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Neue jüdische Presse · 1917-01-05 · Heft 1 (5.1.1917) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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: 4>eääe 3. Wä-Me M MM gegenüber dem General-Anzeiger Vornehmes Familie n- Kaff ee NM" Nachmittags n. Abends Konzert. eine Plattform angenommen, die für alle jüdische Turnvereine Polens gelten soll. Darin wird unter anderem gesagt, der Zweck der Tnrnorganisation sei, alle jüdischen Turnvereiüe zu einigen, sie in nationalem Geiste zu leiten und! so den jüdischen, Stamm zu starken. Unter stürmischen, langandaucrndem Beifall erllärt der Vorsitzende die Schaffung eines allgemeinen Turn-- oerLandes für ganz Polen. Man geht zur Beratung der Sprachensrage Wer. Nach äußerst heftigen Debatten wird mit Stimmenmehrheit beschlossen, als Kommandosprache hebräisch einzuführen, als offizielle Sprach^ hebräisch und jiddisch. Es wird ferner oer Beschluß gefaßt, ein Organ der Organisation in jiddischer Sprache herauszugeben. Nach den Sitzunft fand ein Bankett statt. Es wurde ferner ein ntralkomitee gewählt. Das unerwartet schöne Resultat hat überall unter den nationalen Kreisen Freude und Befriedigung hervorgerufen; auch die hiesige jüdische Presse begrüßt lebhaft diese bedeutsame Gründung. Weh' dem, -esse» Gewisse« schläft. Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M. Die lebenserhaltende Wirkung der heiligen, sozialen jWischen Religionsgesetze ist" so in Hirn und Blut der gesamten Judenschaft übergegangen, ' daß der soziale Sinn der Juden als der erweiterte „Familiensinn der Juden", sowie dieser als eine Stammeseigentümlichkeit bezeichnet werden kann. . Die Enge des altjüdischen Gemeinschaftslebens , in Deutschland (vor der Emanzipation und Freizügigkeit) gestattete jedem einzelnen Manne mit, viel größerer Leichtigkeit als Heute die Erfüllung aller Gebote, nicht'nur, soweit sie sich auf die Ritualvorschristen beziehen, sondern auch/ soweit es auf das -Zusammenleben bezügliche Gebote sind. Das wirtte natürlich bestimmend auf die Form des Gemeindelebens and das)'was man heute in entwickelten Verhältnissen .dessen soziale Aufgabe nennt. Für die jWische Fron war die Teilnahme an diesen Aufgaben religiös, also auch praktisch karg bemessen, ein Verhältnis, das sich innerhalb des Gem-indelebens durch die den Frauen anerzogene Teilnahmslosigkeit für jWische Interessen heute noch in chrer Jnteresse'nlvsigkeit an der jWischen Ge- . famtheit dicker rächt. - , Nm aber in jenen Ghettozeiten den Erfordernissen der Genreinde zu genügen, bedurfte es nicht wie heute spezieller Ersrhrungen und Kenntnisse. ^Gie Grundlage für die Beherrschung der^ Erfordernisse des Khlllelebens und Wegweiser für alle Vor- 'kommnisse bildete die Kenntnis der religiösen Vorschriften. Ms. Tradition ivar sie Gemeingut aller - auiö durch das weitverbreitete und sehr geachtete Studium des jWischen Schrifttums blieb sie inallen Teilen ftisch und lebendig. Ihrem Geiste nach bildet dee jüdische Gesetzgebung eine wertvolle breite Basis für jedes Gemeinschastslebeu. Die Anforderungen, die an die "^'moderne soziale Gesetzgebung gestellt werden und' dort »st als geistiges NeulaW gelten, sind in den wichtigsten Teilen mit vltjWischen Gesetzen identisch; dort, wo sie religös betrachtet als chrichlich angesprochen