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Neue jüdische Presse · 1916-12-22 · Heft 49 (22.12.1916) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 49 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' ' V" ' - : ~ _ . : s Erscheint wöchentlich am Freitag. fittngsprtia pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. I.— fiel in8 Haus. Bei der Post abonniert 90 Pfg., frei ins - Haus 4 Pfg. pro- Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1.50, für Rußland I Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel - Nummern kosten 10 Pfg. ■ * Redaktion und Expedition: Frankfurt a. ITC. :: Cangeftr. 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903. Herausgeber: KatB Heis. Insrrtionspreis für die fünfgespaltene Petitzeile 25 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnungsinserate, Heirats-Annoncen 15 Pfg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne jeden Rabatt. Platz- und Tatum-Vorschrist ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und innÄnnoncen-BureauL. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter 9h?4864. 14. Jahrgang. Freitag, den 27. KMew 5677 (22> Dezember 1916) Nr. 49 „Mt laschem elai!" (Zum außerordentlichen Delegiertcntag der Zionisten au> Chanukkah 5077.) „Mi laschem-elai!" Wer für Gott, fürs Judentum — der folge mir. Dieser Ruf erscholl einst an das jüdische Volk in der Stunde der Not und Gefahr, als das Gespenst der Assimilation, des Hellenismus, vor der Tür stand und dem Judentum eine Auflösung, ein. Untergang drohte. Da stieg aus höchster Bedrängnis der. Ruf hervor: Wer für Juda — der eile zur Fahne. Doch dieser Mahnruf war hier nicht zum ersten Male erklungen. Ihn rief schon einstmals unser volkstümlicher Prophet, der große Elijahu, als es die Rettung des Judentums vor Götzendienst galt. An wen war die Mahnung gerichtet? Sie ging nicht an die Abgefallenen, hier die Hellenisten, dort die Balanbeter, und nicht nn die bewußten i Volljuden, deren Treue außer Zweifel war; nein, sie ging an die „Pausche al schte hasipim", an die Schwankenden, an die Halbjuden. Sie innerster Linie wurden zum Bekenntnis, zur Mithilfe aufgefordert; das einzige, das sie zum Juden stempelte, war ihr schwacher Wille zum Judentum. Nicht an die ganzen, an die bewußten Juden erging die Mahnung; auf sie zählte man fest, sie waren ja Eckpfeiler. Die Zweifelnden, die Schwankenden, die Halbjuden — denen galt der Ruf Elijahüs, denen auch der Auf Mätijahüs. Und jetzt? Das' Judentum steht wiederuni vor einer schweren, schweren Gefahr. Der Götzendienstder Hellenismus von einst pocht an die Tore Judas) und die Zagenden suchen , nach Entschluß, warten auf Lösung. An sie erschalle machtvoll der historische Ruf: „Mi laschem-elai!" Die Makkabäer vvn heute, die in der Hauptstadt Deutschlands zu Rate, sitzen, die unserem Volke drohenden Gefahren vor Augen haben — ihnen sei der Weg Malta bis Richtschnur. Nicht Qualität, nicht 'Vollwertigkeit, nicht Hyperjudentum entscheide — der bloße Willen zum Judentum genüge. Allen gelte der Makkabäerruf: „Mi laschem-elai!" , ■ S.. H. Goldm ann. Die Juden und die Stadtratswahlen in Pole«. Wichtige Ereignisse gehen jetzt in. Polen vor sich. Ueberäll, iw den meisten Städten,' werden die Wahlen zum ■ Stadtrat vorgenommen und somit für die Entwicklung des künftigen politischen Lebens der Grundstein, das Fundament gelegt. Es ist demnach auch für unsere polnischen Brüder von großer Bedeutung, sich hierbei Garantien für die Zukunft zu sichern. Man macht zunächst die Beobachtung, daß der Hauptteil, der Kern der