse beachtenstvert sind. Die Zcnsurstatistik ergab, daß-rjn den sprachtich-histvri- -scheu Fächern die jüdischen Schüler durchwegs bessere Leistungen zu.verzeichnen haben. Da der Fleiß der jüdischen' Schüler in sämtlichen Gegenständen ein viel geringerer war als der ihrer christlichen Kameraden, ist dieses Ergabnis nin so bemerkenswerter. Besonders.charakteristisch ist die Zensurtabelle der sprachlichen Leistungen in der Handelsschule. Ist der Unterschied in den Flcißnoten zuungunsten der Jüdinnen ein erschreckend großer,.so ist das Ergebnis der Zensur in den Fremdsprachen und dem Deutschen bei ihnen ein lucit besseres. Den jüdischen Schülerinnen, die eine Handelsschule besuchen, fehlt.das Streben, in dem kansmännischcn Berufe eine Lebensstellung zu erlangen. „Sic werden", heißt es. „allzu häufig nur aus-dem Grunde in die Handelsschule geschickt, „in sie noch vom 14. bis zu»; 16. Lebensjahre außer dem Hanse zu beschäftigen." „Die Zcnsurstatistik der „lathrinatisch-natiirwissenschaftlichen Fächer zeigt die größere Tüchtigkeit der Inden in den im Wesen intellektuellen Fächern Mathematik. Chemie nnd Physik In der Naturgeschichte nnd Geographie halten die Leistungen der beiden Schnlergrnppcn einander die Wage. . In der Geometrie übe,wiegen die guten Leistungen in dem. Maße bei den Juden, als die Aufgabe» einen mathematischen Claraktcr »«nehmen." In de» Handclsfächern und insbesondere in den juristischen Fächern „übcrtrcffen in deutlicher Weise die jüdischen Schüler die christlichen"» Der Bcisasser meint hierzu, hier zeige sich „die größere Reistder jüdischen Schüler auf dem Gebiete der abstrakten Gedankenarbeit.". Was' schließlch die „Fähigkeiten" anlangt. so haben die Inden schlechtere Leistungen aufzuweisen in Zeichne», Kalligraphie und der äußeren Form der schriftlichen Arbeite». Eine Folge des geringeren Fleißes nnd der größere,; Nachlässigkeit. Nicht unerwähnt soll auch die nichts weniger als erfreulich?- Tatsache' bleiben, daß die Juden de» Christen in, Turnen bedeutend nachstche». Wie im Fleiß stehen die jüdischen Schüler auch sw Betragen hinter de» christlichen zurück) Der Verfasser meint dazu: „Die Ursache dieser Erscheinung liegt ivvhl unzweifelhaft zunächst in der größeren Lebhaftigkeit der Juden, die als Schwätzer »,ü> Ruhestörer — wie jeder Lehrer be- - stätigen wird — die christlichen Mitschüler überragen. Der jüdische Schüler einpfiildet das Bedürfnis, auf jegliche» Reiz sofort nackt mißen zu reagieren." Es wurde von einer großen Zahl Schüler die Beschreibung eines Bildes verlangt, das einen Ausbruch des Aetna darstcllte. Die Beschreibungen wurden nach de» in der Darstellung vorherrschenden Eleinentcu gcnvpiert, wobei sich ergab, dast gegenüber dem rein beschreibenden nnd dem beobachtenden, d. h. das Bild als einen.Vorgang auffassenden Typus, der bei den Christen über!vog.»die Juden zun, größeren Teile dein sogenannten „emotionellen" Typus angehürcn, d. h. die bvn ihnen verfaßten Darstc-llnngen zeigen'neben reiner Bcobachtnng auch -die Wirkung yvn . Enrpfindiingeii. die das Bild mislöst. „Der christliche Schüler lebt sich in hie zu bcschreibcilde Szene ein, und trachtet sie in einem anschanlichen Bj.lde sestznhaltcn, der jüdische Schüler schlvelgt in den 'Gcsühlswirknngeu der dargestelltcn Vorgänge." Hierbei komint dem jüdischen Schüler eine größere Sprachbeherr-schnng zu gute. M. B- Rainer, geb. z« Kiew 1871. «eft. in Jassy 1817. . Eine der markantesten jüdischen Persönlichkeiten Rußlands ist mit Max Bainowitsch „R a tu c r aus dem Leben