Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Üe2 WT5 g^- p- < gegenüber Hvw «eneral-Anzeiger ie» Fain iiien ^Kaff«e Nachmittags p. Abends Konzert. w^gÄhe Klage mWnnnen irmßten, ist doch recht interqsant Ln8' bedeutsam. 7 -'r JE® Krachte Hie diejährige Hauptverjaminluirg - deZZerrtralvereins . im Grunde das Eingeständnis doppäten Mißerfolgs: in.Bezugauf Len Antisemitismus eine tiese Enttäuschung und ein F-ehl- WlUen aller HöfsnuDen- M man -gehegt- und -jg-BezugLuf Ken Zionismus; ein Zeigender Wrt- . schritt -desselben, der siK nichl äüfhalten haßt. Vielleicht merken tue Herren, daß beideZ in einem Lümssen Ziffanunerchang Miteinander stacht? Daß.sie . Metreff desAnüsenütisnuis leine solchen bittssren MrttLuschungen evlebt. Hütten, touren sie in ihrer f Stellungnahme zum Zionismus .und. zu seiner Anfsassm^ der Judenfrage derMndnisvoller und cin- 7, sichtiger. Und vielleicht laßt der.Berlauf der Tagung - manchem ein Licht aufgehen und. läßt ihn erkmnen> daß her Kampf gegen den Zionismus ebenso aussichtslos ist,- wie der Verlaß anf-die biüdige Kcheyvindüngdes Antisemitismus durch, die libc- -rvlen Fdwn unberechtigt und jlüppifch ist; I und laßt ° begreifen,. daß, statt den einzigen Inhalt des Mischen "LÄMs im Kampf gegen den Antisemitismus zu eMicken, — der, in seiner richtigen Blutung, erkannt und dutchgefuhxt, sehr nollvcndig ist —, man licher beginnen muß, alle positiven Mischen Werte zu erlvecken und sich anzueignen; ' man wird dann dllerdingK int Zionismus keine Gefahr sehen dürfen und in seiner Bekämpfimg keine Aufgabe des Zentralvereins; dafür aber wird man 'durch den Antisemitismus keine solchen Erschütterungen und Enttäuschungen erleben, wiees den Herren des Zentralvmeins jetzt beschi^en war und wird Merhaupt sicherer, ntämtlicher und geschlosse- Mr 'werdäl, als Juden, als Deutsche inö* als Menschen. ■ Nach langer, schwerer ^Krankheit verschied - hier %nt 2. Februar im Krankenhaus der ' israelitischen MmeiUde, nur K5 Fahre alt, Herr Provinzialrabbiner Dr. Leo Munkaus? Marburg a. d. H., Mit ihm ist xiner der bÄanntesten und angesehensten deutschen .Raböiner, einer der vertrautesten Freunde und G^iunungsgenossen des '.unvergeßlichen Rabbiners Dr.' Marcus Hortvitzs..A,aus dem. Leben geschieden, .ein Mann, .der wegen seiner -tiefen Frömmig- . feit, seines lauterenDharakters, seiner MenfchenliWe und'seines - milden, 'sanften Wesens .in seinem Be-, zücke. uugeteiüe Verehrung genoß, aber weit über diesen 'Kreis hinaus innerhalb der gesamten deutsch«! Jndenheit Liebe und Hochschätzung fand als einer Her ausgesprochensten und rührigsten Vertreter der gesetzestreuen gemeindetreuenRichtung, und IsuffMüng,Me er in ebensy entschiedener wie verjohNlicher Weise vertrat. Noch bis' in die setzten ' Monate Hinaus -hat er an Her/Errichtung .eines RitualMsschusses - dü: Mischen Gemeinden Deutsch-- lands, der die Tätigbut der Freien Bereinigung für ' die Interessen des .orthodoxen Judentums zu ergänzen berufen ist und^ dengeyleindetreuen, durchaus. . konservativ gesinnten Kreisen Gebrgenheit gÄen will, für die StäMng dkZ'Mberli^ectkm Judentums irtehr noch als bisher tätig. zu sein, .mit-er letzten Kraft, die ihm gÄieben war und mit -deM Eifer, der chn stets .auszeichnete,; mitzewirkt. -Ueberaus segensreich - mar seineheworragende Wrryamküt innerhalb des denffchen. Rabbinerverbandes, dessen stellvertretender.. Borsitzender er nach dem Tode von. Horovitz wurde, eberffo auch innerhalb des. Verbandes der deutsch«: Juden, des.Hilssvereins der deutschen Juden und des' deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Innerhalb