Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 47 (8.12.1916)
- Date
- 1916-12-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-Ssiiils-’ .J&tttt Sigmurck Feuchtwmrger, -er LaveiE mehvwe Mlszeichsnungeir empfing, dekoriert worden. ' " gtuttgari LeMvanr. Bernh ard St ern aus Gftrftgioch Sckhir LS Mnftnanns und -Kirchenvorstehers - Ludwrg Stern,-der cfö Jnstmterieunteroffizier der Reserve .insFM-Mckte,-ryKoischen mit demMsernen Archz 2. Klasse ' undrdem WstEeuchergischen Friedrichsorden mit Schwer» ternausgezeichnet und im April 1915 bereits zum Leutnant der Reserve befördert wvrden ist, ist nunmehr das Eiserne Kreuz 1. Klasse vvcllehen worden. " ^kSln, Das Eiserne Kreuz -I. Klasse serhlett der Unter« offWer Eil-j Plna t im R^.-FubArd-Megt. Nr. 9, Sohn d^KorkstopfenhLrikanten JoAh Hlgat. '' Mke». S>i iur, SßMSLS:0.*iii<txs, Offizierstell« vertreter. im RestFeld-ArwÄegt. Nr. 13, wurde zuni prenWchen Offizier beföchert. Halderkt»» . ZuliuS Sichel erwarb stck das Bohr. Mklitärverdienstkreuz 2.: M. mit Krone und SGoertern am /Bande. . ' -! Hannover. DaS Elserne Kreuz II. Kl. erhielt Unteroffizier Al e xa n de r Lipschütz. ' ftsttMuL UnteroMz«er AlexStedelLheimer ererhieü d«S Gserne Kveuz 2. Kl. Swlochau. Uaterofflzier Adolf Abraham erhielt das Gserne Kray 2. Kl. kbarlottendur«. Das E'serne Kreuz II. Kl. erhielt Unteroffizier Harold HarsHel. KerfomMe» «. Utint Mtttellmrse». «udapefi. _ . schreiben an lalle. vrihödoKM Gsneinden erlassen, indem ein Programm frstg^etzt wird, für die anläßlich» Ab« iäsepS F«mz Josest zu veranstaltenden Feiern in allen Synagogen. Darrnwird anchl'den Gemeinden das Ansuchen gestellt,/ religiöse Stiftungen auf den Namen des Königs ' zu errichten. Die „Wlg. jüd. Ztg." inacht dazu den Vorschlag, das Andenken des Königs dadurch! zu ehren, Last man alle in diesem Trauerjahre geborenen jüdischen Knäblein -nach' Franz Josef benennen solle, wie Lies schon bei Alexander dem Großen geschehen ist. Warschau Der hebräische Schriftsteller und Verleger Ben Awigdor wird am 9. Dezember sein Löjähriges liter. Jubiläum feiern. (vgl. unseren diesbez. Artchel. D. Red.). W hat sich! in Warschau ein Jubiläumsausschust gebildet/ der dieses Fest in gebührender Wesse zu feiern beabsichtigt. Gegenwärtig erläßt er einen Zfirfruf, hem wir folgende entnehmend „Der bekannte hebräische Schriftsteller und Verleger Ben Awigdor (A. Schalkowitz) kann nunmehr auf eine 25jährige schöpferische und segensreiche Tätigkeit mrf dem GÄiete -der hebräischen Literatur zurückblicken. Ben Awigdor gehört zu den Schöpfern . der neuen Epoche der hebräischen Literatur. Sein literarischer Geist und seine organisatorische Kraft steuerten gleichzeitig der Entwicklung des großen Werkes hei. Sein ganzes Hervortveten war schriftstellerischer und verlegerischer Natur: seine gesamte 25 jährige Tätigkeit trägt in harmonischem .Einklang diesen Doppelcharakter. Der eigentliche Jubilar ist-aber nicht nur Ben Awigdor, sondern drehe b r ä i sch e Literatur, und tpohl jch>er Gönner, des hebräischen^ Schflfttums wird hieslis Jubiläum aufHHvärmste bc-'"' grüßen und in gebührender'Weise feiern.!