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Neue jüdische Presse · 1916-11-24 · Heft 45 (24.11.1916) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 45 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5 schweren Verlust, der de» Verein betroffen. Wenn heute aus allen .Ecken und Enden nur Schweres sich, uns-entgegenstellt und die Erde erfüllt ist von all dem Jammer und Elend der Zeit, so ist für sinI der Sab.bat mit dem Lichterglanz der Freitagabende, ein Hort der Ruhe, der uns über alles hinwegzusetzen vermag, und Seligmann war eine Stütze des Sabbats, indem er den mit großer Not kämpfenden und Um ihre Existenz ringenden Glaubensbrüdern ihren Sabbat erhalten .half. So möge das Andenken an. den Verewigten anfeuernd wirken, daß in seinem Sinne die heilige Sache weiter beschützt wird! S. Berel« für jüdische Krankenpflegerinnen z« Frankfurt a. M. (ß. B.) Der Verein hielt am 15. November d. I. seine ordentliche Mitgliederversannnlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, der Kassierer den Kassenbericht. Die cnlsscheidenden Mitglieder der Verwaltung wurden wiedergewählt. Nachdem Geschäftsbericht gehören dem Verein z. Zt. 60 Schwestern und 12 Lehrschwestern an. Von den Schwestern sind z. Zt. im ganzeil 38 in der Verwundetenpflege tätig, davon 16 int Feld und in der Etappe, . Und 22 in Lazaretten des Heimatgebietes. Eine Schwester hat während des abgelaufenen Berichtsjahres ständig in dem Frankfurter Lazarettzug L. 1. Dienst getan. Von den „Feldschwestern" sind 4 der Deutschen Sanitätsmission für Bulgarien zugcteilt. Der Verein versieht den gesamten Pflegedienst im Krankenhmi.se der Jsraelitisch<en Gemeinde. In seinem Schtvesternhaus unterhält er ein Lazarett von 5<j> Betten (Bereinsläzarett Nr. 27), in dem 5 Schwestern tätig sind. Folgenden Anstalten hat er je eine Schwester als Oberin zur Verfiigung gestellt: Gnmpertz'sches «Siechenhaus, Kinderhaus der loeiblichen Fürsorge in Frankfurt a. M.,' Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad Dürrheim, Israelitisches Krankenhaus in Hannover und Israelitisches Altersheim' in Aachen. Ferner ist in der Frankfurter Sänglingsfürsorge eine Schwester des Vereins ständig tätig. Von den Schwestern sino bisher 13 mit der Roten Kreuz-Medaille, 17 durch Verleihung deer Denkmünze der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. Die Tätigkeit des Vereins kommt allen Konfessionen zugute. Aus dem Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird, uns geschrieben: .. Der Mangel an Tefillin niimnt einen immer peinlicheren Charakter an. "Von allen Seiten gelangen Gesuche von Gefangenenlagern aber auch aus dem Publikum um Ueberlassung von Tefillin an uns heran, die wir nicht befriedigen können, da unsere gesamten Vorräte vergriffen, die Sendungen neuer Tefillin ans dem heiligen Lande seit längerer Zeit ausgeblicben sind und die Herstellung in Deutschland den größten Schwierigkeiten begegnet. Wir Litten wiederholt und dringend alle diejenigen, die iiber entbehrliche Tefillin verfügen, uns diese Kber- Sen zu wollen. Die Tefillin iverden vor ihrer Weitere natürlich nachgesehen und soweit nröglich, in Stand gesetzt. - Die Eröffnung der rituellen Kriegsküche. Die Eröfftluug der rituell geführten Kricgsküchc Nr. 23 im Hanse Zeil 19 steht fiir nächste Woche