Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 37 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Schluß für Inserate Dienstag früh 9 Uhr. MettaI«nd7Jernsalem. Das arabische Problem ist irr letzter Zeit wieder besonders' aktuell geworden. Es steht von Kriegsbeginn auf der Tagesordnung der weltpolischen Aktualität, denn in ihm konzentriert sich einer der stärksten Gegensätze zwischen.England und der Gruppe der ZentralMchte, einer jener Gegensätze, die zum Ausbruch dieses -Krieges geführt haben. Daß 'England seit langer Zeit Aspirationen auf. Arabien, Mesepotamien und Palästina, also auf all die Gebiete, die zum größten Teil von Arabern bewohnt sind, hat, ist bekannt. Dauernd hat es in SÄdarabien gegen die türkische Regierung Jntriguen gestiftet und Aufstände aufrührerischer BedninenstäjMme veranlaßt; .in Mesepotamien ließ es durch verschiedene Expeditionen die wirtschaftlichen und kulturellen Zukunftsmöglichkeiten dieses Landes prüfen, und auf Palästina hält es seinen begehrlichen Blick gleichfalls schon lange gerichtet. Für jeden Kenner der englischen Politik ist das leitende Ziel all dieser Aspirationen und Bestrebungen klar: sie sollen England zur Verwirklichung seines großen weltpolitischen GÄunkens verhelfen, zur Schaffung des Landwegs nach Indien. Me Okkupation Aegyptens, die VergewaltigungPersiench die Umtriebe in Afghanistan, cs waren alles nur Etappen auf diesem Wege, dessen Ziel durch die Erwerbung Arabiens, Mefepotamiens und Südsyriens erreicht wäre. Nachdem nun der erste Schritt, den England in diesem Kriege zur Verwirklichung seines- Planes getan hat, die Proklamierung des Khediven von Aegypten zunr Sultan, ersvlglos geblieben war; nachdem die zweite große Unternehmung in dieser Richtung, die Expedition nach Bagdad, bei Kutel-Amara kläglich gescheitertwar, holte es vor einiger Zeit zum dritten Schlage aus und organisierte den Aufstand des Emirs von Mekka. Welche Bedeutung es diesem Aufstand beigelegt hat, geht aus der Haltung der englischen Presse hervor,^ die ihn mit einem wahren Jubelgefchrei begrüßte und ihn als die Besiegelung des Züsammenbrnchs der Türkdi, als den Anfang des endgültigen Abfalls aller Araber von der osmanischen Herrschaft er Karte. Die Enttäuschung ist aber rasch gefolgt. Mit kluger jEnergie oümete die türkis che Zentralregierung ihre Gegenmaßnahmen an, setzte den kreulosen Emir ab, ernannte einen neuen unv sandteihn mit starken militärischen Kräften nach Mekka. Die' Erfolge machen sich schonbemerkbar. Medina> das von inn Aufständischen bedroht war, ist vor jeder Gefahr fichergestellt, in mehreren Gefechten wurden die Truppendesabgesetzten Emirs geschlagen, und nichts zeugt deutlicher von der schwachen, haltlosen Position, in der er sich befindet, als die von ihm unternommenen Versuch, die Engländer zu verleugnen urÄ wieder die türkische Oberhoheit anzuerkennen Man darf sohoffen daßin Bälde der Aufstand restlos niedergeschlagen und so auch dieser' dritte' Versuch England, : die Araber zum Abfall von der Türkei zu bewegen, gescheitert sein wird: Es braucht kaum erst betont zu iverÄen', daß wir Juden all diesen Vorgängen ganxbesonderes Interesse entgegenbringen müssen nicht nur aus Empathie für die Türkei, sondern vom Gesichtspmrkt so mancher der heiligsten und bedeutsamsten Interessen unserer Gegenwart und noch mehr unserer