seines Blicks gründete Munk eine Reihe wachen die - .LMMamste das .Ma^Mche-Schülerürch. Kchr- . livgsheim inMachiMÄI/däs Kn zwei getrennten, vorzüglich g elWbeN /MgWten ün er großen Reche ' von Mndern aus den Keinen Gemeirden des Be- ’^JäSL. . Fr«lckfmter UvaRitihheS FamMeMM , zirks.GÜKenheit zum Besuch, von höhrren-Schulen gibt /und j»ie Erziehung im Sinne des überlieferten Judentums in dieHauv uimmt. Jn Marburg selbst erwarb Munk den dortigen jüdischen Friedhof für die Gemeinde und baute die schone neue Synagoge^. Weiteren Kreisen bekannt sind seine Verdienste im Kampfe gegen den Antisemitismus.; - In unserer Gemeinde ist vielen noch die Rede besonders lebhaft in Erinnerung, welche Münk bei. dem Jubiläum des seligen Rabbiners Marcus Horovitz in der Synagoge anr Börneplatz .auf 'Einladung des Gemeindevorstandes hielt. Die Nachricht von dem Hinscheiden des trefflichen Mannes rief, wo .sie hinkam, allgemeine Teilnähme hervor. So konnte es 'denn nicht wundernehmen, daß eine Gedenkfeier, die vor öer Ueberführung des» Leichnams im letzten'Augenblick in der' Synagoge am Börneplatz.Samstag abends 9 Uhr stattfand, nachdem die Friedhofshalle um diese Zeit nicht zur Verfügung ftaub, überaus stark besucht war. Rabb.. Dr. Nobel sprach hiev warme Worte des Gedenkens, während die Herren Kantoren Ogutsch. und Levi eindrucksvoll.Psalmen rezitierten. Die erbauliche stimmungsvolle Feier hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Viele folgten der Bahre bis zum Bahnhof. Die Beerdigung fand Montag nachmittags statt. Ihr-ging , eine um 2% Uhr nachmittags, beginnende Feier in . der Marburger Synagoge voran, die bis auf -den letzten Platz .gefüllt war. Vorher, hatte Herr M ich a e l M n n k, Köln,., ein Brüder Hes Heimgegangenen, im Trauerhause einige Abschiedsworte gesprochen. -Zahlreiche Rabbiner, Vertreter von Gemeinden, Behörden und Vereinen , waren erschienen. Hiersprachen die Herren Propinzialrabbiner Dr. Bamberger-Hanau, Ir. Schlesinger - Marburg, . E ich e l b erg im Auftrag des Provinzialvorsteheranttch Lehrer Straust für die Gemeinde, 'Rabb. Dr. Me.ier Hildesheimer fnr^ pie traditionell-gesetzestreue Rabbinervercinigung, O p p.e nh ei m e-r-Treysa für die Lehrer des Bezirks, Rabbiner' Dr. N o b e l -Frankfurt für den > Rlchbinerverbanb, Justizrat Dr. Bl an-Frankfurt für den Verband der deutschen Juden und den deutsch - israelitischen Gemeindiebnnd, Jakob S. Posen-Frankfurt im .Auftrag des Kuratoriums des Rabbinerseminarch dem Munk angehörte, und des Rituälausschusses der jüdischen- Gemeinden, Rabbiner Dr.' H 0 r 0 v i tz-Frankfurt im Auftrag der-Frankfurt-Loge, der Großloge des unabhängigen'Ordens Bne Brith und des Vereins zur Förderung der Bodenkultur 'niüer dem Zutun Deutschlands, zum Schluß Provinzialrabbiner Dr. H i r s.chfeld-Gießen. An der Vorhalle - des Friedhofs sprachen noch Provinzialrabbiner Dr. C a h n-Fulda, Rabbiner Dr. Esra- Munk-Berlin und Dr. M.eier Munk, zwei Brüder des Verllärten. Dr Leo Munk war der ' älteste. Sohn des bekannten Altonaer Dajans und . Klausrabbiners;' seine Mütter war eine Schwester von Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer s. A - Die Hauptversammlaug -es'ZevtralVereins deutscher Staatsbürger. Wischen Glaubeus.? . Nach einer infolge ves Krieges verurlachten drei-, jährigen Pause fand Sonntag, den 4. Februar tmeder die H auptv er sammln ng des Zentralvereins' statt. Sie stand selbstverständlich ganz Und gär unter dem Zeichen des Krieges. Schon Ärgerlich inachte sich dies recht empfindlich, in. der eisigen Mlte des ungeheizten Bersammlunassaales