Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 39 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Lomler «L Lait§ch I Tel.Hanga3148. Frankfurt a.M, Liebfrauenberg.83.1 Speelalhaus für Unterkleider und Strümpfe.! Niederlage pphter Dr. Lahmann-Wäsche. W Zn der nächsten Sekunde war Max wieder auf den Beinen. „Hans! Gelobt sei Gott!" Hans war vom Pferde gesprungen und Hielt den Müller gepackt, der aber winselte jetzt und jammerte, man solle jhn nicht todschlagen. „Bist Du verletzt, MaxL" - „Unversehrt!" rief der Doktor und berichtete, ehe Hans weiteres fragen konnte, mit keuchendem'Wem Aber den Zweck seiner Fahrt und den Grund des Streites. „Warum willst Du den Herrn Doktor nicht über Zernovytz fahren?" -Der Müller weinte. „Ich darf nicht. Der Herr jagt mich davon." „Alberne Litzen, welche er vorbrjngt, um Geld zu erpressen," schrie btt Doktor. „Wer ist Dein Herr?" examinierte Hans. „Ich werde sss Jhnensagen, tzenn Sie mich loslassen weiden." „Du Lumpenkerl willst mir Bedingungen stellen? Ich werde Dir eine Tracht Prügel geben." Der Mann blinzelte tückisch nach dem Doktor und schvyeg. l „Lassen wir ihn laufen," sagte Haus auf Deutsch, „es ist nichts mit ihm anzufangen". Kaum war der Müller frei, so humpelte er ächzend nach seinem Gefährt, welches die Tiere eine ganze Strecke Weges fortgeschlerst hatten, und kletterte mühsam daran Zn die Höhe. Er mußte den Wagen wenden und fuhr in geringer Entfernung wiü>er an den Freunden vorüber. Nun Zn Sicherheit, schrie er auf sie herab: „Mein Herr W der Baron von Dallwig, er wird Euch hängen lassen, alle beide." Darm machte er sich unter mehreren unverständlichen Drohungen eiligst davon. „Verstehst Dü das?" „Nein," sagte Hans gleichmütig. „Ich kann ja Dallwig morgen fragen." „Ueberlaß das mir," rief Max erregt. „Unsinn! Mache jetzt daß Du fortkommst. Steig auf!" „Und Dü, wie wirst Du nach Haus gelangen?" „Gescheute Frage das! Ich laufe. Die Wölfe Zwecken michnicht fressen." Er reichte chm Tasche und '-'Mantel aufs Pferd. „Schone den Braunen nicht. Guten - Erfolg!" Der Doktor Hatte die treue Hand gefaßt und murmelte: „Habe Dank!" Dann jagte er davon. Fort . sauste er über Haide und Sumpf, die wenigen Leute, tzie dem sellsamen Rater begegneten schlugen ein Kreuz ipü> .wichen, ihm scheu aus dem Wege. „Das ist der Nebelpeter, dm reitet nach den Mühlen." Vor grauen Zeiten Hat er-dort gehaust, ein wüster Gesell, der sein treuloses Wyb, an die Hufe seines Rosses gebunden, . .zu Tckde schleifte. Nun hetzt er herum bis zum jüngsten .Gericht, wo er sich zeigt, gibt es ein Unglücke Hinter den Mühlen tauchte das Zcrnowitzer Vorwerk auf, — zwei zierliche Häuser im Schweizervttlen- "styl -standen nebeneinander. Das eine war hell erleuchtetet. Musik schallte heraus. Die Töne eines Klaviers mnd der Gesang heller Männer-- und Frauenstimmen. ‘ „Mein Weib vergnügt sich," sagte Max bitter. Recht .'wie zum Hohn trug ihm der Wind noch lange die _ luftigen Klänge zu. Das sollte doch anders werden. ' Auf dem Rückwege, wollte er auf dem Vorwerke einkchren und sein Weib mtt sich nehmen. Es sollle alles mckers werden, anders und besser, er trug wohl auch - einen Tell Schuld daran, daß Marie außerhalb ihr Be- . hagen suchte,' sie war noch so jung und lebensfroh, in : Hr pulsierte frischeres, leichteres Blut, freilich sie war ' von mü>erer Art. — Bist Du wohl sicher, daß die Tochter der liederlichen Käthe Dir