werden, sind sie nachweislich jüdisch. (Sonntagsruhe, Mutterschutz, Familienpflege, Fleischbeschau usw.) In dem alten jüdischen Gemeindeleben mit der unumstößlichen, religiösen Auffassung, nach der Gebart und Guttat eins sind, konnte sich eine soziale Betätigung nur nach den Normen der religiösen Vorschriften entwickeln. Tie Wechselwirkung zwischen religiösen - und /sozialen Motiven des Handelns, in\- dem Objekt ‘ und Subjekt des Wohltuns ihre Stellung auch vertauschen können, läßt es. unter'Umständen vom jüdischen Standpunkts weniger wichtig Hin, welchen ^Hektischen sozialen Erfolg eine gebotene Wohltat FraiHurter Eraelitisches FamÄienLtatt. - - Mizwah —hat, wenn sie nur die Erfüllung des Gebotes ist. Damit wird ein großes Stück Verantwortlichkeit für die oft in den Zeitläuften sich vcränderirden Folgen einer Handlung — natürlich zum Nachteil der Gesamtheit — abgeschnitten ober ausin sozialer Beziehung jahrhundertelang keine sich geschaltet. In der Enge des Khillelebens gab es aber verändernden Zeit- oder Tagesförderungen. In dem Khillerahmen genügten der religiös angespornte, gute Mille, gutes Herz und gutes Geld für die Erfüllung der sozialen Pflichten. Mit diesen drei Energien konnte unendlich viel geschehen und ist auch unendlich viel getan worden. Kälte und Hunger, Geburt und Tod, Krankhell und Verarmung stellten in der Ghettozeit der Hilfsbereitschaft durch die einfachen durchsichtigen Verhältnisse, in denen, sich das Leben abspielte, einfache Aufgaben. Tie Lage der Bedürftigen, der schmerzlich Betroffenen selbst gab gleich die Richtung, nach der die Hilfe gebracht werden konnte. Alles lag menschlich zugänglicher; es gab keine „Fälle". Im historischen Fortgang bedeutete aber auch neben Hen persönlichen und Einzelleistungen das Entstehen von Stiftungen und die Gründung von Vereinen, keine! Erneuerung der Fürsorgetechnik oder gar eine Einordnung derselben in notwendig werdende neue allgemeine Normen. Die erste und einzige sachgemäße Abspaltung, die sich in der jWischen Arbeit entwickelte, war, daß die Geldangelegenheiten der Vereine und Stiftungen meist Männern Wertragen wurden, denen sie durch ihren Beruf oder durch persönliche Uebung technisch geläufig waren, und die auch das nötige Verttauen für dieses Amt genossen. Anderes Verständnis wurde selten verlangt. Das erllärt den dominierenden Einfluß von Bankleuten und Advokaten in Stiftungen und Vereinen neben den sonst nur in erster Linie religiös bestrebten wohlmeinenden Stiftern, Gönnern und Pflegern aus dem Gebiete der Wohltätigkeit. Daß eine! religiöse Wohltat eine soziale Missetat werden kann, wenn man gewisse Versteinerungen und Willkürlichfeiten, die sich gebildet haben, und die das Licht des Geistes, der die Guttat verlangt, verdunkelt, wenn man sie nicht aus dem Wege räumt, ist vielen Wohlmeinenden bis heute noch nickst ausreichend zum Bewußtsein gekommen. Das erllärt innerhalb des jWischen Gemeinschastslebeys an manchen Stellen das Vorhandensein 'großer Opfer, das heißt Geldgebcbereitschaft und zugleich die. gutherzige, kurzsichtige Regellosigkeit unb' Undiszipliniertheit, an denen der größte Teil der modernen jüdisch-sozialen Arbeit Hier ist das deutsche jWische Gemeindeleben an einem deutlich erkennbaren Punkte stehen geblieben: dort, wo für die Majorität der deutschen JWen der religiöse Gedanke