Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 15 (1917)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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/.-Heile-4-. FranWMr /Zsr.aelittsches FämKjxnMsi, . i nachher Besetzung "Lieses'Qrtes "Liesen nierkvür- W 'l^en Manw unzählige Mal photographiert und'mit Geld ' Eh pesihenkt. v Frankfurter Berichte. Die Zentrale fü,r Mazzosversorgnng G. m. L. H. in FiMikfurt a. M.. gibt folgende Anweisung zur Ausstellung van Bezugscheinen für Mazzvs bnrch die Gemeindevorstände. Antrag. * > 1. Jedes Gemeinden!rtglied hat das Recht, unter . Erfüllung der vorgeschriebenen Bedingungen die Ausstellung eines Bezugsscheines für sich- und seine Hans- . tzaltungsangehörigen beim Gemeindevorstand zu bean- Der Gemeindevorstand bestimmt,. ob der Antrag - mündlich oder schriftlich zu erfolgen hat. Dem Anträge ist innerhalb einer Frist von 14 Tagen stattzugeben. 2. Dem Anträge M der Brotausweis (Lebensmittelkarte '?c.J ober eine andere amtliche Urkunde beizu- . fügen, aus der sich die Zahl der in Betracht kommenden Haushaltnngsängehörigen ' ergibt. ' Ausfertigung. / I. Der Bezugschein ist ordnungsgemäß, zu nnteri zeichnen. , 2. Die Ausfüllung des ini Besitze der Gemeinde - verbleibenden Abschnittes ist nicht zu übersehen, La die . Gemeinde verpflichtet istein genant Verzeichnis der ausgestellten Bezugscheine mit Namen, Quantum und Ztummer dem zuständigen Kvmmunalverband auf Erfor- / dein auszufolgen. Bezugsb erechtignng. Nichtjudisches Dienstpersonal, das während des ganzen Jahres .auch wahrend der Osterseiertage im Hause ' verpflegt wird, ' zählt zu den Haushaltnngsangehörigen!. sj Das Gleiche gilt für Pensionäre, Zimmerherren, :c., . die ihre volle Verpflegung im Hause empfangen. Im Felde oder in auswärtigen Garnisonen. befindliche Famllienangehörige werden z Um H aus- - halte gerechnet, falls der Himshaltungsvorstand glaub- - hast macht, daß er die betreffenden Heeresangehörigen >' für' die ganze.Dauer dS Pesachfestes — sei es an Len Standorten, sei es auf Heimaturlaub — mit Mazzos versorgen wird. Für diese Heeresangehörigen sind beson- / de re Bezugscheine, jedoch auf' dem gewöhnlichen Vordruck, unter Angabe des Namens und des Truppenteiles : des zu Versorgenden auszustellen. i Ein' VeizeWnE der auf diese Weise für Heeresangchörigc ausgestellten Bezugscheine hat der Gemeinde- . Vorstand aus Verlangen L.er „Zentrale für Mazzvs Versorgung G. m. h. H.", Frankfurt a. M., Schützenstraße 14, bis spätestens 28. Februar 1917 cin- Auswäctige Fannlienangeh'örige die nicht im Hce- > resdienstc stehen, erhallen, auch Wenn sie zunl Osterfeste heimzukchren beabsichtigen, chren Beztchschein an - ihrem derzeitigen Wohnorte von der für Liesen Wohiwrt zuständigen Gemeinde. Die Ausstellung von Bezugscheinen auf eine geringere . Zahl von Personen als der Haushalt Mitglieder zählt, ist nur dann zulässig, wenn ein berechtigter Grund i dafür vorliegt, z. B. wenn ein Teil der Hcmshaltulms- Mitglieder sich: des .Brvtgennsses am Feste grundsätzlich. -- enthält. Dagegen soll im vaterländischen Interesse dem iBezug kleiner Mazzosmengen durch solche Haushältun- 5gen, die nicht ans ihre sämtlichen Brotkarten zu verzichten beabsichtigen, kein'Vorschub geleistet werden. Hotels und Anstalten. . Hotels, Gaflhöse, Pensionen, Krankenhäuser und ähn- .liche Anstalten mit wechselnder Frequenz erWlten Mazzvs- ' hezugscheine aus Grund ihrer Brot bezug scheine oder, - falls solche nicht vorhanden, auf Grund amllichen Nachweises oder amtlicher Auskunft Wer die ihnen wöchentlich zustehende Brotmenge. Enthält der Brotschein, der Brotlieserungsnachweis keine Angabe Wer die der Berechnung des wöchenllichen Brotquantums zugrunde gelegte durchschnittliche Zahl der Gäste, bezw. . Anstaltsinsassen, so ist furch Rückftage beim .