bevor. Damit wird ein vielfach! geäußerter und berechtigter Wunsch weiter Kreise erfüllt. Die 23. Kriegsküche, welche abgesehen vom Punkte der rituellen Zubereitung der Speisen) ganz wie die Mittelstandsküche Nr. 20 in der Fahrgasse geführt wird» steht unter Leitung der Damen Frau Henriette Besthof, Frau Alice Goldschmidt und Frau Selma Sondheimer. Die Kosten des Betriebs müssen durch! den Verkauf der Karten für die Speisen gedeckt werden) - Die Küche gibt Karten aus für die ganze Woche (außer Schabbos) zu 4.50 Mk. und fiir die halbe Woche zu 2.25 Mk.. < Es wird darauf gerechnet, daß das Mittagessen nicht nur von vielendort eingenommen wird, sondern dielmehr, daß auch zahlreiche Familien sich dasselbe abholen lassen. In letzteren! . Falle wird manche Familie nicht für jedes Familienmitglied eine Portion' nötig haben, da die Portionen reichlich beniessen werden. Der Betrieb wird Mittwoch) den 28. d. Meröffnet, und die Karten sind 'Montag und Dienstag porher zwischen 11 und 3 Uhr Zeil 19 zu lösen. ' Man rechnet auf eine rege Beteiligung guten Mittelstandes, und es wird nochmals betont, daß jeder Glaubensgenosse, welcher Steuerklasse er auch; angchört, in den jetzigen schwierigen Verhältnissen die Erleichterung initbenutzen kann, welche die neue Gründung bietet, d" die Küche, wie gesagt, sich selbst erhält. Mdim Der Mttgiftdottor. Eine Erzählung von Clemens Berg. . (Schluß.) „Es geht an!" sagt Sannt und sendet Hertha und Bertha einen kritischen Blick nach. „Kleider machen Leute, die Frau Amtsrichter versteht ihre Kinder vorteilhaft anzuziehen, das kann ihr niemand bestreiten. Aber es ist keine Kunst, Geschmack zu . zeigen, wenn man so viel Geld besitzt." > Cafe Kaisepgarten am Operaplatz Erstklassiges ITamilien-Caf© Jeden. Nachmittag von 4 dl» 7 Uhr und Abend von _ 8‘/> Uhr ah ■f“ er - BLonz ert. -W« „Höre Sannt, Du brauchst nicht neidisch zu sein," sagt Vater Scholz koptschüttclnd, „das Glück dieser Frau ist noch zu übersehen." „Ich beneide sie nicht, ganz - und gar nicht. Und nicht um all ihr Geld möcht' ich ihr eingefallenes, gelbes Gesicht haben oder gar ihren Pantoffelducker von Mann." „Respekt, Sanni, er ist der Anitsrichter." „Ach was! mein Amtsrichter ist er nicht, ich habe ihn nicht angestellt. Lachen Sie nicht, Papa Scholz, ich bin bitterböse auf diese ganze hochmütige Sippschaft. Sie sind nur fortgefahren, weil sie sich zu vornehm dünkten, an meines Bruders Hochzeit "teil zu nehmen." Vater Scholz antwortete nicht; er blickt angelegentlich nach der Landstraße, plötzlich erhebt er den Kopf und summt vergnügt: „Siehste wohl da kimmt er, lange Schritte ninimt er —" Man staune! Selbst bis nach Kronstadt ist der erhabene Text des Berliner Krenzpolka schon gedrungen. Und der Erwartete nimmt wirklich lange Schritte, so gut es seine kurzen Beinchen gestatten wollen. Endlich ist er da, Löbel Abraham. in höchsteigener Person. Er schleppt ein mächtiges Paket, das er, selbst in den Augenblicken höchster Erschöpfung noch ein echter Frauenlob, Sanni mit artiger Verbeugung. zu Füßen legt. „Raten Sie, woher ich komme, Fräulein Sanni!" „Schnurgerade die Trehanobitzcr Chaussee entlang." „Getroffen! Alle lassen grüßen. Der Vater und die Mutter und das junge Paar und die gesamten Hochzeitsgäste." „Werden ihrer nicht allzu viele geivesen sein." „So