Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 50 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir bitten unsere Leser, den fälligen Jahresbeitrag an unsere Expedition einsende« zu wollen. Falls, wir nicht inner halb 14 Tagen im Besitze desselben"sind, .werde» wir den Betrag per Postentnahme erheben lasse». Bo« der Zukunftsverheitzung des grotzen Propheten. (Anläßlich! des Wilson'schen Friedensvorschlages.) Nun ist das Schicksallied Judas, das Lied des Chanukkah-Festes, verklungen, der Dank des gehetzten Volkes für seine vielfältige Errettung abgetragen. Doch der historische Ruf „Mi laschemelai!" hallt noch fort. Ter Mahnruf zur Fahne Judas bleibt immerdar. ■ . Nach lebt der „Zor. hamnabeach" und webt seine ruchlosen Vernichtungspläne. .Noch),! mehret und stärket seine Macht, die Macht des Austen feinde A, der eigne, innere Feind, der Mann mit dem Kainszeichen auf der Stirn. . Noch ist nicht' der grandiose Zukunftstraum des großen Propheten Wirklichkeit, noch meidet das Lamm den Wolf aus Furcht, zerrissen.zu werden. Noch ist der Berg Gottes „Har' haschem" verlassen, das Volk Gottes verhöhnt, das Wort Gottes verpönt. Der Mann vom Stamme „Jischai" bleibt noch weg. —! Doch siehe! Von weiter Ferne, von jenseits' des Meeres hört man das Nahen des „Achrith hajamim" künden. Es soll fortan, heißt es in jener Botschaft, jede, auch die kleinste Nation neben der großen, nichtigen, friedlich leben dürfen, jedem Volke seine Existenz, seine freie. Entwicklung ermöglicht sein. Niemand, auch der Gewaltigste nicht, darf dem Kleinen, etwas zuleide tun. Kein Waffengeklirr, kein Entfachen des Krieges, keine Blutströme — es sei F r i e d e auf Erden.. . So die. Botschaft. Doch.wo bleibt der Mann vom Stamme „Jischai", wo die Sammlung der Nidche Israel", wo die Welt. umspannende Vernunft, wo die allseitige Erkenntnis Gottes? Wo der Ruhm Judas, wo seine ihm verheißene Wohlfahrt? Ist die Befreiung Judas mit dieser Botschaft, gegeben? Ist der Mahnruf Judas „Mi laschem-elai" nunmehr Ueberflust geworden, steht Juda bereits, um seine Fahne geeeint? Ist wirklich das. „Achrith ch ajamim" im Anzuge? Gilt auch uns die Botschaft, bringt sie auch uns Bescheid? ■ . . Aktiver und passiver Burgfrieden. Bon ^Ben Joseph! (Schluß.)» Eine einzige .gemeinsame Plattfornr besäst die deutsche Judenheit bisher im Frieden; Vas war der „Jüdentäg", dem jedoch lediglich repräsentative und keinerlei innere Bedeutung zukam. Seine Einberufung wäre jetzt im Kriege ebenso unmöglich, wie aussichtslos für das gewünschte. Ziel. Zn! dessen Erreichung bleibt nur ein Weg: Eiste! Konferenz, der sämtlichen jüdischen Organisationen Deutschlands zwecks Entwerfung eines gemeinsamen Arbeitsprogranrms und Einsetzung eines permanenten gemeinsamen Arbeitsausschusses. Inwieweit eine solche Institution (was selbstverständlich erscheint) in den Frieden hinüöergenommen werden soll, sei hier ebensowenig erörtert wie die Frage der Zusammensetzung im einzelnen (z. B. Einbeziehung der Berufsverbände,: Rabbiner- und Lehrerverbände), sondern lediglich die Programmpunkte seien in grosten Zügen genannt, in denen tatsächlich ein aktives Zusammenarbeiten sämtlicher jüdischer Richtungen zu fordern ist. Als solche ergeben sich ohne weiteres 1. die energische Wwehr antisemitischer Angriffe und Aufklärung der öffentlichen Meinung. Letztere wurde bisher bekanntlich vom „Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" besorgt, aber es ist einleuchtend, dast sie eine ganz andere Bedeutung erhielte, wenn sie durch die Vertretung der gefaulten deutschen Judenheit unternommen worden wäre. Das Ueberhandnehmen des Antisemitismus macht es) wie das angeführte Beispiel beweist, notwendig, dast mit einer solchen energischen Mwehr des Antisemitismus nicht erst bis nach denr Frieden gewartet wird. Es ist bereits viele kostbare Zeit verloren! - Eine zweite gemeinsame Tätigkeit eines jüdischen Ausschusses der sämtlichen jüdischen politischen und philantropischen Organisationen, des. Hilfsvereins wie der Großloge. der zionistischen Organisation lvie des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Konferenzgemeinschaft der All. I. ll. wie des Komitees für den Osten, des deutschjüdischen Gemeindebundes wie der „Freien Vereinigung für die Interessen des. orthodoxen Judentums", wäre das energische Eintreten dafür, dast die polnischen Juden sowohl in der Theorie wie in der Praxis ihre volle, niit ihrem Blut so oft erkaufte Gleichberechtigung erhalten. Nachdem die Verhältnisse geklärt sind, darf damit um so weniger gewartet werden, als der polnische Antisemitismus mit jedem Tage deutlicher sein Haupt, erhebt. Mit der bisherigen Methode must endlich gebrochen werden, dast die großen