Äommunalverbmid zunächst die Personenziffer zu. . ermitteln. Der Gemerndevorstand stellt alsdann einen Mazzosbezugschein in gleicher Weise aus, als ob cs sich um eine Privat-Hanshaltung. handelte. ' Der vaterländische Hilfsdienst und die Sabbatruhe. Frankfurt a. M.. 31. Dez. Aus dem Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Das Gesetz Wer den vaterländischen Hllssdicnst hat f'y 'in weiten .Kreisen der religiös gesinnten JWenheit leb- -' haste Besürchtungen hinsichtlich der Wahrung der Sabbat- , ' ruhe wachgernsen. Bei aller freudigen Bereitwilligkeit, /i' sich dem Vaterlande in schwerer Stunde mit" allen Kräften zur Verfügung zu stellen, konnte die Besorgnis '--. nicht unterdrückt werden, daß: es in vielen Fällen wegen -"'-'der Sabbatrnhe zu schweren Gewissenskonflikten kommen; werde. Erfteulicherweise hat sich der Präsident -des "" '. Lriegsamtes den chm in dieser Hinsicht unterbreiteten -Vorstellungen durchaus zugängig erwiesen, nW es ist '. nunmehr im Sinne unserer Anträge in der soeben aus gegebenen Sstlmmer 2 der „Amtlichen Mitteilungen und r<; Nachrichten des Kriegsamtes" vom 29. Dezember 1916 ^|3rnl4Briap £delmetallverwertnag I s/1 Gerlach & Veiss I -f.-aB Gold-u SilbersclieideaiistaltMetallnrg.Laboratorinml;%9Xwmwti-. 38. Frankfurt a. H. Tel. Körner 6743.1 MqW Ankauf aller Edelmetall-BflckstSiide, Brucbgold u. Silber. I pfi:-," Barren — Fdlaoe — fiehritzni^- Abfällen. | in dem Abschnitt „Rechts-Erläuterung". hinsichtlich der Sabbatftagc folgendes" erklärt worden: ' - „Bei dem Slbschlnß von Arbeitsverträgen mit Hilssdienstpflichttgen kann natürlich auch auf die Bedürfnisse von Bekenner»! einer staatlich! anerkannten Religion Rücksicht genommen - werden, z. B. wenn ein HUfsdienstpflichtiger den.Nachweis erbringt, daß er in seiner beruflichen Tätigkeit den Vorschriften seiner Religion über die Ruhezeiten bisher regelmäßig nächigekommen ist. Falls' er nach! erhaltener schriftlicher Aufforderung zum Hilfsdienst innerhalb 2 Wochen (vgl. 8 7 Absatz 3 des Gesetzess keine Arbeitsstelle gesunden hat, die für ' ihn in diesem" Sinne geeignet ist, so steht nichts ün Wege, daß er im Ueberweisungsverfahren um die Ucberweisnng an einen Betrieb nachsucht, wo ihm die Einhaltung der religiösen Vorschriften gestattet wird. Es" 'ist nicht unbillig, einen Hilfsbienstpflichtigen vor Zwang zur Verletzung seiner Religion zu schützen, soweitdies mit dem vaterländischen" Hilfsdienst irgendwie vereiW'ar ist." . Aus GruW dieser amtlichen Feststellung wird es der vom „BerbaW der Sabbatfteunde" eingerichteten „Vermittlungsstelle für vaterländischen Hilfsdienst" umso leichter möglich sein, eine größere Anzahl von Arbeitsstellen zu ermitteln, die sabbattreuen Hilfsdienstpslichitigen die Währung des Sabbats gestatten. Wir empfehlen unseren Gesimmngsgenossen, sich, sobald die entsprechenden Aufforderungen der Generalkommandos für die einzelnen Arbeitszweige des Hilfsdienstes ergehen, unter Betonung ihrer - religiösen Wünsche freiwillig zu melden, ihre Bewerbungen bei der ^Vermittlungsstelle des Verbandes der Sabbatfteunde", Berlin, Oranienbnrgcrstr. 