soll ich gesund sein, Herr Scholz, wie Sie da recht haben. Es waren höchstens ein Dutzend Men- -schen beisammen. Die Damen nicht eingerechnet, die zähle ich extra. Was sind Eure Schwestern für stattliche Frauen geworden, Jungfer Sanni! Aber Ihr habt wohlgetan, zu Hans zu bleiben! Das war kein Fest für fröhliche Mädchen, es war eine sehr ernste Feier." „Mit meinem Willen bin ich nicht zurückgeblieben," sagte Sanni ärgerlich, „es geschah nur, weil die Mutter es befahl. Und jetzt erzählt endlich, Meister Löbel! Warten wir darum seit zwei Stunden auf Eure Rückkehr, daß Ihr Euch jedes Wort mühsam abfragen lasset?" „Woher wußtet Ihr denn, daß ich heute noch zurückkommen müsse?" „Ich könnte Euch erwidern, daß Euer Geschäft Euch nicht erlaube, zwei Tage fortzubleiben; aber Ihr laßt ja doch Eure Kundschaft warten, wie — nun wie eben ein Schneider. — Aber die Wahrheit ist, daß Euch Mitleiden mit mir armen, böslich zurückgelassenen Nesthäkchen überfallen hat; und ihr halb und halb selbst darauf brennt. Eure Neuigkeiten anszukramen. Also fangt an. Zuerst: Wie sah die Braut ans?" „Schön! Schöner als schön." »Weht doch. Ihr übertreibt. Lotte Jakob ist dreiunddreißig Jahr." „Entschuldigen Sie, zweiunddreißig." „Zweiunddreißig! Gott, das ist ja schrecklich alt." „Nun? was tut das?" Löbel streicht liebkosend seinen dünnen grauen Bart und versucht, recht unternehmend dreinzuschanen. „Fräulein Sanni, ich sag' Ihnen, wenn die kleine Lotte mich gewollt hätte, —- ich hätt' sie auch genommen." „Ach, lasset die Possen. Mein Bruder konnte wohl ein hübscheres Mädchen heiraten oder auch ein reicheres." „Ja, damit sollte ihm nur einer kommen. Darüber hatte er so seine eigene Ansichten." „Leider recht unpraktische. Lotte Jakob zu nehmcn, die keinen Groschen Geld mehr besitzt. Sie sollen sich auch nnglaublich einfach eingerichtet haben. Denken Sie nur, Löbel, nicht mal llebergardinen! Die Frau Amtsrichter Seligsohn hat neun Zimmer und in jedem ' einzelnen Uebergardinen." „Seht Jhr's." „Ob sic auch übriges Glück und Behagen in ihren .Stuben hat, weiß ich nicht." „Ach, das sind schöne Redensarten, Meister Löbel, Ihr tut, als ob Reichtum eine Schande wäre. Und schließlich: Eines laß ich mir ganz und gar nicht ausreden: eine Jüngere hätte Max jederzeit noch bekommen. Was seht Ihr mich so an?" „Ihr habt recht schöne goldene Haare —" „Was soll das hier?" „Und dabei fällt mir ein, Euer Bruder hat einen ganz weißen Kopf." Da fängt Sanni an, bitterlich zuweinen. Löbel Wrahani spricht kein Wort. Nur. Vater Scholz seufzt: „Ja, ja, drei Jahre Festung ohne Gnade! Aber sagt doch, Löbel, habt Ihr meinen Hans dort gesehen?" „Nun natürlich. Gehört doch Euer Hans zu dieser Hochzeit wie der Zucker in die Torte. Wer hätte dem Doktor aufgehölsen, tvenn nicht Euer Hans? Damals,^ als er endlich von der Festung loskam und mit leeren Händen dem Nichts gegenüberstand—" umsonst winkte Papa Scholz mit Augen und Händen Löbel Schweigen zu, der Schneider ließ sich so leicht nicht aus dem Konzept bringen, um so weniger, da er mit guten! Grund beabsichtigte, der ziemlich hochfahrenden Sanni eine kleine Lektion zu erteilen, „Iver hat damals dem Doktor mit gutein Rat und klingender Tat beigestanden, iver anders als Euer Hans? Wer hat den Max gefördert und unterstützt, als er in der