ihre Treue wahren werde? Wie fiel ihm das jetzt nur ein? Wer hatte Wr einst so gefragt? Seine Mutter. Natürlich. Sie - Hißte Maye.. Und .für die Liebe -seines Weibes hatte er den Haß schner Mutter eingetauscht. , . . . Seine - Mutter. Sie war krank. Vor Gram und Not — schwerkrmck. — Mochte sie doch ihn verabscheuen und Mn grollen, wenn sie nur seine Hilfe annehmen und 'leben wollte. — Diese eigensinnige, teuere, alte Frau, - Wenn er nun doch zu spät käme und träfe sie nicht mchr; — und sie läge vor ihm still und kalt. . . . es ^zerrte ihm etwas am Rock, er erschrak, — aber - es War nur ain Baum, der sich in das Tuch seines -" Mantelkragens -gehall chatte. — Myn Gott, wollte denn - der Wald heute, kein Ende nehmen! —- Und dieser Regen!-— Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Es war stark dunkel geworden. Durch des Doktors Hirn jagten und tobten die Gedanken wie ein Wirbelsturm. Das seltsamste, sernliegendste Zeug fiel chm ein... . Worte — Bilder — Menschen, die er längst vergessen glaubte, schwebten wie feurige Funken vor chm her. Dabei ging ihm unaufhörlich, wie die endlos schwirrende Melodie einer. Spieluhr, ein Vers des Homer durch den Kopf. »Jetzt kam graulich die Macht-des verdunkelten Mondes, und rastlos regnete Zeus, laut sauste der West' mit ergossenen Schauern." - Er sprach den Vers mehrere Male vor sich hin, er studierte ihn wie ein Schulknabe, er wollte seinen Geist zur Klarheit-zwingen. Was glänzte dort wie ein heller Schein?' An einer alten weitästigen Buche hing ein rohgeschnitztes Muttergottcsbild, auf einem breit vorspringenden Holzrahmen stand ein rotes brennendes Lämpchen. — Gott sei Dank, das war die Kronstädtcr Allee. — Nur noch eine halbe Stunde scharfen Rittes, und er würde die Stadt erreichen. Nun aber wurde der Braune müde und wollte nicht mehr recht Wetter. Er mußte ihn umsonst antreiben imb schlagen, fo sehr ihn auch das, ermattete, geduldige Bich dauerte. Endlich langten sie beide in Kronstadt an, Miß und Retter — triefend vor Schweiß. Der Klempnermeister Scholz trat gerade aus der Haustür, da der Doktor vom Pferde sprang. „Ei, ei," sagte der alte Herr verwundert, „ihr Jungens treibt es arg mit den Braunen." . „Lebt meine Mutter noch?" „O ja, aber — Gott weiß wie lange noch; es geht ihr miserabel. Ist recht, daß Sie nochgekommen finb, gehen Sie nur nach oben, — ich tverdc den Braunen. schon abführen. — Aber Sie wissen - doch, es ist schlecht Wetter für Sie bei Ihren Leuten." „Ich weiß, ich weiß," erwiderte Max. Borsichttg, wie ein Dieb schlich er die Treppe des Elternhauses in die Höhe. Die Tür war unverschlossen, er llinlle leise auf und befand sich in dem lleine», engen Vorraum, der die Küche und das Schlafzimmer der Schwestern von der Putzstube schied. Einen Augenblick stand er ratlos, wo er eintreten sollte, da hotte er die laut betende Stimme seines- Vaters. Nun wagte er nicht zu stören, er wollte doch lieber warten, bis der Vater das Tischgebet beendet haben würde. Die lleine Glastür, welche in die Vorderstube führte, war mtt einem dunklen Kattunvorhangc bedeckt. Geräuschlos näherte sich - Max ihr; cs glütcke ihm, am Rande der Scheiben eine schmale Spalte zu erspähen, von wo aus er hineinlugen konnte. Die lleine Familie saß vollzählig um den.