65 l einznreichen, zugleich aber auch' äs" qn eigener Initiative nicht fehlen znflassctt, um für sich passende Arbeitspvsten zu finden. , Die Seelsorge im Felde. Am Samstag,. Len 30. Dezember, hielt. Herr Feldrabbiner Dr. Salzberger im Auftrag des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über die Seel-'orge im Felde. Nachdem Redner interessante Einzelheiten Wer die Seelsorge im Felde berichtete, kam er ans die Wirkungen dieses Krieges und auf die Lehren nachdem Kriege für uns Juden zu sprechen. Er konstatierte, daß in diesem Kriege wir Juden "uns wiedcrgefunden haben, und das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl sich! außerordentliche bewährt hat. Alle Klassen- und Ständennterschjede fallen im Nu hinweg, sobald 'der jüdische Soldat erfahren hat, daß er einen jüdischen Bruder vor sich, hat. Der Bortrag, der von starkem jWisch'en Stolz- und Selbstbewusstsein getragen war, wurde mit rauschendem Beifall von den zahlreichen, nach, Hunderten zählenden Anwesenden ausgenommen. A O. Statistik der Juden. Herr Dr. Bläu hielt am 17. Dezember in der Frankfurt-Loge auf Einladung des Vereins für jüd. Statistik und Demographie einen Vortrag über die Statistik der Juden. Redner beweist auf Grund statistischer Daten die Schäden, die der Krieg den Inden Deutschlands verursachte. Er konstatierte, daß der Geburtenrückgang und I>ie Verminderung der Eheschließungen bei den Juden ein viel höheres Prozent beträgt, ms bei den Nichltjudcn. In Berlin wurden 1913 588 Ehen vollzogen, dagegen 1916 bis Ende November nur 138, und wenn man den Mv!nat Dezember mit dem Durchschnitt 12 mitrechnet, sind es im ganzen nur 150. Dagegen.haben sich die Mischehen vermehrt. Man sieht also, daß die Gefahren vor denen das Judcnttlm Dcütschslands steht, ungeheuerlich: sind. Ein günstiges Moment, sagt Redner, wäre zu verzeichnen, und zwar die Abnahme der Austritte aus dem Judentuni. Allein dicses -bedeutet keine Stärkung desselben, da es mir auf die Abwesenheit der Männer zurückzuführen wäre. Unter anderem kam Dr, Blau ans die Judenzählung zu sprechen. Er berichtete, daß die Gemeinden kauin den Ansprüchen genügthaben, die ihnen gestellt wurden. Da von 1800 Gemeinden 300 gar kerne Berichte Wer die Judenzählung znstellten. Seine Ausführuirgcn wurden mit großem Beifall ■ ausgenommen. Es entwickelte sich darauf eine lebhafte Diskussion, an der Sanitätsrat Dr. Hanauer, Prof. Dr. Werner und Frau H. Fürth sich beteiligten. . A- O. Chanukkahieier der jüdische« HaushaltungSschule- Die Jüdische Hmishältungsschule hielt auch, in diesem Jahre ihre Chanukkahfeier in dem durch! die Kriegszeit bedingten engsten Rahmen' unter reger Beteiligung der jungen Insassen des Hauses ab. Ter Verwaltungsrat irab das Damen-Komitee der Anstalt, die auch! die Kosten der Vcrmistaltung Wcriwinmen hätten, und auch verschiedene VorstaWsmitglieder anderer Vereine, die ähnliche Ziele verfolgen, wären als Gäste erschienen. Tie Leistungen der HauShältungsschnlc zeigte sich in den verschiedensten Probestücken ihrer Koch- und Backkunst. die obwohl kricgs'gemäß hergestellt, viel Anerkennung fanden. Aber auch mit der Betätigung als Darstellerinnen lleiner Borttägo, Szenen und Tänze mit selbst angesorttgten KoMnen ' und Requisiten, die mit geringstem Kostcnauftvand hergestellt m-aren, haben sowohl die ZanshälttmgsschUeriimen wie die Insassen des Mädchenheüns wohlverdienten Beifall .errungen. Den Glanzpnntt des Abends" bildete ein fiir diesen Zweck verfaßtes Stückchsen „Unser Schein-Dasein" von Frau Toni Jeidel gedichtet -und auch einstudiert. Meisterhaft hat cs die Bersasscri»- darin verstanden, die Not der Zell bwcch kl«mgvolle.''Berse^Wb.Lieder/s heiter-ernstes " Gewiniö kleidend, uns . in ebenso geiM. reicher als gemütvoller Form das Wesen unserer ralloH nierten Kriegsdersorgnng im Bilde: vorzuführcn;dies Mutter-Lebensmittelkarte tritt mit ihrer immer, ivachsen-'i: den Karten-KiWerschar in passender Verlleidung h'änf-.s delnd ans, , und der Verlaus' des".zellgemäßen Spieleswurde mll allgemeiner Begeisterung ausgenommen. - * Das kleine Werkchpn verdient sowohl von Schulen-,: tvie Vereinen nsw. zur Aufführung erworben zu werbeir und dürfte künfttgen Geschlechtern als -historisch wertvolles Kriegsbild anfbewahrt werden. Das Auffiihruiigsrqcht ist von der Verfasserin selbst" zu erwerben. Infolge einer, besonderen'Znwcichung ist der Vorstand der Achawa instand gesetzt, derjenigen ihrer Mttglieder. die durch: "den Krieg in größere Bedrängnis geraten sind, ausnahmsweise eine mäßige .Beihilfe zu gewähren. Gesuche mit den nötigen Nad)weisen sind bis längstens 15. Febr. 1917 an den Vorstand in Frankfurt a. M., Palmstt. 