^" M - Der Jnbilminisausschutz. hat den Beschluß gefaßt, . ' uni L. DÄember eine öffenÜWe Feier zu-veranstalten.! .. Um «wer die Feier der hebräischen Lirkratur, die „unter den furchtbaren Wirkungen des Krieges in ihrer Enttmcklüng jäh gehemmt wurde, durch! eine Tat zu begehen,beschlossen wir, einen Fond für die hebräische LÄratnr auf den Namen des Jnbllars. zu gründen. Wer M ' den Gönnern des hebräische» Schrifttums zählt und das Jubiläum Ben Awigdors in gebührender Weise feiern will, möge durchseinen größeren oder lleineren Beitrag dem Fond beisteuern." ' Die Adresse für Geldsendungen: Bankhaus D. M. Schereschwvski, 'Warschau (für Ben Awigbor-Fond); für Briefe: Handelshaus M. Genberg, Warschau, Denga Nr. 8a. Mich in Unserer . Redaktion werden Spenden entgegengenommen. Im Ausschuß, befinden sich namhafte Kaufleute und Schriftsteller. > Warschau Laut.Haint" Warschau, hat die B?kanntmüchüng von der am 14. Kislew (9. Dez.) stattfindenden Feier h«s 25jährigen Jubiläums des bekannten Schriftstellers Ben Awigdor starkes, allseitiges Interesse beim jüdischen Publikum in Warschau wie auch in der Provinz .hervorgerufen. - . Warschau. Am 28. November h't die einzige heb-ällche Zchtling „Httzefirckh" in Polen ihr Erscheinen eingestellt. Trotz vieler Versprechungen war die Unterstützung der Zeiümg durchdlL jüdischen Kreise sehr gering. Da die AboMenteiWlM/tchMWlnahm Kind die Geldmittel vollkommey «fchoM w«wen> sahen sich die Leiter und Wbefter, Ue achtens sich mit einem ganz geringen Lohn begnügten^ steuötigt, das Erscheinen einzustchlen. d AraLkfurter Berichte. JBptfitt Mrijüpische Geschichte und Literatur. : -Mri gewiß Kl den Seltenheiten, daß man an ÄveiLvnz»tabenden, der eine von einem ausgesprochen Kristlrchen Franenchor veranstaltet, der andere dem „jüdi - fjchen Bol-ksliede" gewidmet, die gleichen Klänge vernimmt, -je — .—Jn das jüdische Gouesylyts und zivax in dessen heiftgste ernsteste Mimmuugen Wien,' in die ^Pistßen MlMMte der SlWmA-Tagx, des R'ilyh-Gebetes am Äaum Rppnr. Und doch aing es dem Berjchterswttcr so, der -in der gllWey Woche den Hiesigen Dessoffsschen Aowwqchor das Es der.Mftte des 16. JcchHüvderts ^stwmnwide Lied „Ach Gott, svem soll i& klage»,- Lys. heim- - Kch Leiden mein" --lind am' letzten^SimlstÄg'?hbeW den Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Oberkantor N u ßb aümaus W iesd ad e». das wehlnuts« Völle-jüdische Volkslied „Das J'säumel" singen hörte, der tcher endlich selbst einstmals wiederum inuh der glei> 'che n Melodie den Pismon „Jachbienu bezel jodau" vortrug, immer in der Mesnüng, darin eine altjüdischi-tradi-- tionelle Weise zu singen. Diese auffallende Erscheinung ist bezeichnend für die Entstehung vieler „jüdisch^ Synagogen- und Volksliederinelodien; sie trat auch deutlich in vielen Liedern zu Tage, die Herr Ztußbaum mit wohlklingender Stimme und tiefem Verständnis einen zahlreich versammelten Publikum .vortrug. Nach einer kurzen Einleitung, die von der Entstehung der Synagogenrnustk und dem Charakter des jüdischen Volksliedes handelte, wurden uns 15 zum Teil äußerst ansprechende, tief empfundene, zum Test auchvon allerdings mit Bitterkeit getränktem Humor getragene Lieder vorgeführt: Wiegen-, Kinder-, Liebes-, Hochzeits-, ' Soldatenünd- Ghettolieder allgemeinen Inhalts. Sie gewährten einen -Gnblick in die mmmigfachen und dochimmer von Wehmut duvchwehten Stimmungen des, religiösen, wie des Alltaglebens der Ostjuden, die gerade jetzt unser Interesse so sehr in Anspruchnehmen. Eben darum darf der Vortragende und dürfen die Meister, deren -Schöpfungen er so verständnisvoll uns vermittelte: Nadel, Zepler, Kirschner und Birnba um, immer des Danks teilnehmender Zuhörer gewiß sein. So kann auch der veranstaltende Verein ans den Erfolg seines den Winterfeldzug eröffnenden Vortragsabends mit Zufriedenheit zurückblicken. - Ly. Leo Wallach s. «. Im noch nicht vollendeten. J57. Lebensjahr starb im Dienste 'für das Vaterland im Reservelazarett zu St. Avold'(Lothringen) Leo Wallachs Frankfurt a. M. Nach einem arbeitsreichen, nur. strengster