geschieden. Rainer tvarweit!nnd breit als glänzender Advokat bekannt; er trat namentlich' bei den Pogromprozcsscn ans. ' - , Insbesondere hat sich? der Verstorbene als sozialistischer Journalist hervorgetan. Er veröffentlichte in der wisscuschüstlichen Zeitschrift „Rnskvje Bogatstwo" viele .Aufsätze über die Agrarsiage. den Maxismus n. a. Auch jüdische Blätter Ivic die „Bolksstilninc", „Die Stimme", die „Sozialistischen Monatshefte" brachten öfters Beiträge In letzter Zeit hat sich - Ratuer immer mehr de» national-jüdischen Ideen Angewandt. Er erkannte, das; das nationale Problem mnr durch eine nationale Autonomie gelöst. Iverdcn könne. Ucber diese Frage Händeln seine lmrtvollcn Abhandlungen von „den Projekten «stner -nationalen Autonomie" und andere mehr. Als warmer Verfechter des nationalen Gedankens, als bedeutender Sozialist und Pnl'lizist hat sich Rainer beträchtliche Verdienste crtvorbcn. - I. Mesach. Der hebräische Sckriftsteller Jel'vschiml, Mesack, im Jahre .1818 geboren, verstarb vor zw:i Monate» in Wilna Der Verschiedene war ein rühriger und sruchtbar-cr Literat. Er hat viele Erzählungen und?lns>äße in seinem periodischen *) Heft 128 der „Beiträge zur Äindersorschnng und Heilcrziehnng", l;c'ran8gc>wben von I. Truper, Verlag Hermann Beyer u. Sühne, Langensalza, -1916. Saminelbuch „Gm, perachim" selbst herausgegeben -vdcr in jüdischen Blättern znm Abdruck gebracht. Während der letzten Jahre wohnte er in Wilna. ' ■ D. A. Rainer sgeb. zu Kalvaria 1852). In W i l n a starb vor einigen Monaten der bekannte jüdische Gelehrte D. Abraham Ratncr. Auf dem Gebiete der Erforschung des Talmuds nnd der - rabbinischen Literatur hat Rainer Bedeutendes geleistet. Sein Hauptwerk hierüber „A h a w a t Zion w i r u s ch a l a j i m" (Liebe zu Zion und Jerusalein) ist von hohem Wert. Rainer hat auch in jüdischen Zeitschriften nnd Lexika zahlreiche Beiträge verösfentlicht. Der Verstorbene stand auf dem Boden der Tradition. Die Zehntscheuern. Fast überall in unseren heimatlichen Gauen, besonders auch in den Rheinnnd Maingegenden haben sich alte Gebäude erhalten, an welchen noch heute der Name , Zehntschcncr" oder „Zcnthof" haftet. Es fiiid meist große Gehöfte mit Scheuern nnd Stallungen, auf ehemaligem herrschaftlichem Grund nnd Boden erbaut, welche ursprünglich dazu bestimmt waren, den „Zehnten", die Natnralabgabcn der Untertanen an die Obrigkeit, auszunchmcn nnd zu verwahren. Denn cs ist »och garnichk so lange her, daß die ländlichen Gcineindcn ihre Steuern größtenteils nicht in Geld erlegten, sondern nach alte», deutschem Gebrauch vom Ertrage ihrer Felder nnd Fluren.den zehnten Teil (daher der Name "„Der Zehnte") an den vom Landesherrn eingesetzten Vogt in die dazu bcstiminten Sammelstellen absiefern mußten. Die Naturalwirtschaft hat ja überhaupt auf dem Platten Lande viel länger, als man gemeinhin anniiilmt, vorgeherrscht, selbst zu einer Zeit, als die Städte und ihre Belvvhncr schon längst zur reinen Gcldwirtschaft übergegangen waren. Wie weit dieses Stcuersysteinansgebaut war, lehrt uns ein Weiskniix sDorfrecht) des 13. Jahrhunderts. Es heißt da: „Zehnten soll man geben jedes Jahr von der Frucht auf dem Felde und dem geborenen Vieh im Stalle, was und welcherlei das sei, und von verdientem Lohn "u,td aller rechter Gewinnung. Zn der Frucht auf dem Felde gehört alles, was auf Bäumen oder Erden lvächst, es sei Gras oder Korn, Holz, das. inan von. Stammt haut, oder welcherlei ander Ding das. auch sein mag." Auf solche Weise Fäusten sich in den Zehntscheuer» dck