16 zu richten. Ani Mittlvockj, de» 10. Jmruar, abends 83/t "Uhr spricht der Königliche Bibliothekar Dr. .Heinrich Löwe- Berlin in der Frankflirt-Loge über „Jüdischer Volks-; Humor". . An Stelle des tnrnnsmäßig ansscheidenden Herrn Leopold Gersheimer tvurde Herr Wilhelm Theodor Stern, nW an Stelle des ans Gesundheitsrücksichten zurückgegettetenen Herrn Dr. Albert Soirdheimer, Herr Julius Goldschmidt in den Vorstand der israelit. Gemeinde gewählt. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plgtterei Hanta Tel. 2002. ]g GutlCUtStraSSC ]8. HanaaTel 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. Leah. Skizze aus dem russisch-jWischen Leben von Ben-?lvigdor. > Aus dem Hebräischen Wersetzt. Leah aber war keines Wortes mächtig, sondern * rvandte sich zur Seite und -weinte bitterlich. Ja, sie ist in bejr Dat eine andere geworden. Seit zwos Jahren ist sie Fischverkäufcrin in der Judengasse, und. / 'immer lebte sie in Frieden mit sihrcn Gefährtinnen.: . Menmls zantte sie sich und beleidigte Niemanden. Sic bot nicht wie die aWeren ihre Ware mit lauter '- Stimme feil, sie beschwor nicht jeden Augenblick den ' Preis, noch schmeichelte sie den Kunden oder - fluchte ihnen, wenn sie nicht kauften. Stets war sic ihrer Herkunst eingedenk, der Würde ihres Mannes, dessen Ehre cs gebot, sich selber zu achten. Deswegen .schonten sie auch die änderen, da sie wußten, daß Leah einst eine wohlhabende, geachtete Hausfrau warnnd ein anderes Leben geführt' hatte. UW heute"? Was hatte sic nur? War sie nicht schon ganz wie die aWeren geworden?... Aber was ist Schuld' daran!?... „Allmächttger Gott! warum strafst Dü mich ,so hart? Warum stürzest Du mich so tief?// Muß denn auch noch meine Sijele so ttef versinkest-, v wie mein äußerer Stand gesunken ist? Um die. Frömmigkeit meiner seligen Eltern, o Gott, erbarme Dich über-mich... denn der TW ist ja besser als ein solches Leben!..." Ihr Geist weilte in weiten Gegenden und entfernten Zeiten. Das verflossene Leben tauchte in ihrer - Erinnerung auf... Welch' eine-Kluft zwischen der Vergangenheit und der "Gegenwart... wie tief ist sicgesunken! Wer hätte ahnen können, daß cs mit ihr so weit konnnen, daß sie eine Marktsitzerin in der Judengasse werden {würde . . . . Sie war die einzige Tochter reicher Eltern, die Gutspächtcr ivaren. Sic hatten es gut und wären glücklich. Der Vater war ein großer Talmudist und sehr fromm; er stammte aus vornehmer Famllie. Aber er war auch ein gewaWter 'Geschäftsmann, der sein eigenes und fremdes Getteide'- auf weite Markte nach Günzburg und Leipzig brachte^, uW einen j sehr schivunghaften Handel trieb. Die Mutter schaltete im Hause und wartete des Kindes. Leah tvär der Augenstern ihrer Eltern; sie war ein liebliches Kind und wurde mll der zärtlichsten So'r'gsalt gehegt nW gepflegt. Welch' glückliche Jahre , waren das! Sie kannte keine Sorge, keinen.Kummer; ihr .Leben tvär eine Kette von kindlichen FrcWen und ' wonnigen Hoffnungen..... Es war der heiße Wunsch der Eltern; ihrem einzigen ^öchterchen einen berühmten Talmudisten zum Maime zu geben, der später in einer großen Genreinde Rabbiner werden könnte; /der . . MuiHh der Eltern war auch Leahs Traum, und sic-sah {