nicht mehr stark genug ist, Bekenntniswillc und Lebenswille zugleich zu sein. Die Uebertragung der Guttat (als Zwillingsgedanke des religiösen Gebotes der Mizwah) auf das Geleise der disziplinierten sozialen HaWlung, dieser Weg, der in eine große, schöne, belebte jWische Welt hinausführen könnte, ist von den deutschen Juden nickst rechtzeitig erkannt und verfolgt worden. (Schluß folgt.) Homelttisches z« Chauukkah. argen. Zeitgemäßes znm inkkah von Dr. Adolf Altk. *u. k. Fcldrabbincr. Der Segen im drittxn Arie; mann, 5 So zündeten wir denn zum dritten Male im Kriegedie lieben Lichtlein,.an, die Ms einer glorreichen Vergangenfjeit heraus in unsere trübe und dunkle Gegenwart hineinlemlsten. Keines' urAerer Feste verdankt so unmittelbar großen kriegerischen Ereignissen jein Entstehen wie das Chamikkahsest, keines spricht uns daher mit Bezug ans die gewaltigen Ereignisse, deren Mitzeugcn wir sind, so zu Herzen, wie dieses Fest der Licksterweihc. Was man dreimal erlebt und erfährt, pflegt das Gemüt nicht kalt zu lassen, sondern regt znm Nachsinnen und Denken an. Sogar ein Traum, den man dreimal hintereinander träumt, soll nicht gleichgiltig behandelt werden. Nimmt man sich dreimal vor, etwas zu tun, so /oll man dieses als Gelübde ansehen, und vernimmt man dreimal eine merkwürdige Kunde, so ist es' gewiß ein Wink von oben!. So hat auch! der Hohepriester Eli beim dritten Mal bemerkt, daß, es die Gottesstimme war, , nn fernen Stfijwaer Samuel erging. Auch wir sollen . | -.Stadtu. Univ.-Bibl. | dck das', Hasmonäer-Fasi schön jjurj, bi'i&sll in _ schwerer Zeit bei uns Irrschieu, darsibcr nÜiM . überaus getvichiige Dinge um uns her geschel daß Gort selbem zu uns »ich 'unserem Zeitaller' ftvrV kleinen Fläm.nchen dieser historischen Lichter so Malmnife einer höheren Chbmutg der _3eit zu verstehen. Ans zlocifache Weise knüpsen die Eriiliierüiiqech iE alte» Chamlkkahgescheynisie an unser« ereignisnrjWlM» zeit an: Sie rufen uns erstens zur KüMhAm im Tapferkeit auf, mahnen uns zur Treue undHingqbum und flößen uns den Mut des Heldentums eüstz.tndm sie uns von den z,l den ruhmvollsten TatcnvjAM"'^ sckengeschichtc gehörenden Kriegen und Siegeil derWi— baer erzöluen und .zur Nachahmung anreaeikÄTÄM Diese Leite unseres Festes ist seine ciußcreckundä gemein „lerkliche Kenntzeichmiug. Weniger ll"'"'''' ziveite Mvuient hervor, denn ös knüpft sich, wohlbekannte, aber wenig belichtete Ueberliesti ein Geschehnis, das von vielen belächelt, in 2! der frommen Sage verlegt zr, iverden pflcgtH Geschick,te mit dem Wundcrkrürsiein. Und d'oD Channklalifest gerade in dieser Hinsicht eiir^Wb iiug ciiizuschätzeiider Siegesfingerzeig des Him'me" uns. Seit vielen hunderten von Jahren erzgh jüdische Tradition der Welt von dem winzigenM Een O.'ls dws die heldenhasten MakkabäcrbrüK.^.. erfochtener erntsiheidungsschlacht wohlgeborgen ÄitiHft— wahrt im ncngoweihte» Heiligtuine sandelt ntüffümKusj auf wunderbare Weise ack;t Tage lang den heilDWÜllich-i ter speisten. (Srbbat Wa). Aber es mutzte Zeit kommen, nnt den nnerhörten UmwälztMMN/füäd/ Umwertuitgen, uni dieses seit' lange her KrWtte/.