-viereckigen,, weiß gedeckten Tisch, den das Licht einer blankgeputzten Messinglampe und die ihr rechts, und links zur Seite stehenden, in zwei niedttgen, silbernen Leuchtern brennenden Kerzen mäßig erhellten. Die vier Mädchen saßen mit dem Rücken zur Tür gekehrt und neigten die Köpfe andächttg über ihre Bücher, von der jüngsten, deren Platz dem des Vaters am nächsten war, ward das Profil sichtbar; das Nesthäckchen, ein hübsches Kind von acht Jahren, knabberte noch an einem Stückchen Mazze, tvelchcs sie -vorher unter der nach dem eben vollendeten Nachtmahle bei Sette gestellten Sederschüsscl eittdeckt und dem Vater listig entwendet hatte. Der traditionelle Scherzwar sicher der einzige Versuch von Fröhlichkeit, der an dieser' Tafelrunde gewagt wurde, denn ein Blick auf die Hausfrau, die unglückliche Königin des Abends, genügte, um jedes Lächeln ,in eine Träne zu verkehren. Man hatte sich Frau Leas hartnäckig wiederholten Wunsch, an der Sederfeier des Pessachfestcs wie immer teilnehmen zu wollen, nicht zu widersetzen gewagt und die Kranke in einen großen Lehnstuhl getragen. Da- - rauf hatte sie verlangt, daß man sie festlich anziehc und ihr eine bessere Haube bringe, und obwohl sie während des Ankleidens einige Male bewußtlos geworden war, hielt sie sich jetzt doch am Abend aufrecht, mit jener starren. Energie, die diese starke Frauenseele bis zu ihrem letzten Atemzuge nicht zu verlassen wollen schien. Aber ihr Gesicht schimmerte, aschfarben unter 'den: starken, jetzt völlig weißein Haar und zeigte sich durch die Gewalt, mtt der sic den wütenden Schmerz beherrschte, unglaublich entstellt, ihre Lippen zitterten ruhelos die Worte nach, welche ihr Gatte mit wehmütiger Stimme herbetete. „Gepriesen seist Dü Ewiger, unser Gott, Herr des Alls, der Du die ganze Welt speisest mtt Deinem Gute, usit MiLe. Huld und Barmherzigkett, oer Du Unterhalt gibst jchem Geschöpf,: denn ewig wähtt Deine Nr. 39. Gnade, Du sättigst und stärkst alles, ivas da lebKDeim- Hand bereitet Nahrung-allen erschaffenen "We'sen."'- Dem Lauscher hinter der lleinen ^Glastür^ ward wunderlich zu Mute. Jhin dünkte, er 'HabÜiE-SDneres und Rührenderes gehört als diese klagende, gottrufeiide Stimme. Viel, sehr viel hätte er darum gebeu,-mögcil, jetzt dadttnuen sein zu dürfen, an oer Seite des guten, alten Mannes zu sitzen. Er fühlte das heftigste Heimweh, und er war doch daheim. Als er noch ein Knabe war, wie hatte sich Max immer auf diesen Tag gefreut. Wie gern hatte er dem Vater zugeschaut, wenn dieser aus wohlverschlossenem Schrein das weiße, seidene, silberdurchwirkte Gebetmäntelein herausnahm' und das prächtige Käppchen. : ' „Sich Max," hatte der Kantor dann lächelnd zu ihm gesagt, „heute abend bin ich ein König. Sieh', das ist mein Krönungsmantel, das meine Krone und Du mein Pttnz." — Und deutlich entsann er sich des Abends, da er, ein zehnjähriger Knabe, zum ersten Dkale am Sederabens ohne Stocken und in tadellos melodische»! Tonfall die berühmte Frage hersagen konnte: „Warum -ist diese Nacht unterschieden von allen anderen Nächten? In jeder anderen Nacht können wir sowohl Gesäuertes als Ungesäuertes essen und diese Nacht nur Ungesäuertes." Mit. welche»! Stolz hatte damals der Vater auf ihn geblickt! Mit welchem Jubel ihn ans Herz gezogen und dabei gerufen: „Mein geliebter Junge, — nicht, leben will ich, nur vegetieren und Dich sehen. Tausend Jahre sollst Du alt werden und Deine Kinder Dir gleiche Freude beretten wie Dü mir Es hatte sich gut erfüllt dieser Segenswunsch. Fortsetzung folgt.) Bunte Chronik. Die