Pflichterfüllung und unermüdlicher Sorge - für seine Fcmiilie. geweihtem Leben, mußleer diese Welt nur allzuftüh verlassen, betrauert von alten schmerzgebengten Eltern, von einer liebenden, granwrfüllten Gattin, von unschuldigen, nun zu Waisen gewordenen Kindern, von Brüdern und Schwestern und einem großen Kreise von Freunden und Verwandte». Von seiner allseitigen Beliebtheit, von der Wertschätzung der er sich im Leben erfteuen durfte, legte die rege Anteilnahme großer Kreise der hiesigen Gemeinde beredtes Zeugnis ab. Es konnte -auch! nicht anders sein, denn der Entschlafene war für sich! anspruchslos, nur mif das Wohl der Seinen bedacht, in der uncigemrützigsten Weise Wohltaten ausübend, soweit es in seiner Kraft stand, gewissenhaft in der Ausübung seiner Pflicht als Gemeindebeamter. So konnte er einen -Namen hinterlassen, von dem ■ es heißt: „Wer sich einen guten Namen erworben, erwarb sich das ewige Leben." Am Grabe des Verewigten sprach Herr Inspektor Ahrens vom hiesigen Krankenhaus der israel. Gemeinde tiesempftmdene Worte des Gedenkens, in denen er die Vorzüge des Verstorbenen rühmte und de».Verlust schilderte, den die Gemeinde, alle seine Freunde und Verwandten durch! seinen Tod erlitten haben. ' E. T. Bodelian, Herrenschneider FrauMfnrt. a. Main, Friedwisstrasie No. 1 Telephon : Römer 3650. - feinste: MASH-SCBNRIOEREI. Aof Wunsch koschere Veiarbeitung. IßiiiMon. Leah. Skizze aus dem russisch-jüdischen Leben von Ben-Avigdor. Aus dem Hebräischen übersetzt. Es war ein Freitagvormittag in der Juden<zajse zu Wilna. Gn Getöse wie die Brandung eines Meeres „ kam einem schon entgegen, wmn mau 'sich^von der - Tcutschm Straße her der Judengasse näherte. Denn diese diente als Warenlager, Marktplatz und Versammlungsort; in ihr hastete, drängte und schrie alles.' An dieienr Wititertage schwebte über dem Wald von flatternden Tüchern und ragenden Männerhütcn ein Rauschen, ungreifbar, aber stark, und ein Nebel, gelblich grau. . Am Ende der Straße stand steif und kerzengerade der Hüter der Ordnung. Seine hinterlistigen Katzenaugen in dem fleischigen Gesichte und zu Seiten der langen, kupferfarbenen Nase schauten hin und her. Die Hände staken in den Taschen, und nur wenn ein Vorgesetzter vorbeiging, zog er sie, um zu grüßen, hervor. Die Straße war schmal und krumm. Aus Pen kleinen, schiefen, geflickten Fenstern der alten verwahrlosten Häuser sah die Armut heraus. Nur im Hintergrund der Straße fiel ein hoher, einstöckiger Bau aus, dessen -Erdgeschoß mit seinen Läden und Gewölbenwohl den anderen Häusern glich, dessen hohen Bogenfenster im oberen Stockwerk aber dem Ganzen ein besonderes Gepräge verlichen. Hier war das alte Beth-Hamidrasch des berühmten Wilnaer 'Gaons. Dahinter blickte^ ein einfacher, blaugestrichencr, mächtiger Bau hervor, umgeben von mehreren Leinen Bauten, die sich anschmiegteri, als suchten sie Schutz: die große Synagoge und die Bethäuser der Vereine und Gelwssenschaften. diahc dem" Giebel des Hauptgebäudes zogen'sich,'die eine über der anderen, zwei mächtige Holzgalcrirn hin, wohl-eine -Laune ' . Nr. 47. des Baumeisters.- Rechts. gegenüberdchnte. sich '!m die Länge and in die Breite ein Hof, der unzählige. Leche Höfe, Gänge, Häuser und Gäßchen faßte, aus denen ein fortwährendes Genrurmel drang, als ob ein Bienenschwarm summte oder als, ob ein Strom rauschte. Das war. die Jeschiwa. . - Die Läden zu beiden Seiten der Straße hatten ineist mit einer engen Mauernische, einem Spalt oder WmM inr Torwege ihr Genüge. Oder oberes war oben in! per- Wand ein Brett festgenagelt, um das Warenlager ächzunehmen. . ... Empfehlende Schilder. waren -iwch unbekannt. IDie Waren auf den Bänken oder aus dem Boden vor .den Türen sprachm für sich selber, oder ihre Verkäufer sprachen für sie. Mle§ war zu kaufen: Mehl und Kohlen, Reis, Sauerkraut, Kartoffel», Kalk, Butter, alte Kleider, Wachs, Nadeln, Heringe, Zwirn, Töpfe, Halstücher und was ein Menschenherz sonst nur. Schönes oder Eßbares begehren kann. 