jüdischen Organisationen — die, bei manchem Trennenden in den Einzelheiten, doch nach dieser Richtung völlig identische Ziele haben — ohne Fühlung miteinander bei den Ministern petitionieren oder gar gegeneinander arbeiten. Und was für den Rechtsschutz der polnischen Juden gilt, das gilt nicht minder für die Mitwirkung der deutschen Judenheit bei dem inneren Aufbau der polnischen Judenheit, für den diese, Hilfe erwartend, sich nach den deutschen Juden umschaut (man vergleiche den Artikel von Hirschhorn im Heft IV der neuen jüdischen Monatshefte). Wenn auf diesen Gebietendie Verständigung auch am schwierigsten ist i'.nd leicht Differenzen entstehen können, so darf dennoch der Versuch nicht unterlassen werden, und die .jüdischen Organisationen müssen endlich zusammentreten, um den polnischen Juden bei der Einrichtung ihrer neuen Institutionen behilflich zu sein. Die Gemeinsamkeit der 'Ziele ist auch hier größer als das Trennende, und wo ein Wille zu gemeinsamem Handeln ist, wird sich auch der Weg .finden, wenn auch vielleicht erst nach langen gemeinsamen Konferenzen und Ausschußsitzungen. 3. Äehnliche Aufgaben wie zum Schutze der Polen treten durch, die fortschreitende Eroberung Rumäniens! durch die Heere der Verbündeten an uns. auch zum Schutz der rumänischen Juden heran. Es genügt nicht, daß eine einzelne philanthropische Organisation sich der rumänischen Juden durch einen Notbeitrag annimmt, eine andere, in erster Linie für ihre religiösen Interessen Sorge trägt, u. s. f. nach bekanntem Schema, sondern, die deutsche Regierung must wissen, daßdie gesamte deutsche Judenheit ohne Unterschied sich nicht zufrieden gibt, ohne daß die rumänischen Inden , nicht bloß in theoretischer Beziehung wie durch den Berliner Kongreß, sondern auch in praktischer Beziehung eine radikale Aenderung ihrer Lage, men- - schenwürdige Taseinsbedingungen erhalten. Die definitive Verwirklichung dieser Forderung wird sich erst beim Friedensschluß ermöglichen lassen, und . damit gelangen wir zu dem 4. Punkt der gemeinsamen Aufgaben des Ausschusses der jüdischen Organisationen. In dem Maß. wie wir von dem endgültigen Sieg Deutschlands im Weltkrieg überzeugt sind, ist. es unsere Schuldigkeit gegenüber der gesamten Judenheit, ‘ der deutschen Regierung die Wünsche der deutschen' ' Juden beim Friedensschluß zu formulieren. Sie , im_ einzelnen aufzuführen, würde den Rahmen dieses Aufsatzes bei weitem überschreiten, es sei z. B. nur an die Aufhebung der Beschränkungen erinnert, denen sich deutsche Juden bisher im Fäll einer Reise nach Rußland unterziehen mußten. Aber noch weit wichtigere Fragen, die jüdische Auswanderungsfrage, jüdische Kolonisation, im vorderen \ Orient, kurz der ganze Komplex der jüdischen Fra- '( gen wird und muß beim Friedensschlust zur Ber- ' Handlung kommen. Hier gilt es für die gesamte ■■■ { deutsche Judenheit aus der Warte zu stehen, und \ durch einheitliches Vorgehen aller Verbände unse-! reit Wünschen Geltung zu verschaffen. Diese Tatsache! allein rechtfertigt den Versuch zu wagen, endlich l aus dem bisherigen passiven in einen von gei meinsamem Wollen und Streben getragenen aktiven Burgfrieden überzutrcten. Die bisherigen Ausführungen werden, bei manchem, die Frage auslösen, durch wessen SchuL» resp. Unterlassung es bisher nicht zu einem solchem ' geraden selbstverständlichen Zusammenarbeiten gekommen ist. Es ist betrübend, gestehen zn müssen> daß einzelne, um die jüdische Gesamtheit wie die von ihnen ' geführte Organisation hochverdiente Männer die Erinnerung an siühere, kurz vor dem Kriege spielende Zwistigkeiten bisher: nicht so weit überwinden konnten, dast ein Zusammenarbeiten in dem Sinn dieser Ausführungen möglich war. Dennoch ist in letzter Zeit in der deutschen iJudenheit eine starke Strömung bemerkbar, die eine ' 'Sahnmlung aller jüdischen Kräfte zu positiver ' Arbeit bezweckt. Am deutlichsten zum Ausdiuck gekommen ist diese Strömung in der Begründung der „Neuen jüdischen Monatshefte" und in 1 dem Geleitwort ihrer ersten Nummer von Geh. _ Justizrat Tr. Fuchs. Es ist zu hoffen, daß sich die führenden Männer der jüdischen Organisationen der Erkenntnis der Notwendigkeit gemeinsamer Ar-! beit aller jüdischen Kräfte nicht länger entziehen, 1 sondern sich an den Ausspruch Hillels erinnern. i (Sprüche der Väter, Wschnitt I): Im en ani li, i mi li, wscheani leazmi moh oni, weim lau achschow enrosai: Wenn ich nicht selbst - für mich eintrete, wer sonst?, und bin ich bloß für mich) was bedeute ich?, und wenn nicht jetzt, wann dann? * Anm. der«Redaktion: Ter gesch. Schrei? ber hat mit seinen Ausführungen ein sehr ernstes und gegenwärtig höchst aktuelles Thema angeschmt? ' ten. Es liegt außer Frage, daß diejetzige