bemerkbardie die Delegierten zwang, in Mäntel« und Hut an Pen Beratungen teilzunehmen. Inhaltlich aber kam es in dem Thema zum Ausdruck, das im Mittelpunkt der Versammlung stand: „Die Juden im Hee.re". Am. 10 Uhr eröffnete )der Vorsitzende, Justizrat Dr. H ö r w i.tz,die Versammlung. Er Lob in seiner Begrüßungsansprache hervor, daß die deutschen Juden im Weltkriege voll ihre Pflicht und) noch mehr getan Hütten. Erfreulich sei es, daß auch' die Zionisten sich als echte .Tieutsche bewährt hätten.' Wenn-her Antisemitismus wie' vor so -auch im.Kriege nicht geschwiegen habe, so werde sich -nach Friedensschluß Zeit zur ,Abrcchnnng finden. Darauf wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser -«chgesandt, in dem es 'Lnm . . Schluß heißt: . - ,? . ' . . . >Mie die deutschen Juden in dem unserem Vater- . terlande anfgezwungenen Kampfe in hingebungsvoller Pflichterfülluilg mit allen , ihren Mitbürgern gewetteifert haben, werden sie niemals aufhören, für unser geliebtes Vaterland einznstehen mit Gut und Plut, mit Hetz und Händ^ Gott schütze und segne Ew.'. Majestät .und unsere unvergleichlichen ' Truppen ' zu Lande und z zu Wässer." ' \f ■ Daraus behandelte Abg. Geh. Justizrat Cassel den Nr. '6'- den ersten Gegenstand? der.Tagesordnung: „D ieMü d'e n irn Heeres" Er' schilderte, mit welcher -Begeisterung im Anfang des Krieges, .die deutsche jüdische'. Jugend freiwillig sich Feld hinansgezvgen sei, wie - die Inden ausnahmslos gezeigt haben, daß)sie m der Hingabe fürs Vaterland kemer .Mldercn Glmlbeiisgemcinschäft' nachstehen. . - Er gedachte dann der aufopferüngsvollen Tätigkeit der 15 jüdischen F ei d g e i st lsah e n. Der ^stüh.ere - preußische Kriegsminister habe ausdrücklich - erklärt,' büß die Grundsätze für die Bef ö r d e r n n g der Mannschaften jüdischen Glaubens) genau die gleichen seien- >vie für die' anderer Glaubensbekeinitnisse. Im preußische» Heere gäbe es augenblicklich etwas iiocr 800 jüdische,Offiziere, im ganzen deutschen Heere gegen,1500. Unterbleibe.- die .Beförderung wegen, des Glaubensbekeiintnisies,, so stehe das im Widerspruch mit den .Borschristen' des. »bersten Kriegsherrm . Leider, sei. die Freude darüber ' außerordentlich durch Anordnungen getrübt worden,- von' denen, wir niemals glauben / fpmttcii,. daß sie . jemals in diesem "Kriege . getrofien werden könnten.. Das sei die vom früheren lKriegsminister 'Wild u. .,Hohenborn angeordnetc. Statistik 'jüdischer ' Kriegsteiluchmex.. In. dieser schweren Zeit- und ernsten Stunde soll aber' leinä- Errcgimg und Erbitterung hcraufbeschworen werden. Aber man muß doch fragen, ob der Dank für all., die Aufopferung 'durch diese Statistik etwa zum .Ausdruck wmmen sollte. Es - wird schwer sein, diese StatistA - zu vergesieu. Wir werden i>n Frieden darauf-zurückkommen. Jetzt aber wollen wir zeigen, daß wir wahr- . Haft deutsche Juden .sind, unserem Baterlande unter; allen Umständen getreu bE in den Tod . bleiben. Der Zentralverein der Staatsbürger jüdischen Glaubens hat . im Verein, mit den änderen jüdischen Organisationen. die Frage -der Statistik jüdischer Kriegsteilirehmer . behandelt., .Der Verband, deutscher Inden ist bei Behörden, insbesondere beim Kriegsmini^er^w^edrchvlt.mündlich und schriftlich vorstellig geworden, lieber die einzelnen ..seiner Maßnahmen eingehend .zu berichten, wird erst in späterer Zeit möglich sein. Für jetzt sei nur auf folgende Punkte aufmerksam gemach-: ' 1. Der jetzige Kriegsminister hat in Ergänzung des. Erlasses seines Vorgängers eine weitere Verfügung da- - hin getroffen, daß „keineswegs die Behörden nsw. Gelegenheit nehmen sollten, Juden gus ihren bisherigen Stellungen zu rntfernen, da für solche Maßnahmen., nur -sachliche Gründe in Frage wmmen'dürfen." 