'Durch die eigentliche Straße, wo im Gediränge die kreischenden Stimmen der. Verkäuferinnen durcheinander sich mischten, wogte eine ganze Reihe wandelnder Läden r eine Bank, ein Korb, eine Mulde, ein tragbares Gerüst und darauf einige Aepfel, .Bratkartoffeln, Bohnen oder andere Leckerbissen für den heiligen Sabbat. Die Verkäuferinnen braun und blau vor Frost und in ärmlichen Lumpen, wärmten die steifen Finger an den^ Feuertöpfen, schrieen den Preis ihrer Ware aus und verließen auch mal ihren „Stand", um einem Kunden oder Kundin am Aermel oder Röckschoß anzufassen und trotz allen Widerstrebens in des Wortes wörtlichster Bedeutung herbeizuziehen. ' ~ „Frau, gnädige Frau!" schrie eine der Äerkäufcrinnen einer Hausftau zu,- „was kaufen Sie? Hier gibt es Weißbrot hell wie das Licht der Sonne!" „Zu mir. Gnädigste! Ihr'Brot ist schimmelig, doch meines knusperig wie Eierkuchen!" kreischte eine Nachbarin. „Sic lügt! Solches Brot finden Sie in der ganzen Stadt -nicht wieder!" wehrte sich die erste. „Lichten Sie nicht auf das Gerede! Ihr Brot ist ohne Salz!" — und mit diesep Worten trat sie aus der Tür und suchte die Angerufene in ihren Laden zu zerren. „Laßt mich nur gehen! Ich will gar kein Brot." Frauen, Frauen, daß Euch Gott segne, kommt her! — Was kauft Ihr? Graupen, Reis, Hirse, Nudeln ifnr Schabbes?" . „Kartoffeln, groß wie Melonen.!" „Bratkartoffeln, köstliche Bratkartoffeln, drei fiir eine Kopeke! Jeschiwa - Bocherim, hierher, hierher!" „Du Junge von der Jeschiw-a, schuldest. Dy mir nicht noch zwei Kopeken für KartvffellrA— iunds imst kaufst Du andertvärts?" -„-Tie Deinigen sind ja.verfault?" -? ' „Meine Kartoffeln verfault, hört Jhr's? Alle Welt weiß, daß ich die besten Kartoffeln habe,— und der sagt: „Verfault". Daß Dir die Gedärme. verfaulen,' Du Nascher! Sofort meine zwei Kopeken her!" „Ein anderes Mal. Heute gcht -es', nicht." „Ein anderes Mal? Wer sagt mir, daß Du Taugcnichts bis zum anderen Mal lebst? Ich -werde mich Jki Reb Jokel dem Aufseher bellagen." --------- „Bitten Genandel, tu 's nicht. Ich kaufe ja schon wieder beb, Dir." „Dann bist Du mein lieber Sohn. Für wieviel willst Du,-mein Herz?" ' - . „Bohnen, Bohnen! Trockene Bohnen, weiche Bohnen, heiße Bohnen!" „Klöße," Fmuen, warme Klöße!" „Hierher, hierher, Frauen! .Klüse! Drei für zivei Kopeken!" ■ ' „Was kaufen Sie, mein Herr? Wichse, Kerzen, Lampendochte, Zylinder, Kleiderbürsten?" „Vorsicht! Hü, hot!" brüllte von .einem iir raschem Trab fahrenden, mit Mehlsäcken beladenen Wagen ein Bauer. „Oh, Oh!" llagte mit Tränen ein altes Mütterchen, „er hat mir einen ^Topf voll Bohnen ümgestürzt."-. Bor ihr lag in Scherben der Topf, rjnL einige Gassenjungen suchten der Bohnen habhaft zu werden. „Diebe, wollt Ihr mir meine Bohnens nichb stehlen! Oh-, mein Schweiß nnd>Blut, der Verdienst eines Tages!" - „Meine Milch!" jammerte ein Mädchen, „einen Korb voll Eier hat er mir zerbrochen!!" ein anderes, ... „Sieh nur, Zigge," deutete eine.BohnenveMuferin auf einen jungen Mann, der neben einem «Sack mit Bohnen stand,. sich, Schmer! wirft von Tag zu Tag reicher." - „Ja, er hat Glück/' erwiderte die Ungeredetr seufzend, „iinft wirsündigen Frauen haben's. nicht." . ' '.