Zukunft. In den Kreis der Gebiete, die England von der Türkei loslöjen will, um mit Hilfe der einheimischen arabischen Bevölkerung den Landweg nach Indien zu errichten, gehört auch Palästina. Und es bedarf nur der elementarsten politischen Einsicht, um zn erkemren, daß die englischen Pläne und Interessen M den unseren in striktem, scharfem Gegensatz stehen. England muß daran liegen, um diese Gebiete zu erwerben und sich zu sichern, die Araber gegen die Türkei anszuhetzen. und ihnen die Illusion eines großen arabischen Reiches, eines arabischen Khakifates vorzuzaubern. Durch die Auspeitschung von chauvenistischen fanatischen Leidenschaften innerhalb der arabischen Massen bewirkt es aber von selbst auch die Erweckung von Strömungen, die sich gegen die jjMsche Kolonisation in Palästina richten müssen. Verspricht England den Arabern das einheitliche arabische Reich, so kann es naturgemäß keine jüdische Enllav-e in Palästina dulden. Es ist daher kein Zufall, daß die arabischen Gruppen, die den englischen Lockungen willfähig waren, zugleich auch jenigen waren» die die jüdische Einwanderung nach Palästina aufs heftigste bekämpften, und nur mit Angst und Sorge mag man daran denken, was aus der jüdischen Kolonisation in einem von den Engländern „befteiten", rein arabffchen Palästina werden müßte. Unsere jüdischen Interessen gehen — man kann es nicht oft' genug wiederholen — nur mit jenem »der Türkei parallel. Die Türkei, die in ihrem Wesen ein Nationalitätenstaat ist, die für ihre Provinzen dringend neuer Einwanderer bedarf, kann und — wir vertrauen hier aus die Logik der Tatsachen : — wird die jüdische Kolonisation in Palästina nur! fördern. Damit soll jedoch keinesfalls das tür-; kische und jüdische Interesse irgendwie gegen das arabische ausgespielt unV'Jo etwas wie ein notwendiger Gegensatz der türkischen nnd jüdischen Politik - zur arabischen hergestellt werben. Vielmehr glaüben : wir, daß bei richtiger Betrachtung des Problems zwischen allen drei Jnteressenkomplexew innere Parallelität besteht, und daß die wahren Interessen der Araber ebenso sehr eiste strikte Ablehnung, der englischen Pläne, ihre unbedingte Treue zur Türkei erfordert, wie auch die Gutheißung der Müschen Bestrebungen in Palästina, von denen die arabische Bevölkerung des Landes bisher' nur Vorteil gehabt hat. Und die überwiegende Majorität der Araber wahrt denn auch der Türkei die Treue und will kei-iresfalls unter englischer Herrffchaft das Schicksal der Acgyptev und'Kader teilen. Bei diesen der Türkei treugesinnten,- an ihrem Astfschwnng interessierten Arabern hoffen wir auch in . Zukunft nur Sympathie' für unsere palästinensischen Hoffnungen zn finden. Aus all dies en Gründen müssen wir Juden die erfolgreiche Unterdrückung des Aufstandesdes Emirs pon' Mekka durch die Türkei mit besonderer Keude - begrüßen. Ein von der Türkei losgelöstes englisches Mekka wäre nur der erste Schritt auf dem Wege, auf dem auch das englische Jerusalem liegt. Und — es fei nochmals in aller Scharfe gesagt :— alle Hoffnungen, die sich für uns an Jernlenr knüpfen, haben nur Aussicht <ürf ErfMüug', wenn wie bisher politisch das türkische Jerusalem erhalten bleibt; nur dattst dürfen wiv hoffen, aus dieser Basis in Zukunft das neue' kuWurell» national und religiös jüdische Jerusalem erbauen zu können. - DaS Los der «ach Sibirien