2. ^Wiederholt haben höchste Behörden die Erklärung abgegeben/ daß bei Anordnungder Statistik; irgendwelche Voreingenommenheit gegen die Juden 7 das Krieasministcrium nicht geleitet hat/daß es im Gegenteil Betveise: gegen die bei ihm eingelaufencn Anklagen gegen Inden gewinnen wollte.' 3/Der Kriegsminister v. Stein hat mit Bestimmtheit erklärt, daß alle begründeten Beschwerden über Svnderbehandlnng von Inden aufs eingehendste geprüft werden und gcgebenenfalls Abhilfe geschaffen wird. Der Kriegsminister hat an den stellvertretenden Vorsitzenden des Verband^ der deutschen Inden Geh. Justizrat Cassel) rin. Schreiben gerichtet, in dem «§. heißt: „Jedenfalls habe ich! 'sestgestellt, daß das Verhalten der jüdischen Soldaten und Mitbürger während des Krieges keine Veranlassung zu l«r Anordnung meiner Herren Vorgänger gegeben hat und damit nicht in Beziehung gebracht werde,: kann." „Nichts wäre un- , billiger", so fuhr der Vorredner fort, „als eine Soüderstellung der jüdischen Soldaten. Sie sind in gleichem Mäß/e gestorben wie ihre christlichen Kameraden fürs . Vaterlaird, sie haben fiir dieses gelitten . wie 'lb{?; anderen. "Wir fordern die Grundsätze ununterschiedlicher Behandlung für alle. „Auch wir die ^eimgeblicbenen, tun alles im Dienste dieses Vaterlandes, unser Herz gehört ihm." - . ' Rabbiner Prof. Dr. Werner-München ergänzt die Ausführungen - -des.Redners vom Standpunkte des Bayern. Bor dem Jahre 1866 gab es in Bayern noch im stehen-. den Heere jüdische -.Hauptleute, Rittmeister, Majore. Seit' der Gründung des Reiches sind diese ans dem stehen-- den. Heere verschwunden. Bayern hat sich in mandjer Beziehung den norddeutschen Bundesstaaten „assimiliert^ Unsere jüdischen Brüder haben nicht nur für unser Vaterland, sondern auch für unsere Gleichberechtigung geblutet. Als Bayern nachträglich die Zählung - vor-' nahm, häben sich Vertreter der bayerischen Juden än . den damaligen.Kmegsminister gewandt, der erklärt hat, .er kenne weder' katholische noch ^airgelischs .Soldaten iwch jüdische Soldaten, sondern nur Soldaten, die ihre Pflicht tun. Man -hat .die^Vornahme der-Zäh-' lung damit begründet, daß man eine Waffe gegen die Denunzianten haben wollte. Ob man bei Denunzianten gegen andere Klassen auch so bereitwillig - gewesen .wäre? ■■ ■ , \ - ' ■ Aus all den bisherigen Erfäh'rimaen .haben wir .erkannt, daß die Hoffüungen, die viele von . uns -'zu Beginn dH Krieges ' hegten, daß der AntisemitiDnus nun ganz ' verschwmdcn werde, unberechtigt waren. In weiten Kreisen -ist heute alles beim alten geblib'en. Ja, wir müssen für die Zuwnft mit einer Entartung ^des Änfisemitismus rcchnnen. Wir gehen schweren Zei-. ten entgegen. Dennoch heißt es, den Mut -M bewahren. Vor allem dürfen wir. jetzt in Kriegszeit nichts tun, was die Einigkeit des Vaterlandes stören könnte. Deswegen Ist das ruhigebesonnene Vorgehen des--Zenträlverems änläßlich der.Judenzählung -'sehr^ zu: loben. Wir danken ihm für das, was er getan' und, syr; das, was er nicht getan, hat. . In l^r süh/anschließenden'Diskussion sprachen nur zwei Redner: Rechtsanw: Dr.Fri.edmann-Berlin und Rabbiner Dr. Käl.er-Danzig. Dieser etklKrte, daß bei) dem Erlaß der Anordnung .der Judenshatistik,:lveite Kreise des ' deutschen Jndentüms -es. micht verstanden hätten, .' daß der' Zentriüveretn nicht')Sfföntlich/l«uch)'pro7. -testiert habe. /Heute versteheu alle, warum er schweren mußte. Gr geschah', um deS-Vaterlandes willen. Diese