Juden in Siebenbürgen. Die jüdische Bevölkerung- 'jenseits des Königsteigs ist verhältnismäßig llein an Zahl. Laut "der .Volkszählung vom Jahre 1910 betrug die Seelenzahl der Juden in Siebenbürgen int Ganzen 64,074, was 2,4»> der Gesamtbevölkerung in diesem Teile Ungarns entspricht. Am wenigsten ist das jüdische Element in dem Gebiete zwischen der Theiß und der Maros vertreten. Durch den.meuchlerischen Ueberfall Rumäniens wurden 13 siebenbüxgische Komitate berührt. Die Bcvölkerungszahl bettägt hier im Ganzen 2,255,664, davon nach einer Meldung des „Egyenlöseg" 35,000 Juden oder l,4S«/o, welche jetzt gleichfalls Ihre alte Heimat verlassen mußten. In ganz Ungarn bettägt die Zahl der Juden 5'tyo der Gesamtbevölkerung. Der Friede und die Propheten. Im Brevier „Jntelligenzbl." veröffentlicht Dr. Emil Berger einen Artikel über „Die Verheißung des dauernden Fttedens durch die Pröpsten".. Er kommt zu folgende»! Schluß: „Was den -Zweiflern die wichtigsten Argumente nicht beweisen, das' kann und wird die Religion bewerkstelligen, wenn die Macht ihrer Lehren für die Lösung des höchsten Menschheitsproblems, des dauernden Fttedens, ansgeboten wird. Unter dem vielen, was in den Religionen gelehrt, geglaubt und ausgeübt wirb, sollte das . höchste Menschheitsproblem, der dauernde Fttede, nunmehr den Ehrenplatz erhalten. In den Schulen sollten die Lehrer die Jugend, vom Erbprinzen bis zum' Soyü des Tatzlöhners lehren, von der Kanzel sollte der Priester dem Volke vom Staatschef bis zum Arb etter herab predigen: „Die Werkzeuge des Krieges tverden umgearbeitet werden zu.Arbeitsgeräten .für den Ackerbau und für das Gewerbe, denn also steht es geschrieben in den heiligen Büchern der Propheten, aus daß erstehe der dauernde Fttede auf Erden, den Gott den Völkern verhieß durch seine. Propheten." Heilbäder in Palästina. In einem Aufsatz der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" macht Dr. A. Friedmann auf Hie berühmte» Thermalbäder Palästinas aufmerffam, die größtenteils in dem vulkanischen "Jordan-Gebiete liegen. Die hohe Temperatur dieser Bäder und ihre außergewöhnliche Lage — etwa 200 Meter unter dem Meeresspiegel — machten diese Bäder schpn jn der Zeit der Anttke bekannt und berühmt. Neben den Bädern von Tiberins genossen noch diejenigen von Gadära und El H'ammi, die im Winter so heiß bleiben wie iM Sommer, 'seit jeher hohen Ruhm und Bewunderung als Naturwunder. Ihre, unvergleichlich schöne Lage, die noch heute inmitten allgemeiner Zerstörung von einsttger Schönheit kündet, und die Hellttast ihrer Quellen Machten sie zü den ersten Badeplätzen der alten Welt, und - anchs heute noch .suchen namentlich die Eingeborenen aus allen Teilen'^des Landes durch! diese Quellen.Heilung und Hilfe. : Die wissenschaftliche Untersuchung dieser berühmten Thermen ist für die wirtschaftliche Erschließung des Landes vvn hoher Bedeutung. Es ergab sich,, daß die Temperaturen dieser palästinensischen Quellen 58.7, 61.5 und.61.9 Grad Celsius betragen. - Das Thermaltichsser entspricht -in seiner Zusammensetzung einer Lösung, die in einem Liter-321299 Gramm Salz enthält, wobei Chlor' und Natttnm, sowie Sulfat und Hhdrocarbonationen -vorherrschen. Der hohe Salzgehalt und die Radioaktivität der Quellen' : sind besonders : bedeutsam.- - - / - Je OP grr Mi Un R» Z» d. Dr Lo St Ne blc Sil (A (H Eh Io Hso' G. mi (R ha mi MI nc de cii dr n» 4 na 6 di« ö« sch MI (T 7 I