Verschicktem Wie „Jewwiskaja Njedjelja" berichtet, werde« die nach Sibirien verschickten Inden von Etappe näch Etappe befördert. Die ungeheure Strecke MnH zu Fuß zurückgelegt werden; nur Frauen und Kinder dürfen die Wägen benutzen Die meisten Gruppen haben Nur eine Soldatenwache ohne Offizier, nnd die armen Menschen sind den Rohheiten und Mißhandlungen der-Soldaten ausgesetz^. die es häufig sogar verhindern, daß gutherzige Menschen chnen Nahrungsmittel oder Geld geben Der Berichterstatter sah einen Inden, der vor Hunger so erschöpft war, daß er weder gehest noch reden konnte. Gibt es denn im ganzest ruffffchen Reiche keinen Menschen von Ansehen, der das Menschliche Herz hat, seine Stimme für diese Unglücklichen bei der Regierungzn erheben? Sve»-Hedw in Tel-Awi» u»d i» Aischs«. le-Zio». Jaffa, 15. August 1318. Der berühmte schwedische Schriftsteller Sveu-Hedin ist anläßlichseines Besuches Ser türkischen Fronten in Palästina erngekrvffen. Er besuchte Jaffa, hauptsächlich um hier die deutschen Kolonien Sarona, das jüdische Stadtviertel Tek-Awitv und die jüdische Kolonie Risch'on-le-Zion zu besichtigen.- In Gesellschaft von Dr. Thon und dein Vertreter der I. C. A., Bril, traf er am 18. August morgens ftüB in Tel-Mviw ein. Er besticht«- hier das Gemeindeamt, wo ihm Ser Bürgermeister von Tel-Äbviw, Disengoff, an Hand von Plänen nnd Abbildungen Aufklärungenüber die Entstehung und Entwicklung Tek-Awiws gab. Teb-AvulN mit seinen Gärtchen und teilweise schmucken Häuschen, seinem in orientalischem Stil gebauten Gymnasium machte einen sehr günstigen Eindruck ans den Gast. Gaugerührt war Svett-Hedin, als ihmder llebersetzer einiger seiner Schriften und Reisebeschreibungen aus dem Tibet, Srischevsky, Lehrer an 8er Jaffaer städtischen Mädchenschule, diese Uebersehimgen, die vor einigen Jahren in der Jugendsthrift „Hanwledet" erschienen waren. Aberreichte. Bon Tek-Awiw fuhr Sven^-Hebin noch' SaronN nnst von dort weiter nach Rrfchon-el-Zion. Unterwegs lieg er sich Von seinen Begleitern über das Land und die jüdische Kolonisation informieren. In Rischvn besichtigt er eingehend die Weinte llerewn mit allen ihren Einrichtungen und' gab \n warmen Worten seiner vollen Mer^ kenn'ung für die kulturellen Leistungen der Juden in Stabt nnd Land Ansdruck. Mts atker Mskt. re«scher«ekch. Frankfurt «. W. Unter den wichtigen W-chltätigkeits-- werken, die die Notllmedev Einwohner der heiligen Stadt erträglich gestalten, steht seit Jahren mit an erster Stelle die Augenklinik des Palästinensischen H-i'lfs v'ere-ins ,Pemaan Zi»n", deren Erwartung von Franksüri a. M. aus geleitet' wird: Im Juni schon hatte' der ' VoN Frankfurt entsandte Augensp^ialist 508' Konsultationen täglich didim Juli' bereits auf Ste Zahl von beinahe kaUseM Behandlungen gestiegen wlrren. - Me Augenklinik leistet auch in schweren Fällen durch operativen- Eingriff Beistand imd steht allen UwbeMitteMn offen. Juden, Moffvmedaner und Christen tragen ihr Wweres Leiden dorthin, hoffnungsvoll der Hilfe entgegensehend, die die ärztliche Kuvst im -Mnein mkk edler Menschenliebe ihnen darbietet. Besondere Bedeutung hat die AugenMnik dadurckt ' bekommen', daßs sie den deutschen nnd öflerreichischen KriegsnrinisterieN zur Unentgeltlichen Ausnahme eEantter Soldaten zur Verfügungsteht. Beide hohe Stellen' haben die Dienste der Klinik mit D«rnk angenommen