Landesherrn große Vorräte von Otatnralien allqr?lrt an. Es war nalürlich ausgeMossen, daß die -Behörden alle diese Vorräte im Laufe des Jahres selbst verzehrten, weil» auch die Beamte» einen Teil ihres Gehaltes regelmäßig in Naturalien entgegcnnehmen mußten. Auch war es oft schwierig, tvenn nicht gerade in einer benachbarten Stadt ein größerer Markt zur Verfügung stand, die Erträgni's:- des Zehnten in Geld u»,zus:tze,r. Die Berkehrsverhältnisse waren ja noch äußerst dürftig nnd unsicher. Immerhin Mächte sich das Bestreben mehr nnd mehr geltend, den Ueberschuß durch,Verkauf zu verloerten und die Bcdnrfnisse dcs Handels und der Stadtbevölkcrung damit _ zu befriedigen. Aber cs verblieb in den staatlichen Magazinen iimncr noch ein zieinlicher Bestand als Reserve. Diese Reserven zu erhalte», war aber damals nötig für die regelmäßig wiedcrkehrenden Zeiten von 5krieg nnd H u n g e r s- Es ist üniercm Geschlecht völlig ans dem Bewußtsein geschwunden, wie oft früher Deutschland oder einzelne Teile des Reichs von Hungersnöten hcimgcsucht worden. sind. Kam es doch sogar vor, daß Nordnnd Ost-Deutschland bitteren Mangel an Lebensmitteln litten, während iiii Süden und Westen Ueberfluß herrschte. - Denn cs bestand^, ja keinerlei Möglichkeit, die dort vorhandenen Vorräte in geilügender Menge nach den bedrohten Gebieten zu schaffeir, da alle Verkehrsmittel zu solchem Aiasscntransport. fehlten! Für solche Zeiten mußte» die Behördcir in den einzelnen Staate» Vorsorgen. Nach den vorliegenden Berichten haben dann die i>, den Zehntschcnern lagernden Getreiden,engen dazu gedient, die Not zu linde,»„so drückend auch 'vorher die jährlichen Abgaben für die Landbewohner' gewesen waren. Man nahm die Verteilung in der Weise vor, das; dem Bedürftigen das Getreide oder Mehl zu einem von den Behörden festgesetzten Höchstpreis, abgegeben wllrde. In den Städten verteilte man Brotmarken, gpgen welche die Bezugsberechtigten bei de» Bäckern ihr bestimmtes Quantum erhielten. Die ältesten Brotmarrei, sind uns aus den Hnngerjahren 1539—1540, die damals, ans Kupfergeprägt, von der'Stadt Nürnberg ausgcgeben - wurden, bekannt. Nur 'war diese Art obrigkeitlicher Fürsorge ineist sehr mangelhaft^ denn fiir längere Zeiten der Not reichte» die Vorräte fast niemals .aus. Die Macht des Staats war nicht im. Stande, der frevelhaften Gclviimsucht entgcgcnzutretcn, die aus den, Steigen der Preise Vorteil zu ziehen suchte nnd die notwendigsten Lebensmittel zurückhiett; wie heute hat schon damals dieses weilvcrbreitcte Nebel eine traurige Rolle in der Geschickte der Ernährnngsschwicrigkeiten gespielt. . Auch 'heute stehen wir durch den flnchbcladcncn tzlnshnngernngsk.ieg nn'erer Gegner.vor erheblichen Sch?wierigkeiten in unserer Ernährung. Wir könne» denselben aber mit ganz anderen Mitteln entoegentrcicn als die Deutschen früherer Jahrhundert.-. Heute vermag das Reichdie Vorräte in den eiiizelncii Gegenden, festzustcllen und gegeneiiiander auszngleichen. De», Transpvrte mLrfji großer Mengen' stehen keine nnüberwindlichcii.Hindernisse mehr i», Wege, und durch strenge-Rationiening kann eine zwar knappe aber immerhin anskömmliche Ernähr,,ng gesichert Iverdcn. Freilich, die Regier» ug allein kan» der Lage nicht Herr werden, sie bedarf dazu der Mithilfe eines jeden Einzelnen, der Einsicht nnd.des gute» Willens. Jeder muß hier mit seinen Volksgenossen teilen und ertrage», denn lvir wären alle verloren, wenn die Eigenliebe des einen Teiles cs unmöglich machte, de» andern Teil des Voltes zu ernähre». / J. .C.