Jüdenheit Polens) i#. politischer Hinsicht noch gar manches zu lernen hat. Wir sehen Spaltungen, Zank und Streit unter den Juden vorherrschen, sodaß ihre Macht ständig zersplittert und einen Zersetzungsprozeß erleidet. Zahlreiche Parteien und Gruppen, stehen einander, oft ohne triftigen Grund, feindlich und schroff gegenüber. Die Assimilation zunächst unterstützt die Polen auf Schritt und Tritt, dient den Polen als Handlanger und schwächt außerordentlich, die Stellung der polnischen Juden. Ihr entgegen richtet sich die Tätigkeit der nationalen Elemente, die die jüdischnationalen und bürgerlichen Rechte zu verteidigen bemüht sind. Daß ein kleiner Teil der Juden hier wie überall, sich seiner angestammten Nation entfremdet und deren Interessen fernsteht, nimmt uns nicht weiter wtlnder. Auch ist dieser Teil' — im Gegensatz zum würdevolleren westeuropäischen Assimilantentum —' jedes Ehr- und Gerechtigkeitsgefühls deni jüdischen Volke gegenüber bar. Wohl aber im höchsten Grade befremdend und beklagenswert ist das Verhalten der breiteren Volksschichten, wir meinen die. Chassidim. Anstatt, daß, wie es naturgemäß wäre, die sozialwirkende nationale Volksgruppe durch sie untersticht würde, tritt meistens das Gegenteil ein. Tie Chassidim schließen sich nicht den für den Fortbestand des jüdischen Volkes kämpfenden Nationalen an, sondern dem ärgsten. Feind der jüdischen Nation, der Assimilation. Die tieferen Ursachen dieses Verhallens liegen teils an den Führern, teils an persönlichen Motiven. . . Besonders schmerzlich mutet der unheilvolle Einfluß orthodoxer Elemente außerhalb Polens an. Man hört die Rechtfertigung der Chassidim, die Nationalen — damit sind hauptsächlich die Zionisten gemeint — seien unreligiös, und machten jedes Zusammengehen der beiden Parteien unmöglich. Diese Motivierung ist nicht ganz unberechtigt.' Aber es ist doch außer Frage, daß die Nationalen, denen die Fortexistenz des Judentums näher am .Herzen liegt, als alles andere, keineswegs zögen: werden, berechtigten Forderungen der Chassidim nachzugeben, wenn — und das ist jetzt der Fall — das Judentum in Gefahr, ist. So aber ist die Einigung mit den Assimilanten, die dem jüdischen Volke Hindernis auf Hindernis häufen, ein Unglück für die Chassidim, ein Unglück fiir die Nationalgesinnten, kurzum für die gesamte Jüdenheit. Aus diesen Gründen heraus hat sich ein harter Kampf bei den Stadtratswahlen entwickelt. Es handelt sich hauptsächlich um die Haltung der Chassidim. Und leider haben die Wahlkämpfe an vielen Stellen traurige Ergebnisse gezeitigt, während dort, wo die chassidischen Führer einsichtig und vorausschauend waren, wir günstige Resultate erwarten. (Vgl. unsere speziellen Nachrichten aus Polen.) . Unser Appell richtet sich in erster Linie an die Nationaljuden zur Versöhnlichkeit und zum Nachgeben ihrerseits. Nur durch die' Einigung der beiden positiven Elemente ist die Rettung des Judentums i n Polen in ö gl i ch. - Die Jubiläumsfeier Ben Awigdors. * Warschau, 12. Dezember. (Bericht unseres Korrespondenten.) Das 25jährige Schriftsteller- und' Verleger- Jubiläum Ben-Avigdors.(A. L. Schalkowitsch) wurde hier am 9. Dezember unter lebhafter Beteiligung ' in festlicher Weise begangen. Zur Feier erschienen Vertreter der jüdisch-nationalen Richtungen Warschaus, verschiedener jüdischer Vereine, führende Persönlichkeiten, wie mich zahlreiche. Gäste von auswärts. Die Feier eröffnend, würdigt der bekannte Kritiker F. L ach o w e r in einer hebräischen Rede die Verdienste des Jubilars, der eine neue zukunftsreiche. Epoche in unserer Literatur schuf. Redner hebt besonders den Idealisten Ben-Avigdor hervor und weist auf diesen hervorstechenden Zug des' sonst so realistisch scheinenden Mannes. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Freid und einer Rede des Vorsitzenden des Warschauer Zionistcnvereins, Dr. Klumel, spricht der berühmte jüdische Publizist .Hillel Z e i t li n über die- Bedeutung Ben- Avigdors als Förderer von Talenten. - Dank der Mühe des Jubilars sind für unsere 'Literatur Schriftsteller wie Steinberg, Berschadski, Brenner, Schoffmann und andere gewonnen worden. Auch das jüdische Schrifttum hat der Jubilar stets gefördert und sein Wachstum begünstigt. Nachdem H. Stupnitzki und Ingenieur Sch. Cemach in kurzen Reden Ben-Avigdors fruchtbare literarische Tätigkeit auf verschiedenen Gebieten behandelt haben, erhält der Abgeordnete des Aktionskomitees, Nachum Goldmann, der den Lesern bekannte Mitarbeiter des „Familienblattes", das Wort. In treffender Weise schildert er die Persönlichkeit des Jubilars in kurzen Zügen. Unter anderen! zührt er aus, Ben-Avigdors Lebenssinn sei die A k t i v i t ä t und, scheine er auch äußerlich ' ruhig und still zu sein, in Wirklichkeit sei er doch ein schaffender Geist und ein felsenfester Charakter. Als der diesem Vortrage besonders reich gespendete Beifall verklungen ist, werden Telegramme, Adessen und Glückwünsche verlesen, darunter Begrüßungen des Aktionskomitees, der „Histadruth" in Berlin, der Warschauer Zionisten, vieler Warschauer Vereine und Institutionen, der Presse, darunter des „Frkf. Jsr. Familienblattes" und endlich.vieler privater Personen, wobei der literarische Fond mit Spenden bedacht wird. ' Nunmehr erhebt sich der gefeierte Jubilar selbst zu einer Schlußrede. Nachdem er seinen warmen Dank der Versammlung abgestattet hat, entwickelt er in markanten Worten interessante Gedankengänge über die Entfaltung. der hebräischen Literatur der letzten Dezennien. Er konstatiert hierbei eine gegenwärtige Stagnation des hebräischen Schrifttums und appelliert an die Anwesenden, der jüdischen Literatur kräftige Unterstützung angedeihen zu lassen. Es folgt ein intimes Bankett. Alles in allem hinterließ dfe Feier einen tiefen und imposanten Eindruck. Die gesamte jüdische Presse brachte spaltenlange Artikel und Berichte von der Jubiläumsfeier. ‘ . Aktiver und passiver Burgfrieden. Von Ben Joseph) Der lebhafte Kampf zwischen den einzelnen jüdischen Organisationen und Richtungen in Deutschland, der zu Beginn des Jahres 1914 eine nicht mehr zu übertreffende persönliche Heftigkeit und Gehässigkeit angenommen hatte, fand durch den Ausbruch des Weltkrieges ein jähes Ende. Ohne besondere Vereinbarungen trat ein mehr oder minder sorgfältig beobachteter Burgfrieden ein, dermit der Dauer des Krieges an. Festigkeit eher gewonnen als verloren hat. Dadurch wie in einem noch wesentlicheren damit zusammenhängenden Punkt unterscheidet sich dieser Zustand von dem Verhalten der großen politischen Parteien Deutschlands. Diese haben sich alsbald zu Beginn des Krieges zu gemeinsamer politischer Arbeit zufammengefunden, die gerade jetzt in oer Annahme des Hilfsdienstgesetzes ihren großartigsten Ausdruck gefunden hat. Im Gegensätze zu dieser am besten Äs „aktiver Burgfrieden" zu bezeichnenden Tätigkeit, haben sich die jüdischen Parteien resp. deren' Vertretungen, die großen jüdischen Organisationen in Deutschland damit begnügt, nicht öffentlich gegeneinander aufzutreten und isoliert in der Richtung ihrer Interessen weiter zu arbeiten, ein Zustand,

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