wildfremden Stadt da Iveit ins Elsaß hinein noch einmal ganz von vorn um seine Existenz ringen mußte? Immer der Hans, der gute, treue, seidne Mensch —" „Ja, aber er half sich denn doch bald wieder allein," sagt Vater Scholz in seiner milden Art, denn das verlegen und gesenkten Blickes zuhörende Nachbarskind tat ihm leid. „Nun — wie eine Sache da ist!"» fährt Löbel kampfesmutig fort, „wozu hat er denn seine Doktorei gelernt? Hat es nicht lange genug gedauert, bis er sich sein eigenes Nest bauen und die kleine Lotte heimholen konnte, sie, die so treu auf ihn gewartet hat." „Hört mal, Reb Löbel, hat man Euch keinen Eheilek (Portion) für uns mitgegeben?" sucht Sannis Frage das vorangegangene heikle Thema abzuschneiden: „Seht nur nach." Aber wie Sanni das umfangreiche Paket öffnet, kamen die fürchterlichsten Dinge ans Tageslicht- Irgend eine täppische oder gar leichtsinnige Hand hat die zahlreichen Butterküchen und Fleischpasteten üngesondert in eine Hülle gebettet, so daß es für ein ^jüdisches Kind zur traurigsten Unniöglichkeit geworden >var, auch' nur einen Bissen von all den guten und verlockenden Dingen anzurühren. Schauderhaft! Jetzt ist es Löbel, welcher in Verlegenheit gerät und von dem jungen Mädchen eine gediegene Strafpredigt für seine Unachtsamkeit erhält. Aber das schlaue Schneiderlein saldiert' sich mit dem frommen Wunsche, daß ihm ähnliches Malheur recht bald bei Sannis Hochzeit passieren möge. Mit einem Male wird Löbel Abraham tief ernst. „Ich Hab' Euch noch gar näht erzählt, Sanni, was Euer Bruder gesagt hat, als er in den Hochzeitssaal ganz unerwartet seine Eltern treten sah." „Wie mag er sich gefreut haben." „Geweint hat er, geweint wie ein kleines Kind, ganz herzrührend, niemals habe ich einen Mann so vor Freude weinen sehen." „Mein armer Bruder." „Er hat viel gelitten." „Aber das hat ihn besser gemacht. Lieber Herr Scholz, ich bin nur ein geringer Mann, aber es verdroß mich doch, wenn ehedem dieser junge Mensch so vornehm tat und unser einen immer über die Achsel ansah. Seht, jetzt war er ausnehmend freundlich, sogar zu mir. Löbel, hat er gesagt, Freund Löbel, wamr kommt Ihr mich mal besuchen in meiner neuen Heimat? „Wann Ihr einen kleinen Doktor haben werdet." „Nein, nein," schrie er hastig, „einen Sohn will ich gern haben, doch ein Doktor wird er mir nicht, das schwör' ich Euch. Aber ein treuer Sohn, der seiner Religion Ehre macht." ,,S' sind doch närrische Leute", bemerkte Vater Scholz, „konnten sie einander nicht schon vor zehn, zwölf Jahren kriegen?" „Nun — was denn?" antwortete Löbel mit Eifer. „Was Hab ich immer gesagt? Hätt' er auf mich gehört, er hätt' sich viel Zeit erspart und Kummer und Herzeleid. sind Lottens Geld wär' noch da, und man hätt' nicht gebraucht zu schießen und zu sitzen drei schwere Jahre lang. Hätt' er das nötig gehabt? Ja, das kommt davon, wenn junge Leute nur ihren eigenen Köpfen folgen." - lind Löbel Abraham schob den Hut in den Nacken, brachte seine Hände in die famose Hoferstellung und ging seiner Wege. Ende. Offenbaeber Druckluft- Anlage I Offenbaelt C. 1L Telefon 123. (Anschluss mitBrankfmQ. I ewährteate TcpplCbralntgima (100,000 qm jährlich)! sowie unübertroffene Battena. Betttedarnrafnt-! jung mittelst Druckluft and Wasserdampf.'

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