Äe Welt verstehen itnd begreifen zst lehren. kleine Krüglein mit dem gern,gen Inhalte -liDs) die stehende Einnchtung aller Hatlshalte gewordet"' des einstigen Heiligtums Wunderhallc hat es (enw in die Vorratskammer des profmicn Lebens -ge^ nrch lvird 'in Hütten und iir P-cclästen gleich-ei ftlnden. Nichts beschäftigt die bestrv Köpfe M' das Problem des kleinen Ärnglcins, bei de», D gar so aern das Wunder der Vergrößerung, ' Weiterung, und Jnhaltsausdehmlng in Kraft tv möchte. Aber was den Makkabäe rn schon seist! heiliger Stätte durch das "Wund er des KriWö deutnngsvoll kundgctan wurde, »'.ämlt.h!, daßl'Ue auf. das Mel, sondern auf den Z-egen im Wem' kommt, daß nicht die quantitative Fülle dieM des Lebensbedarfes zu lösen verm>ag, sondern tvW Segnung des karg Bemessencir, d>rs hat man-jW lich erkannt, ffimm das' .Wenige, mm Gott -fif* zu deinem Lebensunterhalte, und cs tvitd das Äi. diesen Segen, lvenn nötig, auck 'achtfach ersehe überwerten. Das ist des Chmmkkahkrüglcins M dsrsvrmei, einer ewigen Weisheit tiefe Wahrm übrigens auch schon die heilige Lichrifr verkW wird segnen dein Brot und dein Ägasser, nnd'E entsernen .Krankheit aus Deiner '-Ritte" vecH Wort Gottes dem ihm treu bleiben den JsraelÄ 23/25), was die Schstistdeuter soerklären, I Segen nickit solvvhl darin besixherr wird, daÄ an Speise itnd Trank besitzen Ivirst.'. sondern 8" dein Weniges dich! zu sättigen und deinen stillen vermag. Nun handelt es sich freilich^ ML darum, eben den Segen Gottes fürdas WenMs Wundersurrogat des Lebensbedarfes: zu erzielmesi dies läßt sich sehr »ohl, wenn die: MenschenisM lernen, daß sic selbe die-Medien s ind, dnrchsMm den Segen in und a . die Weltrndii.ige iiiiicinlegey herantrageii läßt. Das Brot und der Tränk äinet. segneten wird stets durch diesen gesegnet z. B. Jbn Esra zur erwähnten SteltL 2. B. "" Wird nur erst einmal der' Biensch s elber ein_0 lvird alles nm ihn her von dieseif Kraft düiD So hören wir von Josef: „ ... und Segen des Ewigen in all den. Seinen, im „ auf dem Felde" B. Ms 39/5£ Als solche_ nnngen, betätigt durch den Mensche» selbst, unseren Tagen Zufriedenheit und Ge.nngsamkcit/'erft worden: sie sind als Hauptgrund sä he und ,Host dpr wahren Vaterlandsliebe ausgerustut. liitd/Daß' Recht. Das. Channkkahfest bestätigt das. Mit del/k.W haben wir, ganz so wie einst die -HleldensöhEW jahus, nach fast dreijährigem heißen sttingcn, den'L zu einer ruhmreichen Entscheidung geljrachl. Milch- Haben wir in Wahrheit den Krieg bereits gcwounenjM ist aber das wirtschaftliche Durchhälte n. die pätrir^^ Devise. Ebenso lvird /cs sichs z>veisrllt,s auch ö-lhaben, als unsere Hasmonäer-Ahnen gegen die u Syrer Stand halten mußten. Wie Nur, habeik gewißiÄ sie nicht nur mit der'Schärfe des Schwe rtes, sonder mit der unbeugsamen Kraft der Entsagung und der f, ung, mit der sittlichen Macht, die im Ertr agen des°A liegt, ihren Heroismus bewiesen. Akech tveißft. nicht, welches das größere Heldentum iist, totesvxst zu.kämpfen und zu streiten oder mit dem Nahrungsmitteln zu ringen. Daß b,as letzteres elfteren nicht nachstch't, hät Gott in der Makklb' Zeit eben dadurch vor aller Welt b-esimdet, daft die Wunderkraft des Durchjhaltens gerat,e dem heiligen Leuchters verlieh) der bei dem Siegesftj.. Helles Licht vor allem über diese Seite deic Makknbä? erstrahlen -lassen sollte. Machen auch wir uns' im Durchhältci t gegeitz fahr des Aushungerns wie die Makkabäei: xi„st.ch dann werden auch uns Wunder geschel,):». Aus technischen Gründen verspätet, i

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